Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1893
- Issue
- 5 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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(mtiHtflrtni ocn Dr. «. IUItm<r in Magdebnrg. Zur Unterhaltung ttt£ Belehrung für die israelitische Familie. ■ f, Geld und Ehre. Original-Roman au* der Gegenwart. (Fortsetzung.)— Die Vorbildung de* jüdisch.'» Lebrer* in Srminrr -llllllllll Lehrerconferenj-Bortraa von H. Reutz in Reuftadtgöden». — GIne Loyalität-erilürung der Juden au< alter Zeit. — simsont v ' Tod. Gedicht »on Alphonse Levy. — Rittsel-Ausgaben und Räthsel-Lösungen. (vudekurter Racktzr»« an* diele» Blatte tft mtterlagt.) chrld und Khre. critzinai-R,»« an« »er «egntwan. bj Bon Roben Grauer. 5. Capitel. Es war bereit- 9 Uhr Morgens, als Gelbe au« seinem erquickenden Schlaf erwachte. Ueberrascht von drr späten Stunde hielt er es kaum für möglich, so lange ohne geistige Beschäftigung gewesen zu sein. Er kleidete sich rasch in seine bereit« getrockneten und geputzten Kleider, denn seine Ungeduld, da« ersehnte Ziel zn erreichen, erregte ihn ungemein. Durch den Glockeozug rief er den Diener herbei und lieb sich beim Baron unverzüglich anmelden. Johann erschien alsbald und führte ihn nach dem Arbeitszimmer des Hausherrn. Als der Baron, der sich bereit« in tadelloser Toilette bcsano, des jungen Manne« ansichtig wurde, redete er ihn mit den Worten an: »Lieber Freund, ich habe Sie schon sehnsüchtig erwartet, da ich erst durch Ihren Anblick mich versichern wollte, nicht geträumt zu haben. Wir wollen aber unverzüglich das Nöthige besprechen, was zur Patrutirung und Erploitirung erforderlich ist." »Herr Baron," enlgegnete Geld«,, »entschuldigen Sie gütigst mein spätes Erscheinen, aber ich Hab: in Ihrem gastlichen Hause köstlich geschlafen; will Ihnen ebenfalls gestehen, daß ich auch nicht einen Moment zögern will, die nöthigen Schritte bei einem Patentbureau zu thun, da ich die Maschine zunächst in den bedeutendsten Staaten der Welt zu sichern und hieraus das Modell Herstellen zu lassen beabsichtige. Wenn Sie vaher die Güte hätten, mir die nöthige Summe von dreihundert Gulden anzuvertraueir» welche ich Ihnen bestätigen will . . . Der junge Mann konnte nicht ausreden, da ihn der Baron mit abwehrender Handbewegung daran hinderte. »Ich vertraue Ihnen, Herr Gelbe," sagte er entschieden und, in eine Lade de« Schreibtisches greifen», zählte er dem Erfinder die Summe zu. Geld« suchte wiederholt den Baron zu bestimaltn, eine Bestätigung anzunehmen und ein schriftliches Uebereinkommcn betreff« des halben Gewinnantheile« zu treffen, wa« aber dieser wieder mit den Worten: »Ihre Zusage genügt mir" rundweg ablehnte. Nachdem Earl Geld« gefrühstückt hatte, verabschiedete er sich dankend von Baron Hollwitz, welcher ihn einlud, ihui am Abend bestimmt das Vergnügen seiner Gegenwart zu schenken. Mit freudig geschwelltem Gemüth ellte Geld« nun demselben Institute zu, welches er vor einigen Monaten so deprimirt verlaffen, um sein Geistesproduct patentiren zu lassen. Der Inhaber «ahm mit sichtlichem Interesse die Erklärung de« Erfinder« entgegen und gratultrte ihn herzlichst zu xm nun unzweifelhaften Erfolg. »Ihre Idee," sagte der Anwalt, »wird epochemachend sein und Ihnen Millionen und einen großen Ruf sichern, denn Sie haben eines der größten technischen Probleme gelüst"'. Beinah« die ganze Summe für die Patenttaxen zahlend, entfernte er sich glückstrahlend von dem Bureau, um bei einem Maschinensabrikanten das Modell zu bestellen. In diesem freudigen Eifer hatte er ganz seiner Mieths« leute vergessen, die wegen seines Ausbleibens sehr besorgt sein mußten. Er eilte daher sofort in seine Wohnung, um durch seine Ankunft die Besorgnisse der braven Leute zu zerstreuen. Dort angelangt, sah er sich in seiner Voraussetzung nicht getäuscht! da Herr Benedikt bereit« beunruhigt bei der Polizei nach ihm Nachfrage gehalten hatte. Sein Ausbleiben mit einer wissenschaftlichen Eonferenz in Gesellschaft einiger Eollegen motivirend, nahm er den für ihn angelangten Brief entgegen, doch wie versteinert blieb er stehen, als er auf das Couvert blickte und die Schriftzüge Ernst von Wahle's erkannte. Mit Ungestüm öffnete er dasselbe, um sich von der vollen Wahrheit zu überzeugen. Der Brief war von London datirt und in demselben bat Ernst von Wahle seinen ehemaligen Freund vielmals un> Entschuldigung für dir schändliche Handlungsweise, die er au ihm begangen, wofür er ihm als Ersatz die Hälfte deS erzielten Gewinnes, welcher in einer großen Summe angegeben war. anbot. Geringschätzig warf Gelbe das Schreiben auf den Boden und trat es mit den Füßen mit den Worten: „Ha. mit Geld willst Du das Schandmal tilgen und meine Freundschaft wieder erringen, doch niemals. Verachtung ist die beste Strafe für Dein elendes Vergehen." Bo» gerechtem Zorn erfüllt, griff er nach seiner Feder und theilte dem Diebe seiner Erfindung mit, daß er sein Anerbieten abweise und sich jede Annäherung seinerseits auf« Energischste verbitte. Stunde auf Stunde verflog, bi« Gelbe durch die einbrechend« Dämmerung au« seinen Studien aufgeweckt wurde. Jetzt erinnerte er sich, daß ihn der Baron zum Souper erwarte und besichtigte mit raschem Blick seine Toilette; ein seltsame« Bewußtsein erfüllte ihn, indem er seine Kleidung einem Vergleich« mit der Gesellschaft unterzog, in welche drr glückliche Zufall ihn eingeführt. Nachdem er da» Haar auf der hohen Denkeritirne in Ordnung gebracht hatte, eilte er dem Bestimmungsort entgegen. In einer Viertelstunde hatte er das Hau« erreicht und stieg die ihm schon bekannte Treppe empor, als ihm Johann entgegenkam und ihn in den großen Salon geleitete. Eine Weile blieb Gelbe verlegen stehen, denn er hatte neben dem Baron aus einem Fauteull sitzend eine jugendliche Mädchengestalt erblickt. Doch der Baron half ihm bald über diese Verlegenheit hinweg, in)em er, ihn herzlich willkommen heißend, die junge Dame als seine Tochter »Melanie" vorstellte. Der junge Mann wagt« es kaum sein Auge aufznschlagen, denn er befürchtete, de« Blicke der jungen II