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Israelitische Wochenschrift · 1893-04-14 · 16 (14.4.1893) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
16 (14.4.1893)
Date
1893-04-14
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Jndenthum« für christrufeftMch erklärt, al» »b da» Jude»» ihn« die VerSchtlnhmarhnna, Verhöhnung und Vrrspottnna de» Christen thum» gebiete. Nein und tausendmal nein! .La» Judenthum gebietet — heißt r» in der jüd. Sittenlehre — die religibseu Ueberzeugunqen Anderer zu achten, es verbietet jede Verunglimpfung oder Nichtachtung religiöser Gebräuche und Abzeichen Andersgläubiger", um wievielmehr eist ihrer Trundlehien und Sarramente. Wir hätten gewünscht, daß einer der Redakteure der mit Recht so entrüsteten kothol. Blätter am 1. chriiilichen Ostertage, der iu diesem Jahre mit dem zweiten jüdischen zusammenfiel, unserer Predigt im hiesigen (Magdeburger) Trmvel beigewohnt hätte, in der wir gerade mit Bezug auf da» Zusammentreffen der beiden Festta e über da» Thewp predigten: .Liebet die eigene Religion, achtet und ehret jede andere!* Wir wiesen auf die Antwort Mose'» hiu, die er den: Pharao aus deffeu Aeuseruag bei der vierten Plage: Wozu wollt ihr ausziehen, »dienet dem Herrn im Lande- — erthrilte: ״C« ziemt sich nickt, so etwas zu thun . . . siehe, wenn wir da», was di« li^ypter »erehren*), hier opferten, würden sie unS nicht steinigen?" und zogen daraus die Lehre, daß wenn Mose» sogar gegen die T h i e r anbrtung der Egypter so voller Rücksicht war und kein Aergerniß geben wollte, um wie viel mehr müßte» wir den von so hohen sittlichen Ideen getragenen Religionen der Böller, in deren Mrtte wir wohnten, di« ehrenvollste Achtung zollen und All es vermeiden, was ihnen irgend ein Aerger- »iß geben könnte. In demselben Geiste lehrte uns auch Mose» (Exod. 22,7): Die Götter (der andern Böller) sollt ihr nicht verächtlich behandeln (nicht geringschätzen).**) Al» wir am S. d. Mts. diese Predigt hielten, hatten wir leine Ahnung davon, da» am selben Tage in Berlin ein Blatt, dessen Redakttur ein au» Ungarn eingewanderter Jude jein soll, sich eine» solchen Sacrileg» schuldig gemacht habe. Wir haben schon zu öfteren Malens-) gegen da» Gebahren Berliner Blätter, di« man sälschllch, nur um sie uns an die Rockschöße zu heften, als ״Judenblättcr" bezeichnet, welch« in ihren, zu den christlichen Feiertagen erscheinenden Nummern ihren Lesern religiöse Leitartikel auftischen zu müffen glauben, unsere Stimme erhoben; aber e» steht den wirklichen jüdischen Blättern, den eigentlichen Organen de» Judenthum», kein Wittel zur Verfügung, derartige, sei es christtlnde oder rattyualisirende oder gar blasphemische Leitartikel, zu iuhib i ren. Wir können nicht» andere» thun, al» diese» Verfahren für u n j ü d i sch im höchsten Grade, d. h, al» im vollsten Widerspr u ch mit den Lehren de» Judenthum» stehend zu erklären. Lu» unserer Ohnmacht, etwa» dagegen thun zu können, fvlgt auch, da» wirfürsolche» unverantwortlicheBerfahren nicht verantwortlich gemacht werden können. — Darum unser Doppelprotest, am drffe« Abdruck wir di« tatholischen Blätter dringend ersuchen. Berichte mrd Correspo«-e«Ae». Dentschlnmd. Magdeburgs Im neuesten (April-)Hest der.Preußischen Jahrbücher"' nimmt Herr Pros. Delbrück da» Wort zur Wilitärfrage und kommt, «dem er bi« Aussichten der Negierung bei der Auflösung des Reichstag», abwägt, zu de« Ncsultat, daß die Regierung nur im Bunde mit de« Antisemit iS mu»-us einen Sieg rechnen könne. Prof. Delbrück •) «ch» de» «o»»e»tar wascht und dos L«r»m» h■ St. רי P«ch Philo» u»d Joseph»«' Erwin««. t) Wir wntdfe» $. U. «uf u»fm Erwin»« t* Kr. S». M sät. Jihrm«»» («mtn .Rethr-), m *tx axf »h»«cht flotafttfc, Mt dae daholts», Zdmüg «Iltnjib- «Hfttttni M&sn uauhie, MU M.ftcfen«j«fc*Matt-, mU Ml .Verl. Zaget L^htftOß «mrd. la» »ahotischt selbst ein, detz »«MaAWWbö M «narHW Ite. daß der »ras Laprivi sich mit den Auttsemite» 1 bünde« könnte, .ab,, — so fährt der Verf. fort — er dir»inderZ»ang»1age. «derer sich befindet, schlechter^ ding» nicht vermeiden. (Sx müsse bei den Neuwahlen die׳ Parole au-gebe»: Jeder Abgeordnete ist un» recht, der für di« HeereSvorlage eintritt. Und so dürfte gerade dadurch׳ dem durch Ahlwardt so ftarf rompromittirten AntisemitiSmu» wieder auf die Beine geholfen werden.