Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1892
- Issue
- 41-42 (1892)
- Article
- Beilage zu Nᵒ 41-42.
- Date
- 1892-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Kii» jüdischer Aardixak.*) I« der Stockhaussttaße zu Prag wohnte viele Jahre «in« Wittwe Austerlitz; ihr Mann war bald nach der Geburt ihreeinzigen Sohnes Jacob in der dortigen Irrenanstalt gestorben. Die Wittwe, welche «inen GreiSlerladen hatte, Uetz es sich angelegen sein, ihren Sohn, der schon früh großes Talent für Musik und Sprachen zeigte, auf» Beste - z» erziehen. Lus dem Prager Konservatorium lernte er mehrere Instrumente, namentlich bildete er sich zu einem tüchtigen Klavierspieler und Flüg'lhcrnisten aus. Nach dem Abzange vom Konservatorium trat Jakob Austerlitz in die Kgpellr des fünften Jäger-BataillonS, wurde bald Oberjäger, verließ aber nach drei Jahren den Dienst, da ihm Freunde di« Mittel zu weiterer Ausbildung gewährten. Er ging nach Paris und besuchte dort die Musikakademie. Dabei beschäftigte er sich auch fleißig mit fremden Sprachen und brachir es soweit, ir neun Sprachen sich unterhalten zu, können. Mit einem Schiffskapitän Dorre, den er in Paris kennen gelernt, machte er eine Reife nach Westindien und Südafrika. In Kapstadt blieb er einige Heit als Dolmetsch im französischen Konsulat. Bon hier ging er nach Alexandrien, wo er in einem Geschäftshause den Posten eines EaffirecS erhielt, dann nach Brest, Brüssel und endlich nach London. Hier kam Austerlitz ohne einen Pence in der Tasche an. In einem Geschäfte erhielt er einen untergeordneten Dienst. Als er einiges Geld erspart hatte, suchte er durch die Zeitung eine andere Stellung, wobei er seine musikalischen and sprachlichen Kenntnisse betonte. Darauf nahm ihn der Londoner Bankier Jackson al« Hofmeister ins Haus. Hier eiwarb er sich bald die Gunst nicht nur seine« Herr«, soudv:n auch der Tochter desselben. Zwischen den jupgen Leuten entwickelte sich schnell da» innigste Berhältniß Al» die Brautwerbung um Miß Emma Jackson brüst zurückgewiefen wurde, flüchtete da» verliebte Paar nach Antwerpen. Bei der Ueberfahrt herrschte ein gewaltiger Sturm. Der unerfchrockenr Austerlitz unterstützte den Kapitän bei den Ansttengungen zur Rettung d«S Schiffe» in kräftigster Weise. Da die Flüchtigen keine Pässe hatten, so bemühte sich der Kapftain, dem sich Austerlitz anvertraut hatte, sie glücklich rurchzubringen; er stellte sie dem Polizeideamten in Antwerpen als Dr. John Brown, Advokat aus London, fammt Gemahlin vor und verschaffte chnrn auf diesen Namen auch 'Pässe nach Wien. Das flüchtige Paar wurde inzwischen von Jackson durch die Polizei und die Zeitungen verfolgt. Er begab sich von Antwerpen nach Deutschland. In Wiesbaden und Homburg versuchte Austerlitz sein Glück im >Lpirl, gerieth aber dadurch -bald in solche Geldverlegenheit, dag Emma ihre Schmuckfachen verkaufen mußte. In Berlin und Leipzig machten sie Schulden und kamen dann nach ldrekdeu, wo Austerlitz von einem Engländer Lime«», mit di:» er Freuntschaft geschloffen, 100 Pfund erhielt. Sie reisten nun »ach Hlrag, wo Austerlitz auch seine Mutter besuchte, lllach rinigen Tagen reiste das Paar nach Wien; in Brünn jedoch wurde er auf Grund eines Telegramme» verhaftet und nach Prag -«rück eskortirt, trotzdem Austerlitz seiuen Pcch als Dr. Brown vorwies und sich stellte als ob er nicht deutsch verstänt«. Auch im Polizeigefäng» uiffe in Prag, wo er'fünf Tape behalte« »urde, sprach er nur englisch. Am sechste« Tage wurde er dem Strafgerichte ausgeliesert. Der 'Prager Dolmttfch i» Englischen, Professor Fischet, wurde zu« «erhöre üeigezogeu. Landgerichtsrath *) lieber de» stinkt» Kuglank mrfwrd»»«» Knkdrnl Ho»«rd, de» dir «Otranoicaaet TBUttet fit £«äOtm tat kn LUnst von *o»> ctngh» am 8. Sekntt IW all hwtzakeUgn «trat aebne» i sei» bin, brach» Ich ta Pm, tcftcte»k« JBiVari«'1 t. F 1881 kit «tat mtchectzeU» immreff»«- LelmchDrschicht«. (»lek^ Pefchcl im Beisein des Staatsanwalt« von Rapp führte das UnterfuchungSverhör. Al» der Londoner Advokat Dr. John Brown Vorgefühl wurde, sagte er dem Landgerichtsrach: _Pro«iin Vy jäte pan nid»?