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Israelitische Wochenschrift · 1893-12-01 · 48 (1.12.1893) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
48 (1.12.1893)
Date
1893-12-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Vtwcrtf«. ftclMRarf, tm November. Jrt« Damen der •mtrinbc '״€<$<«« Lefllla entwickeln (ine arofce Thätigkeft. Amrst hat ch eine babbath-Ligue gebildet» te?» Mitglieder st- Der« indlich machen, am Sabbath weder ißinkünfe z» machen, noch LergnügnngSplätze »n besnchen, und dem SotteSdietft am Labbath-Morgen regelmäßig anznwohnen. Dann!ya« stch «ine Gesellschaft von jungen Leuten «rgauifirl» die einmal ävöchentlich im Hause de» Rabbiner» zusammen kommen, um die Bibel in der Ursprache zu lesen. Die ,Schwestern" find nach wie vor thätig, die HülfSbedürstigen in ihren Wolmungen «fzusuchen und durch persönliche Dbmstleistnngen Drost und Unterstützung zu gewähren. Die Rusfisch-Amerikanische Jüdische Gesellschaft unter der Leitung de» Herrn Dr. Radin hat ebenfalls ihre fllrbeiten wieder ausgenommen und hält ihre regelmäßigen B-^samm- Lungen in dem Institute am Gast Broadway ab. I» seinem jüngsten Vorträge: ״Die moralische und geistige Entn ickelung der rusfischen Emigranten", betonte der Redner die Nrthwendigkeit, die Neu-Eiugewandenen über die Bedeutnng r nd Ab- . fichten der amerikanischen Institutionen zu unterrichten, und [ sie würde» dann bald einsehen, wie grundlos anarchistische und nihilistische Anwandlungen in diesem Lande find, obwohl -solche eine gewisse Berechtigung in Rußland gehabt haben mögen. Neueste und vermischte Nachrichten. NeritN, 27. November. Gestern Abend fand hier eine geheime -Berathung de« jüdischen ikomite'« zur Adwendung de« Antise«m»mu» »»«er dem vorfitz de« Herrn Rechtsamoall Friede «an» statt. Reue« wurde nicht zu Inge gefordert. E« existieren hier 3 Abwehrvereine der älteste ist der sogenannte Rickert'sche, der auch bicfe Seche seine Gene>aloers»»mlnng abhält, sodann der obengeaannie Friedemann׳ Hlldesheimersche und al« jüngster der EiMrMoerein Deutscher Staat«- bürger jid. Religion. >lle drei find aber in dem einen Punkte «in», daß sie Leid, Veld, Veld fordern. Da Ural denn doch zunächst die Frage aus der Hand: Warum den« nicht eine vereiaijnng der drei da«selbe auftrebende» Vereine zu ermöglichen sei, dimil alle Mittel zur Abmehr in eine gemeinsame ltaffe fließen »nd da« ganze -Berlheidigmrgswert von einer Ventrale au« geleitet »erde. Berit», 2». Rov. Die Veneraloersammlung de« Verein« zur Abmehr de« Antisemit!»««« fand gestern unter dem vorfitz de« Pro» -feffor» Dr. von Vneift statt. Dieler erSffuete die Berfamir luag mit dem Vemrrken, daß die« die erste öffentliche Versammlung sei, die der Verein abdalle. Lr hege zmar die Hoffnung, daß die höfliche «emeaung de» Amisemtttsmn» von!eldi im Saude »erlaufen «erde. Indessen sei e« Pflicht, etwa« zur Abwehr zu unternehmen: daher sei der Verein gegründet morden. Ungefähr in dems lben Sinie sprach stch Reich«tag«abg. Rickerl au«. Er gab sodann einen kurzen lieberblick über die Thättgkett de« Verein«. 