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Jüdisches Familienblatt · 1893-01-01 · 2 (1893) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1893
Issue
2 (1893)
Date
1893-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Henm»g«geben Bon Dr. M. tUftimtt in Magdeburg. Zur Unterhaltung und Belehrung für die israelitische Familie. Geld und Ehre. Original-Roman au» der Gegenwart. (Fortsetzung.) — Aus der Serichtsjtub'. - .vlttHllt! Allerlei für den Familientisch: Au» Heinrich Heine'» Testament. — Die originellste Katzenmusik ™ Talmud. — Die kluge Tochter. Bon Max Weinberg. — NLthsel-Ausgabe. — RLthsel-Lösu» 4 Max Weinberg. — NLthsel-Ausgabe. — RLthsel-Lösu» «Unbefugter Nachdruck au« diele» Blatte iit uuterlaat.i '''riftstelltr Mex Bo Ist.— .. d«m Epuchsch d chekd und Kyre. Lriginal-Nawan au« »er Gege»«art. 2s Bon Noten Grauer. 2. Capitel. Thränende» AugeS verabschiedete sich Gelbe von feinen MiethSleuten, die ihn mit Trostesworten bis vor die Thür geleiteten. Mit fieberhafter Eile läuft er dem Nordbahnhof« zu, und reist mit dem Courierzug feinem Heimatsorte entgegen: Er ist ollen Eindrücken deS wonnigen Frühlingstages unzugänglich und wehmüthig blickt er auf die herrliche G«gend, welche sich feinen Augen darbietet. Jeder noch so kurze Aufenthalt währt ihm zu lange; er, der hochgebildete Techniker, findet die Geschwindigsiit des Dampfrosses not, zu gering und wäre am liebsten dem Zuge vorouegeeilt. seine Gedanken weilen bti seinem sterbenskranken Vater dcheim, der noch nie seiner so sehnsüchtig gewartet als jetzt. .Ach, armer Vater, warum solltest Du nicht daS Glück Deines Sohnes mit genießen, dem Du Drin ganzes iJenfen und Streben geopfert, jetzt könnte ich Dir Alles veigelten und nun mußt Du fort von dieser Welt, auf der Du so wenig Gutes genossen." Nach langen bangen Stunden hält der Zug an einem Bestimmungsort, rasch springt er aus dem Coups und berührt den hcimathlichen Boden. Welch' wonniges (üesühl war es sonst für den heimkehreuden Jüngling und welch' unbegrenztc Angst heute für unseren Gelbe der d e wenigen Menschen, welclhe aus dem kleinen Bahnhof anlangen, bei Seite schiebend mit rcsender Schnelle das Gebäude verläßt, um den Weg nach seinem Baterhause anzutrrten. Quer durch die mit zartem Grün bedeckten Felder dahineilend, steuert er dem kleinen Marktflecken entgegen, den er auch in einer halben Stunde erreicht. Hier ist der Garten, den er noch zu durchschreiten hat, hinter den großen dichten Bäumen liegt ja da» Vaterhaus, wo er. umgeben von der aufopfernden Pflege liebevollster Eltern, den Frühling des Leben« hatte in goldigem Sonnenschein dahinichwinde» sehen. Die Allee ist durchschritten, aber sein Auge si-cht das Vaterhaus nicht — er blickt um sich, sollte er sich verint haben? — das ist unmöglich die Gegend ist ihm zu bekannt, hier hätte die Heimalhsftätte stehe» müssen aber statt derselben liegt vor ihm ein — Schutthaufen. Schluchzend wankt er der Ru>ne zu, welche aus sein tt müth den furchtbarsten Eindruck machte .Vater wo bist Du?", ruft er das Schlimmste ahnend jammervoll au», .ach Gott, wir schwer hast Du mich heimgesucht l" Da regt es sich hinter ihm und eine jugendliche, weibliche Gestalt, deren blondes Haar im ausgehenden Sonnen-! schein goldig schimmert, ellt ihm entgegen. .Earl komm an ' mein Herz und fasse Dich in Deine« namenlosen Schmerze." .Erna wa« ist geschehen?" ruft er, entsetzt sich «ms da» junge Mädchen stürzend, weinend aus. .Wo ist die Mmter?, wo der kranke Vater?"-'?! .Carl, gieb Dich nicht dem Schmerze so seh hin, sei stark, denn schweres Unglück >)at uns betroffen. Eine Feuersbrunst hat unser Haus eingeäschert, aber wir jaden 'das nackte Leben gerettet. Nur der Vater ist schwer, 'ehr schwer krank. O, wie wollte ich freudig den Kamps mit dem Schicksal ausnrhmen, rvenn nur der arme gute Vater uns erhalten bliebe. Komm', liebster Bruder, er will Dich sehnsüchtig sprechen, noch einmal seine verstümmelten Hände aus Dein Haupt zum Segen legen. Fortwährend bereitet uns der Arzt auf's Schlimmste vor, doch er betet inbrünstig zu Gott, ihn noch einmal seinen lieben Sohn anblicken zu lassen." „Ach, Erna, zuviel des Leids ist über uns hereingebrochen, doch Du hast Recht, ich will stark un) mannhaft sein, Du, theuerste Schwester, bist mir ein heriisches Beispiel. — De» einen Trost will ich den armen Vater geben, daß seine Hoffnungen aus mich keine trügerischen seien. Ich will Euch emporhebcn aus dem tiefen Elend — Ihr braucht nicht z» verzweifeln — wenn nur der Vater gerettet würde." Carl folgte seiner Schwester i» ein benachbartes HauS, wo man, wie sie ihm mittheiltc, der obdachlosen Familie ein Zimmer zur Verfügung gestellt hatte Im Hausflur stürzte ihm die Mutter entgegen, um an der Brust ihres einzigen, vielgeliebten Sohnes Trost zu finden in ihrem unsäglichen Leid, immer leidenschastl'chcr preßt sie ihn an sich, um nicht der schrecklichen Prüfung zu unterliegen. Endlich saßt sie sich und fühlt ihn durch eine» Raum, de» man als Küche erkennt, an da« Krankenlager des Vaters. Die Lippen auf» einandergeprcßl. stand Carl eine Weile auf der Schwelle, um den furchtbaren Sturm in feinem Innern zu besiegen. Bedeutend größer und männlicher erscheint er in dieser Seclenqual, bis er leichten aber festen Schiitts an das Krankenlager des Vaters herantritt. Doch alle Selbstbeherrschung war dahin bei dem grauenhaften Anblick, der sich ihm hier darbot, c« schwanden ihm die Sinne, beinahe ohnmächtig droht er umzusinken und fällt zurück in die aus» gebrriteten Arme feiner Mutter. Da ertönt die schwache Stimme dr« Schwerkranken: .Mein ohn, laste da« Klagen, ich weiß, daß Da mich liebst, doch beweise e« mir durch Deine Mannhaftigkeit. Wir müssen das schwere Geschick, das Gott uns auserlegt, mit Ergebung tragen." So sprach der von de» größten Schmerzen heimgesu hte, in einem Kühlbettc ruhende, beinahe verbrannte Mann, welcher bei dem Beflrrben, seine einzige Habe dem entscsselten Elemente zu entreißen, so schreckliche Verletzungen erlitten. Unterdeß hatte sich Carl erholt, er trat rut dem Ausdrucke unsäglichsten Schmerzen« in seinen schönen Augen aus den Vater zu. Dieser »rntre ihm mit einer Geberde, sich zu bückr^ und legte mühsam die klime, kohlten Hände arf das Haupt

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