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Jüdisches Familienblatt · 1892-01-01 · 43 (1892) · p. Seite 169

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1892
Issue
43 (1892)
Date
1892-01-01
Page
Seite 169 (sequence 3)
Language
German
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daß tifc 'üan ’ eEtfea heimgesocK worbe« .Ja. denken Sie tun, Staen, den ich heute als Kaffen« üe angenommen hatte, ist plötzlich vom Schlage gerührt und mir todt ins Haugetragcn worden. Mit seinem Tode beklage ich aber auch den Bereust eines WerchbrirfeS, der .-eine hohe Summe enchielt und. den der Verstorbene zur -Dost zu tragen hatte. Der Brief ist spurlos verschwunden, -alle Nachforschungen sind bis jetzt rrsultarlos geblieben. Be- , merkten Eie vielleichr, al» Löwen bei Ihnen war. daß er -einen größeren Brief in seiner Brieftasche hatte?" Friedheim schaute bei dielen Worten Salden ins Gericht. Dieser aber wich feinen Blicke aus und wechselte wicht dir Farbe. Dann sprach er mit unsicherer Stimme, -chie Worte kurz hervorstoßend: .Nein; ich erinnere mich nicht, bei chm andere Briefe ^gesehen zu haben, al» denjenigen, welchen ich von ihm in Empfang genommen habe." .Seltsam," fuhr Friedheim sinnend fort. ' »Haben Sie denn," versetzte Salden," so. sehr großes i'T$efttaucn zu einem Manne, wir Hirsch Löwen, der bis t^jriteni noch ein passionirter Trunkenbold gewesen ist, daß ^Me ihn über jeden Berdacht erhaben halten, an dem Ab» - hmdenkommcn de» Briefes schuld zu sein?" forschte Salden, . einen lauernden Blick auf Friedheim werfend. »Me? Sie meinen, Löwer mag vielleicht gar nicht so schuldlos sein? Glauben Sie »iellricht, daß er wieder seiner ^Leidenschaft gestöhnt »nd im Rausche den Brief verloren hat?" .Ich glaube noch mehr al» das; ich glaube sogar, daß er selbst den Brief an sich genommen." - .Herr Salden," rief nun Friedheim, »beschuldigen Sie L nicht einen Mann, der bis zur Stunde sich einegemeinen ^Verbrechen-, wie Diebstahl, nod; nicht schuldig gemacht hot, J&or Sie die Beweise in Häuten haben." .Ich spreche allerdings nur eine Brrmuthung aus," ■ lenkte hier Salden «in, »die durch die traurigen Verhältnisse, “ in welchen der Mann bis jetzt gelebt, hervorgerufen wird. ' Die große Summe, die er da mit sich führte, war zu sehr lockend. Verschaffen Sie sich doch Gewißheit auch nach srr Seite hin. Haben Sie >>enn schon die Kleider d«S _ odtru untersuchen kaffen?" Ich hatte bisher keinen Eirund, dies zu thun. Wir ^können ja eine Untersuchung vornehmen." Beide Männer begaben fid) in da- Nebenzimmer, in ^welchem die Leiche Löwen'» lag. Diestlvc trug noch sämmt« Kleidungsstücke, auch den Otarod, den Löwen bei sei« Botengange getragen. Während Friedheim sofort unrlbar au die Leiche heranttat, blieb Salden scheu und gstlich im Eingänge de» Zimner» stehen. Er warf nur eue Seitenblicke auf den Tobten. . .Fürchten Sie sich, Herr Salden?" stagte Friedheim, "8biest ungewöhnliche Scheu wah-nehmend. »O, nein!" antwortete Salven, einen Schritt vortretend. aber wich er weiter zurüä!. Frirdheim öffnete den Obeirock der Leiche sund begann tzie inneren Taschen zu uatersudjen. Er entnahm einer der» - .selben ein unerbrochenes, an ih» selbst gerichtete- Schreiben. »Hier finde ich ein für «ich bestimmtes Schreiben; der ^Verstorbene hat w-chl vergefstn, er im Komtor abzugeben.' Friedheim zeigte den Brief Salden. Dnfer rief: »Da» ist ja da- Schreiben, daß ich chm für ^»itgab und in welchem ich Sie ersuchte, aus dem mir zu »den Accepte einen höheren Betrag zu verzeichnen."» fV Salden nahm da» Schreiben an sich; dann rief er hastig: ' .Durchsuchen Sie doch jetzt die äußeren Seitentaschen." Friedheim entsprach der Aufforderung Salden». Die Seitentasche war leer. Nunmehr fuhr Friedheim mit Hand in die rechte Seitertasche, uns er zog rin Stück Papier hewor. . ■&:?