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Israelitische Wochenschrift · 1893-11-10 · 45 (10.11.1893) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
45 (10.11.1893)
Date
1893-11-10
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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I 3«ff« wird der Äat^Ztg.' : »Ein Mann. ca. SV Jahre alt, N schri _ «erlin. welcher in vom 28 Oktober »r- _ Jahre alt, Namen« Meißner an» da Elisabttystraße eine Wtrthschast gehabt haben will, trieb fich seit einiger Zeit in Palästina herum, ohne Papiere bei sich zu haben. Lorgeftera fand man seinen Leich- «am etwa eine Stund« von hier entfernt, angefreffrn von Hyänen oda Schakal«. Der Betreffende bat fich vor ca. 1k׳ Tagen von da Kolonie entfernt und trug fich schon länger mit TodeSgedanken. Ein Mord ist nach Ansicht da Aerzic ausgeschlossen, wogegen eine leere und zrrbroäkne Flasche, welche neben da Leiche fich fand, Bamuthungen hinsichtlich Selbsmiord^ auftauchen lasten. An Geld wurde etwa« mehr al» zehn Franc« voraefurden. Dad der Manu, »>ie auf dem türkiscren Amte aeäußert wurde, bei lebendigem Leid« von wilden Tieren zerrissen Worden sein kbane, ist nicht wohl anzunehmen Da Todt« wurde an den Kleidern al« da unter Zurücklassung seine» Gepäckö vor Kurzem au« dem Sosthause verschwundene und vageblich gesuchte Meißna erkannt. Eine auffallend, Gedrücktheit de« Gemüt« zeigte da Berstordene stet«. Er w,lnte viel und klagte üba seine zu Grunde gegangene Familie. Nach seinen Aeußaungen war « stark verwickelt >n den Ablwai dt'schen Prozeb. und eben diesen Ahlwardt verffuchte er häufig al« den Zerstvra seiner Eristenz. Mit Bebel stand a in brieflichem «akehr. Da Lerstorbrne baeute tief gewiffe Handlungen (Aktenfachein Aktendiebftahl u. dergl.), zu welchen a »on Ahlwardt und Genossen verleitet worden sci. — (In der Reichstags- Ber- Handlung gegen Ahlwardt war bekanntlich von einem früheren Kastenboten Meißna die Rede, von welchem Aiilwarbt seine »Aktenstücke' zum Teil erhalten!-alte.) flmnrif«. tttacintMti. Es war ein Festtag im wahrsten Sinne de« Worte», da am 21. Oktoba ein zahlretche« distia mierteS Puvlikum in dem festlich geschmückien, harlichrn GcttrShause da Bene-Jeschurun-Gemeinde versammelte. Die Feia galt da SO. Wiederkehr de« Lage«, an welch,«, der »«ehrte E-reiS, welcher seit nahezu SO Jahren geistiger Führer dies« Gemünd« ist. zum erstenmal die Kanzel bestieg. Ein reiches Stück Geschichte liegt zwischen jenem asten Austreten W i f e'S in da Synagoge eines böhmischen ProvinzialstädtchenS (Rednitz) und den, heuttaen Tage, wo ei al« der gefeierte Nestor de« amerikanischen RabbinaftandrS tmsteht. Sein Wirken ist nicht nur durch eine langjährige Thättgke t in ein« der hervorragendsten Gemeinden de« Lande» bedeutend, er bat nicht nur al» Schriftsteller und al« Herausgeber zweier vielgelesena Leitungen fich einen Namen oemacht, a ist auch durch die Schöpfung de« Hebrew Union College, der erster RabbinerbildungSanstalt in der neuen Welt und der Central Rabbinical Confereos, eine» RabbinervabaudeS, der die Rabbiner der bedeutendsten Gemeinden de» Lande» uinfaßt, epochal in der Geschichte de« Judentums geworden. Die Geschichte de« Judentums im IS. Jahrhunderte wird ihn neben Geiger, Frankel, Zunz. Grätz. S. R. Hirsch und Leopold Lbw al« einen der führenden Geister in Israel zu nennen haben. Da Feftgottesdienst au« diesem Anlasse war schön und eindrucksvoll. Nach vaster den Gesängen destrrg!Itabbinn EbarleS Levi die Kanzel, um in einer