Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1892
- Issue
- 52 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 206 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Auch ine Kohlthätenunen und Schriststellerinneo sind nicht verschwunden, und es könnte noch mancher klangvolle Namen der stattlichen Zahl derjenigen jüdischen Frauen der Gegenwart, die Sie anführc», hinzugesügt werden. Es war mir vergönnt, drei dieser Auserwählten persönlich kennen zu lernen. Bei meinem mehrjährigen Ausenhalt in England hatte ich die Gelegenheit, nicht blos die Bekanntschaft des berühmten Philanthropen Sir Moses Montefiorc, sondern auch die seines edlen Weibes zu machen, und als ich nach Pari» kam, verkehrte ich in dem Hause deS Vaters der geistreichen Schwestern Julienne und Paulinr Bloch Beide waren meine Schülerinnen, und ich hatte den Vorzug, die damals Aufsehen erregenden I-«rtre» ö'nv« l'arisienoe im Manuskript zu lesen, welche Zirndorf, der jetzt in Cincinatti lebt, zu dem nachstehenden poetischen Erguß begeisterte: An Julienne Bloch. In schwerer Zeit Hotz Tu den Muth gesunden Zum edlen Errett sür Deine» BolkeS Lach«; Jndeß vom Wahn ter Männer Arm gebunden, Obsiegt die Wahrheit durch die Maid, die schwache. Bor meinem Blick ersteh'n der Vorzeit Sunden: Bom Tabor tönt der Seh'rin Ruf: »erwach«-. Tie Makkabäersrau in Todeswunden Bclkündet dem Tyrannen Gottes Rache. Den Giftpfeil der Berliiumdung aufgefangen Halt Du im blanken Goldschild deiner Rede; O schöner Zorn im Jugendroth der Wangen, L heil'ger Eifer in der Gottessehde! Lo zähl' ich Dich beglückt zu jenen Frauen, Tie unsre» Stammes groß« Zukunst bauen. Uno was war di» Ursache, daß die edle Maid sich auflassen mußte zum edlen Streit für ihres Volkes Sache? Ein verkommener Schriftsteller, den man heut' kaum noch dem Namen noch in seiner eigenen Heimath kennen dürfte, fühlte sich veranlaßt, das seit geraumer Zeit in Frankreich verstummte „Hep! Hep!" wieder anzustimmen, so wie es in unseren Tagen hier zulonde einem hochgestellten Diener der Kirche und einem lankrottirtcn Schulmeister gelungen ist, die Fackel des Hasses und der Zwietracht in friedliche Wohnungen zu werfen, so daß sich die verheerende Flamme »veit über die Grenzen des Vaterlandes verbreitet, und das erschreckende Bild der grausamen Verfolgungen de» Mittelalters in ihrem Lichte erscheinen lassen. — Sollte nicht darin die Ursache z» finden sein, warum sich die Juden behaglich fühlen und sich wohlauf gehen lassen, wenn sie „unter sich" find nnd sich gewohnheitsgemäß auch gehen lassen, wenn sie einmal nich: »unter sich" sind? Und ist es nicht unrecht, ihnen au« etwas «inen Borwurf zu machen, wozu sie getrieben werden'-"' Als der Antisemitismus auch hier bei uns festen Fuß gefaßt hatte, besuchte mich eine in jeder Beziehung vornehme jüdische Dame. Sie gehörte zu den ersten jüdischen, und verkehrte in ähnliche» christlichen Kreisen. Man erzählte sich sogar damals, daß einer ihrer Söhne «ine vornehme Christin heirathrn sollte, und man fand gar nicht» besondere» darin, aber die traurige Zeitströmung zeitigte schon allenthalben ihre giftigen Früchte, und eS wurde mit einem Male alle» ander» wie e» war. Wir kamen auch auf die Tagesereignisse zu sprechen, und