Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 6 (3.2.1893)
- Date
- 1893-02-03
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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"_, 28. SuiitoT. An» dtth«M^n Debatte u« d« jSdjufe im Abgeordnetenhatist, »heilen wir die wienrlichstrn /Sdckkn aus der Rede der Abgeordneten Dr. 8h k mit. Der Ae wer plaidirte für die Errichtung eines 1t!raelitischen Seminars mit de« Gide in Galizien. Derzeit mtsien noch stniner. qualifizirte Rabbiner auS Preußen herübergeholt »erden, und da» entspreche gewiß nicht der Würde de» ^?Österreichischen Staate». Die Regierung beabsichtige, im ~ Büchsten Jahre eine solche Anstalt in Wien z»! errichten.! LScbact hätte jedoch gewünscht, daß eine solche Anstalt in? Galizien selbst errichtet werde, damit die künftigen Seelsorger , Galiz»enS in ihrem Heimathlande und inmitten der galizischen Ve»«krrung aufwachsen und die näthigr Aenntuiz der natiowrle« Sprache erwerben. (Zustimmung auf den Polenbänkrn) Werter» wünsche er auch di« Errichiung eine»?׳. Seminar»zur Heranbildung iSraelitischerR«ligionSlehrer. -rSrban» polemisirtr der Redner in kräftigen Worten gegen Hw Prinzen Lichtrnstein, der von den 14.VVC jüdischen Mitbern als von »einigen kleinen Juden" sprach di: man au» «er Schule herau»k>«plimentiren sollte, u. gegen da» Gebühren der Partei, welche überhaupt ohne ,Judenhatz' eine Debatte . »kht führen kann.! ״ ,Wir tragen da»' — sagte der Redner — .mit großer: Gaduld, und haben un» an die Maxim« gehalten auf diese * Dinge selten zu antworten, aber weß' da» Herz voll ist, muß einmal der Mund überfließen. Ich habe wahrlich nicht ' ge^ktubt, daß, wenn man in die RrichSvertretnng kommt, «an so oft Ür Parole »hie Jude, hie Ehrist' hären würde.' H»d««r sprach zum Schluffe seine Befriedigung Iber die ge- »te Errichtung einer israelitischen throloglschen Anstalt au». . «erde dort der Religionsunterricht unter staatlicher Goutrole ertheilt werden und damit werde manche Bosheit ^»nd manche Niedertracht im Keime erstickt »erden, denn man ׳' wird finden, daß di« ethischen Grundlagen de» Indenthum» " Kchstallhell sind, wie die jeder anderen Religion. Redner * .Warum kann es in gewissen Vers immlungen d«rn' gestattet sein, zu Haß und Verachtung (&,«« Ander», gläubige aufzufordern? warum kann es gestattet fein, aufzu- ~tbctR, daß man bei Steuerzahlern, welche auch unter dem lhutze der Gesetze stehen, nicht kaufen soll und warum k«ch vergißt die Regierung stlbst auch das Staatsgrund, ttz bei manchen Anstellungen und Besärderungen? Wir :kn auf diesem Gebiete um mehr Konsequenz " Vermischte »md neueste NachrUstr«. M»gd«p»rg, 2S. Jannnr. Der bekannt« Vahrhel: «apoftel Hof» S. D. Stöcker Hai ln der gestrigen Judendebatte i« Abgrord» wieder einmal mit eine» Eitat an« Darin»« geflunkert. Er daraus, dah dieser rdmifch« Grschicht»schr«it«r schon »ie e» odinm genaru hmnaoi genannt habe, während Daeftn« »i» jeder Vrtmaner weiß — diese» Epitheton (Annul. IS,44) den jrisie« beilegt, von diese» sagt er, dah sie mgcn Herr Schand» «te» den .Ha« de« mrnschtich» Geschlecht«' sich zugez-ken: nennt er »h auch die christliche »eltgtan »einen Verabscheuung« würdtgen »der» »Oden». Den Inden »irft er (Histvr. Sch) vor: ,Sie »«räch«» die ־־־ca) •tun, kniern nicht vor den Bildsäulen, beten de» Kaiser an n. s. m. Dieselbe BerwechAlnng pasfirt»' übriges« schon de« . Hofdiftoriker Heinrich von DlettschDr, «04 auch Panlu« Laffel »er Broschürr »Wider H. v. rrrttschke" (verltn ISS», b. 34 Um so unverzeihlicher ist'», daß Herr Stöcker dm Schnitzer <«. Der Hast «acht blind. . »Sankim, >l. Januar. Di« Zlrih« brr Routagövoilesungeu sllr Srhranstali für dt« viffenschast de» JNdenttzu»« «rvsaete gestern Nb Carl Emil -ranz»», irr la»da» erst« Kapitel eine« uaver» Mche» und unoollrndUr» tzkoman« »Fahrend« SchüUr i« Sh««»" -Die« find Schnorrer, di« rastlo« oonHdn« zu Han» ziehen, von! zo Stadt, so weit Juden w hue». Für di« Jude» de« Osten«, . hebräisch lesen «lernt, sin» die Schnorrer zngieta dir Zeitung. au« de» fernste» Länder» un» bringe» Röhrichten über , Verhältnis«, sie bringe» neu« Lieder a» a* 1t Schnarren 'jmbs sie de» Staunenden erzählt Hatzen, dah man in ‘ S-ischdaner bedürfe, da man di« Ochse» dlo» ohne «ns die Veit« pi schickan i.sincha, m» i, nl» senige » za setzen, lngtnnen jk «« dm «nsku fc' ' einer soGwmMkWtgW^GAmiG, k» Kowner, »ach seiner Geburtästabt Kowno, so genannt, behandelte ta« vor» getrogene Kapitel. E> war jene» «tgenthü« lich: Gemisch van Humor und Tragik, im• da« Publikum \'j. Stund« fesselte und schließlich Beisall«sturme erregte. werkte». Die plönllch eingetretene mild« Witterung ist für Mc unzählige» Arbeit«!osen sehr heilsam. Dir jüdische» Lohlthiitrr sind während der kalten Woche» mit ihrer Hilfe nicht zurückgeblieben; eine fege» «reiche Dhätigkeit in dieser Richtung entwickelte Herr Lnrman» Abraham hier durch di« von ihm bmründete t«rael. Volksküche. Die Sprtseanftalt wurde täglich von unzähligen Hungernden belagen und Herr Abraham und seine Frau fehlten keinen Tag. um Dausevde zu sättigen. Al« da« genannte Ehepaar jüngst seine silbern« Hochzeit feiert«, erschienen auch viel« von den Besucher» der Bolkäküch« mit de» »nfrichtigstrn Glückwünschen. Da« ist praktische« Judeathum. (Schles), 90. Januar. Gestern unternah« der frü» fern len Dürr-Kunzendors. »urz vor dtesem Ziel« scheute aas der steil abschießenden Straße d«»« Pferd und warf de» Schlitten uni, wvbat Fn»u Rubtnstei» her»u«aeschleudnt wurde, so daß sie mit d«m Kopse gegen «inen Prellsi-in flog und sosoN tobt blieb. Der alt« Herr hat einen Schädelbruch erlitten und lieg» fast Hoffnung«!»« darnieder. Au« ttftrttttatete geht un« di« Mitthellu», zu. laß Heer Oberlehrer a. D- Alexander Slsaesser am SS. d. M an de» Folgen eine« Schlaganfall« im Aller von 7S Jahre» zu Liailthei« gestorben ist. »»Asket« (Posen). SO. Januar. Au« Anlaß der goldene« Hochzeit stiftet«da« W. Grartz'sche Ehepaar «in Legat von 9100 Akk., von de« die Zinsen alljährlich an di« Arme» hiesiger Stabt ohne Unterschied der Konfession vertheilt werde« solle». Bon dem Kaiser erhielt da« Jubelpaar die golden« Lhrenjubiläum«medaille. Korporation«- Vorstand, Repräsentanten, Bürgermeister und Stadtverordn׳« s-wir viel« Bürger der Stadt brachten ihre Glückwünsche dar. Wtwtgsperg I. Pr. Für dir öffentlich- Prei»be««rbana znm Bau einer neuen Synagoge waren W Pros-kt« au« Deutsch!»»), Oester» reich und Italien