'Der Verein zähtt in Oda Oitea -ca. 18000 Mitglieder und zmar in Rvrddeutschlano in 8 )7 Orlen 4400, in Süd- und Sestdenischland in 886 Orten 8500 sthtiglleder ׳ gm Jahre 1893 find 90770 und in diese« Jahre ein viertel Million Flugblätter verbreitet »orden. ״Der AnttsemUenspiegel ist in 3000!» Exemplaren verbreitet worden. E» feie» die« sehr anerkenen1:«werte Erfolge. Indessen sei noch viel zu thnn: namentlich in den greise» der Gebildeten herrsche noch zu große Laukett. Der Redner schloß «tt der Aufforderung an Juden mid Lhristen, den Verein in . feinen Bestrebungen »ach Möglichkeit zu unterstützen. Raö»dem noch einig« Redner Vorschläge zur Forderung de« Verein» gemä ht halten, umrde zue Borstandswahl geschritten. V« wurden wieder resp. neu in den Vorstand gewählt: Wirk!. Geh. Ober-Jnfttzral Pr. Dr. Gneist, r tzldg. Rickett. Rentier Jona« (Berlin), Reich»rm Buhl (Vaiern), «dg. Freche! r v. Stanffenberg (vaiern), Santtätärat Dr. Indemaau iikaffel) Fadnkdkrktor Isidor LSwe und Kommerzienrat Rdficke (Berlin), lrchivar Dr. Winter (Magdeburg), Pr. Dr. Stengel (Marburg),!Rentier Vharle» L. Hallgarteu (Frankfurt a. MI. Rechtdaawalt Dr. ' Fester (Frankfurt a. M.). Ghmnaflldtreklor Dr. R:inhardt (Frankfurt ,a. M.), Direttor Dr. Sullko« (Darniüadt), Stadtrat Weier (Lhar- | lotteubargl. und Geh. EanitLt«rar Dr. Boa« (Berlin). Berlin, 37. Rov. Die Beerdigung de« Geheimen Ki «merzten- ׳rat« Salemen Lachmann fand hwrte vormittag statt. Derselbe» . «irr eine Lrauerfetetttchkett in de» Hanfe de« verstorbene r »orange- ■ gangen, zü welcher außer zahlreiche» Leidtragenden auch der Kammer- Herr de« verstorbene» Kaiser« Wichet» L, Geheimrat Bork »nd viele Hohe Offiziere erschiene» waren. Dat Mtnnerq arte« dr» Opern- Chor« sang eine» Lhoral, moranf Dr. Mahdaum die Lrauerrede hielt. Rach abermalige« Ehoral wurde der einfache Sarg htnauägetmgen nnd der endlose Kondutt setzte sich nach de« alten vegräbak«. platz an der Lchänbauser Allee in Bewegung. Hier sprach »er Radbiuer der vom verstorbenen mttbegründete» Privatchnagoge an der Pot«d»mer Brücke, Herr Dr. Salomo» lohn, da» Lchlnßgebet, worauf die ve!setzung in der Familiengruft erfolgte. (S. Lachmann mar eff, al« Mensch »nd Jude gleich ««gezeichneter Ehrenmann Sein Andenken sei gesegnet l Sei» Sohn, Dr. Edmund Lachmanu, ist jüngst al» Vorsteher der Berliner jüd. Gemeinde wieder,,«wählt worden.) GlwMckt», 88. November. Herr Immanuel Landsberger, der erste Vorsteher der hiesigen jüdische» Gemeinde ist mit überwiegender Majorität zu« Stadt rat gewählt wordea. Glwgett». i« November. Zu« Andenken an da« vor mehreren Jahren vÄoedene» Joseph Lazaru»sche Gbepaar ist jüngst von einem Sohne diese« Ehepaare» eine Stiftung von Hunderttausend Mark gemacht worden. Die Stiftung soll würdigen verschämten Armen Glogan'» ohne llnterschied de« vekenntniffe« z» Gute kommen. Iu stizrath Friedmann, ein naher Anver!o»ndrer de« D:stator«. gehSr zum Kuratorium. Bnsett. Im hiesig, n jüngst begliindeten Verein für jüd. Geschichte und Ltteratur hielt Herr Dr. Karpele« einen Vortrag ״über den Amheil de« Ji-denihum« an der Wettliteratur." In Wresche« stard der Stadwerordnele Mir,I« im 8«. Lebe»«jabre Der Dahinge! hirdene war fast vier Zai,«zehnte Stadtverordneter und viele Jahre hindurch Repräsentant der!üdischen Gemeiude. Au« Anlaß der d amantenen Hochzeitöfeiee wurde er zu« Ehrenbürger der Stadt Breschen ernannt. »tzAlzr, 28. November. Der Tanten er Knaben mord beschästigt gegenwärttb da« hiesige Gericht. Der in der Sache al« Zeuge ver» nommene Sesentrnp soll zu talkar in zwei Wirisämsten geäußert haben, er sei der Mörder de» Knaben, nicht oder vusihhof. Bergangene Woche wurden ihm beim hiesigen Untersuchungsgericht die Zeugen, denen gegenüber er die betreffende Aeußerung gethan haben soll, gegenübergepellt. WeseMrup bestreite! die Lhatsaibe und giebt an, er habe da« in einer Wtrtbschaft gesagt, um