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Jüdisches Familienblatt · 1892-01-01 · 23 (1892) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1892
Issue
23 (1892)
Date
1892-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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^rr«u*gtgtbtn von Or. M. Nohmrr ln Magdeburg. v ■ fy Um «i-i.-l «i.o.1 „L...... «M ^ujiisu« E Zn |itrr|iUx«| nl -eictznnfit iit isrnütische Jiiilir. Inhalt Der Jahrzelttiag. Un Bild au» de» jüdisch«» Lüben ln Rußland. Boa A. RleznaiamSIy. — Wo» ei» Gedeukspruch . «erch ist. «o» X W. «Uerki für de» Fennilieutisch. Arvon Schack üb-r dt« Dichttu, ft der Hebräer. — «altblüttakeit. — » Suuderbar« Hülse, «u» dem Sprachschatz de» Talamd. Poetisch übertrage» von Mar Weinberg. — Ubraham. I. Carsch- Eannerich — tzkäthsel-Autzgal^^ — Näthsel-Ldsvngea. tUmbeftigtrr Nachdruck an» diese» Blatt« ist »atrrsagt.) Der A«»-rrei1stag. Et» «tl» nt de» jüdische» Sede» «» «atzlau». Bon A. Rieiaajamtky. (Fortsetzung.) Nach Verlauf einiger Stuodeu waren meine Geschäfte erledigt und e» nahte di« besprochene Zeit meine» Zusammentreffenmit Berkow. Im verabredeten Hotel erwartete er mich bereit-; ich schlug ein Glas Wein vor, allein David wollte durchau» iu- Freie hinau- und ich folgte ihm. J&nfet du auch waheute ist-, fing er an. .Ja ich weiß e-, « der für «ich hat da» keinen Werth". .Wie verstehst du dati?" ftagte er wieder verwunden. »Non, heute ist der NaannStag der Prinzessin T., für die du (iu die Kirche) beten gingstantwortete ich, einen etwa» ironischen Ton anschlagrnd. .Für euch Raffen mag die» seine große Wichtigkeit haben, aber «ir ist daS Ding herzlich gleichgültig-. .Wie du auch nur auf den merkwürdigen Einfall kamst, ich dachte nicht im Entferntesten daran. Aber heute ist — Freitag und jetzt, um diefe Stunde gehen unsere Brüder beten. Sieh, zeigte er gen Himmel, bald wird e» Nacht werden, der Himmel wird sich mit funkelnden Sternen bedecken: jede» jüdisch« Hau» in dieser-Gaffe da-, sprach er mit gehobener Stimme und in «ine Seitrnaaffr einbiegrnd tstde» jüdische Hau» in dieser Gaffe wird festlich beleuchtet werden und Ruhe und Ordnung!Mt seine Bewohner". .Die ganze Woche hindurch iten dies« Leute im Schweiße ihre- Angesichte» um karge» *■■■' 6t: l J&tob für ihre Familie zu erwerben: da bei ihren ungeheuenn Anstrengungen und Arbeiten,, in ihrem Schmutz und Koche sehen sie säum wie Menschen au», aber Freitag abend», tme ,st alle« rein gewaschen und niedlich gckleidet, wenn auch sthr armselig.... erinnerst du dich de» Heine'schen Eieoichtr» von jenem verwünschten Prinzen, der in einen Lwnd verwandelt, doch manchmal sein Menschengesicht wiedergewinnt .... stehst du, Jakob, dieser Heine hat mich in letzter Zeit nicht wenig beschäftigt. E» ijt doch interessant zu sehen, wie er. ein Abtrünniger vom Judeuchume, da«selbe doch mit allen Fasern seiae« Herzen» liebte, ja aufopfernd liebte — fürwahr da» Bi-chen Weihwasser macht doch unser innere» Wesen nicht au»; ja ich bestehe darauf, daß Heine der beste Jude in der Welt v»r. Niemand liebte seine Brüder so warm, so austichtig.... nun Jakob, glaubst du da» nicht? .Heine", antwortete ich, »war vor aMck Dichter, und c.l* solcher' ... »Nein, nein, gar