Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1892
- Issue
- 51 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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von l»r. M. Sintzmer in Magdeüirg. ^nr Unterhaltung und Belehrung für die israelitische Familie Inhalt: Tein Kind. Eine Ehnnnka-Geschtchte Mn I Herjbera-Bromberg — Die Schuld der Väter. Eine Erzählunq von I. Herzberg. (Fortsetzung.)— Au« alter Zeit. — Lha iuka-Räthsel-Aufgaben. — Räthsel - Lösung. — Berichtigung. (UnUingtrr «nchdrnck an« »tele« Blnttr «ft untersagt.) Sei« Ai«d. Ein« llhanuka-Geschtcht« von I. Herzberg. sAachdruc! verboten!) len M Da flackert denn wieder da« erste Chanukalicht gar lustig auf und sendet seinen hellen Schein in den traiiten Raum) Das Flämmchen neigt sich nach allen Seiten, und neu» ßierig späht es in die entferntesten Ecken. Da lägt es plötzlich «in Flackern ertönen: es will seine Verwunderung ausdrücken ob der Veränderung, die eS hier wahrnimmt. — — Bor einem Jahre noch, — da herrschte in diesem Raume «rt seiner einfachen Ausstattung eine Grabesstille fast, denn er borg eine einzige Bewohnerin nur, die, abgeschlossen von der Welt da draußen, nur sich selbst und ihren Erinnerungen gelebt. E-- Des Lichtes Schein traf da nur ein einziges, ernst und ^träumerisch dreinschaurude? Frauenangesicht, dessen Blick gar £ wehmuthsvoll auf das flackernde Flämmchen gerichtet war, da« wiederum, wie so viele Jahre zuvor, sich hin und her Kneigt, und durch ein lebhaftes Knistern seine Verwunderung rob ausdrückte, daß dieses Frauenantlitz noch immer da so tief traurig dreinschaute, wo Alles der Freude sich hingab. Und wunderbar, heute traf des Flämmchen» Schein dasselbe Angesicht, aber die bisherige Wehmuth ist einem Frohsinn aewichen, der aus den glückstrahlenden Augen spricht. Darob seine Verwunderung, die noch crhüht wird durch etwas ganz -Anderes, denn neben der Fraurngestalt steht ei» munteres Knäblein. das das Knistern mit Hellen Jubellauten liantwortet. .Woher das süße Kind, mit seinem lieblichen Lockenkopf?" so fragt sich neugierig das Flämmchen, »warum schaut das Frauenauge, das nur auf mich sonst geblickt, unverwandt auf den Knalxn und herzt und küßt ihn unaufhaltscm?" Beantworten wir die neugierigen Fragen des Chanukalichtes! — Acht Jahre sind es her, da begrünte Hanna t Ahtfeld mit gleichem Frohsinn, wie er heute sie erfüllt, das erste Lhanukalicht; da drang dessen Schein in ihr liebdurch- . glühteS Herz und fein Flämmchen winkte ihr so glückverheißend zu. O, wie glücklich war sie damals gewesen; welche Seligkeit . erfüllte sie in ihrem süßen Liebesglücke. DaS Ehanukaftst sollte ihr die längst so heiß ersehnte Erfüllung rhrrS HerzenS- ' »unfcheS bringen. Heute wollte er kommen, um die Eltern um ihre Hand ehrtarer Weise »nzuhalten. Er war ein schmucker Bursche L-mb im Fluge hatten sich ihre jugendlichen Herzen gefunden. Ihre Eltern kannten ihn, doch waren sie ihm nicht ganz ge« 'Wqzen. Sein leichter Sinn rief in Urnen die Befürchtung wach, chr Kind lSsut an seiner Seite da« erwünschte Glück tt finden, in so bescheidenen Grenzen sich chrr Hoffnungen irtungen auch bewegten Und sie hatten ganz be- Grund und Ursache, hinsichtlich der Zulunst ihres Mzigen Kinde» Vorsicht wallen zu lasten, denn sie lebten in dm bescheidensten Verhältnissen und waren außer Stande, mit irgend welchen Mitteln ihrer Tochter an die Hand zu gehen. Ihr Housirhandel ernährte sie kümmerlich und legten sie sich oft Entbehrungen auf, um nicht die Hülfe der Mitmenschen in Anspruch nehmen zu müssen. Sie hatten ihre Tochter Hanna in ehrbarer Sitte erzoger und hüteten sie mit wachsamen Elternaugen. Und doch hatten sie es nicht verhindern können, daß in letzterer Zeit zwischen Hanna und Simon Ehrberg, dem Zuschneider in dem lxdeutrndsten Garderoben.Geschäfte in R.» Beziehungen angrknüpsl wurden. David Alsfeld bezog seine für seinen Handel erforderlichen Maaren aus diesem Geschäfte, und so kam es, daß Ehrberg des Oeftrren das Alsseldsche Haus aufzusuchen hatte, um geschäftliche Angelegenheit zu erledigen Hier sah er denn Hanna und sofort erwachte in ihm eine tiefe Neigung für dieselbe. Ihre liebliche Mädchengestalt, ihr einfacher, bescheidener Sinn, ihre Zurückhaltung fesselten ihn und er suchte das Alsseldsche Haus mehr auf, als zur Erledigung geschäftlicher Dinge vielleicht erforderlich gewesen iväre. Den Eltern war dies allgemach ausgefallen und die Mutter vermochte nicht zu unterlassen, erst andeutungsweise, dann offener die Meinung auszudrücken, daß es doch nicht so ganz schicklich sei. wenn der junge Mann so oft ihr Haus aufsuche, und der Vater war dann bemüht gewesen, diese Besuche dadurch zu verhindern, daß er möglichst selbst bei seinem Lieferanten die Geschäfte erledigte. Hanna hatte zuerst für Ehrberg kein besonderes Interesse gehegt. Er war ihr gleichgültig gewesen, wie jeder Andere. Als aber seine Besuche im elterlichen Hause viel seltener geworden waren, da beschlich ihr Herz doch eine gewisse Unruhe. Sie entbehrte etwas, obwohl sie nicht wußte, oder sich nicht gestehen wollte, was. Und wenn dann wirklich Ehrberg einmal unvermuthet dir Schwelle ihres Hauses überschritten, dann überzog jäh eine tiefe Rüthe ihr Angesicht und ihr stürmisch pochendes Herz kündete ihr laut, daß der Eingetretene ihre ganze Liebe besaß. Die Mutter hatte es wiederholt bemerkt, hatte ihrer Hanna eindringlich zu Herzen geredet und besonder» betont, daß es sich für ein ehrbares jüdisches Mädchen durchaus nicht schick, hinter den Rücken der Eltern Beziehungen zu Männern anzuknüpfen. Hanna hatte tief erröthend und schweigend die Worte der Mutier vernommen und war ocmn bemüht gewesen, noch zurückhaltender zu leben. Berma; aber die Allgewalt der Liebe durch die, wenn auch noch so ernst mahnenden und verweisenden Watte einer Mutter zurü kgedrängt zu werden? Rein! Sie flüchtete wohl in ihr Kämmerlein, wenn der Geliebte nahte, — aber lauschend sta,d sie an der Thüre, die Worte seines Mundes zu vernehmen. So waren Monate dahingeflossen; es waren etwa vier Monate vor dem Ehanukafeste gewesen. Da war Hanna * eines Tages allein im Hause anwesend. Der Bater war über Land gegangen und die Mutter hatte in der Stadt