Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 46 (17.11.1893)
- Date
- 1893-11-17
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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rn zu erneuter Tätigkeit lein Wir Juden müfftil diese re besonder» beherzige» Der Orden hat diese« jetzt nicht!«than. Anfang» waren die socialcn Gcund.üge seiner Or lisatioo ein kräftiger Magnet. Heute haben in groben tttädten verschiedenen Club» und Vereine diese Aufgabe übernommen!Uich nicht zum Lortheil für die Gemeinde 1. In «ren Orten ist die Loge in der Tbat der sociale Mitt:lpunkt. )ie Versammlung und da» Katheder befriedigen heute «in BejMlrfniß, welche» früher die Loge mit ihrem Grundriß in einem oissen Grade mit Erfolg befriedigte. Die heutige Generatiqn der Juden ist amerikanisch und Nein die Zahl derjenigen welche noch amerikanisirt werden muffen. Man wird versucht zu!lagen das» e« richtig wäre, wenn der Prozeß der Amerikanifirung in gewissem Sinne etwa» oetzögert werden könnte. 3>U Zeit der kindischen Freude an Abzeichrn, geheimen Wörtern. Symbolen und drg>. ist vorbei und hat sich auch überlebt. Ein noch so sorgsam au»ged rcitete» Ritual übt keine Anzie i Hung»kraft. Gibt e» nun in den Logenfitzungenttgend ein ö lement, > welche» in unserer geschäftigen Zeit einen vernünftigen Menschen veranlassen könnte, monatlich einen Abend oder zwei zuri Opier bringen? Wir kennen kein solche». Auch der sä wache Besuch zeig!, daß wir mit unserer Abneigung, den Werth : eine» Abends nicht höher zu schätzen, al« die in der Loge »ebotene Entschädigung,nicht allein stehen. DieWohlthätigkeit»-Znstitute erden nach einem Platze geleitet, welcher die direkte p e rs k nli ch e Lheilnahmc der Brüder naturgemäß beschränk«. Die Logen sind tdlcht mehr die Hauptfactoren der Gemeindethätigkeit: da» sind die Zusammenkünfte. Will der Orden mehr sein alSeine Mumie, eioeErinnerung,so muß er ein andereSArbeitSfcld ausfindig machen. Wir z. B. würden die allmähliche Auflösung de» Orden« in Folge von Kraftlosigkeit sehr bedauern, den e» liege» Möglichkciten zum Guten in seiner herrlichen Organisatioi. Soll sie daher unbeachtet bleiben? Da» verhüte Gott! Gern bringe» wir dem Orden unsere Glückwünsche dar. Soll ,«nS aber da» Anniversarium nicht auch veranlassen, vorn-ärt» zu blicken? Da»ffrine,wo»vor Allemnoth thut, ist:die Prahlerei bei Seite z u legen. Machen wir allem Ehauvinisvlu» ein Ende! Da» Jodenthum ist eine Religion! Ein jüdi- »ischer Orden muß religiösen Bestrebungen geweiht ein?*) Der Orden muß zur inner» Mission der Synagoge l»erden. -Da» schließt Selbstcultur und persönliche Lic- -chertbätigkei t unter den geistig Umnachtetrn und Unglückliche» ‘ ein. Für Letztere bieten x B. die russisä»en Quartiere der größten Städte au-reichendeGelegenheit. Mögen die Logen zu Erzieh rngSan- ׳-staltcn für die freiwilligen Missionär de» Hause» werden l Dann ״fctrb e» dem Orden gelingen, die Geühäfte seiner seger »reichen :Lhätigkeir um ein neue» ruhmreiche» Tapitel vermehren zu können. Die Hoffnung aber, daß dirser Entschluß alii Frucht der Jubiläum»feier zu Tage rreten werde, ist der GlLkwunsch, welchen seinen ftohea Brüdern entbietet Emil G- Hirsch. Neueste