- So weit der Pros. Delbiück. Diese und ähnliche Erwägungru waren eS, dir u»S zur Ansnahme de» vielgeschmähte« Lei-artitcl» in Nr. >3 vcranlaßteu Nur eine gestärkte Re> girrung wird iu der Lage sein, den Antisemitismus von sich' abznjchütttl« und ihm energischer cutgegenzutreten. Da» müssen doch uns re nueigennühigru stcisinui.jeu Freunde selbst riuschen. . Merk«. Der hiesigeSoriespondent d.-r Wiener.Deutsch«. Zeitunghat dein Prof. Mommsen über den Antisemitiöinu» interviewt. Wir geben die Hiupt- und Kraftstelleu au» Mommsen'» Antwort hier wieder: »Sie täuschen sich wenn Sie glaube», daß man da Über- Haupt mit Vernunft ctWü» machen kann. Ich habe da» ’ früher auch gemeint und immer und immer wieder gegen die ungeheure Schmach protestitt, welche Antisemitismus heißt. Aber es nützt nichts. ES ist Alle» umsonst. Wa» ich Ihne» sagen könnte, wo» man überhaupt in dieser Sache sagen kann, da» sind doch immer nur Gründe, logische und sittliche' Argumente. Darauf hört doch kein Antisemit. Die hör».^ nur aus den eigenen Haß und den eigenen Neid, aus die' schändlichsten Instinkte. Alle» ändere ist ihnen gleich. Gegen׳ Vernunft, Recht und Sitte sind sie taub. Man kauunicht auf sie wirken. Wa» soll 'man auch Einem sagen, der^l dem .Rektor aller Deutschenfolgt? Der ist nicht mehr zu retten. Gegen den Pöbel giebt e» keinen Schutz — ob cf* nun der Pöbel auf der Straße oder der Pöbel im Salon da«macht keinen Unterschied: Canaille bleibt Canaille und^7 der Antisemitismus ist die Gesinnung der Canaille. Er ist wie eine schauerliche Epidemie, wie di« Tholera — ma» kann ihn weder erklären noch heilen. Man muß geduldig warten, bi» sich da» Gift von ftlber austobt und seine Kraft, verlien. Und da« kann doch nicht mehr so fern sein. Endlich^ muß sich die Pest ia doch einmal erschöpfen, und über Ahl-' wardt hinan», noch weiter kann sie doch nicht mehr steigen^ Vielleicht kommt jetzt langsam die Wendung zur allmähliche« Besserung, Befreiung und Gesundung. Vielleicht verschwindet der Wahn, der so mele Bemüther bethört und unsere Kultur um hundert Jahre zurückgeworfrn l>at. Aber all Gründe und die besten Argumente Helsen da nicht». We^s Gründen und Argumenten zugänglich ist» der kann ja Über» Haupt gar nicht Antisemit fein. Wer aber nur seinem wilNty^ Haffe gegen Bildung, Freihett und Menschlichkeit folgt, werden Beweise nicht bekehren. Der Antisemit!»««» ist « zu widerlegen, wie keine Krankheit zu widerlegen ist. muß geduldig warten, bb» die im Grund« doch gesunde! des Volke» sich von selber aufrafft und den faulen ׳ an» sich wirft. Freilich kann man die Gesundung beschleunigen und fördern, wenn «an ihr die Unterstl moralischer Kräfte gewährt. Und da habe ich lange einen Gedanken, der mir wirksamer al« Ihre Enquete < Wa» soll man Ihnen Neue» gegen den AnüsemitiSmu» s Und wenn man etwa» fände, wa» würde «» nütze»? Mittel der Vernunft wirken da nicht», aber da» »ßer Name«, die Autorität würde vielleicht wirken, hört man gar nicht an, aber eine internatik Erklärung könnte [ eines kurze» ״Pr otes würde, der in ei» 'paar1 holte und von unterschriebe« V*) 1 Achtung «zwingen. W de« Anttsemrtiömv» die be kannten Wchnde.

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