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Jüdisches Familienblatt · 1892-01-01 · 43 (1892) · p. Seite 168

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1892
Issue
43 (1892)
Date
1892-01-01
Page
Seite 168 (sequence 4)
Language
German
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mir in der nächsten Sekunde jedoch wieder bester. Ich'hübe inzwischen da» Schreibe« an Herrn Friedheim fertig gestellt. Sw brauchen e» nicht in Ihre Tasche zu lege«, Sir könnten es sonst vergessen und die Erledigung dieser Angelegenheit erfordert besondere Eile. Kommen Sie» ich werde Ihnen da» Schreiben selbst in eine der Seitentaschen Ihre» Rockestecken. — Löwen lieft die» geschehen, nahm seine Tasche an sich, ohne weiter einen Blick hineinzuwerfen und entfernte sich, um noch andere Auftrüge zu erledigen.- Salden saß nachher noch längere Zeit an seinem Schreib» tisch«, mit unheimlich funkelnden Blicken nach einer der oberen Schubladen seines Schreibtische« stierend, in welche er soeben mit zitternder Hand ein umfangreiches Packet Banknoten von bohem Wertbe gelegt hatte. — VIII Hirsch Löwen war von seinem ersten Botengänge heimgekehrt. Er hatte sich bald mit seinen Funkttonen und den damit verbundenen Obliegenheiten verttaut gemacht. Er legte die Brieftasche, in welcher sich die zu bestellenden Briefschaften befunden hatten und die jetzt nur noch die postamtlicheu Bescheinigungen über die eingelieferten Werthsendungen enthielt, auf den Tisch des mit Registrirung der letzteren be auftragten Beamten. Dieser nahm die Bescheinigungen an sich, um sie auf ihre Vollständigkeit und Korrektheit zu prüfen und sie mit dem ihm vorliegenden Verzeichnisie zu vergleichen. E» dauerte lange, ehe er fertig wurde. ES schien etwas nicht zu Firmen und er ging wiederholt da» Berzeichniß durch, es mit den Scheinen vergleichend. Kopffchüttelud saß er dann eine Weile sinnend da. dann wandte er sein Gesicht mit einem forschenden Blicke dem vor ihm stehenden Hirsch Löwen zu und sprach: »Mein lieber Herr Löwer, ich merke. Sie haben bei Ihrem ersten Debüt als Kasfenbote der Firma Emil Friedheim keinen besonders glänzenden Erfolg zu verzeichnen." Löwen wurde bei diesen Worten von einer unsäglichen Unruhe gepackt. War er doch alle Mahnungen zur äußersten Torsich: zu befolgen bestrebt gewesen und glaubte er doch aufs Gewiffenshasteste und Peinlichste seine Austtäge ausgeführt zu haben. Und nun sollte er sich ttotzdem eines MiÄriff» schuldig gemacht haben. Ihm waren die Worte de« Beamten daher unverständlich, räthsrlhaft, und er glaubte in Wahrheit daher nur an einen Scherz, den jener mit chm machen wolle, um ihn zu ängstigen. „Wie soll ich Ihre Worte verstehen?" fragte er daher und fuhr dann fort: »Ich habe doch Alles nach meiner Ansicht nach Aufgabe besorgt." »Nicht Alles!" entgegnete der Kassenbeamte, »denn eS fehlt die postamtliche Bescheinigung über dir Werthsrnduog an die Firma Karl Morell. Jedenfalls liegt hier ein ver» häugniWaoller Jrrthum seitens de» Postbeamten vor, der e» verabsäumt hat, Ihnen gerade über jene Sendung, die doch die bedeutendste gewesen ist, eine Bescheinigung zu verabfolgen. Gehen Sie also sofort zur Post und lassen sie sich nachträglich eine solche Bescheinigung geben." Löwen that sofort, wie ihm geherßen ward. Wie erschrak er aber, al» ihm der Postbeamte mittheilte, e» sei unter den aufgelieferteu Werthsen düngen keine an das Bankhaus Karl Morell gerichtet gewesen. Löwen war starr vor Einsetzen. In seinen Ohnu sauste und braust« e», ein Schwindel erfaßte ihn, und mit einem