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Israelitische Wochenschrift · 1893-04-21 · 17 (21.4.1893) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
17 (21.4.1893)
Date
1893-04-21
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Hext« wurden 24 Exeedentrn gefesselt an da« Ikuttenberger 1rrei«gerichk eingrliesert.?«tt», 10. April («in Brief Jule« Ferry's über ׳den Antisemitismus.) Der Präsident dä fran» tösischen Senate« und frühere Minister Jule« Ferry. der zu allgemeinem Bedauern kürzlich gestorben, hatte an Herrn Lambert, Ldvocat am Eassation-Hos in Baris, au« veranlassung der von letzterem versahten und ihm zugeschickteu Broschüre .Die Juden, der Antisemitismus und die moderne Gesellschaftfolgenden Brief geschrieben: »Mein Herr! Ich Hab« Ihre Broschüre Ster die Inden erhalten und banke Ihnen dafür. Schon alt Student auf dem Lotte« in Straßdurg, zu einer zeit, al» da» vornrtheil in meiner Umqetung noch sehr mächtig war, empfand ich weder Saß noch Antipathie für diese starke leben»ftisch« Rasse, eine der außerordentlichsten gesellschaftlichen Erscheinungen unserer Geschichte. Die Timend diese» Volke», seine Fähigkeiten find zu augenscheinlich. Seine Schwächen und Fehler, welch« im verschwinden find und von lag zu lag sich mehr verlieren, find de Ueberbleibsel einer langen Knechtschaft - , wie auch diese Rolle al» Vermittler bei den kleinen Zwischen Händeln, nicht geeignet ist, fie bei unserer Landbevölkern»- beliebt zu machen, man verleumd.-t sie, weil man fi« nicht rntbehren kann. Saint Di«, August )887. Jule» Ferry." Neueste uud vermischte Nachrichten. MckstdestOeG. In einem Berichte über die Judenquälereten in Rußland entschlüpft der,Kreuzzeitung״ folgender bemerkenswert h« Schluß: »Hier und da geht den chauvinistischen Judenhetzern schon ein Licht darüber auf, dast auf dem Wege äußerer Gewalt gegen eine überlegene Kultur doch auf die Dauer nichts auszurichten sei." Berlin. Der Abgeordnete Pickenbach macht In seiner Weise mieder von siä> reden. Wegen einer Weinschuld im Betrage von 280 Mark war di« Zwangsvollstreckung gegen ihb fruchtlos ausgefallen, zur Ableistung de« OfsenbarungSeide» gestellt sich Herr Pickenbach nicht. Er wirb dazu seine guten tilrunde 'oben, hat er doch vor ei» paar Jahren, al« er noch nicht Abgeordneter war, lieber mehrere Monate in Hall zugebracht, als den Offenbar ungseid geleistet. Berhasiet kann er aber letzt ohne Genehmigung de« R-ichstages niitt werden. Der ge» schädigt« Weinlieserant, der allerdings, weil er ihm Kredit gewährt tat, nicht zu bedauern ist, hat sich an den Reichstag gewandt, um desien Genehmigung zur Abführung de« Herr« Pickenbach in Prrsonalhast herbeijusühren. *it BeschästSordnungS-Kommission hat indessen deschloffen, diese Genehmigung nicht za befürwort:». Dem Gläubiger wird nun nicht« übrig bleiben, al« die Auflösung de« R!ichSlaaeS abzuwarten, dann kann er den ehrbaren Boiksvenreter gleich in die Hast abführen!offen. (£« ist da« erst« Mal, daß sich der Rrirvstag mit einer derartigen Sach« zu beschäftigen hat- Berlin. Wegen der anstößigen Verbreitung antisemitischer Druckschriften aus den Straßen hatte sich Hers Siegfried Zadig hier mit einer Immediateingabe a» den Kaiser gewandt. Daraus Hai derftlbe von dem Polizeipräsidenten, a» welchen die Eingabe zur Prüfung »ndvescheiduug abgegeben war, den Bescheid erha>>-׳n, »dag, wie längst Jedermann wahrnehmbar, den Ausschreitungen der mit antisemitischen Druckschriften Siraßeahanbel betreibenden Personen PoltzeilicherseitS mit Strenge entgegen getreten wird, soweit