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Jüdisches Familienblatt · 1892-01-01 · 30 (1892) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1892
Issue
30 (1892)
Date
1892-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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ll-F/ Htiauägegrben Don Dr. M. (Utarr ln Magdeburg. }«r |itrd|iltn| nl -rittznas ffr die irrEische jnüüe »// Dir Schuld «« 84tti HUc Erzählung BonI. ftccjfctra. <F>rtfe(ungl — Ein Judenprojeh. von Iuliu» Freund.- Ueber - - - Judrnthum berührenden Inhalt! baä Berhäüniß M Lehrer» zu den da» , ■ sr ~ (Forrsetznng) — Triumph-Vachsrl. — Nüthsel-Lvsuugen. lUndefngtrr RnchOrns an« diele» Blatte Ist nntrrlagt.) n Zelt» und Streitfragen. Vortrag dr» Seminariehrrr» Iren. k r; Me Mßvkd der Mter. Eine Erzählung von I. Herzberg. (8®rtf*fnng.) Der Appell de» bedrängten Mannes an das Mitleid d«S hartherzigen ManoeS fand keinen Wiederhall. Die Bor- Würfe die ihm hier, wenn auch mit Recht, von einem seiner vielen Opfer eatgegengeschleudert wurden, erregten wohl im Stillen seinen Zorn, und krampfhaft ballte er vor heimlichem Ingrimm seine Fäuste, -— aber er bot alles auf, seinen Bleichmuth sich zu bewahren. Wie durste er auch aus sich heranstreten? Er würde sich ja blosgeslellt und das gerade vreisgrgeben haben, was die Welt an ihm schätzte. Durfte oer ehrenwerthe und angesehene Mann nieder« Regungen kundgebe«? Rein! Er riahm daher die Miene eines sich gekränkt und verletzt fühlenden Wohlthäter» an, au« der ein« Entrüstung ob der Berkennuna der edelsten Absichten spricht. In erheuchelt ruhigem Tone sprach er: ' . Undankbarkit kann nimmermehr bei mir auf Rücksichten rechnen Wer meine Güte mißbraucht, hat meine Nachsicht verscherzt, zumal wenn meinem gewiß menschenfreundlichen Thun, das mir wahrlich keinen Nutzen darbietet, die unlautersten Motive untergelegt werden. Ich wiederhole Ihnen also, was ich sieben Ihrer Frau mitgetheilt habe, daß, wenn ich bis morgen Mittag nicht im Besitze meines Geldes bin, die Pfänder sämmtlich, auch diejenigen, welche ich vor einigen Tagen empfing und die ebenfalls dann verfallen sind, zum Verkauft gelangen." Diese Heuchelei, gepaart mit der empbrendsten Hartherzigkeit, versetzte nun aber auch das Herz Löwen'« in Ausruhr. Sein Sinn für Recht und Gerechtigkeit ließen es nun auch nicht zu, dem Manne gegenüber, gegen den er sich bisher unterwürfig gezeigt, weil er ihn und dir Seinen oft vor dem Verhungern bewahrt, weitrr« Rücksichten walten zu lasten, und drohend mit der Hand nach der Thür weisend, keuchte er: .Nur hinaus, Sie Heuchler und Wucherer! Thuen Sie, was Jbr edles Herz Ihnen gebietet!" — Flammende Blick« des Zornes dem ihm die Thüre Weifenden zuwerftod und unverstäudliche Worte zischend, entfernte sich Salden eiligst. II Draußen in der Sasse herrschte wieder Ruhe. Man hatte sein Müthchen gekühlt und wartete mit Ungeduld auf die nächste Gelegenheit, da man das schändliche Treiben wie- .verholen könnte. Aber auch in der Löwen'schen Behausung war der aufregenden Szene eine unheimliche Stille gefolgt.;/ Löwen» bei dem iafolg: de« Renkontre's mit Salden eine völlige Ernüchterung sich eingestellt hatte, war unmittelbar L-: nachdem Fortgänge des Letzteren erschöpft zur Erd« niedergefunken. Der seelischen Erregung war bald die Reaktion gefolgt, ein wohlthuender Schlaf hatte seine Fittige über ihn ausgebreitet und ließ ihn für Augenblick« alles Leid vergessen, alles Elend nicht fühlen. Seif« war der Sohn an den schlaftnden Bater herangrtreten und harte ihn mit dem in der Ecke liegenden, leeren Sack bedeckt. Frau Löwen aber rang, schwer austenszend, die Hände, und Verzweiflung zerriß ihr Herz. Da schlich der Sohn an sie heran und sich ihr zuneigend, flüsterte er: »Mutter, soll ich fetzt gehen, um Brod zu schaffen? Ich sehe, der Bater ist mit leeren Händen heimgekommen." »Geh« in Gottes Namen, mein Kind!" sprach die Mutter, die nach diesen Worten ihr sorgenschweres Haupt zurück aufs Lager legte. Aber der Knabe zögerte, sich zu entftrnen; er schien noch erweö auf dem Herzen haben, daß ihn bedrückte. Er wagte aber nicht, es auszusprechen, um der leidenden Mutter nicht noch mehr Pc>n zu verursachen. Dieser fiel es aus, daß er noch nicht gegangen, und sie wandte ihr Angesicht zur Seite und fragte: .Kind, warum denn zögerst Du noch, zu gehen? Ach, es fällt Dir wohl schwer?" .Mutter," flüsterte der Knabe, .ich denke daran, was uns morgen bevorsteht. Wenn Salden das wirtlich zur That werden läßt, was er uns angedroht, dann wird unseres BleibenS in diesem Raume auch nicht länger sein können. Wird der Hauswirth, dem wir nun flir zwei Monate schon die Miethe schulden, wohl auch noch länger Nachsicht üben? Genügt da das Brod allein?" .Auch ich habe mit bangem Herzen daran gedacht." rntgegnete die Mutter. .Wa» sollen wir aber thun? Wo ist da ein Ausweg zu finden? Ach, es ist grenzenlos, mein Elend unerträglich!" jammerte die Frau thräneuden Auges. »Mutter, fei doch ruhig," sprach der Knabe. .Ich will versuchen, Hilfe zu erlangen. Der Allgütige droben wird uns fiinen Beistand nicht versagen; auf ihn wollen wir bauen und vertrauen und uns nicht der Verzweiflung an» beimgeben. Ich las soeben in der heiligen Schrift die Beschichte der Naa-^i und der Ruch. Sieh, auch diese waren in schwerer Noth, und Gott hat ihnen wunderbar geholfen. Gestern noch lernte ich in der Schule den herrlichen Spruch: »Sei ruhig in Gott und harre aus ihn;" — darum: .Bcrtraue dem Herrn D.iu Loos, er wird Dich versorgen, er wird nicht immer den tSerechten wanken lasten." Siehe, liebe Mutter, an diese beiden Psalmverse mußte ich in dieser schwerer Prüfung lxnken." .Da gutes, verständiges Kind," entgegnet« die Mutter, einen Blick voll inniger Liebe auf ihren Sohn werfend, »Du hast Recht. Wir ivollen unser Beschick in Gottes Hand lege«" und nicht ganz verzagen." »Ich habe eine Idee, liebe Mutttr," unterbrach dies« der Knave. .Ich werde für mich eine Beschäftigung suchen.

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