Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 19 (5.5.1893)
- Date
- 1893-05-05
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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treuer Nnhänglichktit d«r-ebr«chtt Kuntgebung Allerhöchstihren Huld» DollstenDank au»z«spreche». Frhr. vZoller G«»ernl«ajor. Generaladjntant. — Kn Herrn Rabbiner De- Perle« iu Fütth." , WittelShöfer wird zum Ehrenpräsivcnten und Neu» bürg er, da Perle» noch nicht anwesend ist, zum stell» vertretenden zweiten Präsidenten, Bamberger, Eckstein und Meyer zu Schriftführern gewählt. Herr Justizrath Gunzenhäuser begrübt mit warmen Worten die Ber» sammelten Namen» der Tultutgemeinde Fürth. Hierauf wurde in die Verhandlungen eingetreten, wobei auch Herr Justizrath I o s ep h t h a l und Herr H o l z i n g e r wiederholt in beredten, von Liebe und Interesse für da» Judenthum durchglühteu Worten sich an der Debatte betheiligten, die sich über verschiedene Punkte von allgemeinem jüdischen Interesse, über Fragen der Schule und des ReligionSunicrrichlcs. Alter». Versorgung der Rabbiner und der Religionslehrer und andere wichtige Fragen erstreckte. Am anderen Tage wurden die Erörterungen unter dem "Vorsitz de» Herrn Dr. P e r l e s fortgesetzt und zu Ende ge» führt. E» würde zu weit führen, in diesen kurzen Berichte auf die Verhandlungen im Einzelnen, manche bedeutungsvolle "Anträge und Anregungen, und die gifaßten Beschlüsse schon jetzt einzugehcn. So viel aber soll hier bemerkt werden: Die Verhandlungen nahmen einen hocherfreuten Verlauf, fämmtliche Beschlüsse wurden mit Einstimmigkeit gefaßt und zeigten, daß ein reiches Felo gemeinsamer Thätigkeit den bayerischen Rabbinern zur Bearbeitung offen liegt. Da» Einigungswerk in allgemeinen jütischen Angelegenheilen, das in der Erklärung der deutschen Rabbiner für Deutschland seinen AnSdruck gefunden, hat nun in Bayern in dieser Konferenz seine besonders schöne Manifestation erhalten. Der wichtigste Beschluß war der, jede» Jahr eine solche Konferenz abzuhalten, an welcher sich m. G. H-» wie wir hoffen und wünschen, für die Folge alle Kollegen be» theiligen werden. Zur Geschäftsführung wurde ein Konferenz» au»schuß, bestehend aus den Herren Perles, Bamberger- Kitfingrn, Cohn-Jchenhausen, Neuvürger und als Stellvertreter Ziemlich und Meyer einstimmig gewählt. Nach den Danksagungen für das vorbereitende Komitee und den Präsidenten, schloß letzterer die Versammlung wie sie begonnen: mit einem begeisterten dreifach?» Hoch auf den Prinz-Regenten. Oesterreich-Ungarn. 801111, I. Mai. Dat Unheil über die anläßlich der »eulichen Judenhetze verhaftNen Individuen ist gesprochen. — Bon den 19 Angeklagten sind 6 wegen Berbechen« der öffentlichen Gewattlhätigkei! zu schwerem Kerker bi« zu 10 Monaten, 9 wegen vergehen» de» Auflauf« zu Gesängnlß bi» zu drei Wochen verurtheilt worden. 