Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1893
- Issue
- 8 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M Ir. M. in SUgMtng. 3«» Unterhckltrmg miI Belehrung für die t-r«elitische A««Uie. ■ o»—t Beld uud Ehr«. Origtnal-Voman aal der VtgauMrt. (BrOTt1«»uB».) — Dt« Vorbildung bc* jüdisch«« Lrhrrrl Im Srmtuar i^hrrrr»H«r»,z.V»rtt»g Mr. H. Nt«ft Ir Penftadtglden». (Fortsrtzuug.) — S>» christlicher Prediger L'ch« Dodi singend. — RSItzsel» Ausgaben —.Rttbsel-Ldso»«». iU»bef»g«kr «uchdrmt IM lUfra BUttt tK uiirrsugt.) Oeld «»d Kstre. OrtgiuM-A«»«, IK der G«,r»»«n. Von Robert Brauer. Siebente» Kapitel. Andauernd prächtige, ungetrübte Witterung die Ausflüge de» Baron» mit seiner Tochter in die Umgebung de» Landaufenthalte», auf welchen sie sttt» von ihrem Nachbar» begleitet wurden. der alle schönen Bergpartien aut kannte und den kundigen Führer abgab. lyn Reiz der Neuheit veranlaß« dm Baron immer neue Partie» vorzu» schlagen, um die ganze Gegend vollkommen kennen zu lernen, die er gar bald schr lieb gewann. Emst von Wahle war bald zum Hautfrmnd und täglichen Besucher auf der Billa .Melanie" geworden, wa» der Baron auch gerne sah. Melanie war glücklich, in dieser Einsamkeit einen intelligentm Umgang zu habm, bezüglich dessen sie durch den Unterricht Geld«'» sehr wählerisch geworden war. Her, von Wahle besaß ein« umfasiende allgemeine Bildung allein diese war meist plastischer Natur und entbehrte de» Jdeilismu» ihre» Lehrer» Geld«. Wissenschaftliche, klassische Fingen, welche Geld« mit so alühendem Eifer »u verfechten wusste, berühr en den phlegmatischen v. Wahle absolut nicht, der sich nur für Technik iateresstrte, Melanie war jedoch auch in dieser Wissenschaft sehr heimische wa» die Ueberraschung auf dem Antlitze von Wahle'», so oft diese» Thema angestjtagen wurde, deutlich verrieth. Nichtsdestoweniger betrachte« l,i« Baronefle ihn als einen Mann von Originalität und bedeckendem technischen Wissen, da ja sein« Erfindung ein dmllicher Beweis seine« Kchnien« war. Aber je gründlicher sie Gelegenheit batte ihn kennen zu lernen, desto größer scheu ih: der Eontrast farischen ihm und de« Schützling ihre» Bater». War schon d« Erscheinung Velde'» bestöchendrr, al« die ihre» Gesellschafter». so konnte sie es bei ihrer konservativ:» Auffassung nur langsam begreifen, daß dieser bürgerlich.», bescheidene Jüngling der ferne Grüße der Güte ihre» Brter« zu verdanken hatte, doch dem von der Geburt Bevorzug«« in allm versvnlichen Eigenschaften überlegen war. Ein seltsame» Gefühl der Sehnsucht nach dem Manne, der ihr durch sein eigene» Ich so sehr imponir«. erfüllte ihr liemüth, ohne daß sie» e» sich selbst einzustehen wag«. SU mit ihrem energischen, herrschsüchtiaen Temperament fal; sich durch männliche Ruhe und Geistesgröße überwunden Wag« sie es doch n« bei einer Behauptung Geld«'» len geringsten Zweifel in sich auftommen zu taffen, oder c.uch nur die «indes« Entgegnung vorzu bringen. Bei chrem jetzigen Um- K dünkte sie sich stolg denn oft hatte sie Gelegenheit Nachbarn da» Gegentheil seiner Behauptungen zu beweisen. Der Baron dagegen war von dem ra chen Erfinder entzückt und ließ ihm ein« auffallend« Aust« erksamkeit zu Theil zu werden. Ein Plan war im Geiste M« alte» Herrn Durchführung ihm nicht so sthwer rychien. . ' Geist. Namen und Reichthum, alle diese Faktoren waren bei der Wahl einer paffenden Verbindung mit seiner Tochter unbedingt erforderlich und hier boten sie sich dem speculirenden, fürsorglichen Bater in sel«ner Bereinigung Wenn auch blo» da» Wörtchen .von" dem Namen seine» Eidamideals Vorstand, so glich die» doch wieder der materielle Wohlstand desselben au». Dieser Gedanke beseel« ihn auch jetzt, da er sein« Toch«r au der Seite Ernst von Wahle'» in den Salon eintre«n sah, wo ec bereit« ihrer harrte. Melanie setzte sich an den Bvsendorfer Flügel, um auch wieder der Musik ein wenig Aufmerksamkeit zuzumenden, die sie in letzter Zeit so gänzlich vernachlässigt hatte. Herr von Wahle nahm au der Sei« des Baron» Platz und rauch« mit demselben um die Wette, während dem Jnsttumen« herrliche Tonstücke ents«üm«n, welche ein jede» für Musik eingenommene Gemüch mit unendlichem Genüsse empfunden hätte. Aber die noch so gefühlvoll von den niedlichen Fingern der Baronesse kervorgezauberten Klänge machten aus den phlegmatischen Praktiker nicht den grrings«» Eindruck. Erst al» die Töne verklungen waren, wendete er sich Melanie zu, um ihr mit einigen Alltagsphrasen und Kornplimenttn für den wunderbaren Borttag zu dank». Ohne darauf zu antworten, begann Melanie wieder ihre Finger über die Tas«n gleiten zu lassen und da» uns bekannte Lied: .De» Glvcklrin» Abendläuten" ertönte in seinen klagenden Weisen. Thränen strömen auf ihre rosigen Wangen hernieder und vergeben» suchte s« nach einer Seele, die mit ihr fühl«, nach einer Person, der diese» Lied bi« in'» Herz drang. Ein Seufzer entfloh ihren Lippen, während sie, von den beiden Zuhörern nicht beachtet, die Tbränen au» ihren Augen wischte. Jetzt fühl« sie den stervenden Blick der Mutter auf sich gerichtet, die allein diese» Lied bi» in den Tod geliebt. Doch auch ein« andere Gestalt tauch« vor ihrem Geistesspiegel auf, e» war Earl Geld«, der in seiner stolzen Mannesschönheit vor ihr erschien, verlegen die Thränen der Rührung au« seinen schönen »lugen wischend. Unwillkürlich wand« sie sich Herrn von Kahle zu, dessen graue» Auge auf sie gehefttt war, kalt und finster blick« diese» große Augenpaar. Sichtlich aufachmend ließ er die Töne verklingen, um seine musikalische Ignoranz nicht länger verdecken zu müssen. .Ich glaube, daß e« jetzt an der Zeit wäre, sortzufah«n," sagte der Baron aussteheud. .wenn wir noch Ijeute von Z. zurücktehren wollen." Fast gleichzeitig erhoben sich die beiden Angeredeten und vervollständig«» ihre Toilci«, woraus sie dem Baron nach dem Parke folg«», vor Vesten Thor« eia Landauer bt? reit» ihrer harrte. Rasch nahm die Gesellschaft in demselben latz und die prächtige» Vollblutpferd« rasten üb« oie Laadttaße dahin. In kaum zwei Stunden erreuhten sie wo m «eg»» Leden cherHchtt^ad eine in festliche Geqii^ f fn