Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1892
- Issue
- 41-42 (1892)
- Article
- Beilage zu Nᵒ 41-42.
- Date
- 1892-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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°»n Wien sollen noch zweiInden lebe«, welche derver- ^ork-ne Kardinal in seiner Prager Jugendzeit unterrichtet«. Jahre 1888 zeigte« sich an ihm in Rom die ersten le einer «Sehirnaffektion, sicherlich ei« Erbtheil seines Iirenhause verstorbenen Vaters; er wurde nach England tr.. iortin, wo er starb. Per Märtyrer von Prosendorf. <>«schich»»blld an« dem Mittelalter von Leopold Mandl. Die Zeiten, in denen hochgelehrte Richter der Wahrheit 1 spanischen Stiefeln, eisernen Jungfrauen, nnd Daumen» xn den Weg gebahnt, haben auch zur herzinnigen \ inung frommer Gemülher Denkmäler der Gerechtigkeit ^„«.lassen, de noch heute auf steinerner Basis feststehen. Der gereihter-, oder wa« eben im Mittelalter nicht selten »-H, upgerxhterweise Berurtheilte, wurde zur Ergötzung v.. 'chaulustigen Menge, mit Füßen und Händen an die arkiplase stehende sogenannte Gesichtssäule gebunden, ihm noch obendrein eine schwere steinerne Kugel um Hals gehlngt wurde. Las Volk war für derlei Vergnügungen sehr dankbar, Ir kam b«r Gerechtigkeit zur Hilfe, und bewarf den Delin- 1 :?n mit faulem Obst und faulen Eiern. In deutschen Kleinstädten und Märkten sieht man noch!,.c . "b da schlanke Säulen an denen Haken, Ringe mit» rmrrr auch Kugeln befestigt sind, die einst zu solchen Zwecken Ein solä-eS, aus dem Mittelalter stammende Denkmal kr «werkthätigen Liebe* steht auch in dem ästerreichischea Stäbchen Drosendorf. Am Marktplätze erhebt sich eine über acht Meter hohe Säule, an der einst Schmerz und Jammer gewüthet und Schadenfreud«; ihre Orgien gefeiert. Von diesem Gerichtsdenkmal, das man den Prangerhansel nennt, geht die Sage, daß in seiner Nähe in jeder liebenten Thomasnacht am 2l. December um di« zwölfte Stunde Hunliegeheul und Menschengeächze zu hören sei. Diese Aeußernng der Bolksphantasie ist der Wiederhall der lauten Entrüstung über einen Frevel, der einst au jener Stätte an einem unserer Glaubensbrüder begangen wurde. In jener Gegend lebte vor Jahrhunderten ein jüdischer Hader. Der Mann stand auf dem Niveau seiner Zeit, war so geschickt oder ungeschickt, wie die meisten Aerzte damals überhaupt waren. Schröpfen, Aderlässen, Jgelsetzen undnnd einige schärft Mixturen — das war die Summe seiner Wissenschift. Zur Zeit des St. ThomaSmarktrs weilte er in Drosendorf. Da traf e« sich, daS ein Bauer, der zu Markte gekommen war, plötzlich erkrankte. Der Bader Isaak Moses, oder wft er sonst geheißen, wurde schnell herbeigeholt. Dft Diagnose ergab, dag «in Aderlaß nothwendig; derselbe, in zu großer Eile ousgeführt, fiel jedoch so unglücklich auS, daß der Patient dadurch verblutete. Der Hnlkünftler, der einen Menschen so kunstlos zu Tode curirt, war entschieden strafwürdig. Es entstand ein großer Lärm, die mit Recht erbitterten Bauern führten den Isaak Mose« unter Püffen und Stößen vor das hohe Gericht, nnd dft furchtbaren Flüch und Verwünschungen deS Volke» begleiteten ihn. Da» Uriheil der Menge war übereinstimmend: „Der Jude wird aufgchängt" und manchr schadenfrohe Blick, wandft sich bereits gegen den außerhalb de» StädtchuS stehende» Galgen. Dft Argumente, dft der Jnculpat zu seiner Vertheidigung vorgebracht, waren