Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Familienblatt · 1892-01-01 · 36 (1892) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1892
Issue
36 (1892)
Date
1892-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/6492351-8722847-5962163--1969-5375426
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

jptrairtg'geben ven #r. ft Aatzmer in Magdeburg. Zm iitftliitisg ml Kktrtzrmftr lie isrMjsche Fs«lie. i. ‘. Die Schuld bei Siln Ei,« Erzshlmiz Mn $1. Herzberg. (Forts.! — Kvklaab. 0int s»ziel-politische 6fi|*c von H K in F. — SBlhfllt * Briese an die «idaktion — Hosfnumn von Kellcrdlcb«». — Eharetteriftisch« Bezeichnung. — Ein jnßmrtac Prediger — ' «u, der Schule. - ««hseUfutzabe. - «lithselÄstma. <Un»eft»str «achvenck m* diese» Blntt» ist «utersnut.) I £ 3Hf Schuld der Näter. Ein« Erzählung von I. Herzberg. (K »rtsepnng.) Es war natürlich, dcß unter diesen Umstänitn. trotz 1 der Verehrung, Int man im Allgemeinen für den Fabrikherrn hegte, yie und da ene Abneigung sich geltend machte, die ungeachtet der Fürsorg?, die dieser allen ohne Unstr- - schied angedeihen ließ, unausrottbar sich eingenisnt hatte. I Diese Abneigung galt nichi dem Fabnkherrn, sonitru dem ' Juden, in dessen Dienst man getreten war. «eil inan eben anderswo nicht so viel verdienen konnte selbst unter noch günstin Berhültnifsen gleiche Bortheile nicht genießen würde, o der Fabrikherr gewesen, zeigte man sich devot, grüßte mit aller Ehrerbietung, war er sern, schimpfte man im «Seheimen. I' Während daher ans Ixt einen Seite das in Aussicht ^gestellte Erscheinen des Fabrikherrn mit Freuden begrüßt ^. wurde, erhob sich aus der anderen Seite eine Stimme der ' Geringschätzung. »Was will denn der Jude schon wieder hier?' ries ein Papiersammler seinem Genossen zu. »Emil, wie kannst Du in solchem Tone von unserem gnüdigen Herrn reden?" sprach dieser vorwurfsvoll. .Ist was »gnädiger Herr". Hahaha! ein Jude ein; gnädiger Herr!" hühnte Emil iturghardt, ein junger Ar- . veile, der erst vor wenigen Tagen von Friedbeim in Arbeit genommen war, da er nirgends hatte Beschäftigung finden können, und so stehentlich darum gebeten hatte, weil ihm die Ernährung seiner hoci,betagte», leidenden Mut^r oblag. .Ra, ich denke, Du hättest am allerwenigsten Grund, 'in solchem Tone über unsereri Herrn zu reden,", sprach der .Andere, ein bejahrter Mann, der schon längere Heit auf Hrrrenhof beschäftigt war, »wenn der Jude Dich mcht angenommen hätte, könntest Du heute die Hungerpfoten saugen und Deine bedaueruswerthe Mutter wäre schon Hungers gestorben. Für mich ist er der gnädige Herr ebrn so gut, als ob er ein Christenkvid wäre. Denn fleh, Emil, was habe ich ihm nicht alles verdanken. Sechs Wochen war nh krank, und er hat mir während der gangen Zeit meiner Krankheit den vollen Wochenlohn in» Hans geschickt. Er weiß, daß ich ein treuer Arbeiter bin. Darum segnet ihn »eine Frau täglich und weiß nicht Rühmenswertst« genug von ihm zu erzählen. Und meine Tochter hat er nun auch in Aroeit genommen; sie verdient ein sckLnes Stück Geld. Meine Frau sagt oft: Lias würde aus uns werven, wenn ‘ der Jude nicht wäre. Sieh Dir einmal die Leute in den anderen Fabriken an. Sie müfsm schwer arbetten für viel ingrren Lohn und dazu werden ihnen noch die verebensten Abzüge für »llerlei Kassen gemacht, sodaß am der Woche von ihrem eiger tiichen Lohne gar nicht viel bstibt". was! Rrdeusa.