Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 3 (14.1.1893)
- Date
- 1893-01-14
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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— Sr» — %י '.־ □ Mrk»»g«krei« zurück, (bnt er bi< an^feitt Lebensende treu Aftb. In dem gleichen Mahr wie da« Vertraue« »er Schlich- Herrschaft, besah er die Achtung und Liebe der grsammtrn Bevölkerung in hiesiger Gegend. Da« zeigte sich auch bei Enem LeichenbegrLbni«, an dem u. A. auch die betbirn Pastoren » Orte«, der katholische wie der evangelische, tljeilnahmen. Daß der Verstorbene sich auch durch Wohlthäligkeit unv «Uden Sinn gegen die Armen auszeichnete, ja, dir Letzteren sogar theilweise vollständig erhielt, ist-em Zug, der ganz zu dem jüdischen Wesen gehört, da« in dem Verltrrbenen auf so edle Weise verkörpert war. Mit Recht hat Herr Rabbiner Dr. Sc lv er au« Darmstadt in der sehr schönen Leichenrede, die er ihm hielt, auf da« biblisch« Vorbild Josef'« hingewiesen, indem er ausführte, daß der Verstorbene, wie Josef, «ach dem Schriftworte gelebt: .Liebe und Treue mögen Dich nicht verlassen; binde sie um Deinen Hal«, schreibe sie «uf die Tafel Deine« Herzen«. So findest Du Gunst und Wohlgefallen in den Augen Gotte« und der Menschen." — Die Rede dc« Herr» Dr. Selver machte auch au^ die christsiche Bevölke'vng einen tiefen Eindruck. CdmddiitlKgani. An» Tirol, 5. Januar. Selbst die clerikalen .Tiroler Stimmen" wenden sich heute gegen die Antisemiten und schreiben: »Zu den extremen Pa»teien gehören auch die Antisenilen, die wir im Abgeordnrtenhause so oft mit den Jungteehen Hand i» Hand gehen sahen. Sie führen da« Christenthum im Munde, haben aber von dessen Wesen, Gesetzen und Angaben keine» Begriff. Unbegreiflich ist mir als Kotholikcn, wie so viele sich conservanv nennende Politiker »ud namentlich jene, welche sich rühmen, zur scharfen Ton- «m zu gehören, zu dieser Partei Hinneigen und mit ihr sich besrrunden können? Leider ist e« so. Men sprculirt von Brite der antisemitischen Partei auf den »unteren Clerus״. '«« denselben in Gegensatz zu den Bischöfen zu bringen; und .viele Führer rühmen sich den jungen Eleru« schon in Händen f Häven- Der »Antisemitismus״ birgt eine große Gefahr 1׳ die Kirche in sich Der Antisemitismus hat die christliche ewegung in Wien erstickt. Die Lehren des Christenthums führen nicht gegen die Bischöfe, sondern forbxrn die Unter« ordnung gegen die von Gott gesetzte Autorität. Herrliche Worte hat der hochwürdige Bischof von Linz gesprochen; mögen dieselben von allen Katholiken recht beherzigt werden. Und Wi>: beantwortet das »Deutsche Bolksblatt" die oterhirtlichen . Worte? Mit einer frechen Kriegserklärung! Wie lange wocden vielen Berblendeten die Augen noch verschlossen bleiben? Ihr wollt gegen die Juden ziehen und merkt nicht, daß man «uh gegen die Bischöfe sühn und euch den Boden untergräbt. .«t׳i tem ihr zu stehen vorgebt I ES kann nicht wehr lange ׳f» fortgehen, daß man im Rahmen de« Christenthum« kämpft 1i» dabei dessen Fundamental-Lehren ignorirt und mit Füßen sZntt. daß man die heiligsten Factorru zu parteipolitischen Zwecken ausbeutet, nur um eine »Hetz«" zu insceniren und die Gemüther aufzurraen. Die katholiche Kirche hat viele stürme überdauert; ihr müffen sich Alle innig anschließen, ' welche die Wunden heilen wollen, welche der moderre Lide- -DaliSmu« der Gesellschaftgeschlagen hat. DemAntisemitismu« ^wohnt keinecivilisarorischeKraft inne;eristnurein zer- -ilfircnbc« Element und auf dem besten Wege, sich zu einer ׳Sectr auszubilden." Frch»ikr«tch. 7. Jan. Die von dem Marquis de Mors« und dien Freunden veraustaltete antisemitische EntrüstungSvertzynkung fand gestern Abend wirklich im Tivoli-Bauxhall l: drei- bis viertausend Personen statt. Der Marquis H»S«. GuSrin und der Mechaniker Ballte liielten ihre rgsiltig vorbereiteten Reden gegen die »Regierung der zsttthuug" und die Juden. Den Marquis verstanden nur Rächststehenden, aber er hatte seine Claqu« und diese brüllte: ״Vive Morts, i ba« Rothschillrl-ZHAuch Ä«le« Gutrin. der nächste Redner, hielt die Verhaftung Rothschild« für nochwendig. Fast nicht minder verdächtig ist ,km Ephrussi. der .