Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1892
- Issue
- 36 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 144 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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** ax — 144 — - -■’t-.v Tempcratnr befleißigt, sondern weil wir seil de« letzte» Erdbebe» nicht genau wissen, wie wir mit der Mutter Erd« stehe», ob sie ihren Rausch, der sie in» Wackeln gebracht, schon au»- geschlafrn hat und ob sie wieder fest .in ihren Angeln' ruht — ein feste» Auftreten könnte sonst eia unabsehbare» Elend anrichteu — .sie könnte sich auf die Seite legen, sodaß wir Alle in den Rhein fallen „ihäten', wie man sich hier au», drückt. Was brauche ich Ihnen übrig-n» von den Launen dieser alten Mutier, welche die unartigen Manieren einer bösen .Stiefmutter' ja — Sie verzeihen da» harte Wort: — Schwiegermutter angenommen, viel zu sagen» Sie wissen davon mehr wie ich. denn Sie hatten ja den seltsame» (Bcfchmack, der Erde wegen ihre» deliriom tremens Eomplimeate zu machen, und ihre.Erdbebenthcori«' besonder» zu poussiren. Da Sie io diesem Jahre mein Leidensgefährte sind, und anstatt auf Reifen zu gehen und sich Badebriefe schreiben zu lassen, zu Hause schwitzen—was beiJhnen mehr sagen will, al» bei mir — so niuthmaße ick, daß Sie schlechter Laune sind und will ich darum Ihre Geduld nicht weiter aus die Probe setzen. Sie frage» mich sicherlich, was ich eigentlich von Ihnen und vom Erdbeben will, oder ob etwa meine Familie Ursache hat, über die schädlichen Einwirkungen der Temperatur bei ihrem Familienoberhaupt und Ernährer zu klagen? So antwortete ich Ihnen denn .wie wir Lateiner sagen' si ▼nies bene »st, ego valeo! Ich bin frisch und munter, mein Etrohaittwerthum abgerechnet, aber Hitze und Erdbeben verbieten mir; meiner Gewohnheit gemäß, einen Energietriefenden Artikel zu schreiben, wie Sie — Ihren Lesern zumuthen, weil mir jede Festigkeit und Ausdauer fehlt, nur im Phlegma bin ich jetzt andauernd - also damit ist'» nicht» und ich will, wenn ich nicht in einer halben Stund« anderen Sinne» bin, den Antisemitismus, mein Steckenpferd, ruhiger laflen, al» er e» mir gegenüber chut, und lieber über die Cholera, al» da» kleinere Uebel, Nachdenken. Apropo»: Ist Rrdigiren und Co:rigl«n gesund gegen di« Cholera? Sie könnten über diese Frage «inen Preis au-schreiben. Doch gehen wir darüber hinweg und zur Beanrwortung Ihrer anderen Frage über, so sage ich Ihnen, ich hätte Sie nie für so grausam gehalten. Sie muthen mir zu, ca. IVO Predigten in 8 Tagen zu lesen und sie zu rezen» siren, während ich schaudere, wenn ich an meine Feiertags- Predigten denke!?-— Commeotar überflüssigl Die Mit» und Rachwelt wird darüber ihr Urtheil fällen! Ich begnüge mich damit dies niedriger .gehängt' zu haben. Daß Sie die Pillen zu überzuckern gedenken und von mir Prrdigten in der .homiletischen Beilage' abdruckrn wollen, da» ist jetzt (cf. Brockhau»' Conv.-Lex. Aufl. XIII. Bd. 9, Seite 4K9 ,. ▼.HuudStage) ein erschwerender Umstand, "denn ich müßt« buchstäblich im Ähweihe meines Angesicht» suchen, was brauchbar ist. Seun nicht alle .gehaltenen' Reden sind auch gehaltreich — ja, e» giebt schön gedruckt«, glänzend au»- gestattete, fein gedrechselte Predigten von berühmten oder richtiger berühmt sein wollenden Prcktigeru, die, wenn sie mit gut hinstudirter thcatralischer Effekthascherei vorgetragen werden, da» Publikum blenden und momentan hinreißea, aber näher betrachtet, gleichen sie dem Aluminium, von außen glänzend, aber au Gehalt leichh sehr leicht — doch — laonakima Mt, oder wedaj lMapirati! Ich will aber Ihnen gegenüber, bei dem womöglich eine noch höhere Temperatur herrscht, wie bei uns, da bei Ihnen sich selbst der Druckfehler teufe! wohlfühlt, großmüchi^ und weil in drei Wochen Rosch Haschoaoh ist, auch gutmüthig genug sein. Ihnen zu verzechen. So reiche ich Ihnen denn, so beschwerlich «» mir auch fällt, meine müde Rechte uud drücke Ihnen die Ihrige recht warm. In heißer Zuneigung Ihr Dr. Meschorrr. I» Erdbebeugebiete am Rhein us» der Wesel. - ** t <£*#**** »s» Bron^denkmal wurde am Freitag, den 36. August, mittag auf Helgoland imter allsettiger Belheiliguog der Ce**' Völkernng und Badegäste enthüllt. Die Festrede hielt GehX Rach Robert Fischer au» Gera der den Dichter al» Mitbegründer de» Deutschen Reiche» feierte. Emil Rittershaus-; sprach eia Festgedicht, au» deffen Schlußversen der nachfolgende hier einen Platz finden möge: Deutschland, Deutschlasd über Alles! — doch Mtgeffen sei such nie, welche» Deutschland hochgqzriesta an» de» Sauger« 9etf«! Einigkeit nnb Recht und Frelheit — »ul den festen Säule» Netzt Jene« Deuischlaud, da» besungen »Inst beaetftert der Poet. Elulglel» — auf diesen Imsen muß «» fest aegründet sein! veg die Eroßmannsucht der »leinen, »eg den Hader »er Partei'u, Weg der sthnöde Streit der Klassen, weg de» Zante» h»ßltchBtldj? Wenn e« unsrer Aller Mutter. Deutschland über Alle» gilt! Und da» Recht, da« hrU'ae, hohe! vch' dem Frevler, der «» beugt/ Und den Rassenhaß eutseffelt, »er anr Slm and Unheil »eng», Dessen gnnär von dem Esst« allrrschlimmftrr Schlange» tttest! Fest ,n» Recht«, da« nn« heilig, da« btschmore» uud verbriest, Und e» »erd« uie »ergeffen, bah uu» deutlcher Bruder heißt: Wer >m Leben und im Sterben deutsch fich zeig« in Herz und Seist! K-arakteristische Aezeichmt«-. Ein Fremder promenikt über die waldigen Höhen Marienbad» in Begleitung «ine» ortskundigen Freunde». Auf da»-'ch Städtchen herabblickend läßt sich der Fremde über die schön- , "J strn Bauten de» Orte» Auskunft geben, und fein Freund sagt: .Hier haben Sie die Kirche der Protestanten, dort dieder Katholiken, und dort uattn liegt die Synagsge der —. Badegäste.' ‘ Ei» rerßre»ter Prediger hielt bei einem Leicheubeaängniß die Trauerrede Er begann: .Unser lieber Berstorbener —' hier stockte er; er wußte nicht genau, ob «S ein Manu obre eine Frau fei, der. dort begraben werden sollte. Er zupfte daher de« ihm Zunächststrhrnden am Aermel und fragte leise: .War e» «i» Bruder oder ein« Schwester?' .Rein, so nahe par er nicht mit mir verwandt', lautrtr die thüiche Antwort. - 4: jlx» der *' Lehrer: Meyer, die letzte Arbeit können Sie unmöglich Ä @QMit (Ri» mir Mtituf mti wfflM haben. alle,« gemacht haben. Sagen Sie mir einmal mit «esse» Kalbe Sie gepflügt Hab Meyer: .Ihr Sohn hat mir geholfen. KedrLtsches Logogrypß. Bon O. in it. Etu bekannter Letrriasr, Zugleich Propheten-Arennd; Geht er ohne Kopf umher, Ein Wdrterbnch erscheint, Den Dalmndisten »ohlbekann«. — Wir Kopf wärd «inst als» genaant Ein großer Kops »er Geluor^heit. .Sesrnnet' heim e» allezeit: Jetzt ist di« Lösung nicht «ehr mri». A«ftSf«»g des Htittßsek i« Rsriger T« (Wurm), Ke«, «, der» — «dmckoMW»«*. n ScmnuMtU diedakteurDr. Rahmer, Magdeburg. DruekvoaBendtx AHuhu lfrüherD.L.Woisst,Magdeburg. -