Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1893
- Issue
- 4 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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8^ HernnSge-eben von Vr. M. Rah««» ln vkazdedurg. Zur Unterhaltung und Belehrung für die t-raelitifche Familie —. ... A»ld und Ehre. Ortginil-Romaa »u« der <Aea«i»«art. (Fortsetzung.) — Dl»Juden. von William L. R oberttz tnRe»-Vvrk. — »tzlulllil! Offiziell« Mltthellungrn über die Orden v'nai B ritz ln Deutschlend. (Fortsetzung.) — Dl, Jude» und do4 französischeDheater. — Rothfchild'tz GrschSfttz-Maximen. -> Ein kleiner Philosoph. — Rätdsel-Ansgaben und RLthsel-LLsungen. lllutzefngtrr «achtzruck IM »lese» einttt tft unters«,t.) Keld und Kyre. Oritziual-R«»« «,« »er i»e,ru»n«. 4s von Roter« Grauer. 4. Tapitel. B Bon den Befühlen vollständigster Verlassenheit durchdrungen. spürte Gelde wedrr dir kühle Abendluft. noch suchte er überhaupt nach einem bestimmten Ziele. Planlo« irrte er umher. Da dringt dat> Rauschen de» Donaustrom«» an ,srin Ohr und erweckt ihn au» seinen trostlosen Beirach» 'Uingen. Traurig blickt er von der gänzlich vereinsamten Krücke auf den durch Regengüsse hoch anarschwollenen Fluß, und ein kalter Schauer durchdebt seinen Körper. .Hier soll ich enden", murmelt er leise, .hier meine stolzen Hoffnungen und die nieiner Lieben begraben, schreckliche» Lo»! O Vater, verzeihe Deinem unglücklichen Lohne, der, durch da» so grausame Schicksal gedrängt, .seinen Eid brechen muß, und den Tod au» grenzenloser Verzweiflung aufsucht. O Mutter, vergieb mir, der ich unverschuldet Dein Herz gebrockirn und die Schwester in zarter Jugend geknickt. Rur der Bedanke an Luch macht mich zagen, sonst verlasse ich gern diese elende Welt, aus der die GlückSgüter so un> gerecht vertheilt find." Da ertönt plötzlich von der andere» Seite der Brücke ein markerschütternder Schrei, er blickt um sich und sieht, wie eben rin Mann den Tode«sprung in die Wellen macht. Dahin waren alle Bedanken seine» gemarterten Geiste», nur ein Gedanke beseelt ihn, da« Pflichtgefühl, ein Menschenleben dem Tode zu entreißen. Blitzschnell wirft er Lut und Rock' ab, um deni mit den Wellen Ringenden zu Hilfe zu eilen. Ein Sprung von dem Brückengeländer und er schwimmt mit Todesverachtung gegen die brausende Fluth. Mit übermenschlicher Kraft ringt er mit dem Ertrinkenden, der ihn mit sich in den dunklen Schlund zu zerren sucht. Doch mit Riesengewalt "ersaßt er ihn am Schopfe und sucht, mit den Füßen und einer Hand schwimmend, da» Ufer zu erreichen. Auf und »ieder geht e» mit dem erschöpften ' Jüngling, der jeden Augenblick mit der schweren Last de« Ohnmächtigen zu verfinken droht. Endlich fühlt er die seichten Stellen de» überschwemmten Lande» unter sich und er sucht mit dem Aufgebot kt gesammten physischen Kraft sich emporzuheben. ' Am ganzen Körper zitternd trügt er den beinahe völlig Leblosen dem sicheren Land« zu, die größtmöglichste Ge» schwindigkeit anwendend, um nicht vergeblich den Sieg über da» Element errungen zu haben. Run hat er den feuchten Rasen erreicht und entledigt sich schwerathmend seiner Bürde. Ohne sich die geringste Zeit zur Erholung zu lassen, «endet er sich dem Ohnmächtigen zu und bemüht sich durch Ritteln und Reiben da» schwach« Leben zu entfachen. Da «ndlich öffnet der Gerettete langsam die Augen und ein Stöhnen entrurgt sich seinem Innern. „8a| mich sterben, laß mich sterben, ich will nicht leben auf dieser Welt, Melanie, mein Theuerste, verzeihe Deinem unglücklichen Vater." Diese Worte mit schwacher Stimme auSrusend. sucht er sich mit Anstrengung aller Kräfte dem ihn fest umschlin« genden Jüngling zu entreißen. Die Kräfte de» Ringenden unterliegen («doch den« herculischen Lebensretter, der ihn mit starkem Arm niederhält nnd am Aufstehrn hindert. „Beruhigen Sic sich," spricht er ihn mitleidsvoll an, „und fügen Sie sich in Ihre Lage, denn nicht früher lasse ich Sie fort, al» bi« Sie mir den Grund Ihre» verzweiflungsvollen Schritte» mitgetheilt. Verzeihen Sie mir dies« Frage, zu der ich mich berechtigt glaube, denn auch ich habe hier den Tod suchen wollen, uud statt dessen mußte ich Sie an der Ausführung Ihre» gleiche» Vorhaben» verhindern." Einen mitleidsvollen Blick wirst der Jüngling auf den Selbstmordkandidaten, dessen todtenblrichr» Antlitz edle Züge enthält und mit einer rühreudcn Theilnah ne wiederholt er die Frage an ihn: .Wa» veranlaßte Sie, in den Wellen Ihrem Leben ein Ende machen zu wollen?" „Was mich dazu veranlaßte?" entgegnete der Erivachende mit einem heiseren Lachen, .di- Welt, diese schreck iche Welt, die nur dem Gelbe huldigt, bei welcher nichts al» baare! Münze Alle» gilt. Achtung, Name und Ehre — fit sind verloren, wenn der Mammon sich rntfernt. Keine Rettung, keine Halft wird dem Verzweifelten zuteil, um ihn vor dem schrecklichsten aller Entschlüsse zu bewahren. Um einer Bagatelle von fünfziglausrnd Guloe» muß der Sprosse eine» altadeligen Hause», da» durch Jahrhundert« eine Rolle gespielt, den Schauplatz des Leben» meiden, um im Tode die ersehnte Ruhe z» erlangen." .Eine Bagatelle von sünfzigtausend Gulden", wiederholte bitter lächelnd Earl Geld«, „dringt Sie an den Rand der Verzweiflung? Was würden Sie sagen, wenn ich, rin Mann, der Talent und da» Mittel besitzt, mit einigen hundert Gulden sich Millionen und Ruhm zu erringen.die>e Bagatelle aber nicht erlangen konnte und gleich Ihnen verzweifelnd in dem Tode em kühle» Grab zu suchen eben im Begriffe war. „Nicht möglich, um einiger Hundert Gulden willen, sollte ein so junges Leben vernichtet werden," entgegnete der Gerettete erstaunt, „und keine Hand dielet sich, diese geringe Summe Ihrer Sache zu opfern?" .Doch hören Sie", fährt der Verzweifelte mit herzlichem Tone fort, „nun bin «ch Ihnen erst dankbar, daß Sie mich dem sicheren Tode entrissen, der vielleicht über meine arme Tochter Schande und Verachtung gebracht hätte. Haben Sie Dank, edler Jüngling. der mir von Bott al» Lebensretter beschielten war. Ich betrachte e» al« ein Fingerzeig von oben, daß ich mit Ihnen hier zusammengetroffen, nm den Kampf mit de« Lebet, aufzunrhmen, den ich nicht gewagt hätte zu beginnen. tören Sie, junger Manu, ich will Ihnen dft Mittel geben, hreu Plan, den Sie mir noch mittheilen werden, au»znführen; ich ^vertraue Jhorr Sache. Au den letzten Stroh-