Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 29 (14.7.1893)
- Date
- 1893-07-14
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Stöckr einst den seinen — lrgt die Vermutung nahe, daß bei beiden die ״golden« Internationale" ihre metallene Hand i« Spiele habe. Es wäre wirklich schade, wenn A. keine« Flüg, lmann für alle Rötm de« Leben» zur Seite hätte und her Reichstag deshalb seine« erheiternden Elementes verlustig Ding«, fall» A. bei -er ersten Verleumdung ״mit Apparaten" wir ..-in nasser Pudel mit eülgeklemmteu Acten abzöge und ihm daS Wirderkommen »erleidet würde. So, auf das Land losgc lassen, bliebe ihm ja nichts Andere» übrig als in Freiheit dressirt gegen 20—80 Pfg. Entree seine Mätzchen vorznmachen und dem AutisnnisismuS-Publikum »u apportieren. Dock, dürfte ihm diese» Handwerk gelegt werden, wenn — wie die Thronrede duichbl'cken läßt — die Session bald geschloffen und der Gerechtigkeit, welche mit A. einige Dutzend Hühnchen zu pflücken hat, freier Lauf gelassen Wiel. Die Gefängniskost dürfte etwa» bitter schmecke« bei dem Bewußtsein, an »er Spitz« von lit Million Wahlstimmen zu marschieren, einer Zahl, welche der der jüdischen Seelen ia Deutschland geichkommt, und durch die Erwägung «ich: wesentlich beeinträchtigt wird, daß bei den Stichwahlen viel,- Freisinnige nach tum Tivoli-Rezept verfuhren: ״Lieber zehn Ahlwardts, als einen Freisinuigen", wa» in da» Idiom jene- ״Freisinnigen" übcrtragen lautet: ״Lieber eine Fraction Antisemiten, al» einen Nasicnalliberalen". Das gehört auch zu den netten Bescheerungen der letzten Wahlschlacht! Roch Einer fehlt iui Reichstag, um das edle Trifolium zu vervollständigen: Paasch, ein Mann, desien geistige Fähigkeitrn ihn beanlagen, einen Platz in der neuen antisemitischen Froctton würdig auszufüllen. — Muß dieser Edle gerade letzt zur Beobachtung seines Geisteszustandes in der neuen Eharitö sich befinden, wirklich jammerschade! Voraussichtlich aber werden die bereits ״Erwählten der Ration" uns diesen Mangel nicht empfinden lasten. Wenn sie uns nicht werden beißen können, kläffen werden sie tüchtig, dafür bürgte uns der bekannte Theil dieser ehrenwerthen Gesellschaft, welcher die deutschen Juden ein Talmudexemplar dedicireu und zur Sicherheir aus den^Tisch des hohen Hauses niederlegen müßte, damit diese Talmudgelehrten aus der Urquelle Gift und Galle schöpfen und verspritzen können. Sie sind jetzt eine ״Mandel" voll, nun werden sie zeige», welche ״Rosinen" sie im Sack haben, wenn — ja wenn dieser Reichstag, welcher unter dem Sternbild des Krebses sein Dasein erhielt, mit Ablauf der Monate ohne r nicht wiederum heimgeschickt wird. Die Pflege der Ethik in Tchrsle ««d Synagoge. vartra«, «MUm «es *et «Mfitw! israelitischer Lehrer SÜKtal««»» m»» flMtfaia•» t» Gelse»»irch««, von I. Rosendusch-M.-Gladbat. II. Sind unsere Lehrbücher, denen wir Stoff für diese» unser Erziehungswerk entnehmen, vereinbar mit den modernen Anschauungen über Moral und Sittlichkeit und also geeignet für den ethischen Unterricht? Wenn wir erwägm und konstattren, daß dieselben durch EiNlehnuug ihrer Stoffe und Belegstellen auf der heiligen Schrift basiren, so kör nen wir diese, in der jetzige» Zeit so vielfach erörtert» und darum so wichtige Frage mit eiuem entschiedene» .Ja" beantworten. Unsere ReligiousbÜcher^ stehen in ethischer Hinsicht auf dem Boden der Bibel und der biblischen Moral, die jetzt Gemeingut aller Kulturvölker ist, die allein für alle Zeiten bestehen wird undzu deren Verbreitung Israel zu allen Zeiten beigetragen hat und weiter