4 Auge» Nagte wurden fretgesprochen. — Wegen der Berbreiiung der Gerüchte über da» ״Blutmärchen' findet eine besondere Untersuchung statt. PrOg, 3. Mai. In der Beantwortung der Interpellation wegen der Lzcesse in Uolin erklärte heute der Statthalter Graf Thon, ״er verurtheile die Bewegung auf'. Schärfste, welche eine ganze «lasse gleichberechtigter Staatsbürger ihrer gesetzlich gewährleisteten Rechte berauben wolle und sich dierbet von blindem Rassenhasse leiten lasse. Me Hegierungiorgane seinen verpflichtet, schon in der Ausübung der Vorsorge fm die allgemeine Aufrechterhaltnng de: öffentlichen Ruhe dieser Bewegung die vollste Aufmerksamkeit zu widmen, und, wo immer ein Anlaß fich biete, derselben auf das Lntfä-iedenfte entgegenzutteten, damit alle Bewohner Bähmen» ohne Rückficht der Na ionalität, der «onfesfion und de, Stande, den vollgennß der staatrbürgerlichen Rechte und den Schutz der berechtigten Interessen genießen." Vermischte und neueste Nachrichten. W«t»f»ltrt■ In dem Slöcker'ichen ״Bolk" erklärt der bisherige Geschästslriter de»Antisemitenbunde» und de« AgitaNonsverb-ndes der antisemttischen Pattei Rorddemschlaud« Karl «׳ebeler in Berlin, daß er seine Thäiiglei, für obige beiden Körperschaften eingestellt habe und keinerlei Bezieh ׳ngeu «ehr »ur antisemitischen Partei habe: ״Rach Lage der Dinge muß ich e« aus da« Lebhafteste bedauern, auch nur eine Stunde und eine« Pfennig für eine solch« unfruchtbare und un. dankbare Sache geopfett zu habe«. Alle« übttge wird an eompettnter Stelle seine Erledigung^ finden." , ״ 8t«f»e»*r•. Die ״Antisemitisch« Korrespondenz", die ganz Detttichland «tt antisemitischen Rachttchteu versorgt, schr-ibt: .»-scheren Kuchen vom ״H ffdäckeemeister" Siegsried Friedläuder au»Bre«lau hat die deutsch; Botschaft in Rom für die kalser» liche Lasel telegraphisch beordert. Ob aukoscheres Fleisch aufgetragen zu «erden pflegt, haben wir noch nicht erfahren können. Daß »ber die Weinmarke ״Rothschild" eine wichtige Rolle spielt, erfahren wir eut andere« Mal au« dem triserlichen Speisezettel — 111 mt| ein Glück für Fürsten sein, an der Tafel der Juden zu speisen!» Und mit solchen Berspottungen glauben die Antisemiten fich alt die KönigSgetreuen ausiplelen zu dürfen! Matzdedttr«. Di: ״Krruzpituag" hatte sich da» bekannte antlsemitische Vergnügen gemacht, in einem Artikel über da« Judenthum in der Justiz tonsessionelle Korichungen über Berliner Richteroerhältuiffe »nzuftellen. Von zw.-ien zu Juden gestempelttn Herren muß da» Blatt bereit« berichtigend mit'heilen, dag fie nicht jüdischer Herkunft seien. Andere werden gewiß noch folgen. Berlim, -1. Mai. Für den hier verstorbenen kaiserlich-russischen Wirklichen Smat-rath und Direktor der St. Peter«burget Dilkontobauk, Herrn A. Sack, fand heute früh vor der Ueberführung nach Gießen, woselbst die einzige Tochter und der Schwiegersohn ruhen, eine Trauer» seierlichkeit aus dem jüd Begräbnißplad statt, der die Gattin de« Ber» ewigten, verwandte und zahlreiche Mitglieder der hiesigen Bankwelt beiwohnten. Die Gedächwißrede hielt Raddiner Dr.Mahbäum, welcher besonder« hervorhob, daß der Berstorbene neben seinen Serufspflichttu e« sich zur Lebensaufgabe gemacht hatte, die handeltpolUlscheu Be- Ziehungen zwischen Rußland und Dtutschlaud enger zu knüpfen und da» Loo» seiner Glaudcn»genoffen zu erleichttrn. Ult0»a» 8. Mai. Bei der heutigen Oberrabbinerwahl wurde Herr Dr. Deutsch, Rabbiner in Burgreppach, mit großer Majorität gewählt. MtfceM, 30. April Am Geburtslage unsere» Herzog» brachte der ״Anhaltsche Staatsanzeiger" wieder viele Ernennungen und Au»» zeichnuugen. Bon den höheren Auszeichnungen sind nach unserer Stadt diesmal zwei gekommen, eine Orsensauszeichaunz