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Israelitische Wochenschrift · 1893-09-24 · 39 (24.9.1893) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
39 (24.9.1893)
Date
1893-09-24
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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ein Herr Bergaui verächtlich, dev Rück« fthrt! Diese Tahtsach« SKbt nicht allein über die Mittel »u denken «elche die anttsemi- Agitation benütz, sondern sie «ft auch, «le ^«tt die «er-!nng de» öfftutliq« «eiste» arttirb« wird: wenn ,ch«> ein Pfarrer fich z« einer io unmoralische», ja verbrecherischen Han> lung hergibt. Die sogenannte Judenftaae hat viel «vk verwart, aber so sehr ist da« iiffentitche Gewifs« noch nictz vergiftet, daß selbst antisemitisc, denkende Menschen, wenn sie nur noch ans allgemeine Achtiwa Anspruch erheben und wenn ste die Selbstachtung nicht vrrneren wollen, ein solche» Lorgehen »u billiger vermöchten. Stwüfttt im September. Die Lage der Juden in Galizien wird von Dag zu Ta« unleidlicher, den« «ft einer Behärrlichkett die einer besseren Sa<i« wert wäre, sucht «an hierzulande dem jüdischen Mtbürger jede Erwerbsquelle «rgzunebmen und auf diese weise in Slaeehachschuh« da»felbe zu erziel«, wa» anderwärt» die StaatrweiSIait der »nute zu besorge» pflegt. Wo eiu warme» Her, für dieedmso ungerecht« al» grausam« Leiden diese» ärmste« Duldervolke« schlägt, wendet man nunmehr d« Blick nicht nur nach Rußlaich uud Rumänien. sondem auch nach Saliziev. uud da» mit!stecht: Die Roth hat hier den -öhevunv erreicht und nuu gilt e» die gauze Kraft v« Abwehr anzuspannen. Baron Hirsch, der uuvergleichliche Mmschenfteund, bat den geschildert« Zustand wohlerwogen, al» er seine Hand öffnete und di- Milliooenstistuug dem Laude widmete. Die Gabe ist grost un> steht in der Weltgeschichte einzig da. E» wäre daher unverzeihlich, wen» dicke gebot«« Hilfsmittel einseitig au»genützt und nicht voll nud ganz ihrer Bestimmung zugrsührt wKrden. E» läßt sich nicht leugnen, daß Wiffw Macht ist und daß Bildung ftei macht. Auch kann nicht i» Abrede gestellt werde», daß die Vermehrung drrBolk»sch»len eine Wohlthat kür da» Land bedeutet, Ebenso ist e» nötig, die Jugmd mit d« Elementarbegriff« dcr LaudeSsprach« uud mit dem sonstig« Wifi« eine» Normals chülerk vertraut zu machen. — Allein alle diese Mittel Hab« eft« so emiurut theoretischen Eharatter und bieten im Grunde grtwmm« noch so wemg Snhal1»vuntte für ein« Nahrung» zweig, daß die großartig« Sv«de d« galtzisch« Jud« schließlich d«u doch nicht jme ökonomsch« Kraft im Kampfe un 'S Dasein sichert, welche der hochherzige Wohlthätrr eigentlich drzweckt hat. Eise andere Sache ist e» um die G e w r r b e s ch u l e n, denn diele aereilen der Zögling unmittelbar für. da» Erwerb»- leb« vor und sind daher von hoher vrattischer Bedeutung. E» wird nämlich dem jütisch« Handwerker leider nur zu oft der Lorwurs einer nicht allzugründlich« Ausbildung in seinem Fach« gemacht. Die Oberfltchlichkrit rührt off«bar daher, daß fich die verschied«« Meister keine Zeit uehm« können, ihre Lehrlinge in die Einzelheit« >«r Arbeit einzuweth«. Die Aurbildung wird größtenteils d« Zufall uud der Wißbegierde de« Lehrling» überlaffcn. Und darin steckt da» llebel. Da muff« Schul« geschaffm werden, um den gerügt« Mängeln zu begegnen und unsere Handwerker im Wettbewerbe stark zu mach«, dan it sie nicht unterliegen. An einschlägig« Musteranftaltm hob«, wir kein« Mangel. Gewerbeschulen sind da« einzige und bewährte Mittel, die vroducttve Tbittigkett der galizisch« Juden zu heb« und zu verfeinern. Die Borengeuommenhttt. mit »elcher die Juden lauge Zett de« Handwerke iiegenLberftaud«. ist längst gewich« uud die Stattstik zeigt da» P uadoion, daß in viel« Stadt« Galizi«» dir Zahl der jüdisch« Handwerker j«e der nichtjüdisch« Mehrheit bedeuteud Überrest. Der Haudwerkerftand wird also geschätzt und geachtet uud die Handwerkerveretne genießen die vollste Smnpathlr. Aber dir Klage», daß die jüdisch« Meister keine über d« Durchschnitt reichend« Arbeit« liefern, find nicht immer ungerecht und wir veinehmm nur zu oft selbst au« jüdischem wiuude abfällige Urteile über »jüdische Arbeit". E» ist daher angezeigt, dir berufenm Kreise auf die Wichtigkett dieser Angeles« hea