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Jüdisches Familienblatt · 1893-01-01 · 5 (1893) · p. Seite 20

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1893
Issue
5 (1893)
Date
1893-01-01
Page
Seite 20 (sequence 4)
Language
German
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alle Bande zerrissen, die ein guter Lehrer in Jahre« geknüpft hat. Die Erziehung in der Schule ist nur ein Nothdehelf, ein unzureichender Ersatz für die Erziedung im elterlichen Hause. Wenn der Lehrer nicht Verhältnisse besiegen kann, die außer seinem Machtbereiche liegen, so muß er sich doch ftagen, ob er alles gethan habe, was nach Möglichkett und Pflicht Ausgabe der jüdischen Religionsschule ist. Nun, daß ich es nur gleich sage, die Religionsschule Hot ihre Aufgabe nicht ganz erfüllt, sie trägt einen Theil rer Schuld an den inneren jüdischen Zuständen. Wir Lehrer haben die Fragen und Forderungen unserer Zeit nicht gehört und nicht ver. standen. Wir haben uns nicht in den Dienst der Gegenwart gestellt, sondern sind noch Söldner der Cheder-Aera. Wir haben de religiöse Bildung der Juden der jetzigen Zeit von einem falschen (Gesichtspunkte aus betrachtet, weil wir im Allgemeinen glaubten, ein Jude, der hebräisch lesen, hebräisch übersetzen, jüdisch schreiben und einige Glaubens- und Sittenlehrcn hersagrn kann, habe nun Religionsunterricht genosscn und sei ein würdiges Glied unseres Glanbens. Lesen und Uebersetzen ist uns Inhalt und Grdächtnißwerk — Ueberzeugung. Sind das aber die Waffen im Kampf der Geister und Sitten vor den Thoren der Oeffentlichkeit? Ich würde mich versündigen gegen viele Berufsgenosscn, die. von ihrem Gewissen und von ihrem Verstände getrieben und geleitet, den Weg vom Jrrthum zur Wahrheit gereist sind und mit gutem Grunde als treue Diener ihres Amtes sich bezeichnen dürfen, wenn ich nicht viele Ausnahmen zugeben wollte. Aber es hat ihnen Mühe und Schweiß genug gekostet. Sie haben durch Selbstdenken, Selbstunterricht erreicht, was ihnen als 'Reisezehrung von der Pflanzstätte ihrer beruflichen Ausbildung hätte mitgegeben sein tollen. Hunderte verharren aber in dem Wege, den sie als Anfänger betreten haben, und das kann der rechte nicht sein. Denn der angehende Lehrer hat in seiner methodischen und wissenschaftlichen Ausbildung große Lücken. Es wird darum auch in der Schule nickt in der rechten Weife und nicht genug gelehrt und gelernt. Eine Loyatilätserkkäruug der Auden aus alter Zeit. Die Vorgänge in der jüdischen Gemeinde zu Berlin rufen die Erinnerung an einen denkwürdigen Vorgang im alten Rom wach, über den im dritten Bande von Rankes .Weltgeschichte" berichtet wird. Als der junge Cajus auS dem Geschlecht«: der Claudier an die Spitze der Weltherrschaft berufen wurde, forderte dieser, der bekanntlich bemüht war, Rom durch kostspielige Denkmale und herrliche Bauten zu schmücken, daß man seiner Person göttliche Ehren erweise. Dieser Jdentistzirung der Gottheit mit dem Herrscher widersrtzten sich die Juden in Aegypten, woraus sie viel Ungemach zu erdulden hatten. Die Juden beschlossen endlich, die Intervention des Kaisers selber anzurusen. Eine Gesandtschaft von fünf Mitgliedern, zu welchen der geistvolle und gelehrte Philo gehörte, dem wir auch die Nachricht davon verdanken, wurde von Alexandria nach Rom geschickt, um den neuen Kaiser zu einer Abhilfe zu vermögen. Eine der sonderbarsten Audienzen, die jemals vorgckommen sind, ist wohl die, welche die jüdische Gesandschaft bei Cajus erhielt. Er war mit Baulichkeiten in dcn kaiserlichen Gärten beschäftigt und ging von einem Haus zum andern, treppaus, treppab, als die Inden vor ihm erschienen. ,Sie verneigten sich demuthsvoll