Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 31 (28.7.1893)
- Date
- 1893-07-28
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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Verlt«, 25. Juli. Di« Auk einandersetzunaen zwischen den Konservativen und Antis emiten erfuhren gestern Abend eine «»eitere Fortsetzung in einer arittsemittschen Volksversammlung, in welcher Abg. Werner über du» Thema: .Der falsche und der wahre Antisemitismus, oder der Wolf tm Schafskleid«' sprach. Werner nrfe» die antisemitische Genossenschaft der Konservativen brüsk zurück. Die gefährlichsten Gegner der Antisemiten seien die Konservativen. Diese Leute könne man mit vollem Recht die Wolfe in Schafskleider« nennen. (Beifall.) Diese Partei gebe nur Versprechungen, die fie niemals halte: deshalb sei fie entschieden zu bekämpfen. (Beifall.) Stöcker sei auf halbem Wege stehen geblieben, wenn er die getauft.׳« Juden den Christen gletchstellen wolle. Nachdem er sein Hofpredigeramt nirdergelrat hatte, hätte er zum NaffenanttsemittSmu» überachen müssen. Werner bestritt sodann Stöcker die Vaterschaft des AntisemitirmuS, welch« er Dr. Henrici v'ndicirte. Der Durchfall Stöcker« in Siegen sei auf oeffrr. Tölpelhaftigkeit zurückzuführen. Die Anttsemiten mutzten den Kampf gegen die «onsrrvattven ebenso gut wie gegen die Freisinnigen und Sozialdemokraten führen. Ihm (Redner) sei ein ehrlicher Gegner, wie Eugen Richter, noch lieber wie ein Konservativer. Im gleichen Sinne äußerten fick auch die übrigen Redner. Damit haben also die reinen Anttsemiten den Konservativen offen den Fehdehandl chuh hingeworfen. Da« von tat Konservativen so lange aehütschelte Schoßkind de- AnttsemittimuS wird ihnen also selbst zum Verhängnis. Au» SRinten wird geschrieben: Bei dem Festmahl«, welche« die Bertteter der Industrie, he« Handels und der Landwirtschaft de» Regierungsbezirks am 17. d. M. dem Regierungspräfidenten v. Pilgrim aus Anlatz seines SOjährigen Dienstjubiläum» in der Porta Westfalia gaben, sagte der Herr Oberpräfident Studt in seinem Saisertoaste: ,Lch weih mich einig mit Ihnen in dem Gefühle der Begeisterung für Se. Majestät dem Kaiser, «velcher allezeit den Traditionen der Zollern gemätz da» Wort 9״naa cniqne״ zur vollen Wahrheit macht und allen seinen Unter» thanen. welchem Glaube« fie auch angehören,gleiche Liebe uud landerväterliche Fürsorge entgegenbringt." Da e» bislang an beglaubigten Aeutzerungen de» Kaiser» über deffrn Stellung zum SuttstmittSmu» fehlt, so ist jedenfalls diese» Urteil eine» hohen StaatSLeamten bezüglich der Sefinnung des Monarchen auch gegen seine jüdffchen Unterthanen gerade jetzt von grotzem Intereffe. Wir haben übrigntS nie daran gezweifelt, datz unser Kaiser, wie er eS in seiner Proclamatton bciseinem RegierungSantritt seierlich verheitzen, die Sonne der Gerechttgkeit und kaiserlichen Huld über alle Bürger in gleicher Weise scheinen laffen werde. 6. Strelitz in Mecklenb.» 23. Juli. (Or^-Corr.) Zur Hof» cour bei Sr. König!. Hoheit dem Srotzherzog in Neustrelitz am 20. d. M.. der Nachfeier des goldenen Hochzeitsjubiläums Ihrer Königl. Höhnten, wurde auf besonderen allerhöchsten Befehl auch der Oberrabbiuer Dr. I. Hamburger in Sttelitz geladen. Der Grotzbrrzog beehrte Letzteren mit einer längeren Anrede, in welcher Lllrrhöchstderfelbe mit Nachdruck stark betonte: ״Der PsalmverS (PsH45, BerS 2t), den Sie in Ihrer Jubelfest-Predigt*) anführen: ,Du liebst die Gerechtigkeit und hassest den Frevel' bildet meine eigene Ueberzeugung. Ich beauftrage Sie, den jüdischen Gemeinden des Lande» meinen Dank für die mir zur goldenen HochzeitSfeier gesandte Adresse auszusprechen.' Brüssel, 17. Juli. In dem Proviuziallaudtag für Luxembürg hatte der Arloner Rechtsanwalt Georg Fribourg die Fi» uanzgebaruug der klerikalen Proviuzialregienmg einer scharfe», aber sachgemätzen Kritik unterzogen. Einer der Führer der Mehrheit BürgeruCetster JaqueS au» Floreiwille erwiderte «utt eine« Ausfall gegeu Fribourg» iSraelittsche Abstammung. W» JaqueS geendet hatte, stellte ein Liberaler den Antrag, die Lei» sammlnng möge ihr Belumern darüber auSsprechen, datz ei» Mtglied beleidigende Aeukerungeu gegen eine» seiuer Kollege« ge» braucht Hab«. Darauf beauttagten zwei Klerikale einfache