und vermischte Nachricht«». g»«gded«rg. Ueber di, Bratgnna brr deutsche» BeiGlkeiung besonders »ach dr« Bekeuatniffen, im Zestrnum 1871 feil )890 ent• Mit btc geittchrist M königlich bayerisch statistisch«, Büren»« banerkeusaenr Angaben. , Unter tncht am»', so heißt rt da, »in »Ach er Stört« »« «tazelnen Rel^ivms-Geaoffruschaftr» an der Gesnmmt-Broötterung W de» beide» Zichlaugsjahrea 1871 und l890 teilnehme», s, findet «tan al» itrgebniß skr das ganze »eich bei de» Cvangeltschen eia« Annahme »»» O.ö ». H״ und bei de« and««» Christen eine snlch« Wan 6,1 v. H, »thrend bei de» Katholiken und Israeliten ei», Mdnahme, und zwar bei de» «rftmn um 0, A k. H. a»I> bei de» letztere« »« 0,t ». H. sich zeigt. Bei de» eillzclae» Staate, tritt da» *) Der Anss hluß alle» Religiöse» im» de« Loge» wird anch i« uschland »oa der Cinfichtige» als großer Menget «atpfuidr«. Ci« Uges Mstalied einer großen Log« am »Hein, An begeisterter Sn« ger des Orden«, schrieb u»b vor eiriger Zeit: »Di« Bmrt-Vriserrrichen di« Cbewros beiweit«« nicht: es find Chemie« oh«« kthmn: der S« Heorez — nab niäst fette» nach der Clfitores — »a« Reßimeut und das areß, Won. Cs war kinschuerer Irr- ,baß «eir Rabbiner »ns Aasaag« für da« Logeawese» de geisterte« " a: s. w. «ege» lastdnrchweg di« Crschein,«g zu Lage, daß die »»,«risch klri«ere Religion»-Genoffcnschafi ans Koste« brr »orherrschende, Religion da« )871 dl» 1800 zugeaominr« hat. So dtrkiere« die Kachel׳«» t« de» »orwiegead katpoleschen Staaten Clsab-Lothringea 8,3 a. ft״ Baden 2,5 ». H. uad Bayern 0,5 » H. an det Ceangelischm. D es« dagegen in de« überwiegend evangelische» Staate«: Bremen 2,8 Be» ft-, Brauaschweig 2.1 v. H, Lachse» IJB » H, Reuß ölt L I.S o. H, Hessen and Anhalt je 1.4 0. H.. Altenburg 1,8 b. H . C»d«rg-Getha 10 B. $״ Lippe 0,9 B. H, Preußen 0 8 B. ft. an die Katbolike». CI ne Ausnahme mache,׳ nur Oldenburg, wo die in der Mnderzahl befindlichen Katholiken 0,8 o. H. au die CBangelischea »erliere». Hambnrg, wo sich ein» Znuabm« der Katholiken »nt der Coangelischen aaf Kosten der Jsraeittea finde», die lL v. H. oerliercn, und Neiningen, wo sich edenfall» eine Znnah«: der Katholiken wie der Coa» gelische» z» Ungnnften der sonstigen Religionen zeigt." VtrUs. Der Ahlivardt-Moniteur—Ltaatsvürg«r!>Z,g — erhält eine Konkurrenz Der wiederholt Bon demselben >n Abrede gestellte Plan der Gründung einer neuen aniisemiis hen Zeitung hat nun elne festere Gestalt gewonnen Als Ausstchtsrath der Genossenschaft zur Herausgabe eines ״Fär»«>-Moniteurs" werden P tut,söriler, Friedrich Witte und Rechtsanwalt H.-riwig, als Vorstand an» Schriitleitung Max B.cktter hatten für sich de« Zweck der Mitarbeit an der Wieoerg burt der deutschen Volksseele als unzulänglich erwiesen" Du» Blatt soll sich an ״die vorhandenen Grundsätze der autisemitischtn Richmngen an» lehnen". Au» dem ״Anftrebeplan' hebt rin antijeinitischi» Zkonkurrenzblati einen Punkt hervor: ,.Cinziehuig des B:r,nög«»s: der Großjndrn und Judenbanten". B escheidene Lewe, diese neuen Zeitung«- Teutonen l «erlitt. Das preußische Siealsminifteriu« hat iu senier letzten Sitzung das Disziplimar-Crlenntuis des brandenburaischeu Provinzial- Schulkollrgiums, durch