aufmerksam « «ach«. Die Unterbringung jüdischer Lehrlinge bei hervorragend«christlich« Nüster, rifft auf viele bekaimte Schwierigkeit« uu» mir «üffea ^r Selbsthilfe schreiten. Diese liegt aber i» der Grift»«», von «erbeschul«. E» ist vor Alle« et» Gebot der Notwendigkeit, jüd. Lehrlinge iu solch« Fächern »iänmäßig auSzubtld«. welä fich die Jud« in der Regel widmen: hierher gehör« die Arbeit« der Schneider, «lemptuer. Maler. Goldarbeiier. Uhrmach« u. a. m. — Fähige El«« sollten mit Stipendien verleb« und in» Ausland zur höher« Au»dUdung geschickt werden. Nach uud nach müßte man darauf ft1-«, die Jud« auch i» j«e Zweige einzusührm, welchen fie bi» heu!e fernstehen — oder wo fie nur vereinzelt wirken. Nur so winft unserem arm« hungrig« Lolke, da» vo» Jedermann mit Füßen gettet« wird. AuSficht auf ein Stückch» redlich verdienten Brote». Dem löblichen Kuratorium der Baron Hirsch'schen-Stiftimg. empfehl« wtt biüe Angelegenheit. F. Bwtzgtzeft. Die Antwort, welche der Kaiserin Güu» am 17. auf die Ansprache de» Rabbiner» von Steinamanger, Dr. B. vor» stein, der D«»tatton der Juden erteilte, wttd hier lebhaft commenttrt, uud e« kann nicht geleugnet werden, daß der offenbar «laßstchtlich« Tadel, welcher «icht iu d« Worten selbst, sonder» in der negattv« Fassung derselben enthalt« scheint,») in weit« Kreis« ein gewisse» Aufseh« erweckt hat. Man sucht nach de» verschiedensten ErklärrngSgründen, und e» werden al» solche an» geführt, daß der größte Teil der Jud« jenseit« der Donau oppositionell gestnnt sei, und daß »er Streit »wisch« d« ortbodo xen und n e o logen Jud« wegen der Zulassung zur Audienz beim Kaiser an maßgabender Stelle übel vermerk worden wäre. Die neolog« oder fortschrittlichen Juden erklärt« nämlich, gemeinschaftlich äfft ihren orthodoxen RengionSgmoff« nicht vor dem Kaiser erscheinen zu wolle». (Wer ennnert fich da nicht der Berliner Anekdote von dem jüdisch« Jüngling, der sich, weigertt mit seinen Eltern in ein gröbere» Taf»- unter den Linden zu gehen, ,^veil ste ihm zu j ü d i s ch aussähen!ד Meters*»««, 14. September, lieber die Ursache de» jüngst in Jekaterinoilaw vorkommrnd« Jud«krawall» giebt die antisemitische »Nowose Wremja" folgmde sehr auffall«de, fast unglaub» liche Darstellung, in welcher fie die Jud« eine seit Makkabäer» zeit« w«igan ihn« beodachtett kriege rische Rolle spielen läßt sie schreibt: »Ohne jrdm direftm Anlaß überfiel plötzlich um 2 Uhr mittag» ei« betruukmer Jude die durch die Trogawa^Sttaß« gehende Rusfiu Irma Smtow. Al» ein Polizist d« Jud« ver» Haft« wollte, gab dieser dem Polizist« eine Ohrfeige und zer» riß ihm. b«or letzterer Hilfe bekam, seine Uniform. Blitzschnell sammelte sich ein Haufe Juden, welche die Abfühung ihre» Glaub«»- gmoffm iu» Polizeiamt zn verbinde« suchten und »schlagt sie" riefen. Am Polizeiamt selbst ging der etwa 900 Köpfe zählende Judenhause«Thätlichkeiren Müder, schlug die Polizist« nieder, (1> warf Steine in d« Hof und verwundete dadurch eine Frau. Dann versucht« die Inden die mtt Mühe von der Polizei geschloff«« Thore zu spreng« und begann« schon, fie zu »er» ttümme«. Erst der au» ander« Stadtbezirk« herbei geeilt« Polizei gelrng e», dm schreimd« und schimpfmdm Haufen zu» rückzutreiben. Die Bürgerschaft ist angeblich sehr erregt über diese» Auftret« der Juden. Die Untersuchung ist sofort ringe», leitet ward«. Man will wiff«, die Anklage werde fich so zu» spitz«, daß die Schuldigen 12bi» lüjährig» Zwangsarbeit tteff« würde." - Zu dieser offenbar überttiebmm Schilderung der .Nowoje Wremja" sei noch bemertt, daß Jekateriuo»law dieselbe; Stadt ist. iu welcher in d« SVrr Jahr« jme skandalös« Jude«» ' Hetzen mit Brand und Mord stattfondeu. ttmeril«. •tacitttMtt. Eine Lebensfrage für die eiuaewauderte Ruff« und Pol« und ihre Zukunft im Laude der Feiheit ist., wie könn« wtt die voraebltch jüdischen Anarchist« lo» »erden., die Braudreduer. die Braudfackelschreiber. die mtt nammlo Frechbett Rohheit und RücksichSlofigkett bei jeder Geleg« da» große Wort führen. Während ßer letzt« paar Wochen einige derjeld« t, Thic sieag» und Rao-Vork verhaftet Work *> Di« dttrrfitnd« Wo!t» de« «affe,» laairn, '.er daran, dan die J»earttt«n »i« Ve>e >»>wd« 1~1ז >«>»«' La», Heu!

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