bis aus den Boden. .Ihr seid die", sagte Cajus, .welche ihren Gott selber nicht zu nennen missen und auch keinen andern neben ihm verehren wollen." Er war über die Streitigkeiten in Alexandrien ziemlich unterrichtet und wollte den Juden nicht zugrben, daß ihnen dort Gleichberechtigung mit den übrige» Einwohnern zugestandeu worden sei. Die Juden führten ihm zu Gemüthe, daß sie doch auch bei seiner Thronbesteigung, seiner Genesung Dankopftr auf ihren Altären dargebracht hätten. .Aber mir", versetzte Cajus, .habt ihr nicht geopfert." Dabei fuhr er in seinen Besichtigungen immer fort; die Juden, die ihm folgten, wurden verspottet. EajuS erklärte endlich, er halte sie nicht für boshaft, aber für verkehrt und —dumm Was er aber auch über sie denken mochte, so war doch die Gesandtschaft vergeblich. (Bergl. Grätz, Gesch. d. Juden, Bd. III. 1.364.), Simsous Fod. Sairenspiel, Drommetenschallen, Freudensang und muntrer Reigen Tönt durch die mit grünen Zweigen Schön verzierten Tempelhallen. .Pieift den Bott, im Feterkleide" Tönt ei tausendstimmig wieder »Singt dem Dagon near Lieder, Der von Simsoa un» befreite. Daß ich unbezunnglich wäre. Weil seit meinen frühsten Jahren Rie ein Stahl genaht den Haaren — Und dir Falsche nahm die Scheere, Schnitt im Schlaf die Lockenkrone Ab, di« mich zum Helden machte, Bi« in Feffeln ich erwacht« Der Philisterschaar zum Hohne!" Der der wilde» Krieger« Leben, Dessen Schwert un« lange schreckte, UnS mit Schmach und Blut bedeckte. Unsrer Rach« preisgegeben! Bringt zum Tempel unsre« Botte«, Simson, den gefangneu Riesen, Daß wir den Triumph genießen. Daß er Ziel sei unsre« Spotte«!" Simson kann'« im Kerker höre» Die« Frohlocken feiger Seelen. Au« den leeren Augenhöhlen Rinnnen langsam blui'g« Zähren. Also seinem Mund entquollen Drohend nochBerzweiftung«wor»e; Sieh, da öffnet man die Pforte, Zerrt ihn in die Tempelhallen. Fluch und Drohung ihm entgegen Tausend« von Stimmen dröhnen. Unter den Philistersöhnen Steht er, ohne sich zu regen. Ruhig bei dem wilden Höhnen, Spricht er zu demFühier: .Knabe, Daß ich eine Stühe Hab«, Laß mich an die Pfeiler lehnen." .Wie sie jubeln, wie sie toben" Rust er grimmig »diese Knaben, Daß sie mich gefangen habe»; Wie sie ihren Götzen loben! Jubelt nur! Du ch List beendet Ist mein Leben, reich an Thaten. O, mich hat «in Weib verrathen, Bin in Ketten und geblendet! Bin'«, we>l ich geliebt mich dachte, Auf Delila'« Treue baute Und der Heuchlerin vertraute, Wa« so riesenpark mich machte; Freiberg i. S. Ein Bebet di« Lippen sprechen: »Äieb di« alt« Kraft mir wieder, Bott, o stärke «eine Glieder, Mich an diesem Bolk zu rächen!" Und er saßt die Pfeiler beide — Ihn durch,ucken Riesenkräfte — Drückt an sich die mächt'gea Schäfte Und e« wanket das Gebäude! Unter Angstschrei und Gewimmer Rust er: »Meine Seele sterbe, Da ich die,e« Boll ve.derbe!" — Und der Tempel stürzt in Trümmer. Alphoase Levy. Riithsel»Aufgaben I. Keltisches Komposttionsrät-sel. Bo» B. i» R. Wa« den Säugling »ährt und Rann, Zeigt da« eine Won Dir an; sucht man auch da« andre nun, Muß am Fuße man e« «hun. Wer Beider Zeichen klug oerbindet. Mit leichter Müh' ein Wort bald findet, Da« Kunke gibt von Gotte« Größe Und de« Egypterkönig« Blöße. II. Aeöräisches Meuderät-sel. Bon C. in R. Sieht die Wand man rückwärts an, Nicht« al« Tand erblickt man dann. Auflösung der Mthsel in voriger Aummer. I. Preis, «ei», <H«, As Oft«), s. II. yrilMf (Frosch), ID (Stier), "ne (M-ulthier). 1OU (Vogel), ZN'(Wissen). «erantwortl. Redakteur Lr. «ahmer, Magdeburg. Druck von «endtx »Huhn (früher D. L. «olff). Magdeburg. «erlag: Rob Friese. Leipzig.

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