und eine Titelerhöhung — und e« hat in antisemitischen Kreisen nicht geringes Aufsehen gemacht, daß beide auch in diesem Jahr an zwei Herren jüd. Confessio» gefallen sind, all wollte das neue Miniitettum hierdurch gleich von vornherein seinen Standpunkt in besonderer Weise kennzeichnen. P»tz Oberschlestee». Die in dem altbewährten Soolbade Königsdorsf-Jastrzemb im 1890 gegründete ,Jseaetitlsche Sinder» Heilstätte״ soll nunmehr am 1Ü. Kai d. I. zum vierten Mil eröffnet werden. Bemittelte Kinder zahlen die Selbstkosten: minderbemitttlteu wird ein noch weiter ermäßigter Satz gewährt; mittellose erhalten Freisttlle«. So übt die Anstalt!ene in den Schriften weiser und frommer Lättr so sehr gerühmte werkthätige Menschenliebe, die an Mittellosen und Bemittelten tn gleicher Treue und Barmherzigkeit sich bewähtt. Nähere Suskunst ettheilt die Berwaltung der Israelitischen Kiuderheilstätt« zu Gleiwitz. Arcknkfttrt 0. M. Der verein zur Förderung de» Handwerk« unter den hies. Israeliten hielt vor einigen Tagen unter dem Vorsitz de« Herrn Emil Stiebel seine Generalversammlung ab. Die Zahl der vom Verein unttrstützttn Lehrlinge hat flch von 93 auf 1l3 gehoben; von diesen sind 17 Stipendiaten der mit dem Verein verbundene« S. Goldschmidt» Stiftung. Es befinden sich darunter Schneider, uster, Tapezierer, Bäcker, Schriftsetzer, Sittler, Buchbinder, Barbiere, Konditoren, Bildhauer. Drechsler. Glaser. Goldarbeiter, Hutmacher, Lithographen, Mechaniker, Photographen, Potteseulllearbeiter, Schreiner, Uhrmacher, Posamentierer re. Im Jahre 1893 sind bereit« wieder 19 neu ausgenommen worden. Im Ganzen wurden im abgelaufenen Jahre verausgabt Mt. 13,144, vereinnahmt Mt. 14,863 In den Vorstand wurden die Herren Moritz Ganß und David Satten wieder- und an Stelle de« oerstorben'n Herrn Ferdinand Gamburg Herr Recht«anwalr Julius Boitke neugewählt, ferner erklärten sich verschiedene Herren bereit, die lleberwachung der Behandlung und des Vciragen» der Lehrlinge zu übernehmen. Ittt0r»,. 26. April. Der hiesige Stadtrath hatte vor einiger Zeit die Statuten de« hier neugegründeten antlsemiiischen Resormveretn» nicht genehmigt, weil?r in den Paffu», .,daß die Mitglieder de« Verein» nicht bei Juden und Judengenossen kaufen sollten," eine dlreete Auf» forderung zum Boyeott erblickte. Die köntgl. Sreishauptmannschaft Bautzen Hai indessen jent aus die vom Berein eingelegte Berufung die Verfügung de»S adtrath» aufgehoben, ״weil die betreffende Statuten» besttmmung als ein sorenannter Boheott nicht aaZusehen sei: denn e» fehle derselben der Charakter der Oeffenlltchkeit injvsern, als ihr »nr die Verbindlichkeit einer bestimmten Zahl zu einem Vereiu zusammen» getretener Personen r:rliege". Stuttgart, 26. April. Gestern Abend fand unter zasireicher BetheiUguug die Beerdigung des Synagogen Verwalters Hrn Her«. Mannheimer statt, der 29 Jahre im Dienste der hies. Gemeinde stau». Rabb. Dr. Stößel widmete that einen warmen Rachens. Aadr. Eüinger daakte dem verewigten für seine treuee Dienst« un> legte Namens de» Vereins Vickur Choltm einen Loroeerkranz aus» Grab. Petersburg, 1 Mai. Heute war»; da» Gesetz veröffentlicht wonach die Lehrthäiigkeii der Metamitm voa Zetgnrffen abhängig gemacht wird, die oon »er Lokals-Udehörd« aus ein I ihrertgei.'t »erden.