Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1893
- Issue
- 1 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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.TT ge|«n, daß dieser mit zitternden Häade« erfaßt «nd in fliegender Hast durchlieft. .Bater sterbenskrank, komme sofort!" Da« ist die schreckliche Nachricht, die dem armen Selbe völlig niederschmetternd vor den Augen flimmert. Ei» nnaufhaltiainer Thräuenstrom entfließt den Augen de« Studenten und krampfhaft schluchzend ruft er: »O, armer Bater, ich soll zu Dir eilen, den letzrm, letzten Mahnruf Deine« aufopftrnden Boterherzen« zu vernehmen, ach leider, ich kann nicht zu Dir, denn nicht einmal da« Seid für die Reise habe ich bei mir. Edler Vater, vergeben« mußt Tu auf mich warten, o, schreckliche Welt! jetzt fühle ich erst die furchtbare Wahrheit de« Leben«, dag nur da« Geld die Welt regiert!" In diesem leidenschaftliche» Ausbruch kommt ihm Herr Benedikt mitleidsvoll zu Hilfe. .Trösten Sir sich, Herr Gelbe, und fürchten Sie sich nicht, denn Sie haben ja Freunde, glauben Sie e« inir, daß ich Ihnen von Herzen gut bin, und, seit Sie bei un« wohnen, e« ist bereit« drei Jahre, nehme ich an Ihnen den herzlichsten Antheil. Sie sind ein edler Mensch, vertrauen Sie auf Gott, der Ihnen in den Stunden der ernsten Gefahr helfend zur Seite stehen wird, ein solcher Mensch, wie Sir, kan» nicht vom Schicksal so furchtbar heimgrsncht lverde». Ich bi» zwar «in armer Mann, aber meine geringen Mittel will ich Ihnen zur Verfügung stellen, denn Sic müssen sofort »ach Hause, um dem Ruse ihre« Vater« Folge zu leisten." ' .Ach, Herr Benedikt, wie kann ich Ihnen diesen Edelmurh vergelten? Niemals iverdc ich Ihnen fda« vergessen, wa« Sie jetzt an mir Unglücklichen thu», womit Sie mich zu Ihrem ewige« Schuldner machen. Ich danke Ihnen für Ihre unendliche Güte, welche ich auch annehmc, denn fo»t muß ich, um dem letzten Wunsche de« geliebten Bater« zu entsorechen. In einer halben Stunde geht der Schnellzug ab und morgen früh bin ich daheim, ach wen» ich ihn nur »och lebend antreffe, den armen kranken Bater." (Forts, folgt.) Kiue Audi« auf der Aanzel. Wie bereit« vor einiger Zeit mitgelhrilt, (s. Wochenschrift 3890 Rr. 45 unter .Spokane Fall«") hat am Bersöhnungsiage 1890 eine hochbegabte junge Dame, Miß Ray Frank au« Oakland (Lol.), in der Hilfssynagoge zu Spokane Fall« von der Kanzel zur Semeinde gesprochen. Die Predigt der begeisterten Jungftau hatte die Zuhörer zwar nicht zu Thrünengerührt, wa« auch nicht beabsichtigt war, dagegen dieselben zu dem Entschlüsse veranlaßt, sich zu einer Semeinde zu constituiren, ein Gotteshaus zu bauen und ihre Pflichten als Juden zu erfüllen. Die Nachricht von dem Predigertaleut dieser Taine verbreitete sich bald über den Occan hinau«. Neuerding« hielt dieselbe in Oakland und Han Sacramento einen Vortrag über »Da« Herzklopfen Israels", den sic später in San Francisco wiederholen wollte, was auch heute jedenfalls geschehen sein wird. Bald verbreitete sich durch die Presse die Nachricht, daß in Miß Frank die erste Jüdin erstanden sei, welche nach der Prophetin Deborah öffentliche Ret»en hielt. Tie in Oaklund erscheinende .Morning Time«" bringt in einer ihrer jüngsten Nummern eine Mittheilu ig) au« welcher wir da« Nachstehende in deutscher Ueberfetznng wicdergeven: Miß Frank ist eine i»ngc Dame, deren philosophische Ansjchttn »n einer ties religiösen Natur ihren Gru» d haben und durch Erziebung eine Richtung erhalten, dtr sie zur Ausführung ihrer edlen Pläne außerordentlich befähigt. Durchtränkt von der ihrer Rafft eigenen Kampfeslust hat sie da« «chwert der.Loglk äus .der Achichk gez ogen und mit der Waffe hxr Peredlsamkrit sich ujngürtct; um gegea^m« Pprurihril