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Israelitische Wochenschrift · 1893-04-21 · 17 (21.4.1893) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
17 (21.4.1893)
Date
1893-04-21
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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ff'fvn bleiben. Die Tentrumsleute könne 1 sich ihre Pe^nle au- Rom holen, eS wird daihren Kindern nichts schaden. Die Juden aber, wenn einer von ihnen al« Abgeordneter einen der Regierung nachtheiligen Einfluß :m Parlament au», übr, werde» auf der ganzen Linie Knüppel zwischen die Beine Crfen bekommen, und der letzte jüdisch« Hausirer in dem ngsten Dorfe wird «4 fühlen, wenn «in jüdischer Abge» ordneter sich nach oben mißliebig gemacht hat. Soll denn diese nicht abzuleugnend« Thatsache, welch die Juden nicht verschuldet haben, von ihnen au» Dankbarkeit gegen den Liberalismus einfach übersehen werden? Soll ihr LideraliSmuS sie zu politischen Märtyrern machen? Licht und Schatten sind doch, wie Jeder zugeben wird, zwischen den Juden und ihren Mitbürgern ungleich vertheilt, und ein Märtyrum braucht doch Herr Richter,» mag der Regierung nach so viel Opposition mache», nicht zu erdulden, noch weniger werden seine Glaubensgenossen ein solches «zu erleiden haben, während der Jude nicht sblvs seine Existenz, sondern die seiner Glaubensgenossen bei seiner politischen Haltung in die Schanze schlägt. Ich bin daher ganz der Ansicht de- Herrn B. R. und meine, daß die Juden, insglange man sie politisch als solche auf's Korn nimmt, sich auch ihrerseits ihres Judenthums erinnern und bei ihrer politischen 'Haltung die Folgen derselbe» für ihre Gcsammtheit in Rechnung ziehen. Wer ein solches Verhalten Egoismus oder politische Charakter l.osigkeit nennt, dem muß das Martyrium eine ganz besondeic Freude machen. Dir Freisinnige» aber sollten bedenke», daß die Juden sich in einer Zwangslage befinden, die sie nid)■: geschaffen haben und die, solange diese dauert, ihnen eine b:sondere politische Haltung zuweist. Letztere hängt mit der Selbsterhaltung der Juden zusammen. Sie haben seit l.bOO Jahren die Dornenkrone des Martyriums getragen, und daß sie zu den bisherigen Nöthen durch ihre Haltung in Lachen der Militär» Vorlage sich etwa noch neue zuziehen sollten, sollte ihnen doch von keiner Seite, auch nicht von den Freisinnigen zugemuthct werden" MagdeöurH, 14. -lpi il. (Cr.-Gorr.) Vor uns liegt eine Anzahl von Berichten über die Thätigkeit in jüdischen Lehronstalten während de« verflossenen Schuljahres. Wenn die Programme auch nicht immer ein ganz geirrues Abbild der Schule liefern, so können sie doch ein wrrthvolles paedago» gische» Material, besonders durch die darin enthaltenen Ab- Handlungen, bilden. Das ist immerhin erfreulich. Weniger erfreulich sind die noch nicht gänzlich von ter Bildfläche ver» schwinden!vollenden öffentlichen Prüfungen in den Rrlrgionsschulen. Während solche durch Regirrungsverfügungrn an höheren Lehranstalten grüßtentheils in Wegscll gekommen sind, werden sie aniüdischen Religionsschulen immer noch beibehalten. Diemoderne Pädagogik hat schon längst den Stab über sie gr< brachen und da» einzige Moment, womit sie vertheidigt wird: da» Interesse der Eltern für die Schule zu beleben, wiegt nicht die paedagogischen und moralischen Schäden ans, die öffentliche Prüfungen im Gefolge haben. Hiermit in Verbindung bestehen noch vielfach die sogenanntrn Schülerprämien, die ebenfalls entschieden zu verwerfen sind. Es kann eine andere Form gefunden werden, um da» ganz besonders rege Streben einzelner Schüler anzuerkennen und sie zum Weiterstreben aufzumuntern. In dem 27. Bericht über die Religion»- schule der Synagogen - Gemeinde Königsberg i. Pr. kündigt der Dirigent, Herr Dr. Bamberzer, zu unserer Freude bereit» an, daß die diese Ostern stattgrfundene öffent» luhe Prüfung an der ihm unterstellten Anstalt höchstwahr, scheinlich die letzt« gewesen sei. Vivat saquens. Dem Bericht entnehmen wir weiter, daß die Schule von 181 Knaben und 168 Mädchen (34S) im verflossenen Schuljahre besucht worden ist und zwar wurden die Knaben in ö Klassen mit 3 Parallelklassen und einer Selekta, die Mädchen in Näh«re« üb.1 dies« wichtige Krag« in einem desanderen Artikel. 