Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1893
- Issue
- 6 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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V Hen>n»g«»«ten von Dr. M. Rotz««» in ftagteonr». •y Z«r Unterhalt««^ mtb Belehrung für die israelitische Fa«ilie. Geld und Ehre. Originnl-Aoman au» der Segenwart. (Forlsetzunnt — Die Vorbildung de» jüdischen Lehrer» “ " tu Neuftadtgöden». — Wie Mosenthal vttlklltl Lehrrrronferenz-BoNrag von H, Ae uh Aufgabe und RSthsel-LSsung«,. llludefugter »«»druck an» diese« Blatte ist unterst»».) im Seminar Doctor wurde. — Ein neuer Erlöser. — Rithsel. Keld und Ehre. Lrißinal'A»»«» an« der Gegen«ar«. 6) Bon AobeN Srauer.*) 6. Eapitel. Jetzt kam auch für Gelbe die Zeit der Ernte, indem dir erste Maschine ftrtiggestellt war und allen an sie gestellten Erwartungen nicht nur entsprach, sondern dieselben sogar übertraf. Der Einfluß des BaronS verschaffte dem unbekannten Erfinder Zutritt zu den Journalisten der größten Blütter, die sich nun in seitenlangen Berichten über das neu ausgehende Meteor am Himmelszelte der modernen Technik »schöpften. Bon allen Seiten wurde er ausgesucht, seine Biographie ausgenommen und sein Bild der staunenden Welt gezeigt. Ironisch lächelnd hielt Seide einen solchen Bericht in den Händen und warf ihn verächtlich bei Seite. »Jetzt erkennet Ihr mich an, nachde m mir das Seid die Pforte zum Ruhm erüffnet, wie trügerisch ist doch daS, wa» man öffentliche Meinung nennt!" Jeder Tag brachte ihm neue Erfolge, immer größer und S'ßer wurde sein Ruf. der weit über die Grenzen des Bater» des drang. Mit Millionen suchte man die einzelnen Patente zu annrctirrn, und eine Gesellschaft gründete sich zur Berwerthung seines SeisteSproducteS. Eo schnell sich auch dieser Umschwung in den Verhältnissen Earl Gelde'S vollzogen, so unverändert blieb sein Charakter. Eia treuer Sohn und Bruder nahm er die Seinen zu sich, um mit ihnen zusammen di« Freuden seines Glückes zu genießen. Welch ein freudige- Wiedersehen nach sturmbewegten Tagen, welch' unendliche Freude für die Angehöngen, deren Name» nun berühmt und hochgeachtet vor aller Welt dastand.' Auch der Baron war beglückt und gerettet^ da Geld« sein Wort ehrenhaft einhielt und seinem Wohlthäter den halben Gewinnstantheil überließ. Trotz seine- Wohlständeunterrichtete der Erfinder die Baroneffe weiter, welche nun den wahren Adel seiner Gesinnung anerkennend von unbegrenzter Hochachtung für den hochherzigen Jüngling erfüllt war. So war der Zukunfstraum Carl Gelde'S in Erfüllung gegangen, ein glücklicher Zufall hatte die bereitzerstörten Hoffnungen der Berwirknchung entgegengeführt und zwei Menschen, deren LooS so ähnlich gewesen, vor deni sichern Tode bewahrt. Geld« hatte bereitdie vorschriftsmäßigen Prüfungen am Politechnikum mit Auszeichnung abfolvirt und den JngenirurSgrad rrcht-gUtig erlangt Mit rastloser Energie war er in seiner Fabrik thätig, welche im Zeitraum eine- JabreS eine coloffale AuSdehnuug erlangte. Taufende von Arbeitern erwarben ihren Lebensunterhalt in seinem Etablissement. Er erwarb sich auch den Namen «inegroßen WohlthäftrS der Nothleidenden, deren Elend zu lindern besonder« ftinr Mutter al« Lebensaufgabe betrachtete. Unzähligen un¬ *) Anchdru« MtMch. ll«berfttzung»«tn vorbr hatte». glücklichen Menschenkindern wurde durch seine Hilft die ersehnte Rettung zu Theil. In der Fabrik selbst beanspruchte er dft größte Pünktlichkeit und Arbeitsamkeit, war aber für jeden einzelnen, selbst den griingsten derArbeiter zugänglich und wußte di« Leistungen derselben vorurtheilSftei zu prüftn, anzuerkennen und entsprechend zu belohnen. Nach dem amerikanischen System hatteer die älteren und tüchtigen Arbeiter mit Prozenten am Gewinne belheiligt und so in loyaler Weise ihre Arbeitslust vermehrt, ihren Schaffenstrieb angrfeuert. ES darf sonach gar nicht Wunder nehmen, wenn Gelbe beim Bolke beliebt war und von diesem als Bertteter in da- Parlament entsendet wurde, wo er trotz seiner Jugend sich bald durch treue Brrftchtung des sozialen Volk.«gedankenpopulär machte. So »var denn dir Prophezeiung seines ehemaligen Freunde« Ernst von Wahle in Erfüllung gegangen, er genoß dft Huldigung der Welt. Freilich mußte er sich sagen, daß er sein ganze« Glück und seine hohe Stellung, die Huldigung und Anerkennung meist doch nur seinem Vermögen, fernem Gelbe verdankte, welche ihm eine so glanzende Laufbahn eröffnet hatte. Jeden Tag verkehrte er mit der jungen Baronesse, welche, wie er sich bald einzugesfthen gezwungen war, einen ungeahnten, nie empfundenen Reiz auf ihn au»üb'.e. Erst nach längerem Erwägen hatft er den Beweggrund erkannt, der ihm bei einem Lächeln Melanie'- zum glücklichsten Menschen machte, welche mit so hingebungsvollem Eifer ihn veranlaßt«, sie vollständig auszubilden. Sein« Schwester Erna war im Laufe derZeit die einzige und intimste Freundin der Baronesse geworden. In schu«sterlicher Liebe hingen diese beiden lieben Personen aneinander trotz ihrer entgegengesetzten Characteure, Melanie, dft stolze selbstbewußte Arfftokratin, und Erna, da« einfache bescheidene BürgerS» mädchen, welches trotz ber Umgestaltung ihrer materftlle» Verhältnisse sich in ihrem herzlichen Wesen nicht veränderft. Nicht der geringste Zug von Neid oder Hochmuth beherrschte ihr von ehrfurchtsvoller -indcSliebe gegen die Mutter und idealer Verehrung für den genialen Bruder erfülltes Gemüth. So war der Sommer inS Land gekommen und d«« Natur übte mit ihren alten ewig jungen Reizen eine mächtige Anzfthungskraft auf die Menschen auS. ES zog dft Bemittelftn auS den staubigen Straßen der Hauptstadt in dft Residenz degrößten Reichs, in dft Natur; hinaus auf dft weite Flur, welche ihr festlich grüne« Gewand angelegt halft, hinaus iu den herrlichen Wald, in die von balsamischen Düsten ersüllft Waldluft, um sich zu erquicken. Auch Baron Hollwitz hatte einen herrlichen Lanl>aufeathalt sich errichtet; in einem schön gelegenen Thal«, umgeben von hohen Bergen, hatte er in der Schweiz sich eine Billa »baue» lassen. Run wollft tr dieselbe zum ersten Male un fertigen Zustande besuchen und durch rm Fest eiaweiht n. Schon früh» hatft » den Platz besichtigt, mit einem Hanmeister