die gel enden Gesetze hierzu «iu« Handhab« bieten. Was die von Ihnen erwähnten Bexirbillet« .Rach Jerusalem hin »der nicht zurück" betrifft, so hat sich ergeben, daß dieselben zum großen Theile den Bestimmungen des 8 6 de» Gefetze« über di« Preffe vom 7. Mat 1874 nicht entspreche»; insoweit die« der Fall, find diese Druckslbripen beschlagnahmt worden." (Nicht de« Ja Halts wegen, sondern weil Drucker und Drrckort fehlten.) Berlin, 17. Avril. Dir Gesellschaft zur Bei dreitung de« Handwerk« und de« Ackerbau«« untrr den Juden im preußischen Staate hielt gestern im Schulgebäude in der Großen Hamburgerstraße ihre 80. Jahresversammlung ab, in der unter Anderem auch von Justizrath Makower dringend gemahnt wurde, al» wirksame» Mittel zur Bekämpfung de« Antisemit,«»»« da» Ansehen de« Handwerke« bet der jüdische» Bevölkerung und namentlich bei der jüdischen Frauenwelt zu hebe». Dem Bericht zufolge hat der Verein im letzten Jahr« s.in« Fürsorge SS Lehrlinge« zugewandt, darunter befinden sich allein 10 Schneider. Zur Umerhalmng und Bekleidung der Pfleglinge wurden 2629 Mark verwindet, 1003 Mark wurden auSgegelen, um den Besuch höherer technischer Lehrnnftalteu zu ermöglichen.;160 Mark so.derie der Religion»- und sonstiger Fachunterricht. Da« in Pankow errichtet« Lehrlingsheim, da» von sechs der Pfleglinge bewohnt wird, kostete 6488 Mark an Unterhaltungskosten. An vermöge, besitzt der Verein und seine Stiftungen 126,525 M»rk. H««»«r,. Der Schriftsteller W. Marx »ierfelbft versendet Är« Eiklärung mit der Bitte um Beröfientlichrug: .Auch ich — mpsjahren der älteste antisemitische Schrts,stiller unserer Zeit! — sag« mich io« VW, der antisemitischen Bewegung. Faktisch rad still» schweig,,» Hab» ich r« lchan seit Jahren gethaa- Di« Motive z» diese» Sehrin wirb mau tu «einem .linerarisch«» Roch aß" nach »eine» Tod« finden.' (Der muß schlimme Eriahruugen mit w» AutisemiNSmnö gemktht |a6nl) «»«Urxch iWüritemberg,, SO. März. Eine״ hiesigen Israelit» wurde jüngst von seiner Kran der 9. Lohn gescheuft. Der glückliche Later, der im 4. Reiterregiment bi« Feldzuge von >886 uad 1870 »itgemachl hat, bot den König nm Uebernahm« »er Pathenftell« bei dem Reogeborenen. Gestern kam nun im Auftrag״ Sr. Majeüär de» König« «in prachtvolle« filberne« Besteck in seineul Ltui nebst hnlbvollem Schreiben bei de» freudigüberraschten, kinderreichen Ettern am IRtestath««. An» dem un« vorliegenden 22. Jahresbericht de« hiesigen ״J«raeli!tsche» UnterstützungS-BerrinS" für da« Jahr 1822 ersehe» wtr, in welch verdienstlicher Weis« dieser >8er«i» gewirkt hat- Durch die allgemein ungünstigen wirtschaftliche» Be:hältnlff-, di« Tu»- Weisungen au« Rußland und di« verhetzende Thätigl Fr der Antisemiten in einzelnen Gegenden unsere« Vaterland««, sind ein« große Anzahl unserer Glaud«n»gensff«n erwerblv«, arm und elend geworden. Der Verein war bemüht, derartige Leule van dem ttege de» Beiteln« abzubrtngen und zur Arbeit »nzueisern; um aber netter erfolgreich in diesem Sinne zu wirken, müssen zahlreich« inildlhätig« Herzen und viel« zum Geben bereite Hände gewonnen werten, was wir aus» rlchiigft wünschen. vereinnahmt wurden Mk. 5223 84, verauSasbt Mt. 4 928,72. Da« 8ereiu«vermögen beziffert sich auf Mk. 18 376,07. #nt«. Wir wollen nicht verfehlen, aus den h erort« bereit« seit 8 Jahre» bestlhenden Unterstützungsverein für arme jüdische Kur bedürftige, genannt ״Emser Heilquelle", e »dringlich hinzu» weisen. Di« Badesai'on rückt heran u»d «S gilt, »er Ar-ne» zu ge» denken, die der .Heilquelle" nolhwendig zug-sllhrt werden