Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 51 (22.12.1893)
- Date
- 1893-12-22
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/6492344-5935087-5962247--1840-5375902- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Behauptung ausgefproche,:, daß dem jüdisch« Richter darum, weil er eiu Jude ist, die zur Abnahme eine» Lide» erforderliche moraliche Qualificatiou und religiöse Stinnuuag nicht innewohnm könne. Wenn in dem Inventar antisemitischer Hetzredner der ״jüdisch« Eid" «in unmtbehrüche» Requisit ist, so wird da» niemand Wunder nehmen. Jene Mensch« mit ihrem Ahl- Wardt an der Spitze entrüsten sich bekanntlich über diejenigen Laster am tugendhaftesten, mit welch« sie selbst am reichlichsten geschmückt find. Sie wütm gegm Wucher und nehmm selbst 20°/, oder last« Ehrmscheine verfall«, sie donnern gegm ״jüdisch:" Lüsternheit und last« fich auf Alimente verklag«, sie crtrüstm fich über jüdische Geschäft», moral und leist« leichten Herzen» Offmbarung-eide, sie sind empört über die Zunahne der Meineid« und müssen fich von Geruh tShöf« leichtsinnige» Schwör« vorwerf« lass«. Auch nimmt df ihnen im Grunde niemand übel, daß sie wider besseres Wiff« trotz de» sonnmklarm Sqentetl» immer wieder d« jüdisch« Lid angreis«, wollte sie jemand zu überzeugen versuct^n, so würd« sie am Ende noch über SewerbeschLdiguug klagen. Wem! aber eine Sy» »de, eine Versammlung geistlicher Herr«, die verpflichtet smd» die Bibel und dm ״jüdisch« Eid" zu Hennen, gleichfalls in da» antisemitische Ho« stößt, so ist da» ein traurige» Zeichm von der Verwüstung, welche die ״Schmach de- Iahrh ändert»" in d« Gewiss« angerichtet hat. Vre christliche Synode muß wisse», daß dem Ach« der Lch in jeder Form unter alle» Umstand« heilig und unverletzlich ist, daß nach biblisch-talmudischem Gesetz auf eineil Meineid die schwerstm göttlich« und irdisch« Straf« stehen. Ja tun beid« Ja^zehM« vor der Emanzipatioa ist eine ganze Literatur entstand«, der« glünzmde Verteidigung de» jüdisch« Lide» sebst die damalig« «actiouürm Lamme« und Regierung« überzeugt hat, so daß überall tie schmachvolle Zude1wide«formel abgeschafft wurde. Aber man llstmte vielleicht meinen, daß diese Rettung fich nur auf d« ein« Eid leistenden, nicht aber auf dm eia« Sid abnehmende« Jud« bqieht. Demgegenüber wollm wir de: hochwürdig« Synode au» dem vielgeschnrLht« Talmud nur eine Stelle anführm, au» der sie sich belehr« mag. I« Traktat Sedvdnot 88b f. heißt e«: Folgendermaß« lautete die Eide«Vermahnung der Richter: »Misse, daß da» Weltall erbebt: in dem Augenblick, da der Heilige, gelobt fei er, am Sinai da» Wort sprach: ,Du sollst dm Ramm de« Ewig« Deine» Gotte» nicht zu» Falsche» au»- spreche» u. s. w.s" den» bei all« ander« vergeh« ist ein« Verzeih mg denkbar, aber bet eine« Meineid wird die göttliche v-rgebung ausdrücklich ausgeschlossen; der Fluch jeder ander« Sünde trifft nur dm Sünder allein, der Fluch de« Meinest« aber trifft fein ganze« Geschlecht, ja die ganze wenschliche Scsellschaft; wie de,: Prophet spricht: ,Lb eine» Meineid« trauert die Welt." vten» der Zeuge trotzdem fich berest erklärt, ein« Eid zu!,:ist», so sprach« die Umstehend« feierlich zu einander den fte» IV. M. 16 SS: ״Tretet z» rück von d» Zelt« di!fer Frevler und haltet euch von jeder Berührung mit ihn« fecn. dankst ihr nicht durch ihre Süud« hinweg gerafft werdet, (rooferne« ed» Meineid wird)." Bevor . nun dcr Zeuge die Eit'-Sformel sprach, hob der Vorsitzende > noch innmal an: ״Wisse, daß wir dir d« Schwur abmchum nach deine« Ginn, sondern nach dem Sij de» «Lotfsmdm Gotte» und de» Gerichthofe»" (wodurch je reservatio mentalis ausdrücklich für ungültig erklärt sollte.) Wmn nur daher an d« jüdisch« Riö irgend etwa» au»zusetzm Hab«, so wäre e», daß sie in da: Regel dm Talmud nicht studirt haben. Er würde ihnen ein unerschöpflicher Quell für dm sittlich« Emst ihre» ruf» sei». Die Aussprüche über die hohe Würde und antwortlichkeil de» richterlichem Amt» und die Beispiele lichster Gewissenhaftigkeit find zahllos. Aber eine weit schwerere Beschuldigung al« gegm de» jüdisch«» Richter spricht eigdttlich die Synode gegen, dm christlichen Eid!au». Indem ste verlangte, daß vor einem christlichen Richter abgelegt werde, indem also dm Will« de» Zeug«, wahr oder falsch zu schwö von seiner Schätzung der richterlich« Persou abhängig «acht, zieht sie dm Schwur von dem göttliche« Tri» banal Hamb in die Sphäre persöulichen Bertrauen». Sie gestattet dem Zeug«, der vor Gott hintrttt, erst die ftage nach der Person de» Richte», vielleicht kehrt sich -jetzt da- Verhältnis um uud der Richter wird von dem Z«gm inquiriert. Sind Sie Jude? Rein. — Sind Sie Latholikst Nein, ich bin evangelisch. — Verpflicht« Sie sich auf da» Apostolikum? Nicht ganz; ich stehe etwa auf dem Stand» Punkt Haruack'». — Daun bedanre ich, vor Ihn« kein«. Eid oblegen zu könum, ich verlange ein« treuen Christ« Stvckerlcher Richtung. Wir aber Hab« bi» jetzt geglaubt, daß mau vor Sott d« föb leistet, wir Hab« von der sittlich« Kraft de» den», sch» Manne», wen» er schwört, keine so traurige wie die Synode, »dlche ih« eiwe» Moiwettz twtmmch mmt Ofim «MN eine antisemitische Einrede ent» zosen wir». Wa» ihr mit dem Ehristmthum beginnt, geht un» nicht» an, «der «reibt e» nur so weiter «st der llutergrabnug von Recht und Gesetz, von Treue und bürgerlichem Frieden, von Duldsamkeit und gegenseitiger Achtung: Ztzr säet Wind und zu spät werdet ihr erkenn«, daß ih, Stur« erntett 8. J. D«- Schichte». Bo» DfreraMtaa Dr. Adler t» Londes.*) Rtt Rücksicht auf dt« Thiere, denn Fleisch un» zu!«* nießeu erlaubt ist, find gewiff« Sorschrtftm zu beob che ia» Fletsch derftlbm gegefle» werd« darf. Da» nmß i» eiuer genau beschrieben« Weise geschlachtet E» muß durch d« Schnitt «st einem lcmae» «id haarsä Messer, in deffm Schneid« sich nicht dir kleinste Schewtr Serbe befind« darf, vom Leb« zu« Tode gebracht »erd««.' Dies« Schnitt hat di« Luftuud Speiseröhre, di« -alö» und Schlagadern «U eine« Streich zu trennen. Diese» Schlachtverfahr« hat «an nun an» de« Grund« »» beanstand« »ersncht, weil«» nicht die hnmanst» Tödtnng»» weis« sein und sogar dem Thier« «nnöthtge Schmerz« »er»»-' fache» fall. St« werde« mir daher hosftntlich gestatte», mich dies«: «elegmhett zu bedien«, de, schwer« Borwurf zurüch- N •) Wat dam Vortrag «der da» ten- (Ans dm Eagttschr» lotzenBaG-rj