Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Familienblatt · 1892-01-01 · 29 (1892) · p. Seite 116

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1892
Issue
29 (1892)
Date
1892-01-01
Page
Seite 116 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/6492351-8722847-5962155--1937-5375401
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Keßer des KerßLüuiß des isrttlMsche» Leßrers -» de« dar Iudeut-u« -erü-reude» Aettuud Streitfrage«. Vortrag aus der tkonferenr der rheinisch-mestfällschen Lehrer gehalte» vom Semiuorlehrer Treu. Jede« Büchlein hat sein Fatum, Jeder Mensch schleppt sein Geschick, Jeder Tag auch schreibt sei» Datum, Mancher Stunde lächelt Glück. Aber lästig wird der Schwäher, Findet er zu »st sich ein; Glaubt er selbst sich unvermeidlich, Schasst er sich und Andern Pein. — — Mein: lieben Kollegen und Freunde! In diesen zwei Strophen klang so ungesähr der trübe Ton auS, der mir durch Kopf und Herz zog, alin einem Rundschreiben unser Präses iw Monat März unS den Ausfall eines Referates onzeiate mit dem Wunsch«, Kollege Treu würde wohl im Stande und in der Lage sein» die Lücke ouSzufüllen. ES beschlichen mich ernst« Bedenken. Ich habe schon längst daS Zeichen deS KrrbsrS überschritten, bin grau darüber geworden, und da wäre r< vermessen, mich als Lückenfüuer und Lückenbüßer wieder und vor so vielen jungen und tüchtigen Kräften aufspielen zu wollen. Und habe ich mich nicht unter ähnlichen Umständen auf Wunsch auf dei letzten Konferrnz als Lückenfüller hingestellt, nicht ahnend, daß — o Wunder! bei Eröffnung der Konfeienz ein gesch. Kollege, eine jüngere Kraft eine Gabe in Bereitschaft brachte, daß er, S«S Lehrers Schüler, sich in die Bresche stellte? — Und da man auS töesälligkeit nachgehends meinem Elaborate di« noch kurz«, verwendbare Zeit zusprach, so war ich gezwungen, vor den Hürern der Konferenz meine .Kunst de» Hörenlernen» in der Schule' so übers Knie zu brechen, daß ganze Seilen beiseite gelaffen wuroen, so daß die Kunst zu einem dürren Sftlett abmagerte.- Diese» und noch viel Anderes machte mich, wie gesagt, — bedenkliche al» auch diesmal unser Präs«» mich vor die Lücke rief. — S» ist nun aber einmal nicht ander»: die Kaste läßt da» Mausen nicht und der Sünder kommt trotz Erfahrungen, trotz drohender Richter bei lockender Gelegenheit wieder in' seine Bahn zurück. So bin ich denn wieder da — und so lang« mir von einer höheren Macht vergönnt ist, da sciu zu können, diene ich dem lieben KollegenkreiS, wenn e» gewünscht wird, freudigst mit dem, wa» mir Kopf und Her» beschäftigt; aber ich weiß auch wohl, daß Jahre und Umstände ihren Tribut von mir gefordert habe« und daß ich deshalb Nachsicht fordern muß. Aber auch die Wahl des Stoffes brachte mich in Verlegenheit. Nicht etwa, weil schon so viele« geschrieben und gesprochen ist von Lehrern und für Lehrer. Der Brunnen, woraus über Erziehung und Unterricht, über Lehrer-Leben, Leid und Freud geschöpft wird, ist unversiegbar. DaS kann nicht audn» sein, denn Zeit, Umstände und Menschen wechseln, «S treten str>» in diesem Wandel neue Lebensaufgaben in die Erscheinung. Zur Lösung dieier Aufgaben hat kein Stand sr ernste Pflicht, einen so dringlichen B^ruf, al» der Lehrerstand. Bei verderblichen Strömungen, dem Mißlingen von Zeitsragcn werden Lehrer und Schule al« Prügelknaben verunrwottlich gemacht, der zieht den Schulmeister beim rechten, jener beim linken Ohr, ein dritter möchte ihm eine Stoft