-stn!" unterbrach Emil den eifrig »der/Zpide weiß doch wohl, vms er timt Da ■ Ende kennst Du dir .Semiten" oder .Kinder Israels" schlecht wie sie der Dostor Zickel gestern in seiner Rede, die er im Werner'schen Saale gehalten hat, nannte. Die wissen ihren .Rewach" (Gewinn) wohl zu ivahren und sind daraus bedacht, daß.sie nicht zu kurz kommen. Ein Jude was verschenken? Ra, Gustav, da kennst Du dies« Leute schlecht". »Du warst wirtlich bei Werner?" ftagte Gustav Wilke» »weißt Du denn nicht daß es uns aufs Strengste untersagt ist. öffentlich« Beriammlungen zu besuchen, in welcher Red«, gehalten werden. Und nun warst Du gar in einer antv semitischen Versammlung, wo man so häßliche Reden führt gegen die jüdischen Mitbürger". .Häßliche Reden, sagst Du? Nein, es ist nur die reine Wahrheit, die man da zu hören bekommt. Hast wohl noch nie einen solchen Herrn «tat hören, Gustav? Ich sage Dir; da hört man, wie die Dinge liegen. Die Herren wiffen schon, was sie zu sagen haben. Sie «ollen Unserem» belehren, damit wir nicht ausgebrutet werden, wie gestern ein Herr Mälzer sagte, der auch eine große Rede gehalten hat «kr sagst, wir sollten ja nicht bei Juden kaufen wir würden bettogen und belogen. ES werde wohl nicht mehr lange dauern, dann werden sie alle fortgejagt wir eS der Raffe auch thut. Sie könnstn dann alle nach Palästina auswandern und hier sich einander selbst betrügen und belügen. Ob Dein »gnädiger Herr" dann wohl auch mitgehen Mrd?" .Laß die faulen Redensattrn bei Seist. Emil", grollst Wille. .Möge uw» der Herr vor solch einem Unglück bewahren, denn dann wären wir ja Me brodlos. Und was wolltest Du denn anfangen, Emil, wenn hier auf. Herrenhof die Arbeft eingestellt werden würde. Sieh doch mal zu, ob Dich dann Dem« guten Freunde, Dein Doktor Zickel und der Kaufmann Mälzer, di« so gegen die Juden die ehrlichen Arbeiter aufheyrn, in Arbeit nehmen würden. Sieh, ist es nicht genug, daß hier auf Herrenhof meist Christen in Arbest stehen, daß wir fast gar keine Juden um uns sehen, obwohl der Eigenchümer rin Jude ist, der doch eben so gut ausschließlich seine Glaubensgenoffen beschäftigen künnst?" »Gustav, wo denkst Du hin! Die Juden und arbeiten! Das hat der Doktor Zickel gestern auch gesagt Die können und wollen nur schachern und faullenzen und von de« Ertrage unserer Arbeit in Herrlichkeit und Freuden leben, die «ollen sich nur von unserem Schweiße mästen". »Dacht' ich mir'» schon, daß Du so reden würdest", entgegnest Wille »und soll ich Dir nun sagen, was Du im umgekehrten Falle sprechen würdest da» heißt wenn hi» auf Herrenhof nur Juden Beschäftigung finden würden? Du würdest jedenfalls sprechen: »Seht, die Juden habe» alle gute, lohnende Arbeit für sich behalten; sie drängen sich allüberall vor und bringen unsereins um Lohn und Brvd. Mögen die nur bei ihrem Handel und Schacher bleibm". »Run ich sehe", erwiderst Burghardt mit einem Hohnlächeln. »Du bist auch schon so em halber Jude, s» ein

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.