Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1892
- Issue
- 21 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Zu K«trr)iltin| ul Krlktzr»»- fir die isrsMsche |i«ilit< ipcniulgtgcbfn con Dr. M. Natznrrr ln Magdeburg. Inhalt! Dir schwär»« Lara LrjLdlung von I. Herjb«rg ln Bramberg. (Schluß) — Madanaa Drt'a Sedla Skftjr au» dem Künstler lebm von'Bertha Llntberg. — Rlchtt neue» unter der Sonne. — Kein Lerglelch mit Mose». — Rüthsel-Vufgaben — zi»th(«UL»sui>,en. tllRbefngtrr Rnchvenck ni Mrfm Blatt« ist untersagt.) Pie schwarze Sara. Bon Z. Herzberg, Bromberg. (diachdrult verbot» n.) (Schlust) In dem Wesen Sara's ward aber fortan ein völliger Umschwung bemerkbar. Wenn auch nicht der frühere Frohsinn zurückgekehrt war, so war sie doch freundlicher gewo.'deii. Such wahrend de« Tages pflegte sie jetzt in ihrem einsamen Kämmerlein bei verschlossener Thür« zu weilen. Nieniand durfte erfahren, war sie dort trieb. Eine LiebeSarbeit war es, die sie da beschäftigte. Sie fertigte für den Geliebten einen Tallis- und einen Tefillinbeutrl an. Alle Sorgfalt verwendete sie darauf, um etwa» besonders Schönes demselbe» darbieten zu können Biele Wochen war sie damit beschäftigt, die ihr aber im Fluge dahinschwanden, well es ihr eine sähe Beschäftigung war. Als sie die Gegenstände fertig gestellt hatte, sandte sic dieselben dem Geliebte», der unter Betheuerung seiner treuen, unwandelbaren Liebe Worte de» Dankes sandte. Dieser Brief aber ^ar der letzte gewesen. Bon Tag zu Tage, von Woche zu Wvche harrte Sara vergebens auf ein Liebeszeichen von Wcrner's Hand. Ihre Unruhe stieg; die alte Qual begann sie wieder zu temeiftern. Da war plötzlich eine Katastrophe herringebrochen, die sie völlig niederbeugen sollte. Die Mutter war dem Ruine nahe; die Gläubiger drängten. Sie vermochte ihren Beipflichtungen nicht nachzukommen. Die einzige Hilfe war von Moses H>1k zu erwarten. Sie wußte aber, an welche Bedingung diese Hülse geknüpft war. Die Mutter drang daher in Sara, sie schilderte ihre Bedrängaiß; sie jammerte und klagte, daß wenn ihnen Falk nicht helfe, sie beide von Haus und Hof gejagt werden würden. Sara kämpfte hier-einen schweren Kampf. Sollte sie dem Geliebten die Treue brechen'? Werner hatte lange nicht geschrieben, ob er aber ihrer noch gedenke? Sollte sie sich der Mutter offenbaren? Dies würde zwecklos gewesen sein und konnte den Ruin nicht aufhalten. Aber auch der Mutter unausbleibliches Elend vermochte sie nimmer mit anzuschauen. »Lieber selbst elend, als die Mutter in tiefcS Ungemach sinken sehen,' ries sie sich zu, uno, obwohl gebrochenen Herzens, erklärte sie sich bereit, Joseph Falk die Hand zum Ehebunde zu reichen.- An einem wunderbar schönen Sonnabende war eS. Die Ratur draußen zeigte allerorttn ihre köstlichsten Erzeugniffe in üppigster Fülle. Ueberall herrschte reges Leben. Und regeS Leben nahm man auch an diesem Abende im Hendelschen Hause wahr. Morgen sollte Sara'S Hochzeit gefeiert werden, morgen sollte das .Hendelsche Hau« einen neuen Herrn erhalten und heute war schon der Polterabend gefeiert worden. Die liebe Jugend hatte vollauf ihre Schuldigkeit aechan Bor der HauSthnrr hatte ein solch mächtiger Haufen Scherben gelegen, daß da« Lin- und HerauStrrten sehr erschwett worden war. Wohl sagte man sich daß je größer der Scherbenhaufen sei, desto größer sei auch da« Glück, da« des junge» Ehepaares harre. Hier aber wollte keiner so recht an ein künfttges Glück glauben. Waren doch durch umherspringrnde Scherben mehrere Fensrerschriben zertrümmert worden, und dies deutete man als ein Zeichen künftigen Unglückes. Hatte ma» doch auch niemals eine Braut mit solch ernstem Gesichte gesehen, wie man es bei Sara Hendel an mesem Tage hatte wahrgenonimen. Kein liebliches Lächeln hatte ihre Lippen umspielt, wie ehedem streng waren ihre Züge selbst beim Freudenfeste geblieben. Auch zierte sie keinerlei Schmuck, den zu tragen sie sich beharrlich geweigert hatte. Und nun mar da« Poltcrabendfest beendet, die Gäste heimgrkehrt. Nur derjenige, dein sie morgen ewige Lieb« und Treue zuschwören sollte, weilte noch im Hause. Noch ein einziges Mal wollte sie Werner'«, dessen Bild in unauslöschlichen Zügen ihrem Geiste vorschwebtt, in Liebe gedenken., Heut noch durfte sie e«; morgen aber war e« ihr als angetrautts Weib eines Andern nicht mehr gestattet. Mit dieser süßen Erinnerung wollte sie zugleich ihr erste« LiebeSg'.ück für immer begraben. — Wiederum hatte Sara ihr Kämmerlein aufgesucht, in dem sie so oft schon zuvor in stummer Sehnsucht geweilt. Der Mond warf wie ehemals sein volle« Licht durch da« geöffnete Fenster. Der nahe See aber leuchtete gar unheimlich; seltsame Lichtgestalteu schienen über ihn Hinzuschweben. Ein banges Gefühl beschlich Sara'« Herz. Ihr Athem war schwer, da« Herz pochte ungestüm. Eine unerträgliche Be klommenheit Harle sich ihrer bemächtigt. Ihre Augen starrten wie wild in die Ferne. — Da ward plötzlich in der Fensteröffnung eine Männergestalt sichtbar, die, der Dasitzenden ein Bündel entgegenwerfend, mit zornbebender Stimme ries: »Hier, falsche Judendirne, nimm das zurück, um desseutwillen ich mein:» angestammten Glauben verleügnrte!" — Kaum hatte Sara die Stimme des Sprechenden, der kein andrer war, al« Werner, erkannt, als sie mit einem gellenden Aufschrei zur Erde stürzte. In diesem Augenblicke war Werner hinterrücks von Joseph Falk ersaßt worden, der in chm einen Einbrecher sah. Ein furchtbares Ringen begann. Blitzschnell aber hatte Werner ein «chlächtermeffrr ersaßt, das er mit den dumpftn Watten: .Auch du, elender Indenjunge, sollst sie nicht besitzen" dem Gegner ins Herz stieß, der lautlos zusammenbrach. Dann war der Mörder, wie von Furien getrieben, dem See zugeeilt, besten Fluthen chn aufnahmen. — — —- Sara aber war eben aus ihrer Betäubung erwacht. In der Ferne hatte sie Berner in den Fluthen verschwinden sehen und vor chr lag dir Leich« desjenigen, dem sie morgen angettout w»iden sollte.- Grauen, Entsetzen erfaßte sie; ihre Sinn« begannen all. mählich sich zu verwirren-denn das, war sie soeben