drehen, ein vierter ein Beinchen stellen. Nur einmal, und daS gereicht uns zum Trost«, ist der Sündenbock zum Helden, zum Schlachtengewinner auSgerofen worden, — während sonst ein BolkSlrhrer schwerlich in eine höhere Charge seines Fache» rücken kann, obgleich in jeder andern Beamtengattuvg ein Subalterner auftückr« kann und ihm gar rin Minisü'rpostcn erreichbar ist, wenn er sich hervorthut. Mst dieser Wittheil ung hätten wir schini et» säte* Streiflicht rücksichtlich der Stellung de» Lehrer« zu de» Streitfragen de» Tage» durchbacken lassen, allerdings nur. wie sie chm vielfach angewiesen wird, weniger iudeß, wie und welche er sich selbst gibt, geben darf und soll. Soll er aber immerzu warten, und hat er über sich denn gar kein Bestimmungsrecht, er, der die Wehren de» geistigen Strome» öffnet, der Stimmung und Stellung der Gefammtheit einleitet? — Unsere Zeit nun ringt, wie kaum je e>n« zuvor, nach Neugestaltung; Leidenschaft und Kämpft sind erwacht, wie sie an Zersetzung und Heftigkeit wohl selten in der Geschichte drohender aufgezeichnet sind. Wenn in der Gesellschaft Um- Wälzungen und Gährungen sich vollzogen, hat man, wft allgemein dem Lehrer — unserm Bolle ein große» Theil — und nicht da» beste, zugeschoben; man hat «»für di« Schäden verantwortlich gemacht. — Diese, von außen unserm Bolle zugeneigte Berücksichtigung übt auch ihren Druck und Gegendruck aus die inneren Verhältnisse de» Judrnthum» au». Der Wellenschlag in dem großen Menschrnfluffe zieht seine Kreift in unsere Gemeinschaft, bewirkt Trübung im eigenen Lager, ruft Klagen und Anklagen hervor. Manche unter an», di« wohl an der großen Tafel mitspeisa» möchten, suchen und finden in den Anklage« von außen Berechtigung, und wollen da« Judenthum nach jener Geschmack eingerichtet wissen. Da sind «»- Freischützen, die ihre Pfeile gegen Israel» Lehren Schul« und Synagoge richten. E» wird nicht auf den Kern gesehen — weil sie davon nicht» verstehen — und der Lehrer soll, al» Samiel hels«. Bo« den äußeren Feinden trifft auch heute zu, wa» Heine in seinem .Ueber den Denunzianten, den Franzosen- und Judenfresser sagt: .Sonderbar! Und immer ist e» die Religion, und immer die Moral und immer der Patriotismus» womit all« schlechten Subjekte ihre Angriffe beschönigen!" — Bei denjenigen, die unter un» auf RücksichtSnahm« der von außen gemachttn Borwürft dräugen, kann ja di« löblichste Absicht dft Triebftder sein, während Ziel und Weg nicht dft richtigen sind, weil der äußere Schein gewahrt werden soll und oft Wesenheit entweder nicht gekannt, oder nicht beachtet wird. Dabei drängt sich die Frage hervor: Wer hat denn den Beruf, über Fragen, dft Lehre und Religion und Bethätigung dieser betreffen, zu Gerichte zu sitzen und Forderungen zu stellen? — Dieft Frage wird sich im Weiteren besftmum» und beantworten lasten. — (Fortsetzung fol*0 Aus dem Spruch schätz des Latmud. Poetisch übertrage» vo» Max Weinberg. Gugeln gleichen »ächtest Du? — Del»«« Feinden Gute» tbu'. RitchselAufgabe«. Deutsches ^LogogrypY. von 0. in R. «in Werkzeug iff« »tun Schneiden, Doch nicht von vrod und Früchten; Sobald zwei Strtchlei» scheiden. Erzählt e« un« — Geschichten. Auflösung der Aäthsel in voriger Kummer. I. «»«», «h»»«. H. P«( n* — Mund). Cr (Ohr). Peae Crfe* - «#*) ixronuoonl RedakteurOr. Rahmer, Magdeburg. LruekvoaPeudix chHnhn (früher D. L. Wolfs),Magdeburg. Verlag:«»» Fries«, Leipzig».

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.