die Juden aufrührerisch zu machen, in der zweiten Wirthschaft habe er nur mttgetheilt, daß er die sragliche Aeußerung in der ersten gethan habe. LeltzPln» 26. No». Dem hiesige» Antffemtteniülrer Redakteur Erwin Bauer ist nach einer Meldung der anttsemitis-hen Zeitschrift ״AMikorruption" fetten« der Behörde die sernere Führung de« Doktor- Ittel« untersagt worden. Daß Bauer diesen angeblich aus einer rusfischen Universität erworbenen Dttel zu Unrecht führe, war s hon früher von anrisemttischen Zeitungen antibauerscher Richtung behauptet worden. Dresden. 28. Nov. Im Lager der Antisemiten wird andauernd für uatechaltende velufttauug gesorgt. Noch tobt d-.r Bruderzwist »wische» Dr. Llman und De. Loham, den ehemaligen Freunden, und schon ist ein »euer Strett entbrannt zwilchen de« deutschsozialen Reich«- tagöadgeordneten Libermoun von Vonnenberg und seinen! resormerischen ,Kollegen' den Adaeordneien Hänichen-Lockwitz. Dieser hatte Herrn Liebermanu öffentlich beschnldigt. den Dr. Liman wegen seiner kontraktlich verbotenen Nebenthätiqkcit für die .Leipz. Neuesten Rachr," bei de« Verleger der »Dresd. Nachr.' denunzitt und dadurch gewissermaßen um seine Stellung gebracht zu haben. Daraus ergingen von beiden Setten »erschttdene .Erklärungen" und.Gegenerklärungen" bi« Herr Hänichen unlängst in der .Deutschen Wacht" einen Artikel gegen Liedern»»« veröffentlichte. der die Uebeffchrift trug: »Wer hat gelogen?" Liebermann erttä« nun, daß er aus Grund diese« Arti'el« den Reich«- tag»abgeordneten Hänichen wegen Beleidigung verklagen werden. Mmvvnen. Wege» thätticher Beleidigung elnee jüdischen Mit» bürger«, den sie in angetrunkenem Zustande au» pure! Rauflnst angegriffen hatten, waren hier i«'vergangenen Sommer drei Studenten mit Gefäng»i«ftrasen von zwei, drei und oier Wochen belegt worden. Die verurteitten reichten ein Gnadenngesuck, ei». Jetzt find die Gesangnisst afen in Feftungehaff von oleicker Dauer um 1ei»an»elr worden. 0 Hnnnsver, 27. Nooember. (Or. Cor) Bi- Ivarea jüngst in de« Lage, im hiesigen Vereine für jüd. Geschichte n t» Litermur den Vortrag de« Herrn Redakteur« De. Karpele« ״Über den Anthett de« Judenrhum« an der Wettlitermur" zu hören vielleicht eMschließl stch der geschätzte Redner den Bortrag durch Drucklegung allen äqaliiben Vereinen zugänglich zu machen. (Wir ko»men auf den Vorschlag zurück.) AentttsUpt ck. M Der Jscaelttische Httiöverein (Verein zur Seschräukung de« Wanderdettele) vereinnahmte im Jap re l892/93 a:. Mitglied«,beiträgcn Mk. 10,129, an Geschenken Mk. 6832. darunt.e Mt. lOOO von den Hinieroliedeuen de« Herrn Henry Strauß in Lon- »on, ferner zu vertettuna Mk. 1173 und für sp-^ielle Fälle MI- 6888,64, vom Hilfskomwitee für die rusfischen Juden Mk. 2006. Ansgegeben wurden für Sanderbettler Mk. 7,560, fflr russische Juden Mk. 2,080, llmerstütznngen Mk. 7881, veförderun-z nach Amerika Mk- 8,166, nach aneettn Orten Mk. 995, Beiträge zu Miethen Mk. 1,272, für Kurbebürftiae in Soden Mt. 491, für Badereisen Mk. 268, für Nähmaschinen Mt. 358 u. s. w., außerdem l»M Ausirag »erteilt Mt. 1,134. Die Gesamt,!»«gaben in Höhe »on Mk. 87,90! überstiegen btt Einnahmen um Mk. 8t7. Dtt Zahl der unterstützt« «anderdettler war 3,191, woruMer 397 Fcam». Der «MionMttät nach waren c08 Denffche, 666 Oesterv-icher, 630 «nsfin u. s. de« Beruf »ach 778 Handwerker, 355 Kommt« nnd Kanfleme, 618 Händler, 98 Lehrer, Beamte »nd Sffr^uten, l l Kellner n. s. w.

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