indeß so schwerwiegend, daß sich dft Justiz, die vielen mildernde« Umstände in Betracht ziehend, für d« zweift Form de» Aushängen«, für das Hänge» an de«1 entschied. Damit, war jedoch nur eine Fnige entschieden, setzt erst hatte der »oeift Rach eine andere, nicht minder wichnge, vor: Der iSerurtheilte war ein Jude, und in jene» Zeiten, wo dft Milch der ftommen Denkungsart in 'Stabt und Land der einzige Laöetrunk war, bestand oft löblich« Sitte, Jude», die man zu Tode verurtheilte, zwischen zwei Hunden an den Galgen zu bängen; soll dem Bermalebeiftn. durch dessen Ungeschicklichkeit ein Ehrisftnmensch ums Leben gekommen, am Galgen Nr. 2 der Hund ganz erspart bleiben, ober nicht? Nach turj«r Berathung war dft Schwierigkett gelöst. Di« Baiurn wurden als Leibeigen« nicht besser als die Hunde betandelr, darum sollte zur Abwechslung ei» Hund wft jener unglückliche Bauer, behandelt und dem Juden über de« Kops gelingt werden. Da» Urthnl kam bald zur Ausführung. Isaak Moses wurde, tat Stricken an den Händen und Füßen gefesselt, an den Pranger gebunden, und ein Hund, dem man die Sck^ag» ader entzri« geschnitttn, über seinen Kopf gehängt, so daß ihm da» Blut über'» Gesicht rinnen mußte Nun swnd er da, der Unglücksmensch, zum Spott und Hohn der zahlreichen Gaffer. Er zittert« vor Kälte und wand und krümmte sich, denn da« herabrinnende Hundeblut verklebte ihm Augen und Muad; in manch besserem Gemüthe regte sich Mttleid, doch niemand wagft es ihm beizustehea. ES loard Abend, dft Kälte nahm zu, dft Menge verlief sich, und die Zeit der Schausftllung war zu Ende. Da tämmerft in der Seel« des Gepeinigten ein Hoffnungsstrahl; der Gerichtsdirner hatte ja den Auftrag, ihn des Nachts loszudindrn, doch ach, der Herzlose war vergeßlich und überließ den Deliouenftn ftiuem Schicksaft. ' In oer Frühe war der Aderlaffer an der Gerichtssäuft erfroren, der Hund aber war weg; ein Menschenfreund, der in vorgeiückter Nachtstunde den Unglücklichen retten wollte» war zu spät gekommen und mußte sich damit begaügxn, das über der Leiche hängende Zeichen der Schmach zu beseitige». Dali schreckliche Ende de» jüdischen Baders brachft dft Leuft zu, Besinnung. Mao erzählt«, daß er mitunter geschickt gewesen rnd so manchen wirtlich geheilt habe, und daß er ein guter Mensch gewesen, der die Armen uneatgeltlick behandelte. Die Stimmung von gestern schlug in» Gegentheil um, fo, daß so mancher, der n«b Tags zuvor beim Pranger gejohlt' und gehöhnt hatte, da» Urtheü de» hohen Raches zu strenge fand und den pflichtvergessenen Gerichtsdiener verdammte. Dft Stimme der Menschlichkeit, die sich an jenem Tages nicht zu rege« wagte, klingt noch heuft in der Sage vom - Hundegeheul und Menschengeächze beim Prangerhansel zu- Drosendorf.' Jlit* dem Sprmßfchatz des I«l»»d. Poetisch überttagen von Max Weinberg. Stillstand gräbt sei» eigen ltzrab, Wer nicht tunimmt, »tmwt schon ab. * . * Wo einst de» »«töherrn Waffen hinge», Soll nicht der Knecht den Kittel bringe». G * »ft roth« «ose» weiße« R offen steh'«, Sftht Lrnmth Jakob'« Söhne» schön. . * De: Söldner krbegt, Der Feldherr sieg». Kann'ö »ft va» nngestlhr gescheha. Mag Deine Kraft Dein Feind «al sehn. Lftber unter lööwe» Letzter, Al» der Füchse Borgttrtzwr. -I- Veraatwarlt-isedaltenrLr. »ahwer, Magdeburg. Lrwtv,»««»»irseH»h»(früh»rD.L.»alff),Magbeburg. «erlag: tzw^Friesch Ltttzgig. ." E. "• r,. -»j>