u.a״«». Da« Emser Lokalkomitee besteht au» den Herren Tr. med. Aroasoh», BezirkSrabbtner Dr. Weingarten und Gemeindevorsteher I.Thal- Helmer. Im verfioffenea Jahre wurden laut Bericht 26 armen Kirgiften Unterstützungen in Höh« von Mk. l 843,18 zu theil (ES scheint un» dem wahren SohlthäligkeitSsin» entsprechmber, künftighin die Namen der Unterstützten nicht anzugeben; prosessionirteBettlersragen nicht« darnach, verschämte Arme klößt da» zurück.! Die Einnahme u rd Ausgabe tallancirl in der Zusammenstellung mit Mk. 22-2,43. Der BermogenSstand am >. Januar 1883 war Mt. 4064,47. FrankfArl a. M. Der Almoienkasten der israelitischen Gemeinde erhielt im Jahr« 1892 zur Veriheilunq M. 38,867, Einkünfte au« Le» galen und Geschenken M. 4283, Mftzlrrderbeiträgr Mk. 13,932 und verausgabte an 496 Familie und einzelne Bedürftige in Quartal» spenden M. 18,619, in monatlichen und sofortigen Spenden M. 56,734. Die Ausgaben stiegen demnach von M. 64 512 aus M. 78413, weShalb ein Zuschuß au« dem ZinS.rlrägnitz von M. 12,284 geleistet w«,d«n mußte. Ferner an« dem von Herrn Georg Soeyer ge,tlsteleu Eztrareservesond«, >em der Stifter ivteder M. 6003 überwie«, die Summe von M. 5800 an «ine groß« Anzahl von Armen zur Ber» theilung gebracht. Für Rechnung der Mauer L. Hecht'shen Stiftung«, administrolion wurde» wieder M. 1890 oertbeilt. von Herrn A. GanSl wurden dem Kapitalsond« M. 8000 8prvc. deutsche Reich«» anleihe zugewiesen; dem gleichen Fonds stoffen au« letziwilliger Ber» fügung de« sel. Herrn A. Kuhn M. 3000 zu. Obige jstrhlen liefern den Beweis von der Zunahme der Roth, trotz der bedeute!,den Summe, dle verlheiit wurde, konnten nicht alle Ansprüche erfüllt werden. Wie». Da« Euratorium der .israelitisch-theologischen Lehr an st all" — da» ist der osfizielle Titel de« hichgen Rabbiner» seminar« — hat sich conftituirt und besteht au« 14 Mitgliedern, de» beiden Oberrabbinern Dr. Jellmek, dem Präsidium ,Freiherr Moritz v. Königsmartei, M. Karpele«, ReichSralhabg. Dr. Byck» Lemberg), Ritter Mlh. v. Guttmann, Ritter v-Tausslg (Kassirer), Kaiserl. Rath Heinr. Klinger, Dr. Lichtenstern und Dr. Aosentach-r» Prag, Lanbradb. Dr. Placzek-Brünn u. a. — Da« vermöge» der Anstalt beläuft sich aus 268,C״J fi. (g-ipendet von 6—7 Personen). Zu» Direktor ist der Karlsruher Rabdtner Dr. Ad- Schwarz, ein geb. Oefterceicher, erwählt worden. DaS Euratorium beschloß die Berufung der Profcsioren Heinrich Müller von hier und David Kaufmann vom LandeSrabbiaersemtnar zu Pest — beide ebenfalls geb. Oester» reicher — in den Lehrkörper der Anstalt, di« am 1. »«oder eröffnet werden soll. Pr«»D. Der hiesige Prediger Dr. Gelb hau« it in Bien zum Rabbiner an der neuen Synagoge de« IX. Bezirk» g״wä >It worden. Pari«. Am 12. April starb hier der an Jahren, 'Serken und Ehren reiche jüd. ReligiunSphilosovh Proseffor Dr. Adolphe Frank i« 84. Lebensjahr.!Eine auSsührlich« Biographie folgt in nächster Nummer) Pari«. Ein,'rüherer französischer Offizier, der im Dienst« des Großfürsten Rieolau» in Petersburg steht, wollte >:tmm hiesigen Israeliten, der «inen selten schönen Hund besitzt, denselben für den Großsürsten, der ein großer Hundeltedhaber ist, »bkauftn. Nachdem man handeiSeinS geworden, stellt« der Israelit folge»!« Dc&ingung: .Nur wen» mein Hund, wie ein Hund und nicht wie etr Jude de» hantelt wird, verlaut« ich >hn nach Rußland." — ,Sie habe» Reckst, - mei>> leere, sagte der Offizier, di» Hunde erfreuen sich bet un« einer bessern Behaud'ung als die Juden. — Vero, non troiftto.

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