in de« Kamps zu ziehen. Man darf jedoch'nicht meinen, daß sie Proselyten für irgend einen Glauben milchen will. Sie schreitet an« den Zelten Israel«, um die Schlauheiten, die Poesie und di« beglückende Menschenliebe der Heller, wie sie in den Liedern ihre« Bolke« geschildert und in dem Leben der Propheten und Helden exempuficirt sind, zu predigen. Au« den Psalmen David« und den Liedern Deborah'« möchte Miß Frank — wohl die weiblichste aller Frauen auf Erden — der spottenden tritisirendrn und dem Rützlichkeit«p:inzip huldigenden, bilderstürmrnde» Welt lehren, daß ein töcfühl und ein Endzweck existiren, welche über die Bereinbaruugen und sogar über die Ges-tze, ivelche der Mann zur Leitung seiner HandlnngSioeise erfunden hat, «eit hinauSgehen. Miß Frank ist in Lalisornien geboren. Sir erhielt ihren ersten Unterricht in den öffentliche» Schulen zu Sau Francisco »nd absolvirte in jüngster Zeit einen Spezialcursu« in der Philosoph» an der dortigen Landesuniversität. Den größten Theil ihrer Studienzeit widmete sie der jüdischen Litteratur und hält jetzt Borträge über die erhabene Poesie der Hebräer, welche sie .Da« Herzklopfen Israel«" nennt. Miß Frank darf sich rühmen, die einzig« Dame -u sein, welche je von der Kanzel herab zur Gemeinde gesprocken hat. Sie hat auch Beittäge zu den Hauptjournalrn der Pac.ficküste und den Magazine» de« Osten« geliefert. I» Allem, wa« sie bis jetzt geschrieben hat, ist e« dieselbe lichtvolle, philos ophische Anschauung, ivelche ihr forensische« Streben chara'terisirt. Ihr Styl ist klar und fesselnd und durch ihre Arbeiten zieht der poetische Zug einer erfinderischen, von der göttliche» Frucht de« Orient« genährten Natur, welcher den Psalmen Pa ästina'« gleich dem müden Wanderer, der erschöpft von den W rkungen de« brennenden Wüstensandes i» ihren kühlenden Schatten lagert, Schutz und Erquickung spendet. Bei ihren reichen GeistcSgoben ist Miß Frack höchst bescheiden und ivciblich. Wie die anmuthige Königin Esther verfügt sie über eine große Willensstärke und ein hervorragende« Wissen, ohne auch nur Etwa« von dem männlichen Charakter zu besitze», der so oft die sortgeschrittenen Frauen unserer Zeit entstellt. Der Zweck ihrer Mission ist ein rein geistige: und sie hofft, ihr Werk auf die lieblichste Weis« und mittel« der herrlichsten aller Künste — der Offenbarung der giohartigrn und erhaben» n Schilderungen in den poetischen Schriften der Propheten und Psalmisten — zur Ausführung z r bringen. Ta« ist es, worüber sie in ihrem Bortrage über ,'Va« Herzklopfen Israels" in der Synagoge zu Oakland sich russpricht. Dieser Vortrag hat eine sehr sorgfältig Bearbeitung erfahren und ist der Sache würdig, welcher sie ihr Leben und ihr höchste« Streben widmet. Miß Frank wohnt in Oakland, und die Gemeinde ist stolz darauf, sie die ihrige nennen zu können. Miß Frank hat sich de« Lobes würdig gezeigt, weiches ihr alle diejenigen zollen, die da« Glück haben, sich ihres näheren llmgangc« erfreuen zu dürfen. Ihre Erwartungen dürfen sich voraussichtlich auch zum größten Theile erfüllen, denn hre Sache ruht auf dem Fundamente der Wahrheit und sic lüffitzt nicht alles» die Fähigkeit, sondern auch den festen Wien, einen Erfolg nicht nur zu erzwingen, sondern auch zu verdienen. L. Cohen. Korrespondenzkarte aus dem Paradiese. In dem svelicn unter dem Titel: .Deutsche Kunst zu Hamburg« GunsC herausgegebenen Album zum Besten der von der Cholera so hart Betroffenen dürste außer dem EiuleitungSgedicht von Julius Rodrnberg einem Gedichte .Da« Haar der Berenikc" von Lud wAug. Frankl und einer Philosoph! fcl>en Betrachtung de« P : osesjor« Lazarus das Judcnthum als solche«.nur der folgende Beitrag-(S. 87j de« Herrn Dr. Le i m dör fe i interesfircn: