Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 50 (15.12.1893)
- Date
- 1893-12-15
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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9&t60u, 10. Dezember. Darch btn an 29. November «ach kurzem Krankenlager hier erfrlgtea Tod de» Dr. Henry Lehrend hat da» englische Juderlum einen schweren Verlust erlitten. Der verstorbene war Präfident des jüd. Hospital» und Waisenhäuser, West Rorwood, in welchem er noch 8 Tage t , vor seinem Hinscheide» eine Inspektion vorgenommen hat. Au» ' dem Nachruf» welchen die Londoner jüdische» Blätter dem Ber- - storbenen widmen, entnehmen wir fslgende biographische Notizen! Dr. Behrend, 1828 in Liixrpool geboren, studierte in Manchester Medizin, und erhielt während seiner Studienzeit neben verschiedenen andertu AnSzeichnnngeu auch die goldene Medaille für Medizin. Hierauf verweilte er einige Jahre in Deutschland, um seine Kenntnisse in der Therapeutik und Chemie zu erweitern. 1880 wurde er Mitglied der chirurgischen Fakultät, 1889 Licentiat und 1889 Mitglied der medizinischen Fakultät England«. Al» praktischer Arzt wirkte er zuerst in seiner Vaterstadt und als Wundarzt in einem Milizregiment zu Lancashire. Später ließ er fich als praktischer Arzt zu London nieder, wo e« ihm gelang, neben seiner ausgedehnten Praxi» auch auf dem Gebiete der medizinischen Forschung Große» zu leisten. Fast sämmtlickse medizinische Fachschriften brachten Beiträge von seiner Feder. 'Schon 1822 schrieb er im »Lancet" über ״Die letzte Cholera-Epidemie". Aber auch die übrigen Gebiete de» Wissen» waren ihm nicht verschlossen. Schon 1880 erhielt er den ersten Preis für einen im ״Jew. Chronicle" veröffentlichten Artikel über ״Die nachbiblisch« Geschichte der Juden." Die im vorgenannten Blatte veröffentlichten Artikel Dr. Behrend» über die Ueberttagbarkeit tierischer Krankheiten auf Menschen erfreuten ssch besonder« de» ungeteilten Beifall» der Gelehrten und wa» er iu der Schächt frage und :u Bezug -auf da» mit dieser in Verbindung stehcod« Sanität»gesetz der Juten für seine GlaubrnSgenosien gewirkt hat, ist auch über die Grenze seine» engeren Wirkungskreise» hinaus genugiam bekannt und auch in der ״J»r. Wochenschrift" stet» gewürdigt worden. Al» gründlicher Forschet׳ hat er den Vewei» erbracht, daß sieben tierisch« Krankheiten durch den Genuß de» Fleische» Affilierter Tiere auf Menschen übertragbar find und zwar: die Rinderseuche, der Schweinetyphu», die Klauen- und Maulseuch«, die Lungenseuche, der Karbuukel, die Rose und die Tuberkeln. Die Tuberkulose hielt <r für di« verheerendste aller übertragbaren Krankheiten, da ein Fünftel aller Sterbefälle auf ihr Conto geschrieben werden wüßte»; deshalb plaidierte er auch häufig für die o bligatorische Einführung der jüdischen Bedikah (Untersuchung der Lunge) in ollen Schlachthäusern. Im Jahre 1884 berief ihn der Schechita-Board, um über den Wert der Betäubungdmethod« Ixr Tiere vor dem Schlachten sein Gutachten abzngeben. Um jedoch nicht den verdacht eine» Vorurteil» aufkommen zu lasten, ließ er die zu diesem Zwecke emzustellenden Experimente nur von Nichtjuden au«führen, wo- Lurch man aber bald zu der Uebrrzeugung gelangte, daß die «etS>»m,8»«ech*Ae nicht M tmpftÜeu fei. S» erjchien hierauf im ״Nineteenth Century" ein Artikel, in welchem auf Grund der Ko ch'schen Untersuchungen Dr. vehrend den Antrag stellt, alle» Fleisch von tnberkulosem Vieh dem Menschliche« Genuffe zu entziehen. Dieser und ähnlich« Arttkrl fanden in der ״British Medical Rekiew" die günstigste Beurteilung. Auch einen im vorigen Monat auf die jüdische Schlacht- Methode gerichteten öffentlichen Angriff wie» er init einem großen Aufwand von Gelehrsamkeit und der eine» Selehrten würdigen Ruh« entschieden zurück. Sein Hauptverdieost erwarb fich Dr. Behrend jedoch um da» jüdisch« Hospital, zu dessen Präfidenten er 1871 einstimmig gewählt wurde. Dir materielle und geistige Hülst, welch« er dieser Anstalt angedeihen ließ, reichen allein schon hin, seinem Nomen die Unsterblichkeit zu fichero. Auch zu der nach Ueberwindung erheblicher Schwierigkeiten zu Stande gekommenen Bereinigung de» HoSpüal» mit dem Waisenhause hat ,st»"T ־* ••*ייף^יז״י>» .^ _ _ «stb ist die materielle und geistige Hebung litft» Instituts zu« größten Teil stin Werk. BrfondrrZ ließ er fich die religiöse o»d patriotische Trztehung der Kinder angelegen fein, welche» Streben seine viel» seitige Gel«hrsamkeit und sein echt jüdische» H:rz ihm auch wesentlich erleichterten. Sein Tod ist daher IxfanderS für diese Anstalt und seine Mitarbeiter-an derselbe«, denen er ein väterlicher Freund und Berater war, ein schwer:!, fast unersetzlicher Verlust, denn nach seinem Hinscheiden i t die Waisenanstalt, der er in jeder Beziehung ei» Vater trat, in Wirklichkeit verwaist. Dr. Behrend war zweimal verh«.ratet, ehre Kinder zu hinterlaffen; aber die guten Werke dec tugendhusten Menschen find die eigentlichen bleibenden Nachkommen. Am Sonntag, .den S. Dezember, wurden s!ine sterblichen Reste zur ewigen Ruhe gebettet. — <3hr ruh« sonst! Neueste und vermischte Nachrichten. MMM-estnei. Men schreibt UN»; In der (eftenffr. ist unter gehe weiter und gebe der thmäauag «»$«Im, ob et sich nicht über- Haupt enpfehlen würde, «ine Reihe geeigneter BottcSg« durch de« Druck zu verssstntlichen und sie den Vereinen zur Verfügung zu stellen. Gute Vorleser, oft bester als bi«lutoren säbst, finben sich in jedem Vereine. Da» persönlich« Erscheinen de» Autor» bietet ja manchen Reiz, steht aber nicht i« verhüll»lh zu den damit oerbuudeuen unvermeidliche« hohe« Ausgabe». Der Etat manche« »«rein» kann sich eben de« Luxus ein«» »eithergeholten Redner« nicht nlanden, zumal wenn bas wa» der Redner »orträgt nicht ,weither-' st. Mancher vortr», enthüll auch soviel gahktum«d Nomen-Maierial, bah er mehr verwirr«»» al» belehrend wirkt. Lüge der Vortrag gedruckt vor, dann küunt« «an de» Ged ichtniß nachhelsea und das Material prüfen. Magvebnr,, lO Dezember. (Or. Lvr.) Gefterm, am Sabbath Lbanuka. waren es SS Jahre, daß der von Rabbiner Dr. Rahmer in « Leben gerufene Synagoaen-Gesangverein zu« ersten Mal« zur Verherrlichung des Gottesdienste« im Tempel «itwirkte. Au« diesem Anlaß fand gestern ein Feftaottesbiest und heute unter großer Th>il» nähme der Gemeinde im Saale der -Gesellschaft zur Freundschaft-' Gesangsaufführnng, Festmahl und Ball patt. (Ueber dies« Doppelstier folgt in nächster Rr. ausführlicher Berichts Betettze« O. S., 12. Dezember. Heut« sind es 2» Jahre, daß Herr Dr. med. Mannheimer hier das Ehrenamt eines Ltadwerordnetenvorstehers bekleidet. In Anerkennug seiner großen Verdienst« um die hiesige Kommune haben die städtischen Behörde» ihm die höchst« Auszeichnung, die die Bürgerschaft zu verget rn hat, verliehen, indem sie ihn »um Ehrenbürger ernannten. De künstlerstch ausaesührte Urkunde wurde ihm heute Mittag durch den Oberbürgermeifier Dr. vrühntag überreicht NyArrik (Oberschlesien) Der Groß-Industriell» Herr Ferdinand Haas», durch die hochherzige Stiftung res oberschlesische» Waisen- Hauses als Philanthrop in weiten Kreise» unserer Provinz bekannt, ist i« Alter von 76 Jahren gestorben und am 8. Dezember von einem überaus großen Lrauergesolge znr letzte» Ruhe begleitet worden. Laut letzt willig er Bestimmung des Eatschasenea wurde Herr Rabbiner Dr. Münz aus Gleiwitz zur Abhaltung der Trauerfeter hierher berufen. Durch eisernen Fleiß, Intelligenz und Sparsamkeit wußte der verstorbene di« seit mehr als 100 Jahren im Besitz« der Familie befindliche Gerberei zu einer der bedeutendsten Fabriken dieser Gattuna umzugestalten. Er hatte ein ivarmes Herz für!eine Arbeiter, für di« er viele Jahre vor Erlaß des Gesetzes ein« Krankenkaff« gegründet hatte, keiu »»denken wird geseauet bleiben. BromAerG. Dem Simon Lew laiche» htzepaar« wurde anlätltch der golb-ueu Hochzeit di« Ehejuüitäuns-Medrill« durch de» Rabbturr überreicht AssSHch^h, ll. Dezember. Distrikts rabbiaer Grünbaum, der fett 1841 diese« Amt an der hiesigen Kuttusgrmeiud« in Ehren bekleidet«, wurde heut« uater ganz enormer Betellignng zu ttzrab, getragen. Den Arm-n aller Konfessionen war er ei» »iremer rraüdender Wohlthät«, weshalb'anch sein Hingang allgemein schmerz ltch «mpfnade» wird. 'rr21 ת ני Gtnttchchel, 11 Dezember. Die rlkavbinerioahl ist entschiede». Es ward«, wie schon früher in diese« Blatte »»gedeutet worden, der Herr D». Th- Kroner, zur Zrft Direktor der hiesige» Lchrer- BUdnnasanstatt, vordem Rabbiaer t» Erfurt, »» er gegen Einführung der Orgel geristtt hatte, zum Rabbiner gewählt. Dar berühmt«enssisch«vildhanrrBeraftamm (Jsr.) ist mu der AnsRhrnng der Bnstr des Admirals Ave llan, welch« »niere Stadt diese« tapscre» Offizier zur Grinnerang an seine» jüngste» hiesigen Aufenthalt widme» will, detrrmt wort«». (So wird et» Russe kinmrl von eine« Inden ansgchanea!)