Tage«- ordnuug und die Meht hett stimmte für dies«. Nu» «hob sich ein Liberaler zu der Erklätmng, die Mitglieder der Linken fänden fich ip gedruckt erschieue» uud durch di« vou '3; Varuewitz t* Reustrelitz zu beziehen. nicht «ehr genügend geschützt gegen beleidigend« Ausfälle eines Mitgliedes der Rechten und erachteten e» deshalb für ihre Pflicht, die Versammlung zu verlassen. war alsbald geschah. Pnttifttna. v. Aerwfalr«, Mitte Juli. (Die Armenwohnungen am BergeZion.) Die Anlegung von Armenwohnungen am Berge Zion, genannt Bothe lUchm, ist eine seit 90 Jahren von deutschen und ungarischen wohllhättgen GlaubenSgrnoffen in'» Leben gerufene Gründung und fie würde eine Zierde aller Institute sein, wenn nicht auch hier die Willkür und Selbstherrschaff platzgegriffen hätte, durch welche gar schreckliche Ungerechtig» leiten entstehe«. ES ist stet» zu rügen, wenn wohlthättge Anstatten und Verwaltungen unter dem Schutz oder in der Macht nur eine» Menschen liegen, wie leicht ist doch ein Jrrthum bei einem Einzelnen möglich! Der Einzrlwille führt zur Willkür, diese zu Ungerechtigkeiten. Ueber di esr wohlthättge Anstalt ist z.B. ein ,Statut' abgefatzt worden, welche« auch die Bestätigung, de» österreichischen Consulat« erhallen hat — und steht diese Anstalt auch jetzt noch unter dem Schutz« de» österreichischen Consulat», weil damal» hier noch'kein deutsche» Consulat domizilirt war. Nach diese« Statut sollte die Verwaltung in Händen eine» Centtal Comitee» autzerhalb Jerusalem» liegen, bestehend au» 2 Mtgliedern in Deutschlaud und einem Mitglied in Ungarn. Außerdem sollte hier in Jerusalem ein Lokal-Comitee, bestehend aut 6 resp. 7 Mtgliedern, von der deutschen und ungarischen Gemeinde hier vorgeschlagen und vom Lrtttral-Comitee gewählt werden. Diese» 5-gliedrige Lokal-Comitee hätte dir Verwaltung am Platze zu besorgen, alle» Vorkommend« in gerechter Weise zu behandeln, Caffa und Bücher regelrecht zu führen; Jahresbericht und Jahre»- dilanz zur P u b l i c a t t o n dem Lenttal-Comitee einzusenden, um dadurch sowohl dem geringste» Schatten einer Mtzverwaltuug al» auch dem Verdacht einer unreellen Caflaführung zu entgehen, sowie da» Institut einer größeren Entwicklung entgegenzuführen. Ja, da» wäre so schön gewesen aber e« hat nicht sollen sein! Dieser Paragraph de» Statut« hat eben nicht so recht zur Selbstherr» schaff gepatzt und ist bi» zur Stunde trotz mehrfachen Moniren» bei Herr« Dr. I. Hildesheimer in Berlin von demselben unberückfichtigt geblieben. Wer sollte auch bet noch so gerechter Forderung e» wagen, über derarttge Machthaberei beim Consulate Beschwerde zu führen? Derjenige arm« Bedrückte, dem e» einf~ . _ wird. Erlaubt fich ein Deutscher etwa» derarttge» zu veröffent» lichen. so sorgt schon da» Amsterdamer Comitee, datz er bei Ber» theilung der kleinen Prtvatspenden oder auch wenn möglich von der ganzen Spende au» irgend einem vorgeschobenen Grunde au»- geschloffen wird, oder er wird auf Ordre von Berlin bei der Ber» theilung der Armenwohnungen ausgeschlossen. Dieselbe Bedrohung trifft auch die ungarischen Gemeindemitglieder und darum werden alle Ungerechttgkeiten todtgeschwtegen, denn da» DamokleSschwert in Berlin hängt über den Häuptern der Armen in der heiligen Stadt l Ja di« Klage» de» Propheten Jesaia», die am Sekabb«• Cbaaon in allen jüdischen Gotteshäusern ertönen, fie firidra ihren mächtigsten Widerhall in Jerusalem selbst: איכח חיתח ו3י .Ehemal» wohnte Gerechttgkeit in ihr, jetzt aber ...' O datz sich bald erfülle da» Wort der Verheißung: Zion kann «nr durch Gerechtigkeit erlöst werden!' Möge die Verwaltung eine unpartettsch gerechte sein, dann erst wird die ganze Einrichtung ein wahrer Segen sei»! Rwrih. New CtU«n». Die hiesige ״tausche Zeiuag" schreibt: Di« diesjährige Sitzung der Distrikt» Groß-Loge Nr. 17 des B'uai-B'rith-Ordeur, welch« vier Tage währte, scheint nicht allein tu jüdffchen Kreisen, sondern auch außerhalb derselbe» eine« Sicherst günstige» Eindruck hervorgerufeu zu habe». Da« ruhige Verhalten dieser Leute, di« da Hunderte von Reib» gemacht hatten, einfach und allein nur um der guten Sachen der SoWhättgkett. Vorschub zu leisten für Elternlose, fb-tttttt•«*, J für Kranke, wie auch für di« Heranbildung der Jugend zu sorgw. 4