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Jüdisches Familienblatt · 1892-01-01 · 40 (1892) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1892
Issue
40 (1892)
Date
1892-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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%VUM (xrnulflegtbtn von Dr. M. Nähmet ln Magdeburg.?ir |ntrr|ilttfl| nl Kktrtznus fiir lir jsmllüslhe finilir. ^nhnlt* ®ie schuld der Väter. riae ttrzSblung von I. Herzberg. (Forts.) — Bildchen au« der Reisemapp«. II. — An« dem Spruchschap MXahnnbvonM. Seinberg -Epigramm von L. Hoben. — Ntthsel-Aufgaben. — Riithsel-Lösuagen. (llnbefugtrr Nacht ruck «X diesem Blatte ist uatersagt.) Ate Schuld der Aäter. Ene Erzählung von I. Herzberx >*] (S-rtsetzung.) „O, Sie edler Manul" sprach hierauf die Frau, Sie tragen mir also nicht nach, das, ich S e einst verschmäht? Ach, ich war damals unfähig, meine stürmischen Gefühle zu '»«meistern. In wildem Taumel riß ti mich fort, fort von fronen selbst, die mir so nahe standen. Ich liebte nur Einen, chm nur mochte ich mich ganz hingeben. Mein Auge war «blendet, r« sah nicht den schaurigen Abgrund, dem ich blindung« entgegenrannte. während mich die Verwünschungen de« so bitter gerät,schien Vaters wie SturmeSgebrause umtosten. Ter für wenige Augenblicke so heitere Lebenshimmel ward , aar bald durch düstere, dunkle Wolken verhüllt und kein Lichtstrahl trcf seitdem wieder mein Auge, daS voll verzehrender Sehnsucht so gerne die lieblichen Bilder einer trauten Vergangenheit geschaut hätte.-Wie ich die Juten Eltern, so hat er — er — mich getäuscht, hatte kein luge für me.n Leid, meinen Schmers nachdem der erste Rausch verflogen; wir sanken beide tiefer, immer tiefer!" Ein Schluchzen hinderte die von bitteren Gedanken gequälte Frau, die die hageren Hände an die vor Erregung fieberglühende Stirne preßte, am weiteren Sprechen. .Beruhigen und trösten Sie sich," sprach setzt tief erschüttert der iwr ihr stehende Mann, .lassen Sie die quälenden beunrr hiqenden Gedanken fahren. Sre vermögen die einmal dahingeschwundeue Zeit nicht wieder »urückzurusen. Gedenken Sie nicht mehr der Bergangenteit, sondern leben : Sie der Gegenwart, die Ihnen wieder ein erträgliche- Dasein ■ darbietet und Ihr LebenSmuth wird nicht ganz sinken. Sie sehen, ich habe gottlob mein Lebensglück gesunden; da» Ge- ' schick war mir hold, und ich danke der Vorsehung, daß sie mir Gelegenheit bietet, Ihnen meine Dienste leihen zu können." .O, die guten, lieben Eltern!" stieß die Frau unver-! «ittelt hervor. .Ich habe sie in den Tod getrieben!" — .Rein, Sie irreal" sprach beruhigend Friedheim. »Freilich konnten sie lange; lauge den großen Schmerz nicht verwende». den sie ob de« Verluste« der einzigen, so heiß ge- -ffcfeni Tochbr erfüllte; mit der Zeit aber minderte sich der Shmerz, e« griff eine gewisse Resignaüo» Platz, und dies -ni so mehr, al« sie von Lag zu Tag, von Jahr zu Jahr H«s eine Rübkrhr der entschwundenen Tochter hofften. Sie «bien der Urbe^eugung, daß Ihr venreintliche« Glück nicht langet Sxtnet sein werbe und Sie eine« Tage« reuevoll zu ihnen zurüc lkehrru würden. Sie hätten Sie mit offenen Armen MMongen; c ber ihre Hoffnung war vergeben«, — Sie kehr- Gt» «licht heur. Bei» Barer schwand inimer mehr die Leben«- und infolge deffrn auch die erforderliche Schaffen«- "eit. Dq« Vermögen war nach und nach durch unhierluste, .die nur eine Folg« allzugroßer 8err« MWkn, germzer geworb«», und ai« da» Ende Beider fast zu gleicher Zeit genaht war, stellte eS sich heran«, daß der ganze Besitz zu einem Nichtzusammengrschrumpft war." Während Friedheim diese Worte gesprochen hatte, hatte Frau Löwen unbeweglich dagesessen; nur schwere Seufzer drangen aus ihrer Brust. Sie war keines Wortemächtig. Da- Sprechen hatte ihr entsetzliche Qual bereitet, und der durch die Worte Friedheim'« hervorg:cufene Seelenschmerz raubte ihr den letzten Rest der geringen Kräfte, der ihr inne wohnte. .Doch nun lassen Sie mich aufhören» von der Vergangenheit zu erzählen. Lassen Sie uns an die Gegenwart denken. Wo ist Ihr Mann?" .Er muß sogleich von einem kurzen Gange zurückkehrrn. Unser Joseph wird auch gleich au» der Schule heinikehren," bauchte die Frau kaum vernehmbar. Kaum hatte die Frau diese Worte gesprochen, al- Vater und Sohn gemeinschaftlich den Wohnraum betraten. «ließ sich der Knabe, der Friedheim noch nicht :t«, vernehmen, indem er hastig rief: .Mutter, ist der Herr noch nicht hier gewesen?" .Jawohl, mein guter Junge, der Herr ist schon hier!" sprach jetzt Friedheim, indem er dem Knaben, der verlegen errüthete, die Hand reichte. Dieser schlug die Augen nieder und wagie es nicht, zu dem vor ihm stehenden Manne emporzudlicken. Aber auch Hirsch Löwen war schüchtern näher getreten und er begrüßte leise den Gast. Gern hätte er Worte de» Danke» gesprochcn, aber er vermochte kein Wort hervorzubringen. — Dagegen ließ sich jetzt Friedheim also vernehmen: .ES freut mich, daß ich hier Alle versammelt sehe, denn nun können wir besprechen, wa» zu thun ist. Ich habe Ihnen, lieber Löwen, einen Vorschlag zu machen, und zwar möchte ich Ihnen in meinem Hause einen Vertrauen iposten übertragen. Heute morgen ist leider mein Kaffenboi« verunglückt, und ich möchte Sie als sochen annehmen Sie werden wenig Arbeit haben und ich w«roe Ihnen soviel Gehalt bewilligen, al» Sie für Ihren Unterhalt gebniuchea. Sie können Ihre Stelle schon heule Nachmittag an treten. Melden Sie sich im Comtor." Löwen hatte nach und nach ftine Selbstbeherr chung wiedererlangt, und er war im Stande, an Friedheim die Worte zu richten: »Aber verzeihen Sie, gütigster Herr, wenn ich jetzt nach Ihrem Namen frage." Verwundert schaut« Friedheim ihn an und versetzte dann: .Sie wiffeu noch nicht, wie ich heiße? Doch wie sollten Sie e« auch wisse«, obwohl Ihnen der Klang meine» Nnmeu« nicht gar jo fremd erscheinen wird. Ich vergaß e» noch gestern, ihn dem sieben Kleinen zu nennen. Nun, so hören Sie: ich heiße Emil Friedheim." Löwen erblaßte. Stammelnd preßte er die Worte hervor.

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