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Jüdisches Familienblatt · 1892-01-01 · 24 (1892) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1892
Issue
24 (1892)
Date
1892-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Hernukgegebrn Bon Dr. M. Natzmrr in Waytxfmtg.?«t zlulnhiltyrg ml Ktlehrmß str die ismlitjslhe Ftwilie. 9 '***" Der Jahr»«it*tog. Ein Bild aus dem jüdischen Leben in Rnßland. Bon V. Riezaajamsky. (Fottscpung.) — Boltaire» » Ende und di« katholische Aeistlichkeil. — Allerlei für den Familientisch. IS malverheirathel. — Soffuch und der £?«3**v**^. Wunderrobbi. — Der rechte Beweis. — Räthsel»Ausgaben. — »Vhsel-Lösungen. (llnbesnstrr «achdruck aus diese» Blatte ist untersagt.) Z»er Zahrzeitstag. «in Bild an» de» jüdischen Leben in «ntzland. - von A. RieznajamSiy. (Schluß) Wirtraten ins Haus. Berkowilsch sührtc mich in ein geräumigeS Zimmer, welches seiner Einrichtung nach eine Art von EmpsangSsalon sein sollte. Er bat mich, einen Augenblick hiet zu bleiben, bis er seine Frau aus den Empfang eines lieben GasteS vorbereitet haben würde. .Sie ist wahrscheinlich im Speisezimmer, meinte er, rS ist das dritte von hier, da das mittlere anstoßende, in dem mein gottseliger Schwiegervater wohnte, pietätShalber nicht bewohnt wird. Ich vergaß dir nämlich mitzutheilen, daß wir in demselben Hause wohnen, wo meine Marie ihre Mädchenjahre ver« , brachte. Sie wünscht« es und ich habe diesem Wunsche sehr gerne entspochen, da so viele angenehme und schmerzliche Erinnerungen an jeden Winkel hier sich knüpfen". Damit verließ er mich Er üsfnete eine nach rechts führende Thür, um in daS bezeichnetc Zimmer zu gehen. Die Thüre ließ er halb geöffnet, so t«tz ich Alles hören und sehen konnte. waS im Nebenzimmer vorging. Nach einigen Augenblicken hörte ich ein leichtes Schluchzen. Ich näherte mich der Thüre und da bot sich meinem Auge ein merkwürdige-Schauspiel dar. An der nach Osten gelegenenWand des Zimmers stand ein kleines Tischcken, weiß bedeckt, daraus zwei silberne Leuchter, deren alterthümliche Form gleich jüdische »Schabbesleuchtrr" verriethen, wie sie vor etwa sonstig Jahren bei den russischen Juden gebraucht zu werden pflegten. Die Kerzen schienen vor Kurzem angezündrt zu sein; zur Seite stand auf dem Tisch eine kleine Oellampe, genau nach derselben Form wie die iOellampen, »eiche in russischen Shna- Cn zu .Fahrzeiten" anauündet werden. Bor dem Tische » eine schlanke Frau, die ihr Gesicht mit den Händen verhüllte und zu beten schien. Berkowstsch stand in einiger Entfernung mit gekreuzten Händen, da» Haupt auf die Brust gestützt und seufzte tief auf. Wie ich die Sachlage gleich erriech, hoffte Berkowilsch seine Frau in dem ehemaligen Wohnzimmer ihres Daters nicht anzutreffen, da er sie im Speisezimmer vermuthete. Allein, als er sie betend erblickte, wollte er sie nicht stören und wartete. Ich stand in einiger Entnung und war nicht wenig gespannt daraus, wa» hier lgrn wird. Rach einigen Minuten wandte sich die Frau um, jritt auf Berkow zu und sprach: „Weißt du auch, mein an», was wir heute für einen witzige« Tag haben?" — Er antwortet« nicht. Di« Ueberraschung war eine vollständige und. er blieb bewegungslos. Sic fuhr fort: .Heut« ist der Sterbetag meines Battr«, der dritte bereits und da habeich ijnt' angrzündet und .Sabbattichter" ist". ist nämlich der Ausdruck für daS Geb:!, welches bei religiöstn Handlungen gesprochen wird.)*) .Weißt du, inein Lieber, sprach sie weiter und ihre Stimme klanss wir zart.' Melodie, weißt du, mir thut es sehr leid, daß du nicht in die Synagoge hingehen kannst und für meinen Vater „Äaddisch" beten." .Mir tbutS auch leid" stotterte er. - „Aber ist denn dies wirklich nicht mehr möglich,* drängte sie weiter in ihn, »hast du nicht einige Mal schon gesagt, du wirst noch dein ganzes Lehrrrmnt über Bord werfen und zu den Deinigrn zurückkehren! wirst du doch bei fleißiger Arbeit, in einer ZeitungSrcdaction zum Beispiel, ebenfalls so viel verdienen, daß wir leben können. In diesem Fache hast du jo. schon einige Jahre gearbeitet und bei deinen Fähigkeiten und deiner Arbeitsamkeit wirst du wohl nirgend» nntergchen. UebrigenS haben meine beiden Brüderchen unserer nicht mehr nüthig. Sie finb die besten Schüler, und erhalten sich fast ganz von ihren Lectionen! Dawid! theuerrr Dawid! erinnerst du dich meines Vater» noch? Wenn er gewußt hätte, um welchen Preis du unsere Lebenserhaltung hast erkaufen müssen! O mein Vater, mein Vater!" — Sie brach in heftiges Schluchzen aus. .Dawid, stammelte sie hervor, mein lieber, theuerer Mann, denke an unsere — Zukunft; sollen meine Kinder nicht mehr den Namen meines theuerea Vaters tragen!" — und sie weinte heftig. Berkowilsch srand noch immer wie versteinert. Sie ficl ihm um den Hals und er drückte sie an feine Brust. .Meine Theurre, sprach er im Flüstertöne, sie zärtlich uinschlingend, was habe ich nicht Alles für dich gethan; habe ich nicht diese ekelhaste Maske nur angelegt, um für dich sorgen zu können? Mein ganze» Leben, gehört dir! Ich sterbe, wenn du gekränkt bist." Er konnte nicht weiter, er küßte bloß seine Frau auf die Stirn und erst nach einigem Besinnen sprach er: »Nun gut, wenn du einwilligsi, so leg« ich Morgen mein Amt nieder und rufe meine Taufe zurück. Wir iverden nicht untrrgehen l Tag undNacht will ich für dich arbeiten . . ." Sie ließ ihn nicht zu Ende kommen. „Nein, da» wirst du nicht! rief sie freudigcrregt und ihre Stimme zitterte. .Gott wird uns helfen und der Geist meines frommen Vater» wird uns unterstützen." Sie würde weiter' gesprochen haben, allein in dem Augenblicke traten ins Zimmer zwei Knaben im Alter von 14 und 16 Jahren, näherten sich ehrbietta Berkowilsch, küßten seine Hand und er drückt« snnen Mund auf ihre Stirn. Sie näherten sich dann der juiwen Dame, die jetzt mit strahlendem ltzesichte dastand, wirflich eher einer himmlichen istffchewung als einem Erdenweibe ähnlich sah. „Brüderchen", sprach sie halb unter Thräneu, habt Ihr „Kaddisch" geoetet?" »Ja*, antworteten die Beiden fast gleichzeitig, etwas < *1 E» ssmmnr vom Inteln. beatdiMrc .segnen, benedeio^".

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