das gedrückte, vornehme jüdische Weib sagte mir schließlich: „ES ist doch besser, wenn wir Zusammenhalten." Rach dieser und tausend ähnlichen Erfahrungen dürfte auch Bogumil Goltz kaum recht habe«, wenn er meint, daß sich die moderne Jüdin geschmeichelt fühlt, wenn sie für eine Christin gehalten wird. Cieschmeichelt, — ich möchte hier nicht miAxlftonden werden — ist vielleicht nicht das richtige Wort sür ifiese Verwechftlung, denn ich glaube, daß die morerne Jüdin nicht» Besseres, aber auch nichts Schlechtere» sern will als andere, und es mag sie in dem Augenblick angenehm berühren, sür rin gleichberechtigte» Menschenkind gehalten zu werden. E» ist ei» betrübende» Zeichen der Zeit, wenn Million^ verwendet werden, wild« Reger von der Sklaverei zu best um sie kulturfähig zu machen, während man auf der dern Teste einen alten Menschenstamm, der eine taufe» jährige ruhmreiche, aber leider auch traurige Geschichte grau samer Verfolgungen hinter sich, der der Menschheit die Bibel s und der Thristenheit ihren Erlöser gegeben hat, wieder der^ Sklaverei zuführen und ihn von jeder Kultur ftrn Haltens möchte. In solchen Zeiten ist es ein besonderer Trost für gebeugte Gemüth, wenn sich Stimmen erheben wie die Jhri^ und man gewinnt frischen Muth weiter zu hoffen, zu hoffen^ daß der Tag endlich doch kommen wird, au dem der-Geist: der Verfolgung ein unbekannter Begriff sein wird, und die» Menschen unbehelligt von der An und Weise, wie sst ihren Schiefer erkennen und anbeten, in Frieden neben einander wohnen werden. Verzeihen Sie, hochverehrte Frau, wenn ich Sie mit meinem Briefe, der viel länger geworden ist als ich dachte, vielleicht belästigt habe. Ich wollte Ihnen nur einige Dankes warte sagen, uud, von dem Ernst des Gegenstandes ganz erfüllt, haben sichl manche andere mit eingeschlichen, die am Ende gar nichts hierher gehören. Verzeihen Sie auch dieses und genehmig« Sie die Versicherung meiner vorzüglichsten Hochachtung und! Verehrung. M. Silberstein.! $in Milderungsgrund. .Mein« Herren," rief ein beredter Anwalt den Geschworenen zu^-I .vergessen Sie nich«, dag mein Klient schwerhörig ist. und baß nr' deshalb die Stimme de« Gewissen» nicht hören konnrel" Aus dem Spruch schätz de» Talmud. Poetisch übertragen von Max Weinberg. Bei Biirme, Salz und Sprödethun macht schmackhaft nur rech,« »«ft. Zu wenig oder zu viel davon verdirbt die Speise wie de» Dpaft. Wo gut mit zehn Jungen da» E.owein sich «ruilhn Da» Schas kaum mit einem sich Hunger» erwehrt. » d * So lang noch die Leitung in deiner Hand, Lenk« den Ochsen und pflüge dein Land. Niithsel«Aufgabe«. MMMMNMNHMMMMMMMMMMfl I. Deutsche» «Zogogrtptz. von v. in B. Täglich beten wir: ,O Herr, gieb, daß sie auch gedelh«; S:nd« Thau und Regen stet«, iend« gute» Wetterl" Nimmt vom Wort« man jedoch ein Zeichen »u« der Reitzes Zeigen allzu »ft den Rest Antisemiten-Blätter II. Deutscher HbeuderLtßset Von 6. in B. Wie (in Empörer, wohl bekannt, Wird auch ein« Stadt genannt; Ein« Stadl bleibt sie «uh dann. Sieh« »an sie sich rückwärt» an. Aufkösuug de» Ztätysek» tu voriger — •••48g*--sj L »«lichter, Lichter. IL »rügleit». «rrommmM. Redarrr^: Tr. Rahmer. M agöeburg. Drnckoon ««ndizchHnh» (früher: D.LWoiff», «agdeb-rg. «erlazRob. Fries