Eilenden Aufschrei sank er leblos vor dem Postschalter zu Im Friedheim'schen Komtor in der Osterstraße herrschte eine ungewöhnliche Aufregung. Der Werchbrief mit den an daS Bankhaus Karl Morell zu sendenden füufzigtauseud Mark war auf eine unerklärliche Weise verschwunden. Man forschte allüberall nach, nirgend» aber war eine Spur zu entdecken. Löwen selbst vermochte keine weitere Auskunft zu eruni; »erb all «k . . »»acht. Sein Mund war verstummt für—1!latte ihn jeder Berantwortung entzogen. Al» der ich« Mann im Schcilterraume leblos dagelegeu, hatte' i» ersten Momente seine Persönlichkeit nrcht festste!!«« nen, da er zum ersten Male in seiner Eigenschaft als La bote der Firma Emil Friedheim am Schalter war. Rur der Schalterbeamte kannte chn als solche«' dieser ordnete an. daß man den Leblosen nach dem Fried-,! heimischen Komtor sihaffe. Der Chef war. als man Löwen brachte» im Äomtot yt anwesend. Der Kassen beamte hatte ihm bereits Mittheilwcg von dem Fehlen de« Werthbriefes gemacht. Er hatte Löwe» mit Unruhe und voll höchster Spa« nung zurückerwartet. Den« es handelte sich um einen deutenden Betrag, der so leicht nicht zu verschmerz da rin Betrag in gleicher Höhe sofort flüssig gemacht l müßte, wenn der vermißte wirtlich sollt« abhanden kommen sein. Als er von der Sttaße her ein Lärmen und ein gewöhnliches Stimmengewirr vernahm, war er an» Fenft« geeilt. Kaum hatte er den Blick auf die Straße gen als er rief: „Was bedeutet das? Man bringt uns ja allem Anscheine nach eine Leiche." Bei diesen Worten eilten all« Anweftnden au bo»v Fenster. Frredheim wollte hinaustreten, da ward schon von außen die Thüre geöffnet und ein Postbeamter redete ihn mit de» Worten an: „Bin ich hier im Komtor der Firma Emil Friedheiml*" „Jawohl," entgegnete Friedheim mit gepresster Stimm»- „Ihr Kassenbote ist im Schalterraume soeben plötzlb vom Schlage gerührt worden. Ich bin beauftragt, ihn na Ihrem Komtor zu schaffen." Friedheim war entsetzt, als er nun den lebloftu Körper: Löwen'» in'» Haus bringen sah, den er einstweilen in ei»t* Nebengemach tragen ließ. „Mein Gott, wie war es möglich, daß de« Unglücks lichen Mann so jäh der Tod ereilen konnte. - Die bedauern»»» werthe Frau! — Armer Knabe!" Diese Worte vor sich hinmurwelnd, trat er wieder den Komtorraum.- Er schickte sofort einen Boten nach do»-^ Postamte, um hier genaue Ausklärung über den Sachverhalr zu erlangen. Den unglücklichen Hinterbliebenen jedoch wollte. er selber die Trauerbotschaft bringen. Der'Bote kehrte bald heim und bcrichttze, daß der Bettacht kommende Werthbrief überhaupt nicht aufg worden sei, «in BehändigungSschein demnach auch nicht gefertigt werden konnte. Friedheim erblaßte, als er diese Kunde vernäh Brief war also abhanden gekommen, denn die Löwen'» war leer. „Wo war der Brief?" Dicse Frage beschäftigte alle. Er war Löwen neben anderen Werchbriesen eutg digt worden. Sollte vielleicht eine Verwechselung i dermaßen, daß der Brief an «inen Adressaten in H. licher Weise übergeben worden ist? Dies koantt jedoch neSwegS der Fall sein, denn alsdann mußte der für Adreffaten bestimmte . nicht der Fall war. U m sich auch hier Gewißheit zu verschaffen» ließ bei allen, welche heute Bricft durch Ldwe» erhalte» ' Nachforschungen anstellen, aber vergickenS. Sämn Adressaten hatten die für sie bestimmten Brieft empfangen. Der Bote war auch bei Leo Salden gewesen, erklärtt, bald selbst zum Chef komm» Hz» wolle» t währte nicht lange, als er bei Fri-dei»« eintrat. Brief noch vorhanden sei», was

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