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Jüdisches Familienblatt · 1892-01-01 · 39 (1892) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1892
Issue
39 (1892)
Date
1892-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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rfibtpftf' 1892. I ly HernuStzrgcben oon Dr. «. Raftsur ln Magdeburg. x'J %. n<liMi.«iia.<, ..)> üjjmHM o. v:„ WJ Zur liitrrfjilting vud Kklehriug fllr dir isrttlttislhe Famlie. . Die Schuld der Väter. Lin« »irzähtnna von I. Herzberg. (Forts.) — Bildchen au« dir Reisemappe. I. — fto4cin*t» und dl« ' I Jude» — Au« de« Gprmhschrtz de« Talmud. Poetisch Übertragen von M. Weinberg. — Da« hebräischeNeujahrägebet tZVS nvm. Uebersetzt von Joses Lar o, Rabbiner in Sloclawel. — Räthsel-Anfzaben zu Rosch-Haschono. — Räibiil-Asung. (llutrsnglrr Rachdrnck »n« diese» Blatte ist nntersagt.) Z»ie Schuld der Mler. lttn« Erzählung von I. Herzberg. »1 VI. Auf dem Fabrilhose herrschte ein: ungewöhnliche Aus» ° reguag infolge de» entsetzlichen Unfalles, dem der alte Grimm, der sich der Liebe Aller erfreute, zum Opfer gefallen war. Der Verunglückte hatte schon während dt» Transportes nach dem Conto,raume seinen Geist aufgegeben. In Gruppen stand da« Person,l, das die einzelnen d, Arbeitsstätten verlaflen hatte, umher, um dies tragische Errigniß F jjn besprechen. Man besprach besonders die Möglichkeit, wie dir» Unglück sich hatte zntragen könnci, und es wurden die verschiedenste Vermuthungen taut. Da lies, plötzlich der erste Maschinenführer sämmtliche t-: Arbeiter auf dem Hofe zusommentreten und richtete die Frage |&;an sie, ob irgend Jemand bemerkt habe, daß am frühen ^Morgen ein Unberufener den Mafchinrr.raum B betreten habe, denn »ei einer näheren Untersuchung habe es sich heiau»- gestellt, daß da» Dampfleitungsrohr von ruchloser Hand fc-r gewaltsam abgedreht und dann leicht angeschroben worden * sei, sodaß eS bei voller Dampskraft abx,«trieben werden mußte. y.- Auf diese Frage herrschte ein mirutenlange» Schweigen. Einer sah den Andern an, und in dem Blicke Aller lag die Frage, wer sich wohl einer solch ruchlosen That schuldig ,it. machen und ein Menschenleben so aus» Spiel setzen könnte. Da meldete sich eine Arbeiterin, welche bekundete, sie Labe schon eine Stunde vor Beginn der Arbeitszeit den Fa» V vrikhos betrtten. um eine Acrordartat zu vollenden. Da tbe sie der Emil Burghardt bemerkt, wie er sich an der ngangsthtir de» Maschinenraumes B habe zu schaffen machen. ES sei ihr die» nicht weite, ausgefallen, jetzt aber erinnere sie sich dessen wieder. Alle« blickte um sich, nirgends aber war d.i Genannte zu schauen. Man suchte ihn und .fand ihn bei seiner gewöhnlichen Arliett beschäftigt. Diese . Thatsach« reichte schon hin, tat auf ihn gelenkten Verdacht der Täterschaft zu bestätigen. Mehr noch aber war e» der; Ausdruck seine» Gesichte», da» in ihm den Thäter vermuthen ' ließ, und ba« sich jetzt mit einer fahlen Blässe überzog. Wir vermochte er auch allein zu arbeiten, wo alle Anderen vor Aufregung zu jeder Thätigkeit unfähig waren. Auf Vorhalten entgegnet« er trotzig, was chn di« ganze Sach« angehe, und al» er vor dem Maschinenführer erschien, gab er unumwunden zu, wessen man chn beschuldigte. Cr erklärte, er sei aesteru dazu verleitet worden, man habe ihn zugeredet, dem Juden einmal einen .Schobernat' muffigen, er habe aber nicht gebaut, daß seine That so verhüngnißvolle Folgen nach sich ziehen werde. €>«a kratz ward aber »och bestärkt, al» jetzt der Fabrikherr und sein Wokurist erschienen. Beite traten in de» Kreis und ließen sich zuntchst eingehende« Bericht »Wie kommen Sie dazu, eine solche gemeine Handlung auszuführen? Mußten Sie sich nicht sagen, daß ein namenlose« Unglück entstehen werde?' .Der Grimm hatte ja auch nichts in dem Maschinenraum zu suchen.' „<£«e sagten, wie ich eben höre,' fuhr der sfabrikherr fort, .man habe Sie zu der That verleitet. Wer ist eS denn, der Sie verleitet hat,' .Herr Hauswald ist es; er sagte, ich solle e« nur so machen, dann würden Sie strenge beitrast, da Sic als Eigenthümer der Fabrik für alle Unfälle zur Verantwortung gezogen werden.' .Wie kommt Herr HauSivald dazu, Sie zu einer solchen That zu verleiten?' .Herr Hauswald hat schon jüngst in einer Beisammlung einmal öffentlich erklärt,' enlgrgnete Burghardt, .er werde demnächst einmal den Juden etwas anchun.' .Haben Sie denn nicht bedacht, welch schwere« Unrecht Sie begehen würden?' „Unrecht? Einem .Juden' thut man niemcl« Unrecht! so ist eS mir immer gesagt worden, und Sie sind doch auch ein Jude.' „Nun, ich sehe, Sie sind auch einer jener Bethürten, die jene Hetzer al« Werkzeug benutzen, um ihre Uim'turzgedanken in die That umzuseyen. .Leute, habt Ihr es vernommen? Weil ich ein Jude bin, suchte man mich schädigen zu dürfen. Denkt Ihr Alle so?" .Nein, nein!' erscholl «4 einstimmig ,Si: sind un« ein guter Herr, dem wir gerne dienen.' »Mögen sie nur kommen, wir werden sic schon d«S Rechten bel-hren,' schrie ein robuster Heizer. .Ja, mögen sie nur!' riestn Alle. .Es lebe Herr Friedheim V erscholl eS da wieder au» voller Kehle. .Ich danke Euch, Ihr Leute!' sprach nun Friedheim, .e» freut mich, daß Ihr Alle nicht so denket, wie dieser hier. Seht, durch eine ruchlose That ist ein alter, treuer Arbeiter eine« entsetzlichen; plötzlichen Todes gestorben. Grimm ist hier auf Herrenhof grau geworden. Er war mir eben so zugethan, wie meinem Borgänger hier. Er sah in mir stet» den Fabrikherrn, in dessen Dienst er stand, der ihm Brod gab. Nach Glauben, nach Stand hat er mich nie geftagt, wie auch ich, da» wißt Ihr, niemand nach seinem Glauben stage. Ich kenne in Euch allen nur meine Mitmenschen, und al» Mitmenschen sollt Ihr alle mich ansehen, dem Ihr Treue uud Ergebenheit schuldet. Bewahren wir dem Berstorbenea eia warme» Andenken. Möge er Euch allen rm Muster feint llnd jetzt gehet au Eure Arbeit. Ich wero« da» Xfitffae schon oeraalaffe«.' Mit eiuew »Hoch!' auf dem Fabrikherin ginge« Alle Öoct wieder an ihr: Arbeit. Nur Burghardt blieb znrLk. > diesen wandte sich au» Friedheu». JL

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