Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1892
- Issue
- 49 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M' m ischeS 49. ^\\\U lkll-D/$f* 8k Herautgegekn Bon Cr. M. tUftnwr in Magdeburg. Zur Unterhaltung und Belehrung für die israelitische Familie. ii. ®** schuld der Väter. Eine Erzählung von I. Herzberg. (Foriftvung.) — Bom neuen Fürsteribischof. — All - »Vlllükl! Samilinitisch. — «nt parirl. — Der erst« Jahrzeitttag «edicht von Z Earsch-Emmerich. — Aut dem Spru»i-Va» Poetisch übertragen von Max Weinberg. — Skäthsel-Ausgabe. — Räihfti»Lösungen. lUnhefuglrr Aachdrnit »,« diese» Ulntte itt untersagt.) — Allerlei für den Mt Talmud ■r; 't Z»i< Schuld der Käter. Eine Erzählung von I. Herzberg. «ss lFortsetzung.) Dem muthigen Kämpen waren plötzlich die Waffen ent» sanken; er wagte eS nicht, irgend welche Zeichen deS Mißfallen» ,n geben. Friedheim war befriedigt über die Wirkung feiner Worte. Was er erwartet, ivar eingetroffen. Daher rief er mit erhobener Stimme, nach allen Seiten feine B.icke richtend: »Sic wünschen Beweise für meine Behauptungen, meine rrn; Sie verlangen von mir, ich solle Namen nennen, ohlan denn, e» geschehe. Bevor ich jedoch Ihrem Wunsch« «achkomme, gestatten Sie mir, Ihnen eine kleine iHcschichte au« der jüngste» Vergangcnbeit zu erzählen * Eben wollte Frievheim tortfahrrn, als er durch die Rufe unterbrochen wurde: - »Glaubet ihm nicht, er ist auch ein Jude. Er lügt!" Es war der Vorredner FrirdheimS, der diese Worte keuchend hrrvorstieß und dann wieder hinter seinem Nachbar vor den durchdringenden Blicken Frirdheims Schutz suchte. Aber vielstimmig ertönten die Rufe: »Schweigen!" »Reden lasten!" »Ruhe da!" Nachdem wieder die Ruhe hergcstellt war, begann Ftiedheim: »Bor zehn Jnhren war e», da hatte ich cuf Herrcnhos einen Geschäftsführer, den ich, weil er stellenlos und daher aller Subsistenzmittel baar gewesen, in Stellung genommen. Ich faßte großes Vertrauen zu dem Manne da ich aus seine Dankbarkeit baute. Seine Stellung war eine selbstständige, nnd konnte er selbst nach Belieben geschäftliche Dispositionen Irrsten. Mein Vertrauen wurde jedoch getäuscht Es stellte sich bald heraus, daß er nicht allein mit meinen politischen Eqznern paktirt und gemeinsame Sache mit tenjrnigen gemacht hatte, die gegen die jüdischen Mitbürger in schamloser Weise hetzten und sie beschimpften, sondern das: er sich auch der Untreue schuldig gemacht, denn es wurden ihm Unterschlagungen und Fälschungen in nicht unerhebliihen Summen nachgennesen. Aber hiermit nicht genug, verleitete er einen jugendlichen Arbeiter dazu, dir Maschine zu beschädigen, wodurch rin alt bewährter, nicht jüdischer Arbeiter sein Leben einbüßrn mußte Der Grund für die ehrlose Handlung war, mich strafbar erscheinen zu lassen, wie auch der Vcrsührte sofort zugestand. Der Geschäftsführer gestand ebenfalls seine ,T Haien en und flehte um Gnade. Dem Berst hrirn schenkte ■ ia, die Strafe, der Verführer sollte der strafende» Gerechtigkeit nicht entrinnen. Aber er hat es dennoch auf räthselhaste Weise zu Wege gebracht. Er entkam. »Ich unterließ nun die Anzeige, hoffend, daß er seinem Schicksale nicht «ntgehrn werde. Bi« heule tat sich meine Hoffnung noch nicht erfüllt, denn ich sehr ihn hier unter uns. sehe, wie er, der Dieb und Betrüger, üb?r andere ehrbar« 1 Mitbürger zu Gerichte sitzr. Und Sie fragen nach dem Namen dieses Mannes?" — Jetzt richteten sich alle Augen auf Friedheims Vorredner, der unruhig auf seinem Stuhle hin- und herrückte und wiederholt sich anschickte, auszustehen und aus dem Saale zu fliehen Auch jetzt, als Friedheim eben im Begriffe war. den! Namen zu nennen, versuch»« er, sich aus dem Staube zu > machen. Friedheim, der ihn scharf beobachtet hatte, bemerkte dies und rief lächelnd: „Bleiben Sie, mein sehr rhrcnwerther Hauswald, die Herren alle, die hier versammelt sind, wertan m.t Freuden : Ihre nähere Bekanntschaft machen."! Wie festgenagelt saß der ehemalige Geschäftsführer auf! Herrenholz auf seinem Stuhle, seine schlotternden Knien veri sagten ihm den Dienst und wuthschnanbend und dir krampfhaft geballten Fäuste unaufhörlich in die Luft stoßend, vermochte > er nur zu rufen:; „Lügen!" — »Jüdisches Blendwerk!"- Frirdheim ließ sich jedoch durch die Wuthausbrüche! seines ehemaligen Bediensteten nicht beirren; er fuhr im ruhigen j Tone fort: »Den Namen habe ich genannt, und nun wünschen Sie die Beweise für meine soeben ausgestellten Behauptungen und ausgesprochenen Anklagen zu vernehmen." Nach diesen Worten wandte der Sprecher sein Gesicht nach dem untern Ende de» Saales und rieft »Herr Emil Burghordt, ich bitte Sie, hierher zu kommen." DerAngeredete leistete der an ihn ergangenenAafforoerung sofort Folge. „Meine Herrn," fuhr nunmehr Fricdheim fori, indem er auf Burghardt wies, »dies ist der ehemalige Arteiter Emil Burghardt," und an diesen sich wendend, sprach er: „Burghardt, treten S:e an jenen Tisch unt> betrachten Sie sich den Herrn da genauer, der vor mit gesprochen hat." Burghardl folgte dieser Weisung Friedheim's. Er stzirte jenen Herrn scharf, dann rief er aus, sein Gesicht halb Friedheim zuwendend: . Mein Gott, das ist ja Ihr früherer Gesihästssührer, gnädiger Herr. Ich kenne ihn genau, trotz feine»* mächtigen Vollbartes.' Eine drückenvc Stille herrschte im Saale. Alle folgten mit größter Spannung dem Verlaufe der Ding«. »Sehen Sie, me>nr Herren," nahm nun Friedheim mit erhobener Stimme das Wort, »daß meine Behauptung eine begründete gewesen ist. Jener Herr ist kein o »derer, als mein ehemaliger Geschäftsführer Hauöwald, den ich der vorhin dezeichneten Strajthaten bejchulaige." Hauöwald, der an allen Giredern zitterte, war keines Worte« mächtig Nun trat der die Versammlung überwachende Polizei- Lieutenant an ihn heran und sprach: