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Jüdisches Familienblatt · 1893-01-01 · 1 (1893) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1893
Issue
1 (1893)
Date
1893-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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392380 4 392289 ^\\\u 1 tu -M [$fi MnDr.ll. IUMM( In «UgMuri. - $«ati*«t#ri*n ...._ 3>tr U«terhattm»g und Belehrung für die isruelitische Fumilie < Geld und Ehr«. Or>gln»l»>onuio au» der 4«genwar«. — Line Jüdin aus der Kanzel. — Sorreedandenikart« «u» dem ßaradiese. ^)tUsU1» . — So4« Masoch über de» Ia1ij««iU>»ae - Der Lindwurm zu Xanten. — Sihlau. — Rüthsei-Anfgaben. RIthse »Lösung. *» tM diesem Matte tft nntrrsO,,.) chekd »»d Syn. 39228i) cri»s»al.>a»a» au« der e»^> 1. TLMN POUNIATIOtW. 1907 längsam Lapitrl. Tiefe Sille herrscht ringsumher' lih& die emporsteigende Sonne beleuchtet nur spärlich eine» der intrreffanteiien Schauspiele, eine im Schlummer ruhend« Broßstadt. Dir Lhurmuhr der Johonn-Nepomuk-Kirch« auf einer der belebtesten Straßen Wien», der Pratrrstraße, verkündiget eben die zweite Morgenstunde, ohne dadurch die herrschen'»« Ruh« zu stören. Die Bewohner der ungeheueren Zriäpaläste haben »um Schutze gegen di« Morgensonne die Nouleaux tief herabgelassen, um nicht in ihrem Schlahe gestört zu werden. Nur am Fenster de» vierten Stocke» eine» solchen Riesenbuust» bemerkt der einsam durch dir Straße wanden de Br» schauer einen matten Lichtschimmer. Ohne di« am HauSportale befindliche Blocke zu benutzen, um nicht den brummenden Hauümeister zumOeffnen zu bewegen, steigen wir die steilen Treppen empor, bi» wir mühsam die schwindelnd« Höhe erklommen. Wir gelangen in «in kleine», traute» Stübchen, welche» von dem matten Lichtschimmer einer Studierlampe erhellt wird. Zunächst blicken wir umher, um die Einrichtung desselben in» Auge zu fassen. Die Wände sind grau betüncht und mit einigen, nicht gerade von Künstlern gemalten Bildern behängen. Bo» den zwei mit weißen Linnen Übenogenen Belten ist eine» besetzt, und tiefe Athemzüge verrathen, daß ein müder Erdensohn in Morvhru»' Armen darin ruht. Ungefähr in derMitte de» Raume» befindet sich rin ziemlich großer Tische welcher mit unzähligen Papieren bedeckt ist. Auf di« Tischplatte gelehnt (mitten wir einen in Bedanken versunkenen juiiarn Mann, dessen große schwarze Haarlocken von der linken Hand unaufhörlich durchkräuselt werden, während die Rechte mit Blanstist auf einem Bogen zeichnet. Ich stiller Versunkenheit fitzt er da. Unwillkürlich von der Manneägestalt angez^grn ttrten wir ein wenig vor. um da» Autlitz de» Sinnenden zu erblicken. Auf den ersten Blick gewahren wir da» wahre Ideal eine» genialen Denker» auf seinem Antlitz au«arprägt. Twch eben wringt er erregt auf, sein blendend weißer Teint verändert sich plötzlich und macht einer glühenden Röthe auf seinen Wangen Platz; während die tiefblauen Augen freudevoll auf» blitzen, entringt sich seinen Lippen der Au«r»i: »Ich habe «» gesunden!* Run wendet er sich der gegen dir Straße zu gekehrten Wand zu, wirst durch da« Fenster «inen orüstnden Blick nach der ausgehenden Sonne und schaut hinauf aus die Pendeluhr, welche eben '/,3 auzeigt. Darauf packt er die sorgfältig zusammen, auf denen er sein« «»edanlen «zeichnet zu habe« schief um dieselben in einem kleinen in dem sich außer einem Laib Brod nur Pazsterr und *) Nachdruck verdat»«. Uedrrsttzangdtacht varüchaln» einige» Wäschematerial befindet, zu vrrbergen. Beim Anblick de» Brode» hält er inne, um mit einem: »Ach, ich habe ja zu essen vergessen!- rin ziemlich großes Stück von demselben abzusc-neiden. In diesem Momente öffnet sich die Thüre und ein kleiner ältlicher Mann im strengsten Regligä schaut durch die Spanne. Sichtlich verlegen versteckt unser Held sein frugales Mahl, um nicht dem Mitleide seine» Quartierherrn, für ken wir den Einblickenden wohl halten können, au-grketzt ,.u sein. Dieser wendet sich dem jungen Manne mit ziemlich e:regtem Tone zu: »Herr Beide, da» ist zu viel, ich kann e» nicht länger dulden, daß Sie da» thrure Petroleum verbrennen, >va« tch bei der geringen Miethe, die Sie zahlen, dnrchau» nickst au»- halten kann.* »Ach Herr Benedikt, nur nicht so strenge*, entführt c» dem jungen Manne, welcher un« durch den alten H<rrn in so liebenswürdiger Weist vorgrstrllt wurde, »nun ist e» auch da« letzte Mal, daß ich Ihre Beduld bezüglich de» Brennstoffe« ans eine so harte Probe gestellt habe, de, n endlich habe ich e» gefunden wonach ich so lange gesucht und gegrübelt habe, mein Motor ist fertig und jetzt beginnt eine goldene Zeit.* Herr Brnedist hat unterdessen di« Thür« geschlossen und mit einem: »Butr Nacht!* der Szene ein End« gemacht. Jetzt erst kann Beide mit vollem Appetit ungestört seinem Brode zusprechen, bi« er gesättigt Anstalten zur erwünschten Nachtruhe macht, worin wir ihn auch nicht stören wollen. Der Morgen graut bereit«, und wir erwarten ruhig dir Stund« de» Ausstehen». Die Uhr verkündet eben di« sechste Stunde als die mächtige Stimme de» Herrn Brnedist den Mahnruf: »Auf» stehenl* au« vollster Kehle ertönen läßt. Durch diesen Ruf geweckt, regen sich di« beiden Schläfer in dem Stübchen und wir haben Belesenheit eine neue Bekanntschaft zu machen, indem nämlich der Hau«thrann an da» Lager de» Siebenschläfer» heranttitt und denselben durch einige» Rütteln an« dem süßen Traumreichr in die rauhe Wirklichkeit befördert und dabei öfter» au«r»ft: »Herr von Wahle «» ist <1 Uhr, Sie wünschten doch geweckt zu werden, auf, aufl* Rach einigen versuchen gelingt e» dem pünktlich« Wecker auch sein Ziel zu erreichen, indem der 'Angeredete ein: »Buten Morgen Herr Benrditt!* auckrufend mit jugendlicher Elastizität au» dem Bett« springt und nach den an einem nebenansstheudeu Seffel befindlnhen Kleidern greift. In kau« einer Minute stcht er waschbereit vor dem! Lecke«; «ährend er Toilette «acht, wollen wir sein Aeußen» aufnehmen. Herr von Wahle kann nach den allgemeinen Begriffen ein schöner Mann genannt werden, der ungefähr io eine« Alter von 24 Jahren zu stehen scheint. Er ist miltrhroß und ebenmäßig gebaut, obzwar er im Vergleiche zr Beide c-..

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