nicht» davM ich behaupte und kann e» beweisen, dass Heine im Stande gewesen wäre, sein letzte» »Herzblut für da» Judeuchum zu verspritzen". .So sprach Berkwitsch. fortwährend nervöser und «rregier und au» viele« Eitaten und Beispielen au» dem Leben Heine'».suchte er mir baarlleiu zu beweisen, daß Hüne te:r >cfte Jude «wesen. Unb da ich gar nicht« dagegen einpendetr, «kW» diej, fortwährende Begründung unnötig .A' und endlich fiel mir da» ganze Wesen meine»' Freunde» so auf, daß ich mich nicht mehr zurückhalten konnte. Ich unterbrach ihn: .Wie kommst du aber überhachrt dazu', fragte ich, „du hattest mir ja noch etwas über dich zu erzählen, und wie du morgens bemerktest, etwas sehr Wichtiges!' .Ja", erwiderteer, wieder ganz ruhig, fast ernst, »das gehört eben zur Sache, denn — weißt du — ich bin getauft!" — — Eine lange stille Pause trat ein. Anfangs schlug B. seine Augen nieder, bald fühlte ich seinen sorMnden Blick auf mich gerichtet. .Run, was weiter?", fragte ich endlich. .WaS weiter?! Ist dir da« so ganz gleichgültig, ganz erklärlich? Kanntest du mich vor Jahren oder nicht?' .Eben, weil ich dich kannte, hat mich die Nachricht nichh überrascht. Dein Bischen Judenthum beruhte imnirr auf schwachen Füßen; du warst niemals religiös und nenn da verschiedene Ursachen . . ." Er ließ mich nicht zu Ende kommen. „Die Ursache" sprach er im vorwurfsvollen, fest kläglichen Tone, „war ein Stück Brod!" .Wenn du dafür etwa» hinweggegeben hast, welche für dich gar kine Bedeutung hatte . . . ." .Laß nur das, Jakob, alles was du jetzt sagen wüst, ist Sophisterei! wohl ist e» wahr, daß mich die Räigiar au da» Judenthum niemal» knüpfte, aber abtrünnig wollte ich ihm niemals werden; da» durfte ich nicht, durste es jetzt nicht, da man unsere Brüder knechtet und erniedrigt, mit ihnen wie mit Thieren verfährt! Jetzt, wo mittelalterliche Zustände sich eingestellt haben, ist e» unsere Pflicht, mit chnen zu leiden und zu dulden. Im Augenblicke der höchste» Gefahr und Noch ist eine Fahnenflucht ein doppeltes Verbrechen." Ich wollte einwenden, daß diese mittelalterliche« Zustände jetzt nur in Rußland herrschen, allein er bewies mir, daß di« reactionärr Strömung überhaupt jetzt in Eurü» überhand nimmt. Sein« Sprache wurde leidenschaftlich, s» daß ich ihn darauf aufmerksam machen mußte, daß wir uns aus der Gasse befinden. Jetzt war mir alle« klar. Ich verstand nun den inw:- ren Seelenkomps, de« mein Jugendgenoffe durchmachte, als ich ihn über seine gegenwärtig« Stellung befragte; allein dieser fing erst jetzt die Bertheidigung seiner Handlungsweise an. .Glaubst du', meinte er, .daß ich mich zu diesen Schritte entschloffen hätte, wenn ich allein gewest» wäre? Ich würde in der ärmsten Weist gelebt haben und hätte mich von meinen Brüdern nicht getrennt; allem hier waren ganz andere Gründe maaßgebend, mc mich, w« ich glaube, doch recht' fertigen. .Höre, Israel* — sprach er, den Namen gebrauchendder mir t« meiner Studentenzeit spaßweist deiaelegt z»: werden Pflegte, aber in stiner Stimme lag etwa» ZitternhGss , Weihevolle», da» dem Worte ein« ganz andere Bedeut» verschaffte — »höre dst Geschichte meiner Taust und dann. — Bor fünf Jahren, als ich

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