^kornjude". Einer der unbändigsten Antisemiten, Jacque« de Biez. stellte den Antrag, da» Dekret von 17Sl, welche« die Juden in Frankreich emancipirte, einer Durchsicht zu unterziehen. Al« er geendet hatte, »wlangte Anarchist Ttgot das Wort. ES entstand ein Tumult, und etwa 150 Agenten, die in Civil anwesend waren, räumten den Saal. Die Polizei duldete keine Zusammenrottung und trieb die Gaffer in zwei entgegengesetzten Richtungen auseinander. Bon ven vielen Verhaftungen, welche vor dem Versammlung«- locale und auf der Straße vorgenommen worden jware«, wurden nur sechs auftecht erhalten. Diese werden sich wegen Aufreizung zum Morde und Todtschlage zu verantworte« haben, da sie geständig sind, den Ruf ,Hort aax Jaif»t" ausgestoßen zu haben. Vermischte und neueste Nachrichten. «agpevur«. Der Staal»sekrr«är de« Au»wlrtigen, Förster, erklärte in seinem Seilen« de« Senat« oon ihm geforderte» Gntachte« über di« Bill Lhandlrr, bttresscnd das Verbot der Elawonderung ans dir Däner eines Jahre», dag dir Bill keia« Beilegung von Verträge» herbeisühr«. Die europäischen Staaten haben kein Mittel in der £>«*» um da» Einwanderung-verbot zu verhindern. <Nach neuesten Nachrichten soll die Plll fallen gelassen merden.) Berti«, 7. Januar. (Or.-Eorr.) Gestatte, Sie mir, geehrt« Herr Skedacteur, zwei Berichtigungen bezüglich der jüngst ersolgtr» Besetzung der fünften Predigerstelle. Dle stelle war allerdings i« Sommer v. I. nur al» Hilsspredlger» und ReliglonSlehrerftelle voj« Borstand« ausgeschrieben, aber die Nepräjenlanten find bei« Wahlakt über den Vorschlag de« Borstan.de« hinausgegangen und habe» dem gewählten Herrn Dr. Seihe Sitz und Stimme im Rabbluatscollegl»« zugesprochen. — Et war hier auch die Nachricht verbreitet, Herr Dr. Wetße Hab« gar kein Zeugatß über seine rabbi,rische Befähigung; da» ist ein Zrrlhum; sei» eigener Bater hat ihm «in solche» Zeug»!» ausgestellt. Berit«. Der oft genannte Morris, oder wie er nach der Laufe heißt,. Christoph de Jonge, der kürzlich nach der Schweiz entflohen ist, ha» jetzt au den .Verein zur Abwehr de» Antiiemitlömu»" ei» Schreibe« gerichtet, in dem er selncn Beitritt zu diesem Verein erklärt. Er scheint als» im Antisemitenlager zu Berlin — er war Protegt der .Kreuz- und Slaa!»büraerzeirung" — und Hannover schlimm« Erfahrungen gemacht zn haben, da er nach .Abwehr" ruft. Berlt«. Der Geheime Kommerzienrath v. Bleichröder hat au» Veranlassung seine» siebzigsten Geburtstage» den diesigen Armen die Summe voa 20000 Mart überwiesen. Brest««, ־«*t im Sommer v. I. zum Nachfolger de« Oberkantor« Deutsch gewähit« berühmte Sänger Eertni ist vom Minister »icht bestätigt worden; wie verlautet, wird derselb« wieder zur Bühne gehe». «««<«», S. Januar. Der Oberstaatsanwalt Hamm au» Köln un» der Erste Staatsanwalt Baumgart sind hier eingetrosfea, um de- ... Msl«, 6. Januar. Di« .Köln. Zeit." bringt in ihrer gestrige« Nr. einen L-itarlilel: .Die deutjchen Juden und die ▲Uüuioc wr. aoiverMlle", der den Zweck ha», die deutschen Juden zu veran» lasten, ihre Beiträge anstatt der Allianoe den nothleldende» deutsche» Jude« die»stbar zu macheu, .oder irgendwo sonst hinzuwende», wo da» allgemeine menschi>>hr und religiös« Empsiuden mit dem — nati»- nalen Bewußtsein nicht in Widerstreit gerathei kann." Die ״JtBln. Ztg." bezeichnet diesen ihre» Vorschlag al» «in gebotene» Abwehrmittel gegen die Borwürs« der Antisemiten. Di« .Franks. Z»g." nennt ihn bezeichnender den .lkrupto-AutiiemiliSmuS der.Köln. Zig." Pari». Wie alljährlich wurden am 2\ D«z«mder in dem von Frau veiuc-Furtado gegründeten Dispensatorium mehr al» viertausend Kinder desch-nkl. lieber 10,000 Geschenke nahmen die Kinder au» den Händen der Stisttrin entgegen. Paris» Leoirre Lehmann, Advokat am LassationShoft, Mit» glird de» Zentralkonsistorium» und de» Zentralkomlrs» ist gestorben. j «Merttoirc, 3. Jan. Gestern fand die Schlußsitzung der Sachverftändigen-Eoinmission über da» jüd. rituelle Schlachten statt. Dt« an» 8 Professoren un» höhen» Beamten bestehende Ctmmissio» entschied in ihrer Majorität, daß die jüd. Schlachtmrthode di« varzÜglichftr und öem Genlckltich vorzuzirhe» sei; selbst di« Anhänger d«r söge», russischen Tchlachtweise ertonntro di« vielfache» Borzüge der jüdischen an. Wtzastztngto«. «ei Eröffnung der Seualssitzungen sprach «ev. Dr. I. M. Stse da- Ervsfnnngsäebet; daffelbe geschah von Nev. Dr. I. Si lvermun bei der, Eröffnung der Sitzungen detAdgeordnetenhause».