welches der Rector Ahlwardt seines Amtes ent» setz« wir», endlich »Nötigt. Ahlwardt ivar seit dem Jadrr >830 suspendirt und während dieser vier Jahre Hai die Stadt ihm sein halbes Gehalt zahlen müffen. JMUtBotU Hi« fand jüngst dt« 10. Jahresversammlung des deutchen Verein« gegen de» Mißbrauch aeiftiger Getränke statt. C» wird in dem Berichte hervorgetzoben, daß zu« ersten Mali auch kaiholischr Geistlich: rrschieuen waren und auch al« Redner anstraken. Cin«, derfelbea sagte sehr richtig: »Der Geistliche thut seine Pflicht nicht, drr fich vom Bereiusleoen ausschließt.״ — Cs wäre erfreulich getBese», wenn auch Rabbiner na den Versammlungen teil genommen Hütte». Esse«, 10. N.׳v. Der Raubmörder Uebelgünne au» Höfel, welcher am 07. .-edruar b. I. den jüdischen Händler Glünedaam aus Hammerthal bei Hrrbede ermordet und beraubt hotte, itt heu:e Bormittag hingerichtet worden. At»8 GaMe». >0. November. Einem für die antisemitische Resormpurtei rnrig eintceteuden Lehrer in Radeberg in Sachsen ist durch den Tchalbirrcior, aus Beranlaffung des Tchulvorstardes, ein ernster Verweis ertheilt worden. GtzCttchr», 8. NoBember. Bei den städtischen Behörden Hutten um Zuschüffe nachgesucht: I) der katholisch« Zealraikirchenvauverem für die Marimiliaustirch«: 2) die prot ftantische Gemeinde für eine dritte protetiantische Vieche; 8) die jüdische Gemeinde für ihre neue Synagoge und 4) die attkntholisch« Gemeinde sür ihre lltirchenzwecke. Sie All: hrven nicht »ergebeus gesteht. Cs erhielten dewtlligr: Nr. 1: ILtt.OOO JL, »t. 2: 50,>.-00 Nr. 8: tu.000 JL und Nr. 4: 1000 Ji (letztere Summe als jährliche Subvention). irln»lM (Psah), 9. Nov. «>n heutigen Lage waren es '15 Jahre, daß Herr sladtrath Simon N«hm dem Lynagogenaasichuise dahier theils als Wüglied, ih-il« alt dessen vorfitzender angehöit. Infolgebesten überreichten d«e Shnagogeu-Ausichußinttglieder dem ^udilare, der während des Btrlteljnhrhnndert» sich du« Vertrauen, di« Liebe und Achtung aller seiner Mitbürger oh -e Umerschied der Tousrsflon zu rrwrrde« uud zu erhalten Berstandru hat, Namen« der Lultnsgemetnde. «m deren G«f-ih'«n der Dankdorl-it und Hochuchlrag auch einen äußeren «usdiuck \a geben, eme Ädreffe in einer sehr hüosch gearbeiten Mappe aus blauem Tammi mit filbernen Beschlägen und einem Mittelftück. das die Initialen des Grfeietteit mit den beiden Jahreszahlen tvSS—:893 «rügt. Mm. In »er Klagrsachr de« Bankier« Thalmeisinger ii Regensbürg gegen den Redakteur der antisemitischen .Schiiellponhier, wegen eines Srtttel» -Jüdische Geschüfteeoulanzwurde Bon »er Sltaskammer da» erstinstanzlicheUiteil au,gehoben und der Beklagte zuder Geldstrafe von 150 JL tmurtcilt. Wim, U. Nov. Di« l.irsige Gemeinde hat eine» großen Verlust erltttenl Baron Moritz v Königtwuner, Mitglied »e« Herrenhauses, der Prüfident des jüngst eröffneten isr.-thrologischen Lehranstalt ist heute aeHordeu. »te», '.8. Nosemder. Dt« Hörer der hiefiaen lsr^ihecl. Lehr,«» statt habe» gestern unter sich einr» .theologischen Be,«»-׳ g-»ild«t. destrn Hnsgade es ist. homiletisch« llebaogen ״» Vortesnngen uti allen Ge« birtrn der jüdischen Wissenschaft, za Hilten. Hwrsttzead« find die Dokiorande» Alois Freund und Iohaa» Haff.