Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 29 (14.7.1893)
- Date
- 1893-07-14
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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WUMMUWWW»?V*7 ״. Juli. Dir Frage: ״SBeift der Star um (3fe Verfolgung der Juden? beantwort« «in Anonpmu» in der ,Renz." durch Mttheilung folgender Thatsache«: x - Kd wurde allgemein behauptet. Durnowo, der Maifter de» /Innern, und General Greffer seien die eigentlichen Urheber der £ schändlichen Judenverfolgungen. — da» ist eia Jrrtbum. General ^Drrffer stand sogar in Freundschaft zu mehreren Juden. Einer ^^ttselben. Herr Italischer, war gezwungen, in einer wichtigen Ger schäftrangelegenheit di« Hauptstadt zu besuchen und war nicht wenig erstaunt, noch am Tage seiner Ankunft vor de« Seneral «itirt zu wrrden. Sr begab stch in dessen Bureau, um ihm die /.Wichtigen Gründe seine» nur auf ganz kurze Zeit berechneten KjJBtteiitnnatr Aufenthalte» bekannt zu geben. Aber Greffer liest DDrr nicht zu Worte kommen. Er begrüsttr ihn m Anwesenheit ^«ller im Smpfang-falon Wartenden auf» freundlichste mit den ^Porten: ,Besuchen Sir un», meine Frau wird sich fteueo. Sie sehen, dort werden wir von Geschäften sprechen, hier kein Wort v darüber." Italischer machte seinen Besuch, wurde auf» herzlichste Wufgenommen, und als er die Vorladung, die ihn vor den General ckttirte au« der Tasche zog, sagte Greffer» »Sie haben mich auf- Wichtig betrübt, lieber Freund. Warum, in aller Reit, find Sie ,'■ -ta einem Hotel abgeftiegen, dast Ihr Aufenthalt sofort bekannt . werden mustte. Ich werde alle» aufbieten, um Sie zu schützen. kGamit Ihnen nicht» in den Weg gelegt werde: aber meine Unter- ' --gebenen dürfen r» nicht merken, denn so weit e» die Juden betrifft, bin ich vollständig machtlos, muh ich mich hvhrrem Befehl -״ lügen." f Durnowo, welcher einst Gouverneur im südlichen Russland -.:war, hotte hier Gelegenheit, mehrere Juden kennen und schätzen M lernen. Im vergangenen Herbst nnn befand ec fich in Balta, ^«drem Badeorte auf der Insel Krim, wo gleichzeitig auch die /^kaiserlich« Familie weilte. Sine» Tage» begegnete ihpl Herr S. Q*au» jener Stadt, wo Durnowo Gouverneur gewesen, ein alter freund von ihm. S.. ein Jude, wagte nicht, Durnowo zu grüsten, .«u» Furcht, der Minister werde nicht von ihm, einem Juden, ge- : kannt sein wollen. Aber Durnowo ging auf ihn zu. schüttelte t - ihn herzlich die Hand und machte ihm einen Borwurf darauf, dast 6.׳ ׳- in Balta sei und ihn nicht sofort besucht habc. Gelegentlich! eine« derartigen Besuche» nun kam auch die Rede auf die Au»- ,^ Weisungen der Juden, und S. äusterte sein Befremden über die ^-AefinnungsSnderuiig, die sich doch bei Durnowo vollzogen haben ^Mnstte. nachdem er nicht zögere, sein Siegel zur Bekräftigung unter betreffenden Verordnungen zur Verfolgung der Juden zu l; setzen. »Sie verkennen mich, mein lieber Freund, ich bin nur das Werkzeug iu den Händen eine» Höheren", antwortete Durnowo, i^Md ich must Ihnen leider mittheilen, dast das erst die Blüten ^7ß«d. die Früchte kommen noch. Es steht den