3 Klaffen mit 3 Parallelklassen von 4 Lehrern außer dem Dirigenten unterrichtet. Die Selekta bestand au» Obersekundanern und Primanern höherer Unterrichtsanstaltrn. Dem Bericht ist der 2V. Rechenschaftsbericht de-Bekleidurws׳ Vereins für arme Zöglinge der Religionssch nle angeschlossen. Im Anschluß hieran nehmen wir Notiz von dem 32. Jahresbericht des Israelitischen Waisenhauses für Stadt und Pro» vinz zu Königsberg i. Pr Die Anstalt zähle im Borjahre 34 Zöglinge und zwar 23 schulpflichtige Knaben, 6 schulpflichtige Mädchen und 5 Handwerkslehrlinge (i Sattler, 1 Schlosser, 1 Drechsler. 1 Goldarbeiter un) 1 Buchbinder). Die Einnahme belief sich auf Mk. ISS 032,4 t, die Ausgabe aus Mt. 157 915. Der Bestand altimo December 1892 war Mk. 290 927,51. — Es ist eine alte Silage, doch bleibt sie ewig neu, daß nämlich die durch die äußern Verhältnisse bedingte zu gcringe Stundenzahl an den mei'ten Religion»- schulen bei dem regsten Eifer nur geringe Erfolge bewirkt. Zu diesen Schulen zählt nicht die von Dr. Ikroner geleitete ReligionSschule der Synagogen-Gemeinde Hannover, wie wir aus dem Stundenplan pro Wintersemester 1892/93, der in dankenSwerther Weise dem Jahresbericht bkiqeleat ist, ersehen. ES ectheilten an der Anstalt wöchenllich 5 Lehrer 60, den Landrabbiner eingerechnet, 62 Unterrichsstunden. Die Schülerzahl belief sich am Schlug des Semesters auf 165 (84 Kn. und 81M.), die Schule zählt 5 Knaben-, ö Mädchenklaffen und 1 Präparandrnklasse. Dem Bericht geht eine etwa» tendenziös gefärbte Abhandlung voran, betitelt: Der jüdische Religionsunterricht und die Vaterlandsliebe. Die accentuirte Hervorhebung des jüdischen Patriotismus macht auf uns — und wahrscheinlich auch auf viele A״dere — einen höchst unangenehmen Eindruck, die scharfe Betonung wn etwas ganz Selbstverständlichem wirkt doch nur abschwäck!eud. Das von Samuel citirte Wort: Oioa d’mnlohcH8״ dina übersetzt der Verfasser mit: .das Staatsgejetz ist so heilig wie ein Religionsgesetz', da» ist eine zu Jrrthümrrn Veranlassung gebend« neue Üebersetzung, die wir mit aller Entschiedenheit verwerfen, sie muß velmehr lauten: Da» Staarsgesetz ist verkindliches Gesetz. Nur keine Verschleierung, sondern offen und ehrlich, treu und der Wahrheit gemäß. Aus derProvinzHanu ovcr liegt uns noch der 2. Jahresbericht über die ReligionSschule der Synagoge,!gemeind« zuGöttingen, erstattet von dem Dirigenten Herrn Rabbiner Dr. Jakob, vor. Außer dem Dirigenten unterrichtet an der dreistufigen Schule nur noch 1 Lehrer; in den unteren Klassen ist der Unterricht von Knaben und Mädchen gemeinschaftlich, auch nach unserer Ueberzeugung ist eine solche Lombination ,hier und auch noch weiterhin unbedenklich.' Doch gibt sich wohl der Herr Dirigent einer Illusion hin, ivenn er in seiner sehr lesen»- wrrthen Abhandlung über die Ziele und die Oekonomie des jüdischen Religionsunterrichts behauptet, daß der Unterricht in der ReligionSschule ״unabhängiger gegen siemde Einflüsse' ist und daß ״die DiSciplin strenger gehandhabt' werden kann, .weil der Religionslehrer der einzige Lehrer ist". Wir haben in dieser Beziehung ganz entgegengesetzte Erfahrungen gesammelt. Erfreulich berührt nach dem Biricht die Thatsachr, ״daß nunmehr kein jüdische» Schulkind in Göttingen ohne Religionsunterricht bleibt' und daß walnscheinlich auch der noch 3 Kindern ertheilte Privatunterricht fortfallea wird. — (Schl, folgt.) München, 14. April. Gestern^lbend sprach hier in einer sozialdemokratischen Versammlung, welche von ungefähr 6000 Personen besucht war, der Reichsabgrordneter Liebknecht über da- Thema: ״Sozialdemokratie und ArtisemitiSmus.' Die Red: verdiente al» Flugblatt gedruckt ur:b in Hundert» tausenden von Exemplaren in Deutschland verbreitet zu werden Wir können hier nur den Anfang und den Schluß der Rede geben. Der Redner, begann ungefähr wie folgt: 180 Jehre find e* her, da| einer der grölten und kritischsten ®elfter ScuiftlanM, Lessing, seinen.Nathanverdssrntllcht gar. Darin Ist der edle Gedanke niedergetegt. dah e4 bei der VeurtheUung M

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