■ «itb nahm jetzt Schriftzüge auf demselben war. Je tänprer sein prüserche» Auge ans diesen Zügen ruhen ließ, desto größer wurde feint Bestürzung. .Mnn «ott, was sehe 'ich?" rief er au«. »Em Theil der Umhüllung de» vermißten Briefes!" »Ist e» möglich!" fiel Salden ein. .Ja, eist so! Lesen Sie: ....fzigtausend M...; struer: .. rl Mor .. Co soll Ihre Brrmuthung sich doch bestätigen? Wo aber in aller Welt ist der Inhalt?" .So forschen Sie doch weiter." rief Salven in einem so freudigen Tone, daß selbst Friedheim überrascht war. Dieser war jedoch infolge stiner unerwarteten Entdeckung so sehr von ganz änderen Gedanken erfüllt, daß er dieser stiner Ueberraschung nicht weiter Ausdruck gab. — (Fortsetzung folgt.) Erinnerungen an Aerthotd Auerbach. Boa <#. Wolf in Wien. Die Korrespondenz aus Ungarn (in Rc. 42 d. Bl.) in Angelegenheit des Falles, daß ein Barer in Szegedin die Bv» schneidung seines SohneS verweigerte und nichtsdestoweniger verlangte, daß der Rabbiner das Kind in die Geburtsregister eintrage, brachte mir folgenden Fall in Erinnerung, der, wie ich glaube, nicht ohne Interest« ist. ES dürstevielen Lesern der »Wochenschrift" d« r Name meines in Gott ruhenden väterlichen Freundes, Dr. Bernhard Beer, in Dresden bekannt fein. Es war eia Mann von umfassender Gelehrsamkeit und einem kindlich reinen Herzen; überdies war er wahrhaft fromm und gotte-fürchtig Auf religiösem Gebiete trat er wie sein Herzrn-freund, Oberrabbiner Dr. Zacharia» Frankel, nachmals Direktor de« jüdisch-theologischen Seminar» in Breslau, streng konservativ. Ec würde sich nicht gestattet haben, da» Kleinste und Unbedeutendste zu thun, wenn es den religiösen Satzungen zuwiderlirf; hingegen war er sthr tolerant gegen Andere. Nun lebte zu Anfang der Fünfziger Jahre Berthold Auerbach in Dresden, und selbstverständlich kam er, wie Gutzkow, Hammer re., in das Haus Dr. Beers, wo die geistig hochbegabte und von edler Weivlichkeit erfüllte Gattin Bertha al» HauSstau waltete. Am 1l. Jänner 1852 wurde Auerbach von seiner Frau mit einem Sohne beschenkt. Auerbach wollte da» Kind al» Jude erzielen» doch ihn nicht beschneiden lasten. Unter dieser Bedingung verweigerte Frankel die Eintragung des Kinde» in die Geb artSregifter. Nun drohte Auerbach, er werde da» Kind trufea lasten. Dr. Beer, der mit Leib und Seele am Juventhum hing, schreckte stdoch davor zurück, daß eine Seele in Israel verloren gehe und wählte unter zwei Uebela da« kleinere. Er trachlere nämlich, daß gar nichtin der Sache gescheht und beredete Auerbach, folgende Eingabe au die königliche Kreisdirection in Dresden zu richten: .Unterm 14. d. M. hatte ich vermittelst Protokollebei der hohen königlichen Krei-direction den Antrag gestellt, in Betracht, daß ich nicht gesonnen bi» die Beschnecduag an meinem, ven 11. d. M. hrer geborenen Sohn vollziehen zu lasten, entweder von der Eintragung meiue» gedachten Sohnein ein hiesige- Geburtsregister überhaupt abz »sehen, oder, falls dstseS nicht anginge, die hiesige israelitisch« Gemeinde zur Eintragung desselben in da» GebuttSregister, auch ohne vorgäugige Beschneidung de» Kindes veranlassen zu wruen. »Da nun vermöge hoher Verordnung der königl. KreiS« Direction an den hiesigen Stadtrath vom 1v. d. M. daletztere der von mir beantragten Alternative verfügt worden ist der hiesige Oberrabbiner Dr. Frankel gegen diese oer» ordnete Eintragung ohne vorgängige Beschaeivuug, al-seinem religiösen Gefühle zpwidet, RecurS ergriffen un» deshalb as da» .hohe Ministerium für LultuS sich gewendet hat;-'!' puch »ach geaommener Rücksprache mit dem gevachtenl

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