Juden für da» Aäwumende Jahr aus dem Wege der Gesetzgebung noch viel Aergere» Hievor." & Der jetzige Gouverneur von Petersburg, Herr von Wahl ^»..wnrdr auf diesen Posten ganz gegen seinen Willen berufen, und £*«0 ist bekannt, dast er dem Szar beim Antritt derselben sagte, er würde fich glücklich schätzen, ihm tteu dienen zu köauen, aber nicht w»tetrübt sein, wenn er de» geringsten Vergehen» wegen den Ab- »Whied «hatten würde. Sr ׳ Dast der Ezarewna rinfür allemal v«boten wurde, sich zu WGunsten dn armen Juden zu verwenden, ist eine bekanntt ^Ukhatsache. Warum soll nun der Ezar feinen jüdischen Unterthaneu >/feind sein, was haben sie verbrochen? ,Sie glauben", sagte!»^«rullch ein hob« StaatSwürdenttäger zu einem angesehenen EZjuden, »daß die Juden ihrer Religion »egen oder au» nattonal- ^".äkmomischen Gründen so grausam verfolgt werden? Dem ist nicht so. D« Grund ist d«. dast dem Szar glauben gemacht ^'unzte, die Juden seien bei jedem politischen Prozest mitschuldig ^7»kd tn um»«bältni«mästig grosser Anzahl bei allen Bewegungen, M8e den Sturz de« jetzigen Regierungs-System« bezwecken, be- E» ist bekannt, dast General Tscherevin« grasten Einffust aaf de« Szar besitzt. Als « gebeten wurde? fich zu Gunsten d« Jude« zu verwenden, da « bet -oft so gut augeschrieben sei, antwortet« «: »Ich habe Einffust auf den Szar, bin de»- wegen gut angescdricben bei -oft. weil ich e« vttmeide, in Angelrgenheil d« Juden auch nur ein Wort zu »rrli«ea: von dem Moment an, wo ich meine Stimme für die Juden «beten würde, wäre auch meine Stellung total erschüttert." Dir Antwort aus die Frage, ob d« Czar um die Verfolgung d« Inden wisse, ergiebt stch sonach au» dem hier Mstgetheilken von selbst. 9teuette *«b vermischte Rachrtchle«. Magvegura. Die Paris«,S,aat»anwallschast verlragt, dast M-rqni« ffiorrt, einer der antisemitischenHaupckrakehler, unter aerichlltte Kura'el gestellt werde, da er an Grüßen»,ihn leid«. Vetanntlich befindet fich der demsche Oberantisemit Paasch ebenfall« unter ärztlicher Leanffichtigung bezüglich seiner moralischen Berantwonlichteit, auch Ahlwardt lerdrt an einer ähnlichen Krankheit. I« Grund« leide« alle diese Herren an einem fittlichen Defekt. wrrti«. Kaiser Wilhelm hat kürzlich da« Herz eire« Juden. Namen« N. Behrend in Ehristburg, der da« Geschäft ein,« Hmdel»- juden betreibt, erfreut. Während brr Kaiser in der Rachbar chast jagte, besuchte er Lehrend, den er bereit« persönlich kannte, d» deid«: znsnmwea in dem l. Garde-Regiment zu Fuß gedient haben. Seine Majestät fragte Lehrend i« Verlause der Umerhaltung, wie e« ihm geh«, und ,1, dieser sagte, daß e« sein sehnlichster Wunsch sei, die «gentur für ein« neu« Eisenbahn gelegentlich ihrer Eräffnuag zu erhalte,, versprach der Kaiser, sorge zu tragen, daß sein Wunsch ehesten« rea ifirt werde. Woffipck, U». Juni. Hier ist gestern zum erste» Mae, seü di» Stadt ein« Gemeindevertretung hat, «ln Jude, Stecht-anwilt Cohn, in die Lertretu.'g gewählt worden. «Stiche«, Iv. Juli. Bei der dieäjährigen Preiäverteilung an der hirs. Univerfiiit ha« ein Jude, Herr cand. med. Eugen Kränke! au« Bisd, derg (Kraalen), den Peri« der medizinische» Kakubät erhalten. An« VlKsuBet» schreibt un« Herr Lanto, und Rel gtontlehrer W. Karo über die Beer»igung«seier de»Prediger» Js. Tonn: Dem Leichenwagen voran schritten di« jüdischen Schüler und Schülerinnen, Kränz« und Palmen tragend. Hinter demselben folgten di« Leidtragenden, sodann der hiesige Rabbiner De. Olitzti, Prediger Siurmann au» Osterode und mehrere au« der Umgegend berdeigeeilie Kultut» beamte, hieraus der Gemetndevorstaad, die Repräsrnlanlei , dt« Borfteher de« Kranken- und Beerdigunatverein«, der Bürgermeister mir den Stadträthen, der Könial. Gymnafialdirektor. der Dirigent der höbereu Töchterschule, «in« Anzah. von Lehrern und Lehrertauen aller hiesiaen Lehranstalten und dann rin unabsehbarer Zug von Bürge». In der Grabrede entwarf der Rabbiner ein getreue« Bll» de» Entschlafenen, schildett« ihn al« Gatten, Vater und Beamten mit au«geze chneten Beruf«eigrnschaste», wir er von Jugend auf bestrebt war, zu ternrn und zu lehren. Herr Prediger Lturmann hirlt tiefergriffen eine Abschied«- rede an den seit ¥5 Jahren mit ihm «na befreundeten Kellegen, schll» den« ihn al« Freund, Antt«brnder und Menschen und gelachte in bereble« Sotten auch seiner Lhättgkrtt auf den Brrsamottungen der Religion«lehrer Ostpreußen«. Mll den üblichen Gebeten schloß die Trauerseirr um «inen Brrusbgenoffea, dessen L«d«n»bild den Kollege« noch lange al« nachahmea«wetthe« Borbilb vorfchweben mird! •t*l*tt. Der zum Landarttchttrath ernannte Dr. S-miuel Lare ist der erste Jude in Oesterreich, der zu einem so wichtige, juridischen Amt« zugelaffen wurde. (Dr. V. war lange Zell Rathi sekretär und war schon vor viele» Jahren für diesen hohen Popen in A»«fichl aenommeu, hätte er von dem Glaube» seiner Bäter gelassen» aber Dr. Sar« wttgettt fich, dies« Ehr« auf Kosten seiner religwsrn lleberzeugung anzuaehmrn.) v«P«p«ßt, «.Juli. Der na. Rabbiner und Redatt-nr de» ,,Ungarisch.Israeli',Herr Dr. I. W. Vak ist heute im 71.Leben«» jahr« gestorben. Er war reich an Wissen, Humor und Satyr«. Sr ruhe saust I Der Badeott Derbbet« (bet Riga) wird jetzt von den gesnnde» und kranke» Jude« gesäubrtt, mll »u«nahme derjenigen, di« Kaufleutr erster Gilde find. Auch dir Einwohner der Stadt Riga werden nicht verschent. Letdec nimmt der Aotisem>ti«mu« in unserer Gegend vo» Tag zu Tazu: er kommt au« Deutschland, schmuggell sich über di« Grenz«, findet in »er ,Zeit»»» für Land und Stadt" freundlich« Auf» nahm» nab wird mtMt »»» der Stadt auf« Land ht»«u«getragea. Merkwürdigerweise ist aber «iu« große Zahl Leser der oderwühnte» Zeitung — Inden. Maie». Der junge Khedwe hat sell seiner Thronbesteigung manche Proben seiner freuudllchen vefiaanng gegen di« Jude» i» «!!-«meinen «nd seiner herzt, ch-o Freundschaft gegen nnsere Glaudend^uoffe« t» Lleraudria und Kairo g-Leben. Uiame »on ihnen sprechen aar »st im Palast« de» »hebt»« »»!. Sein« Hoheit hat al« Bemaiösttner «chnwg nnsere« Glanden« dem jüdische» Hospital in tzlirxanbrta. »,iche« von Baron Mwmffe gigrttntztt »nrd«. eine« Besuch abgestattet.