Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1893
- Issue
- 2 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 4)
- Language
- German
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brt Bolkein das Parlament zu wählen, und begeistert tünten ihm Zurufe entgegen: .Sie nüffen ins Parlament. Wolfs mutz Reichstagsabgeordneter n*rdea." Verschämt hörte er die Rufe an und bei jeder Gelegenheit versicherte er, daß, wenn die gute Sache dieses Opier von ihm erheische, er ohne Zaudern ein Mandat annehmen >verde. So stellte man ihn auf. Im schüncnHessenlande. Mit Pauken und Trompeten ging .'s in den Wahlkampf. . Max Wolff siegte. Er wurde Reichslagsabgeordnrter an demselben Tage, an dem er vor drei Jahren Elle und Tuchballen verlassen und fürchterliche Rache am Judenthum zu nehmen geschworen hatte. In einer großen Berliner Volksversammlung aber sang man an diesem Abend nach der Rede des gefeierten Volkstribunen: .Deutschland, Deutschland über Alles" und: .Lieb Balerlaub, kannst ruhig sein, »Max Wolff zieht in den Reichstag ein." Allerlei für den Familientisch. Ans Heinrich Keine'» Testament. Me sriginestste AatzeumuftL dürfte im Jahre 184 i in Frankfurt a. M. aufgeführt fein. Im April jenes Jahres ließ man in Fraukfurt eine Lollecte für Schleswig-Holstein herumgehen und schickte diese zuerst dem alten Rothschild zu. Da» Ergebniß übertraf alle Erwartungen.- 'Oer Patriotismus des Herrn von Rothschild für den verlassenen Bruderstamm »erstieg sich — auf volle 10 Gulden. Das war dem Frankfurter Volk doch zu arg. Es that sich zusammen, wechselte die tü Gulden in Kupfergeld um, füllte dasselbe in zwei Säcke, die es einem Esel auflud, und zog nun mit dcm Esel, Tausende hinterher, nach dem Hause Rothschikd's, u m ihm auf diese seltsame Art seine „10 Gulden" zurück zu bringen. „Gegen 10 Uhr vernahm ich," so erzählt ein Augenzeuge, der Bremer Senator Duckwitz. „in der gerne eine schreckliche Musik von verstimmten Baßinstrumenten, Trommeln und Pfeifen. Dann wälzte sich die Zeile herab rin großer Bolkshaufen, welcher neben (der erwähnten Musik die schrecklichsten Töne, Nachahmung von Hundegebell x. ertönen ließ und vor dem Rothschild'schen Hause tobend Halt inachte. Da erschien der Esel. Derselbe wurde vor die Thür geführt, diese cingeschlagen und nun daS Thier in das Haus geleitet um seine Schätze abzuladen." Wie wir bereits in diesem Blatte (vor. Jahrg. Nr. 7) mitgctheilt, hat die 92 jährige Schwester Heinrich Heines, Frau Charlotte von Embden, durch ihren Sohn Baron Louis v. Emden 120 bist er noch nicht reröffentlichteBriefeHeine's, die ' in der Zeit zwischen 1820—' 856 geschrieben wurden, mit biographischen Bemerkungen und Anmerkungen heraurgeben lassen; die Briefe sind ganz d>rs Echo des großen mit sich und mit der Welt zeifallencn Dichters, der bei seiner bekannten satirischen Natur doch ei» gutherziger und gemüth» voller Mensch war. Viele Einzelheiten aus den Briefen sind bereits durch Slrodtmann belannt. Wir heben in Bezug aus die religiöse Anschauung des Dichters eine Stelle aus dem § V seines Testamentes vom 13. November 1851 hervor: „Ich verlange, daß mein Lcichcnbcgängniß so bescheiden als möglich sei und daß die Kosten meines Begräbnisses nicht größer sein sollen, wie die bei einem gewöhnlichen Bürcer. Obwohl ich durch Taufact der lutherischen Religion angehüre, so wünsche ich doch nicht, daß der Klerus dieser Kirche bei meinem Leichenbegängnisse anwesend sei, ich verzichte vielmehr auf die Func- ' tionen eines jeden r.ndern Relig onsdiencrS um meine Leichenfeierlichkeitc» vorzonehmen. Dieses Verlangen ist nicht etwa der Wille eines „staiken Geistes". Seit 4 Jahren habe ich i jeglichem philosophischen^ Stolze entsagt, und ich bi» wieder zu den Ideen und religiösen Gefühlen zurückgekommen. Ich sterbe im Glauben an einen einzigen nnd ewige» Gott, de» Schöpfer der Well, dessen Barmherzigkeit ich für meine unsterbliche Seele erflege. Ich bedauere in meine» Schristen manchmal von heiligen Dingen ohne den ihnen schuldigen Rcspect gesprochen zu haben, aber ich bin dazu eher durch d»n damals herrschenven Ze»lgeist als durch eigene Neigung verleitet worden. Habe ich wissentlich die guten Sitten und die Moral, welche das wahre Wesen der mono- Iheistischcn Religionen ist, verl.tzt, so bitte ich Gott und die Menschen um Verzeihung. —- Die groß: Aufgabe meines Lebens ivar: an der Einigkeit und dem Friede» zivifchen Frankreich und Deutfchlano zu arbeiten und die Acußcrungcn demokratischer Gehässigkeiten, weiche die internationalen $on:ct jcilc nähren, abzuschwächcn, ich glaube mich derdurch sowohl bei meincn Landsleuten als auch bei den Franzosen verdient gemacht zu haben." Wir empfehlen den letzten Satz Herrn von Trrilschke und seiner Sippschaft, die immer mit dem „internationalen Jndrnthum" bei der Hand sind. — Aus dem Sprachschatz des Tatmud. Poetisch übertragen von Max Weinberg. De« rohen Manne« ehr'ne Kaust bezähmi« W:tb«r nimmer. Lähmt gar »er schwachen Willenskraft und mach» di« Schlimmen schlimmer, Soll beffern sich da« eigne Weib, so zeig' ihr. sie zu zügeln. Ter Nachbarinnen bess're» Thu», so wird sie'« — überflügeln. » * Besser ein Mahl schmal und frugal, Ai« Leckerbissen und schlechi Gewissen. Air kluge Tochter. (Au« dem Hebräischen übersetzt von L. llohen.) Tochter: „Mntter, komm geschwind, geschwind! In den Milchiops fiel die Mau«!" Mutter: .Schadet nicht«, mein liebe« Kind; Zogst sie doch wohl gleich heraus?- Tochter: .Nicht doch, liebe« Müllerlein; Doch die Kap' ivars ich hinein." Ritthsel - Aufgabe. Deutsches Logogriptz und Meuderälhfet. Bon C. in R I» Asien lieg« ein Land; Wild i daraus verbann! Und ,e" geschoben ein. So wird'« ei» Monat sein, Bei dem e« gleich sich blttbt,. Ob recht«, ob link« man schreibt; An Tagen zählt er jede« Jahr So viel, wie jüngst der Februar. Auflösung des Aattzsets in voriger Hlu««er. Je»«»«r, ttnraU, Urte». Xtranwortl Redakteur 0r. Rahmer. Magdeburg. Druck von BeabixL Huhu (früher D.L. Wolff). Magdeburg, «erlag: R«b Fr lese, Lrtpztü-