“ Ueberrascht ftagte der Untersuchungsrichter, ob er denn Böhmisch «Stände? »Ich heiße Jatod Ausrrrlitz und bin ein Prager I" Noch größere Ueberraschung. Der Angeklagte legte nun ein umfassendes Geständnis ab. Auf seine Bitte wurde die von ihm entführte Emma Jackson, welche als unschuldig aus steiem Fuße belasten war, zu seiner Mutter gebracht. Zu der Schlußverhandlung war XimeneS aus Dresden erschienen, der für Austerlitz und seine Geliebte 100 Gulden hinterlegt«. Der Angeklagte wurde zu sechs Monaten einfachen Kerker» verurtheilt. Austerlitz ttat sofort die Sttafc an. Emma durste ihn jeden Sonntag besuchen. »Ich will getauft sein," äußerte er eines Tage» zum JnspektionSbecmten. Senat'und'Konsistorium entschieden nach dem Willen des Sträfling«. Kaplan Pater Nowotnv ertheilte ihm Religionsunterricht und nach überstandener Sttafzeit wurde der Taufakt in der Kirche zum heiligen Geist vollzogen. Niemand Geringerer al« Kardinal Fürst-Erzbischos Schwarzenberg fungirte als Pathe. Der Täufling wählte den Namen Edmund und mit Bewilligung der Statthalterei nahm Austerlitz den Familiennamen Howard an. Bald darauf folgte bei St. Eastalus dir Trauung de» Edmund Howard mit Emina Jackson. Der Handelskammer-Beamte Antofch war Trauungszeuge. Howard ttat al» Sprachlehrer bei dem Maschinenfabrikantrn Evans ein. Die Mutter der Emma besuchte ihre Tochter und unterstützte sie heimlich, da der Bater noch immer grollte. Howard überstrdelte mrt seiner Familie nach Oldenburg, wo er die Konzession zur Errichtung eines Musikinstitutes erhielt. Nach einiger Zeit reiste Howard nach London, um «in« Versöhnung mit dem Schwiegervater herbeizuführen, was aber nicht gelang; er gerieth vielmehr mit semem Schwager, dem jungen Jackson, in Streit. E« kam zu einem Duell, in welchem Jackson verwundet wurde. Howard kam nicht mehr nach Oedendurg zurück. Emma erhielt einest Brief mit den wenigen Worten: »Ich will Geistlicher werden." Seitdem war er für sie verschollen. Frau Howard, die ihre zwei Kinder durch den Tod verloren tiatte, wurde in einer vornehmen Familie in Wien Gesellschafterin. Inzwischen war Howard in ein Jesuitenkl oster als Laienbruder gettett«. Parer Beckx, welcher den eiftigen Mann lieb gewann, »erhalf ihm, nachdem er binnen drei Jahren die Maturitätsprüfung abgelegt, in das Jesuiteu- Seminar nach Rom. Durch seine Sprachlenntnissr und stine Rednergabe bald bekannt, wurde ihm Kardinal Antvuelli Freund und Beschützer. Howard bekam die höheren Weihen und wurde Adlatus i« Sekretariate am päpstlichen Hast. Nach dem Tode des Kischass von Ankoua fragte eine» Tage» Kardinal Antonelli: »Warum reicht Howard nicht ein?" — »Endlich ist hier da» Gesuch, auf welches ich wane," sagte er nach einigeu Tagen. Und hei der Besetzung des Bischofsstuhl«» von Aukona und Eaesara erhielt Howard in der That die Würde eines Bischofs io parübim und erfolgt« zugleich deffen Ernennung zum Kardmcü. I« Hochsommer 1880 rchielt Kardinal Howard «ine Mission fetten» des Konklave an den Kaiser von Oesterreich. Ehe Howard nach Ischl refft«; verständigte er Frau, von deren Aufenthalt als Gouvernante in eiaem lichen Haust in Wien er Kenntniß hatte, daß er »ach , komme, und schlug ihr eine Zusammenkunft vor. Sie kam. Rach mehr aU achtzähri«! Trrunung sah « sie wieder, die immer »och sehr stattliche Frau. Er legt» stin geistliches Gewand ad, giugmit feimw Fra» »ach Lsttz»» und ward — Jownmlfft. So weit die »BoHenna".