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Jüdisches Familienblatt · 1892-01-01 · 19 (1892) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1892
Issue
19 (1892)
Date
1892-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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M 1«. Silbische» 18*2. *■<#/#// ^w\ ™ HerauSgexeben »oo I>r. M. Aatzmer ln Magdeburg. J ® Zn Wtrhildnnt) Kttehriifir die isrnlttische jimilir. Iuhall » Die schwarze kara Lrzähiung von I. Herzberg, inBromberg. — Der große Brand. Schilderung von Aalha» Samuely. — » >n» der Schule. — NSthsel-Rusgaben. — «äthsei-Liisungen. (Undefugier R»ch»r»ct n< diese» Blaikr ist »RlrrsOGt.) J) Me sch»arze Sara. von A. Herzberg, vromberg. Hochdruck verboten.) Wenn wir uns der Kreisstadt H. nähern, bemerken wir recht» von der Landstraße in einer Entfernung von etwa fünfhundert Schritten einen kleinen See, der im BvlkSmunde .der Fleischers«* genannt wird. Rings von bunten, blühenden Wiesen und Feldern umgeben, konnastirt dieser See mit seinem kahlen, sumpfigen und morastigen Ufer in auffallender Weise gegen seine unmittelbare Umgebung. Stein lebende» Wesen regt sich in seinen noch unergründeten Tiefen, die schon so manche» blühend« Menschenleben, da» in ihnen «in Ende seine» quälvollen Dasein» gesucht, in sich ausgenommen. Seine Fluthen bergen Geheimnisse mancherlei Art, die kein Sterblicher bi» St Stunt* zu lichten im Stande gewesen, und man hat .» mit einem Netz von Sagen überspannt, die dem, der sie vernimmt. Schauder und Entsetzen einflößen. Lieblicher Vogelfang verstummt in seiner Nähe, und nnr da» unheimliche Gekrächze der unstüt hin und her flatternden Raben, denen diese Schauerstätte ein LieblingSauf» enthaltSort ist, dringt hier an unser Ohr. Weder Bäume, noch Sträucher umrahmen da» Gewässer, dem Tod und verderben bringende MiaSmen entströmen, beffcr; Innere» eitel Fäulniß und Verwesung birgt. Alle versuch«, die Ufer diese» See'» durch Anpflanzungen nutzbar zu machen, sind erfolglos geblieben; kein Gewäcl>s will hier gedeihen. Auch da», wa» in den Boden gesenkt wird, ist dem Tode geweiht. Denn wir der See ohne Leben ist, so entbehrt auch der ihn begrenzende Boden jeglicher Lebenskraft. Alle» auf ihm, in ihm, um ihn ist eriiorben. vorsichtig wendet der AckerSmann. der auf dem benachbarten Feld« die Furchen zieht, sein Gespann jedeSmal, wenn diese» dem See sich nähert, um bei Leibe nicht einen einzigen Fußbreit von dem, augenscheinlich mit einem schweren Fluche beladenen Boden zu seinem Acker zu schlagen, der hierdurch schmählich entweiht, und in seiner Fruchtbarkeit und seinem Ertrage arg beeinträchtigt werden könnte. — Gar selten wird der von der Landstraße nach dem Fleischers« führende Fußsteig von einem menschlict*n Wesen irtreten, und bei herein brechender Dämmerung, oder gar nächtlicher Weile hat e« wohl noch keiner der Bewohner $...'» gewagt, seinen Fuß auf diesen Steg zu setzen. nd wer gezwungen ist, zur Nachtzeit diese verhälignißvolle Stätte zu paffiren, der beschleunigt bochklopfendeu Herzen» seine Schritte, scheue Blicke um sich werfend, namentlich wen» der nächtliche Sturm über lue Wasser de» Sec» da- , tznbraust, und c» an da» Ohr de» mit aageh»ltenriiAthem eilenden wir ein Winseln und Wehklagen dringt, da» i 6cJ f|5«M zu kommen scheint. — — --, ' Seit Menschengcdenken ist der Fleischers« ein Wahrzeichen für Tod und verderben. Lautet doch eine jener Sagen, die sich an ihn knüpfen, und dir von Mund zu Munde gehen, daß derjenige, welcher e» wage, in_ seine nn» ermeßliche Tiefe hinabzuschauen und sein eigenes Spiegelbild erspähe, den ewig tobten Wassern unrettbar verfallen sei, von geheimnißvoll verborgenen Mächten dinabgezent werde, um auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden. Jahre sind dahingeschwunden» seitdem der Fleischers« sein letztes Opfer empfangen. Grauen und Entsetzen erfasset heute noch jede» Herz bei dem Gedanken an jene» unglückliche Wesen, das sich rhm zuletzt freiwillig geweiht. Wer heute seine scheuen Blicke über di« Gewässer de» S«'S schweifen läßt, denkt sofort an niemand ander», al» an »die schwarze Sara"! In jenem kleinen, unmittelbar vor dem Thore lelrgenen Häuschen, an dem gar deutliche Spuren de» verfalle» wahrznnehmen sind, da die Stürme und Wetter vieler Je hrzehnte e» arg mitgenommen, und da« jetzt einsam und oerlasien dasteht, hauste einst diese» seltsame Wesen. Ehedem ist diese» unscheinbare Häuschen von Glück und Freude erfüllt gewesen, hallten in seinem Innern mächtige Jubellaute wieder, bi» sich in seinen Mauern ein fu rchtbare» Drama abspielte, da» alle» Glück und alle Freude in unsägliches Herzeleid cerkehrte und alle Jabeltöne in Jammergeschrei verwandelte. — bi» auch diese jüh verstumniten uno Grabesstille eingekehrt war. Wahrlich, ein gar seltsame» Wesen ist die schwarze Sara gewesen. Seltsame» kündete man sich von ihrem geheimnisvollen Thun und Treiben, noch Seltsamere» raunte man sich darüber zu. daß sie da. wo jo Biele schon neben ihr in» Grab gesunken, dem Tode immerfort Trotz geboten habe- Man wähnte, sie habe gar nicht sterben können, der Knochenmann habe keinerlei Gewalt über sie gehabt. Wohl sei sie zeitweise von Todesahnungen erfaßt worden, und habe der Sensenmann gierig seine knöchernen Hände nach ihr au» gestreckt; dann sei sie aber an den Fleischerste geeilt, und die Gewalt de» sie verfolgenden Tode» sei gebrochen gewesen. — Man hielt sie gefeit gegen jene geheimnisvolle» Mächte, die nach der Meinung von Jung und Alt auf de,» Fleischers« ihr Wesen trieben. Wa« alle Anderen ängstlich flohen, suchte sie beharrlich aus, wa» Andere mit Schrecken erfüllte, bereitete ihr Genuß und Behagen. Mit unwiderstehlicher Gewalt zc^ e» sie an jene Stätte, der der Mulhigste selbst scheu auSwich. Täglich um dieselbe Morgenstunde verließ sie jette« kleine, verfallene Häuschen. Langsam schritt sie gebeugten Rücken«, unverständliche Worte murmelnd, daher, in der Hand einen mächtigen Krückstock, am Arme eine alte Tasche. Ihren Oberkörper verhüllte ein an mehreren stellen im Lause der Iah« schadhaft gewordene», verschossene» und fadenscheiniges Tuch, da» sie über den Kopf geschlagen trug. Una

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