Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1892
- Issue
- 19 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 74 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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"74 i. Wohin laufen? Wohin sich retten? In allen Straßen, von allen Dächer« lodern dir Flammen hoch en.por — es brennt der Himmel, die Lust die Erd«. Alle Düngerhaufen bilden Feuerhügel, dir wie Bulkanc verheerende Gluthen auSströmea. Wie eine reißende Lawine wälzt sich die brausende Menge dahin. Brennende Trümmerstücke, Asche. Akten fliegen wie Sturmvögel in der Luft . . . Es ist die zweitt Mittagsstunde. Die Sonne liegt unter dichten Wolken versteckt, als wolle sie das scheußliche Schauspiel nicht länger ansrhe^, — der Mond tritt an dem verfinsterten Himmel hervor, voll und ganz, ein gespenstiges Aug'. das Oben auf das riesengroße Elend der armen Menschenkinder herabsicht. Es ist wieder Windesslille. Die wilde Bestie des Elementes hat ausgetobt. Sie hat heißhungrig Alles verschlungen, >?aö zu verschlingen war. Wie von der großen Arbeit erschöpft. kauert sie dort saltgeftessen »wischen Ruinen und Trümmern und verzehrt schnaubend die letzten Ueberreste, die sie sich zum Test'ert zurückgrlasien. Welch ein erstickender Dampf, welch penetranter Geruch von siedendrin Ziok, Messing, Zucker und verzehrten Menlchenknochen ... Die Stadt, so weit das Auge sehen kann, liegt da. eine rauchende, dampfende Ruine. — In kaum einer Stunde hat das wüthende Element sein großes Zerstörungswerk vollbracht. O, die armen, die unglücklichen, die jammervollen Mensche»! Bor seinem in Schutt ve> wandelten Hause steht dort Einer. In seinem Gesichte ist ein Zug von Trost zu lesen. Wenn auch sein Herd verbrannt ist, — sein« Familie ist gerettet, und auch sein großes, schwer erworbene-Vermögen, es liegt dort wohlbewahrt in dem Kassekasten, den er getrost mitten in den Flammen zurückgelassen — er ist ja feuerfest. Jetzt hat er ihn vor sich. Er versucht ihn zu öffnen; doch es geht schwer, das Schloß hat sich verschoben. Doch kaum hat er es geöffnet, da taumelt er erblaßt zurück, — es dampft ihm Angebranntes entgegen, und o Entsetzen — Juwelen. Schmucksachen. Werthpauirre, Hunderte und taustnde von Banknoten. Alles verkohlt, fliegt als Asche empor. \ Dort wieder rast ein Mann durch die Straßm. er I stürzt von einem zum andeni mit der hastigen Frage: i »Mein Weib, meine beidr» Kinder, haben Sie s« nicht ge- > sehen?" Niemand antwortet ihm, jeder ist mit sich beschäf»! tigt. Und immer writtr stürmt er, immer hastiger uud ver-! ztveisclrer: »Mein Weib, meine beide« Kinder, wo findet man sie?" O, der Ungeduldig«! Man wird sie ja schon finden,— j »renn man nur anfinge, den Schutt aufzurühren. — Bor einem Hause liegt eine Frau todt. Sie ist, unbeachtet von den andern aus der Gasse vor Enisetze» vom Schlage gerührt worden. . . Bor dem verbrannten Hospitale liegen auf Betten di< Kranken, die man beim Beginne des Brandes herausgerettet. Einige von ihnen rühren sich nicht mehr. Der Schreck hat ihren schwachen Lebensfaden zerrissen. Die Menge rennt noch immer, sie weiß nicht wohin — sie rennt über verkohlte Leichen, die aus der Straße liegen — doch wer hat Zeit, sich darum zu kümmern? Durch die verwüstete Stadt ertönt in diestm Augenblick rin schriller Pfiff der Locomotive. Der Eisenbahnzug ist soeben angelangt und mit ihm Rettung — von der Rachbarstadt dreißig Löschmännrr, versehen mit Spritzschläuchen, Strickleitern und andern Rettuugsrequistten ... Etwas zu spät, meine guten Herren, das ungeduldige Element hot auf Euch nicht warten wollen, eS iH inzwischen mit seinem großen Zcrstürungswcrke fertig geworden. Aber einige Minuten später dampft wieder ein Zug ab und mit ihm vollbepackt ein unheimliches, wüstes Gesindel, dieBrand» htzßorn. auch sic sind fertig. ' Die Nacht bricht jäh heran, düster, schwarz, doch lange nicht so düster und schwarz, wie eS da unten i« den Herzen der armen Menschenkinder aussieht. Da stehen sie >« dichten Haufen die jammervollen Geschöpfe, die erst heute von Glück geträumt — Greise, Jünglinge Männer und Frauen. — Mütter mit Säuglingen an der Brust, alle vrrbanut von ihrem Herde, der zu einem Aschenhausen geworden, alle entblößt ihres Vermögens, ihrer Kleider, ihrer Hoffnungen, alle ausgesetzt der Roth, dem Hunger, dem kalten Nachtwind. — WaS werden sie jetzt anfangen, die armen Obdachlosen? Müffen diese Kinder, diese armen, unschuldigen Würmchen in Noth «ad Elend verkommen? Ich irrte zwischen den rauchenden Ruinen umher und nun stehe ich wieder vor dem Elternhaus, wo ich erst heute so beseligend« Stunden verlebt. Es ist eine Ruine. Aus dem Schutte glimmte es flimmernd hervor wie Augen einer tückischen Schlange. Durch die verbranuten Oeffnuugen, - welche einst Fenster gewesen, starrt Grausen und Emsetzen. Alles was ich hier seit meiner Kindheit verlebt, zieht iwchmal» an mir vorüber, alle- Heittre und Traurige. Hier habe ich meine Eltern glücklich gesehen, hier sah ich sie auch sterben. Biele meiner Lieben verlobten, heiratheten hier, hier lachten, hier weinten sie — wie ich erblickten viele von ihnen hier das Licht der Welt und wie manches theurr Aug' sah ich schon hier im Tode brechen! Und dieses Haus selber, ich sah es schon einmal in Trümmern, ich sah es dann > wieder erblühen, erstehen. — Jetzt liegt es wieder vor mir, ein Schutthaufen, eine Ruine.- O, du liebes theures Elternhaus, bist du jetzt schon dem Sterben geweihet oder kommt noch über dich ein« neue, eine zweite Berjüngungsepoche?! Au» »er Schule. Lehrer: »Kannst Du mir sagen, Lieschen, weshalb der liebe Gott auf Sodom und Gomorrha Schwefel und Feuer regnen ließ?" Lie-chen: »Weil — es damals noch keine schwedischen Zündhölzchen gab. _ __ _ Lehrer: Aber, Lieschen, Du kaaust ja noch immer die Namen der Söhne Jacobs nicht hcrsagen? Du hast sie wohl nicht gelernt? Lieschen (weinend): »Nein; die Mama hat gesagt, ich sollt' sie nicht lernen, weil sie so jüdisch klingen." -———— ..g ,rtn.-a.iaw l. AiSüsch« Uumeurälyser. Bon C. i« B. (ft hat den Sohn dir schon genannt; Be« ist der Batet auch bekannt? II. Aeöräischei Bon C in R. (üb Strom sich unfern Blicken zeigt, An seinen Usern Helles Licht; Sin Berg daraus zu« Himmel steigt. Wenn einen Kisch himoeg man sticht. A»K-f«»U der Kitttzfel i« »er. Ar. L IL GrzLtzle« (die Hagada), Zttzten (Omer).