Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Familienblatt · 1892-01-01 · 44 (1892) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1892
Issue
44 (1892)
Date
1892-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/6492351-8722847-5962172--2009-5375458
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

0 &Ranl gegeben von Dr. M. »«tz««r in Magdeburg Zmc Unterhalt««,; mrd Belehr««^ für die israelitische Familie r ■ Die Schuld der Väter Line ErMtnnß »an J-Herzberg. (Forts.) — Bildchen au« der Neife«aPpe.lV.8onA. Treu — Liturgisch« »phori«»en.ll. Bon L- Lohen, Ree« a. Rh. — R4ihsel»Abgabe. — (UndrsWUttr RachMn« «a diese» Biattr ist nntersagt.) Me Schuld der Miter. «ine Lrpchlnng don I. Herzb«rg. 1?) (Fortsetzung.) brirdheim fuhr nochmals mit seiner Hind in die Tasche- Da stieß er abermal« auf ein Pavier. llir zog e< hervor uud bemerkte, daß e« zusammenge'rgt war und al« Umhüllung für einen anderen Gegenstand diente. Mit zitternden Händen entfaltete er da« Papier und zu feinein weiteren Erstavveu kam eine Brnknoie zum Bor- Rhein Er betrachtete diese näher und er!annie einen dermrigen Tauftndmarkfcheive, welche für da« Bankhaus Karl Morrell bestimmt waren. -Während Friedheim seine Fassung ob der unerwarteten Entdeckung fast ganz verloren fette, schaute Salden triumphirend auf da« oorpan delicti, wodurch ja seine Berumthung zur Gewißheit wurde, daß kein Linderer ai« Hirsch " ne« gewesen, der den werthvollen Gtldbries entwendet .fette. »Wa« aber sagen Sie nun, lieber Freund?" brach Leo Salden da« Schweigen, da« am Boden liege»!* Papier auf« hebend und ti entfaltend. »Unbegreiflich", vermochte Friedheim nur zu entgegnen, starr auf die Leiche Lü nen« blickend. „$iee haben Sie den anderen Theil de« Louvert«, in welchem sich die Banknoten befanden", sprach Salden, Friedheim da« Papier redend »Wo aber in aller Welt ist der Rest des Gelbe« geblieben?" fragte Friedheim. - »Do« wird er jedenfalls an eine« siä-eren Ort gebracht haben", entgegnete Salden. »Da« wird wohl nicht jo leicht ftstzustellen fein, da Lüwe« todt ist. Rach seinem Hause kann er e« nicht gebracht haben, denn ersten« glaube ich, war er, seitdem er beute feine Stellung bei mir angetreten, nicht wieder in Muer Behausung. Dann aber ist wohl nicht anzunehmen, daß er in seinem Hause da» Geld verfe'gen haben wird, da er dort am allerersten eine Haussuchung zu erwarten hatte." »Da« will ich nicht behaupten. Gerad; seine Behausung bietet so manche Gelegenheit, einen Gegenstand dem forschendem Auge eine« Fremden zu entziehen. Er wird dort Alle« sorgfältig verborgen haben, um rv später bei passender Gelegenheit zu verwerthen. In Ihrem (Hause bol sich ihm Eeftgttcheit, in unauffälliger Weise die hohen Scheine in Courant umzufttzeu. Der Tob ober ereilte ihn plötzlich und es war ihm nicht vergönnt, von seiner iveute Nutzen zu liefe». »Aber sollte Löwen so ohne Rücksicht auf die Folgen. feiner Thal vorgegangen sein?" fragte Zriedheim. »Er doch gar bald eine Entdeckung erwarten." »Die Eutfe» Diebstahle« wird er wohl erwartet haben", ent- Salden, »aber er wird schon dirauf vorbereitet gewesen sein, und würde, wenn ihn der Tod nicht ereilt hätte, gewiß durch entsprechende Manipulationen den Verdacht der Täterschaft von sich abzulenken gesucht haben. Friedheim ging sinnend im Zimmer hin und her. Ihm war die ganze Affairr trotz der vorliegenden Beioeise ein Räthfel. »Und doch widerstrebt e» mir noch, an eine Schuld Löwen« zu glauben", sprach er, stehen bleibend, »wohl war der Verstorbene mittellos, aber er war rechtschaffen und ehrlich. E« ist auch kaum denkbar, daß er in erslei Stunde schon, da er in meine Dienste getreten, mit der Absicht sich Herumgelragen, mich zu bestehlen ... »Sagen Sic da« nicht, lieber Freund", sprach eifrig Salden, »wer wüßte es nicht, daß Armuth in gar viele« Fällen zu Beruntreuungeu geneigt macht. Das ungeheuer viele Geld, da« der bisher in größter Dürftigkeit lebende Mann iu seine« Besitze gehabt, war wohl {geeignet, seine Begierde anzufachen uno seine Habsucht zu reizen." »Da« kann ich keineswegs zugeben", erwiderte Friedheim. »Al« ich Löwen heute in meine Dienste nahm, gab ich ihm da« versprechen, ihn so zu stellen, daß er mit seinerlei Sorgen zu kämpft« haben werde. Also von einer Nothlage kann hier die Rede nicht sein, um so weniger, al« bie Familie Löwen seit gestern im Besitze nicht unerheblicher Mittel ist, die es ihr ermöglichen, sorgenfrei zu leben." Trotz de« eiftigen Bemühens Salden», immer mehr BerdaehtSmomente gegen Löwen in'« Feld zu führen, konnte Friedheim die Ueberzeugung von der Schuld seine« Casftuboten noch immer nicht gewinnen. Er konnte e» nicht fasse«, daß seine Güte mit solch' schmählichem Undank belohnt, er in seinem Vertrauen so sehr getäuscht werden tonnte. »Und was werden Sie nunmehr beginnen?" fragte Salden, dem AuSgange sich zuwendend. »ES bleibt mir nicht» Andere« übrig, al« die Polizei von der Sache in Kenntniß zu setzen. Vielleicht gelingt es ihr, Licht in die dunkle Angelegenheit zu bringen. Ich halte es nämlich für gar nicht ausgeschloffen und unmöglich» daß Löwen da« Opfer eine« schändlichen Verbrechen» geworden ist." Kaum hatte Salden diese Worte vernommen, al« er wieder eiligst in'« Zimmer trat. Sein Gesicht nmr auffallend geröthet und mit seinen Händen gestikulirend, rief er in einem so heftigen Tone, daß Frieoheim unangenehm davon berührt wurde und ihn beftemdet anschaute. »Glauben Sie das nicht!" ries Salden, »glaul*« Sie das nicht! Sie würden.' wenn Sie solchem Verdachte Ausdruck gebe,,, die Untersuchung erschweren und in falsche Bahnen leiten. Wo sollte den» das Verbrechen verübt worden sein? Oder glauben Sic. daß vielleicht einer derjenigen, an welche Löwen von Ihnen mit "lusträgeu gesandt, worden war, Löwen beraubt und chm eine» der heimlich zugesteckt habe, um de« Verdacht auf ihn zu Ltii

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.