beitragen wird. Di« Quelle unserer Morallehre ist die Thora, dieser Born des Lebens, der Wahrheit und Ix» Friedens, ein Wegweiser, der uns in belehrender Form diegoldne Bahn de» Guten, Edlen und Erhabenen zeigt und uns im konkreten Bild« Ideale der Nächstenliebe, der Gott« ergebenheit und Sittenreinheit, Muster der Demuth und Bescheidenheit. Anhänger de» R«hl», Kämpfer für Gott, König und Vaterland vorführt und zur Nachahmung begeistert. Ist es nicht die dem Judenthum zuerst offenbarte Bibel, welche die ersten Sittengesetze, die zehn Gebote, lehrt, die Israel und die Menschheit erlösten von dem Banne finstern Aberglaubens und ihnen geistige Freiheit brachten, die zehn Gebot«, die allen anderen Völkern Norm und Richtschnur geworden sind? Ist es nicht die jüdische Lehre, die den schönen Satz predigt: Liebe deinen Nächste« wie Dich selbst!? Ist es nicht ein jüdischer Gelehrter. R. Akiba, der erläuternd zu diesen« Satze in dem so wenig gekannten, aber desto mehr verkannten Talmud beinerkt: DaS ist ein Hauptgrundsatz der heiligen Schrift! Ist es nicht ein jüdischer Prophet, Maleachi, der alle Menschenkinder zur Eintracht ermabnt, indem er ihnen zuruft: Haben wir nicht alle einen Vater? Schuf uns nicht ein Gott, warum soll Bruder gegen Bruder untreu sein? Ist eS nicht jüdische Toleranz, die nicht nur den Bekennern ihrer Lehre ewige Glückseligkeit verheißt, sondern auch den Anhängern anderer Religionen, besonders solchen, deren Glaubet^- und Sittengesetze sich auf die Erkennmiß des einzigen Gottes, Schöpfer« und Erhalters aller Menschen, gründen nach dem bekannten Ausspruch unserer Weisen: Die Frommen aller Rationen haben Antheil am zukünftigen Leben. Diese kleine Blumenlese, welche wir bis in׳» Unendliche fortsetzen könnten, zeigt zur Genüge, von welchem Geiste unsere heiligen Schriften durchweht sind. Israel, das den Kelch des Leidens gekostet und geleert hat, das aus der Schule bitterer Erfahrungen weiß, was es heißt, schütz- und recht«, los zu sein, kennt in Rechtssachen und Liebesthalen keinen Unterschied der Rasion und Konfession; eS trocknet Thränen, hilft Armen und Bedrängten, schützt Witwen und Waisen, stützt Unschuldige und Gebeugte, und steuert gern sein Scherflein bei der Begründung und Unterhaltung öffentlicher und privater JustiMtionen, welche der Veredlung der Menschen und der Wohlthätigkeft dienen. ״Aber der Talmud mit seinen verwerflichen Moralvorschlifteu gestattet euch Juden, alle Andersgläubigen zu betrügen und zu übervorteilen und macht eS euch selbst zur religiösen Pflicht, dieselben zu tödlen, um deren Blut zu heiligen Zwecken zu verwenden", so lautet der Schlachtruf unserer Feinde, so lautet die durch nichts bewiesene und gerechtsertigle furchtbare Anklage unserer Widersacher, so predigt man vor der Masse des Volkes in Flugschriften, die da sind Fluchschristen. Wir können auf solche Verläumdungen di« kurz« und büichige Antwort geben, daß der Talmud uns dieses nicht nur nicht gestattet oder von un» fordert, sondern uns wiederholt ermahnt, dem Geiste der heiligen Schrift entsprechend, ״die Wege der 8i«&e zu wandeln, die Achsimg vor den Mitmenschen zu bethäsigeu, Gerechtigkeit zu üben auf allen unfern, . Wegen, friedfertig und versöhnend zu sein und voll Lr-^׳A barmen» unsere Tage zu einer Kette von Werken de» Wohl-;־‘J thwlS zu machen." Das alberne Märchen von dem Ritualmorde ist ein ך> Erbteil des Unverstände» au»' der ersten Zeit de» ChristenthuluS. Damals wurden die Christen von den Heiden des Ritualmordes beschuldigt und später übertrug «an da» P