eingegangen. Der erst« Pret« 'st den Berliner Archl» tektrn Eremer und Wolsfenstein, welch« die Synagoge in öer Linden» straß« anägesührt haben, zuerkann« worden. Mststktznnfe« t. Gls., 22. Zannar. Di« von hier sl ichiig gogangenen Eheleute Bärenzung und deren Kostgänger, die wegen Ber» dachte« der Ermordung der kleinen Blanche Kahn versolgt wm den, find an« Beifort hierher auäeeliesert worden. «kstrnderg, IS. Januar. Ein antisemitischer Agitator, dem die verthrilung der Ankündigung antisemitlscher Schriften aus vffenrltche» Straßen nicht gestattet worden war, hat sich mit einer Beschwerde an die Kreisregtrrung gewendet. Diese hat jedoch nach hiesigen Blätter» da« Berbo« bestättgt- Proßwttz, 18. Januar. In einer Generalversammlung der hiesigen polittschea Gemeinde wurde einstimmig der Beschloß gesaßt, den hier gebürtigen Herrn Rabbiner Dr. Moriz E t«le r in S!ikol«burg gelcgealitch seine« 7V. Geburt«kag« zum Ehrenbürger zu ernenne». Auch von zahlreiche» Vereinen und Privaten erhielt der brrch seine rrligio»«phtlosophtschen und pädagogischen Schriften weUht» bekannte jüdische Gelehrt« Glückwunschadreffe«, unter'denen sich die «nsereä Rnbbiner« Dr. Hofs besonder« durch ihre schöne StUistik und de» warmen herzlichen Xon collegialischer Anerkennung der Verdienste de« Jubilar« ouf}ci(bttet. Weng, 28. Januar. Der Herr Rabbiner und Prediger Dr. S. Gel bha u« eröffnet« eine» Cyelu« von allwöchentlichen Bortrtgen über jüdisch« Reltgtonlphtlosophte, zu denen außer de» Rabdinatürandibaten auch da« Publikum Zutritt hat. Mnets. Der Köeig von Portugal hat den hier lebend,!» Schrift» steiler HerrnLeon Goldwaiser den Orden motr, äarnaaöol» oootoaaiom verliehen. (G. ist eia geborener Wiener und Jnde.) wnei». E« ist bereit« berichtet worden, daß Barr« Also»« v. Rotbschtld ein« Million Fi. für arm« Wöchnerinnen gespendet. Wie wir nacheräglich erfahren, ist diese« Sohlthätigkeit«»JnftÜnt, welch«« viel« Lhrünen »rockneu und bitter« Sorgen in zahllosen unlumtnelte» Familie» ohne Unie, schied de« religiöse» Bekenntniffe« verscheuch«, soll, zu« Andenken an sein« in Wien in der schönsten Blüth« ihm« Leben« ihm durch den Dod «nirtffenen rochier Betty gegründot worben. M«», l. Februar. Seit zwei Standen steht dt« hiesige Syna» zog« in Flamme«; wie leider hier üblich, sehlt «4 sowohl an Spritzen, wie an Waffe-, Dir Synagoge brannte gänzlich nieder. Nnnütntem. Auläßtta, de« neue» Schulgesetze« »»urbe «ln« Siaiistit über di» Analphabnen ausgrsteüi, au« welcher hervoraeht, daß unter den SO »/, Rekruten, welch« les.n können, alle jüdisch«! Rekruten ohne Au«nahme gehören; ja noch mehr, all« i«rael!tijehen Soldaten könne» Ir,«», schreiben und rechne», ungeacht« man in den Schulen den jüdischen Schülern und Eltern di« größte» Gch«ierigkr!t»n macht. Der Boiksunierrtcht hier zu Laude ist »»!»tgeltlich und obligatorisch aber nnr für di« Ru «Zur», und da dl« Judi a nicht at« Bollbiutrnmän«» gelten, so müssen selb,! di« ärmste» Elter» de» Unterricht bezahle». Am 26. Deeentber ». I. starb hterftlbst «in, au« Nnßlaad ,t»g«M»derw Jüdin, Lteb Len«r»n>tt, in de» tzähft s«lt»»M »l««r von 124 Jahren und g Monate». Fünf Wochen vor ihrem Do», sah man sie noch flink «ch mnnter in de» Stmße» fpuztel«».