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Jüdisches Familienblatt · 1892-01-01 · 34 (1892) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1892
Issue
34 (1892)
Date
1892-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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isrr. ™ Heran«,^g«be» von Dr. M. Uatzmer In Magdeburg. Jw: gxtrrtt Itafi nt -tirtzms ftr die isrutttislhe js«ilie. * * _ „ - ®it Schuld der lMer. Ein« SrzShlimg von I. Her»be r>. (Fortsetzung.) — Die israelitische Saisruverpsleguagtzaostalt zu BrHtmi. I. — Lu» de» Sprachschatz de« Talmud. Poetisch übertrage» von Max Weinberg — Slüthsel-Lusgabe. — * «aths^Ldsunge». (U»*ft»|tr: tziachdrnü »»« diese» Walte ist m»t»rs»gt.) f. t L I 3>i< Schuld der $ätn. Eine ErzLhlang von I. Hcrzberg. 8] (Fortsetzung.) Calden notirte sofort seinen Namen und setzte hinter denselben den Betrag seiner Spende. Dann sprach er: „Hoffentlich werden noch viele Andere mit gleichen Be« trügen folgen, damit der Familie in genügendem Maaße Hilfe geleistet werden kann Sir wiffen, Herr Friedheim, daß ich stet» zu geben bereit bin.- „Ich erkenne dies gerne an, lieber Freund, und alle Welt ist überzeugt, daß n>enn eine Spendenliste cirknlirt, man Ihren Namen nicht vergedmS suchen wird.- .Ich thue doch nur. waS meine Menschenpflicht ist,- sprach Salden hierauf, die gefalteten Hände wie abwehrend dem Sprechenden entgegenhaltend. .Noch heute war ich Zeuge eine« tiefen Elends, und Hai« ich demselben zu steuern gesucht. ES betrifft dieselbe Familie, deren Namen sie soeben genannt, bk Familie Löwen. Ich >»abe ihre Roth gesehen und ihnen ihre Sachen, die man mir übergeben hatte, auSgebändigt.- Fricdhrim horchte auf, denn er verstand nicht, inwiefern Salden der Familie Löwen eine Wohlthat konnte erwiesen haben. „Bei diesrr Gelegenheit war ich unfreiwillig Zeuge einer häßlichen Scene gewesen, wie solche leider heutzutage auch hier in H. nicht mehr zu den Seltenheiten gehören.- Run schilderte Salden die Vorgänge, die sich vor dem ' Hause LvwenS abgespielt Ijatttn, und die wir bereits kennen gelernt haben »Am meisten hat eS mich verletzt-, fuhr er dann fort, »daß einer Ihrer Leute eine hervorragende Rolle in dieser 'häßlichen Affaire gespielt, indem er durch ermunternde Zurufe dk Menge aufhetzte.- „Einer meiner Leute, sagen Sk, Herr Salden?- fragte , Friedheim verwundert aofhorchend. „wer kann die» gewesen sein? Ich denke die Gesinnungen all derjenigen, die in meinem Dienste stehen, so ziemlich zu kennen- .ES war. wenn ich nicht irre, einer Ihrer Angestellten-, " rutaegnete Salden, „und zwar glaube ich in demselben Ihren Geschäftsführer HauSwald erkannt zu hüben. - .HauSwald, sagen Sie? daS setzt mich in Erstaunen-, erwiderte Friedheim, „denn diesem hätte ich ein derattigeS Benehmen um wenigsten zngetraut, da er von mir seit Jahren mir Wohlthatru überhäuft wird. Sollte von jenem Gifte, daS von gewiffrr Seite verspritzt wird, auch schon meine Leute berührt worden scin? Da wird wohl sofort eine Untersuchung eirqeleitrt werden müssen, damit dir gährenden Elemente au» meinem gobrikpersonale entftrnt werden. Ich glaubte, daß all dk, welchen ich mein Wohlwollen zuwende, auch all jenen uns feindlichen Bestrebungen fern stehen, ja. sie verabscheuen. Leider sehe ich mich auf daS Schmerzlichste getäuscht. Dk immer mehr zu Tage ttctenden Gehässigkeiten ergreifen immer weitere Streife und wir erblichen Feinde ringS um uns. Diese Gehässigkeiten sind eS auch, die mich veranlaffen, die Spendenliste im Tageblatt zu veröffentlichen, obwohl eS sonst nicht üblich ist, derartiges au die Oeffrnt» lichkeit zu bringen. Ick» mache diesmal jedoch auS ganz besonderen Gründen eine Ausnahme. - .Jch kann mir denken, worauf Sie Hinsielen, denn ich hörte hcute. was die bedrängte Familie betroffen." „Ja, angesichts all dieser neuerding« hervortretenden Gehässigkeiten gegen uns Juden soll der Beweis geliefert werden, daß wir, wenn wir den Nächsten in unverschuldete Noch grrathen sehe», gern helfen, lvenn dieser auch nicht zu unserer Glaubensgenoffenschaft zählt. Wir wollen darthun, daß für die Bethätiguug der Humanität das Glauben«» bekenntniß oder gar die StammeSangehvrigkeit keinerlei Grenzen gezogen, daß jeder Mensch unser Nächster, unser Bruder ist, der ein Anrecht auf unsern Beistand hat. E« ist zu beklagen, daß wir in die Nothlage versetzt sind, bekunden zu müssen, waS an sich schon feststeht. Jene Hetzer und Schmäher leugnen diese Thatsache, darum wollen und müssen wir sie Lügen strafen. Und es ist nicht einmal ein „jüdischer Wucherer-, der die arme Familie, deren Angehörige Nichtjuden sind, de« letzten Resteihrer Habe beraubt hat nein, eS ist einer jener Schreier, die am ärgsten lamentiren gegen Juden und Judenthum, einer, der sich selbst als „Urgermanenbezeichnet und die Juden de« Wucher« und aller nur möglichen Verbrechen gegen Eigenthum und Leben gar anklagt. ES war schrecklich waS ich Astern hören mußte. Die älteste Tochter jener kranken christlichen Wittwe kam unter Thränrn zu mir und klagte mir ihr Leid. Der Bater sei vor einigen Monaten gestorben. Sk seien vor einem Jahre nach hier gezogen. Die nothwendigrn Möbel hatten sie von dem Möbelhändler Mälzer aus Abzahlung entnommen. Sie kennen ja dk Bedingungen, unter welchen den Leuten mit Freuden alle nützlichen und oft auch nutzlosen und minderwetthigeu Gegenstände zu horrenden Preisen auSgehändigt werden. So lange der Bater lebte, wurden die Abschlagszahlungen pünktlich geleistet. Nach dem Tode desselben jedoch mußten diese au« Mangel an Einnahmen eingestellt werden. Sofort machte der sehr ehrenwerth« Herr Mälzer Gebrauch von seinem Rechte und lieh sämmtliche Gegenstände durch den Gerichtsvollzieher der dedauernSwerthen Familie aus der Wohnung holen, so daß diese nun völlig leer steht. Herr Mälzer ließ sich durch keinerlei Versprechungen zur Rücksichtnahme bewegen. Ja. er erklärte sogar die bereit« gezahlten Beträge als versallea, obwohl sie fast ein Drittel deS Kaufpreise« auSmahten. DaS Mädchen erklärte, verschiedene Bekannte, bk wohl hätten helfrii können, um tilfe gebeten zu haben; niemand aber habe Helsen wolle«, um Ueberflaß drohe auch der HauSwirth, dem sie die Miethe schuldeten, mit der Ezmission und e« bleibe ihnen nur noch da« Armenhaus als letzte Zufluchtsstätte.

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