trefflichen, formvollendeten Rede das Wirken de« Jubilar» zi schildern. Er wies darauf bin, daß die Anfangsworte de» Woäienabschnittr«: ,Lieb« au« von Deinem Latalnnd«, von Deinem Geburtsorte, von Deinem Baterhause" für den Jubilar, der üdcr diesen Tat seine aste Predigt hielt, prophetisch geworden seit,. Dr. Wise ist. dem götttichen Rufe folgend, hinauSgezogeu, um gleich Abra- Ham eine Quelle de» Segen« zu werden. Die Versammlung lauschte mit atemlos« Andacht den beredten Wort!» de« jungen Predigers, die in den von Allen!zetetlren Wunsch anSklangen, daß der Jubelgreis noch lange Jahr!: sein« Gemeinde und dem Judentum erhalten bleiben möge. Daraus bestieg Dr. Wise selbst die Kanzel, um im Anschluß an den passend gewählten Text: .,Der Herr, der (Sott des Him׳ mel», der mich hat gehen heißen au« memem Bat« Hause. er wird seinen Engel schicken vor dir' eine höchst interessante, von jeder Selbstberaucherung freie Skizze seine« Leben« zu grien, in welchem der Engel Gottes ihm stet» zur Seite gestand, n hatte. Rede war ein meiftahafteS Stück Zeitgeschichte.*) Sin warm empfundeneS Geber de« als Gast hier anwesenden Rabl tner« Samuel Hirschberg au» Fort Wayre beschloß die «hebend« Feier, nach welch« der Jubilar von Slückwünscheuden förmlich »mrinat wurde. Beim RachmittagSgotte»dicr!ste im College nc hm Professor Mielzien, er, da Senior de» LesrnkollegiumS, da« Wort, um in ein« kurzen Rede das Leben 0<:S Jubilar« als L orbild für die studirende Jugend zu schildern, worauf ein gelungene» Gedicht von Frau Louise Mannheimer zur Lerharlichunc diese« Tage« »am Borlrsung kam. r, Jubilar, ist tro^^seiner 73 körpalich und geistig Leben»- und SO Dienstsahre ihn erfüllt fich I,a« Wort» da« : »erde» «Um btogmphijcheu Auszug in devellchska Rmmmer von Rose» und seine ' Jobre ' (Wir schließen uo» diesem Dr. G. Deutsch, Bros, am Loi . wir den Sa» Genes- 28,12 da bitSU)! Jubilar» Wirken anwrnden: ״Und ' (geistige Saaten) und fand hundertfa, düngen, so segnete ihn da Herr!" llose» Greisenafta «sagt ist: »Sein Auge ist nicht e:loschen ckle^ri^W^nicht geschwunden- Mbze c* für lang«, lang«!refaenten, Herrn Prof, von Haren an. indem »tlichen Sidra ruf de« aal säete in jenen Lande erfolg sein« Bestre- .) Neueste «ud vermischte Nachrichte«. Maidettt»«-. Ein« Unzahl distiagntrter fRUgtUttr br (Bitncc aOmtinkt, aa ihrer Spitz« di« beidrn H. H Ob«rr»bdin«r, erlassen einen Aufruf, um tu«, Rttchsralsabgeordne!«» Dr. Bloch, Heran», geber der .Oesterreich. Wochenkchrtftfür sein mutvolle» klustreten gegen den An1strmtti»mu» durch Wott und Schrift «in Zetchin wohlverdienter Sympathi« nnd dankbarer «efinnung darzubieten, um ihm dt« uöthig« materielle Nnabt.iinaigkeit zu schaffen, sich seinen Arbeiten im Dienste de» Jrdeathum mit ganzer Krass widmen zu kdnnen. Möge der Aufruf « Wien« »gder Aufruf «ine» recht günstigen »rsolg auch a11$rtMl6 d«r Wiener Gemeinde habe» Die Red. -. ,L»r. Bovenschr/st". Rach einer Zusammenstellung aber bie «ecus»wahl der preußijchen Abli»r>«n»en, die Professor -emß in der .deutsche« Schulpost' veroffentltch», machten tnftl 3019 Abiturienten da» Aromen, davon «7'/, Procent mnaeltfd>rn, 96'/, Procent katholischen Ullauben»- bekenninisse» und 70, Procen» Juden. Air vergleich mit >«n Borjahrrn zeigt »in« fottfchreiirnd« Abnahme d:r Abituttentrn, d!. sich Unt»erstlät«studie« widmen, dagegen größere, Zudrang zu praktischen Fäch:rn. Verkitt. Der jüdische Kaufmann S. T. au« R i x d - r , welcher am Pfingstsonntag Waaren in seinem Laden »ettanst haben soll, wurde deshalb zu MO «!. Selbst raie oder 30 Tagen Hast »:,utthttlr. Dies« Stral« begründete drr Borfltzend« fohendermaßen: 5>n Augeklagte lei bereit« wegen vettetzung der So»ntag«ruhe dest:aft, daß er sich nun »benfal« am ersten Pßngststtetta,,« gegen di« Sonntag», ruh« vergangen habe, sei mit Rücksicht auf die jüdische Religion de» Angeklagten eine Frivolitütall,,ärgster Art nnd eine Verächtlichmachung christlicher Einrichtung«», wt»halv auf eine so hop« Strafe erkannt werden müsse. MMkitUrt, 8. November. «Sie stark der Rückgang der a n t i s e. miiischen Stimme» trotz der eifrigsten «gstation Bvckel'« gewesen Ist, «rheNt au» solaender Zusammenstellung der Wasslresultaie der Jahre 1888 und IMS. Im Krei» Marburg werten 1888 aewähli: 39 antisemitische Aablmänner, die»mal nur 19. Ir Kranienderg-Kirchhatn >888: 74 antisemitisch« Stimme», jetzinur 48. WUätt. Ende Oft Da» Begräbnis dr« früheren Sitdtoerord» »eien Rech, «anwa!! Dr. W olsskchl gestattete fich zu einer eindruck». volle» Kundgebung. Der Tiauerzug, drr nach dem i»raelilis1,e» Fried- Hofe zog, war gebildet von Angehörigen aller Stände, Kinfesstoncir und Parteien. Am Grab« rühmte Rabbiner Dr. Saafeld di-! Herzen», güte und Lauterkeit w!« Humanität Äolslkehl'«, während Rechtsauwalk Dr. Strup» für den Vorstand drr AmvaUkamwer «I len Kranz niederlegt«. Im Namen de» demokiatischen Verein» sprack, Herr M. M. Mayer und betonte, daß di« Demokratie viel an Woifskehl »erloren -ade. (V. Karksache (Baden). Am I. November sprach Herr Stadtrabbiner Dr, Appei au» Mannheim aus Veranlassung de» Vereins für jüdisch« Geschichte und Ltteratur im großen Rathaudsaal dahier aber da» Thema: ,.Da» jüdische Tradition»- und Forschungtprinzip historisch beleuchtet. Der Redner verstand e» voitresflich, sein schwierige« Thema in populärer und doch wissenschaftlicher Fon» zu behandeln und wurde von dem großen Zuhärerkrcl« durch wohlverdienten Beifall au »gezeichnet, ltchkei«, Ehrenhastigkeit und Intelligenz der Juden hervor. POAtzOk, d. Rov. Odert abb. Dr. Adler hlelt am 1. d. Mt«, eine» interessanten Vortrag über di« sanitären Vorschriften de« mosaischen Gesetze«. D«>. Vorsitz führt« der «rchidtakonus Sinclair. Der Re», ner sprach über die >m Pentateuch geuiachlrn Anordnungen in Bezug auf die Erhaltung und di« Stättung der Gtsuudhest. Er betonte den Wett, welche» di« Beobachtung eine« -obchenittchen Ruhttage« vom hygienischen Gtandpmiktc besitzt und lenkt« die Aufmerksamkeit der Zuhdrer auf di« vielen Borschiine» in der vioel, welch« Reinlichkeit nnschärsen. Medicinisch« AutorüältN ersten Range» haben ettsätt, wenn di« im Pentateuch niedergelegte» vorstyttsien in Bejllg aus den Aussatz genou befolgt wurden, dürite man aus ein schnelle» «erschwinden oder doch auf eine dedeniende Abnahme ber Pocken, Scharlach 7c. rechnen fbnntn. Wo» dir jüdisch« Methode de» Schlachten» von Vieh aubttrifft, so ermangle dlefttde durchaus nicht der Humanitär, was auch v»n bedeutenden «räicinischen Autoritäten «nettannt wird. Drr Pap st Hai ongeordntt, daß dt« Depettde« voll c a n», welch« bei oerschied-uen italiensschen Banlen hinter» legt war«», diesen enizogrn und dem Bankhaus« .Rothschild fror«»' in Patt« üvergeden »erdcu. Rotschild'» Lassm al» Asyl für di« Gelder de» Vatikan» — bk Sach« «irtdehrt nicht «ine» ge» wisse» pilanien VldersvkachS l, Und «» handeü fich thassilastich um «in Asyl, denn der Vancau soll durch dk vermSg««»erwaU,ng dev jigtkichcheu Instituts btträchliche Vettusk rtttttea habe«.

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