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Jüdisches Familienblatt · 1892-01-01 · 18 (1892) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1892
Issue
18 (1892)
Date
1892-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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M 18. -.'S Südische« 1892. Hemu«geg«ber von Dr. «. Nah »er in Magdeburg. Zn Iitrr|iltM| ii) -ckhriR» fit Mt iniMche jiailit. * Ontel ffcMu «uw 9nablu*g aal de» jüdische» Famttlenleb «, jSchiuk) «,m I. -eribrrg, vromberg. — »er »ttn, gmri« Pdilhwe'« »ab Crtateuz. - J,oa» Pe»ro Ma»rogüaat». — «nttse«irilche «hy»ol-gi«. - »««vertrauen, «o» I. «arsch.«»«reich. — Aar eeltgiösea pesorn». von «. Neuer. — Naidse>.»a,^>be». — «Lthsel^öüsungea. «UabrfM^ee üi»ln< i» dteir» Blatt, tü natersrgt.) 2) H»Let Aeitz. «ia» «rz»tzlang aa« de» jüdische» 8a»Ut«nI«ben. Bo» I. Heetberg, Beo»d«rg. - «Hiachdriut verboten!) (Mtaft) tt» war vor zwei Tagen, an einem Sabbath Abend. Der Abendgottesdienst war beendet, vnd Onkel Ferß hatte sich, nockidnn er forgfillt'g tie Synagoge abgeschlossen und den Schlüssel im Flur d:< angrenzenden Lrchulhausts an einen Nagel gehängt hatte, in sein stilles Kämmerlein zm ückgezogen, um .Hawdalahzu mnchen. Eben hatte er sich wieder auf seinen alten Polstersessel niedergelasien, eben lxaann jene dunkle Gedankrnkette schaurig vor stinem geistigen Auge vorüderzuziehen, als er plötzlich durch ein ungestümes Pochen an die Fensterläden seines Zimmers aus seinem Sinuen auf- «schreckt wurde. Er eilte an di« HauSt hür, um diest dem Einlaß Begehrenden zu öffnen. Kaum war dies« über die Schwelle -zetteten, als er fast athemloS hastig in die Worte auSbrach: .Herr Feiß, kommen Sie, o, eilen Siel- Mehr vermochte der Mann nicht zu sprechen. Onkel Feiß «konnte bald in dem Sprechenden, auf den jetzt das au« denl geöffneten Wohnzimmer dringende Lickst gefallen war, einen Boten de« benachbarten Kranken hau s.-S. Neun, ruhigt fiel er diesem in'S Wo«: .Was ist denn geschehen. Engelhardt?- .Ach, denken Sie sich, wurde un« da vor kaum einer Stunde seiten« der Polizeibehörde ein Mann zugeführt, der «ns der Landstraße nahe vor bei Stadt ermattet niedergesunken und von Passanten in bedauernSwertheri Zustande ausgefunden worden war. Er hat bis jetzt da« öewußtsein noch nicht wieder «laugt, und e« ist noch Aussage de« Arztr« nicht anzunehmen, daß « dem Leben erhalten bleiben wird. Allem Anscheine nach ist es ein GlaubenS^noff« von chnrn, denn er trägt da« .Zehngebot-. Dahn sthe ich mich vnanlaßt. Sie von dem Borsalle in Kenntwß zu setzen. Ab« zögern Sie nicht. Ich Hab« mich schon viel zu lange «ofgehalten.- .Äch danke Ihnen, lieb« Engelhardt; ich wnde Ihnen soso« folgen-. Wähnnd Onkel Feiß diese Worte sprach, beeilte « sich, sein.Sefer hachajim-, da« ist da« Buch mit den üblichen Sterbrgebeien, zur Hand zu nehme». Wie oft hatte « nicht, namentlich wählend seiner ltu-'-sühriaen Thätigkrit ol« SchammeS d« Eemeind« ia zu ähnlichem ernst«, Thun denselben Weg zurückgelegt; wie manch« gequälten Seele hat « durch die heilrzen Sterbe- 6bete da« Scheiden au« diese« irdischen Dasein «leichtert! »d nun sollt« « abermal« ein« solchen Bfl'chch genügen, sollte für den, dessen Gleiche Lippen nicht Warte »ehr h«- »orznbriugen vermögen, da« BeKnntnih de« Bäerglauben« ing de« einzigen, imrigen S>»tt«« Warte. n leihen, damit die ihrem Ursprung« zustrebende S«le unt« diesen Lauten die sterbliche Hülle v«lasje! Eigerthüwlich, heute war ihm da« H«z so schwer, sein« Füße «rsugten ihm schier den Dienst, und e« war ihm, all« dränge ihn unausgesetzt eine geheimnißvoll« Gewalt zurück. Nicht da« beruhigende Bewußtsein, einer Pflichterfüllung entgegen»»«!«,, erfüllte ihn heut, wie sonst bei gleichen An» läffen, sondern ein« unerklärliche Unruhe, die sein bange« Herz imm« heftiger pochen ließ. — Ahnte « vielleicht, daß dies« «nste Gang stin letzter sein sollte, daß berjenigr, gegen den « Menschenliebe bethätigen wollte, sein ....? — Doch begleiten toir ihn auf scinem schw«en Gange. Im Krankenhaus« angelangt, führte ihn d« Krankerrwärter in da» Zimmer, in welches der Fremde gebracht worden war, und daS nur matt erleuchtet war. Auf de» einzigen, im Zimmer befindlichen Bette lag eine, anscheinend ‘ schon mit dem Tode schwer ringende Menschengestalt. Ein j flüchtig« Blick genügte dem Eingetretenen, zu erkennen, daß > da» Ende deS Daliegendrn nicht mehr fern war. Um nun die Merkmale deS vielleicht bald eintretenden Tode« näh« feststellen zu können, die sich namentlich im Gesichte zu zeigen pflegen, rückte er da« rn einiger Entfernung vom Berte stehende Tischchen mit dem Lichte an da« Lager näher heran, so daß da« bleicke Antlitz grell belruchtet wurde. Nun richtete « aus da« Letztere seinen prüfenden Blick. Er schaute hin und wir gebannt starrte sein Auge aus den in diesem Augenblicke schwer Auffeuszenden Er erbleichte, — «in 'Zucken ging durch seinen Körper, seine Kniee wankten, und mit dem gellenden Schmerzensschrei: .Joseph! o Gott! mein Sohn!!- sank « zur^Erde nieder. Dies« Auffchr«, eines von unsäglichem Schmerze gequälten Baterherzenü, mochte auch da» Ohr deS Sterbenden getroffen haben und diesem zum Bewußtsein gelangt stin. Langsam neigt« sich der Kopf de« Daliegenden zur Seite. Die Augen, die schon gebrochen schienen, erhielten neuen Glanz, die Lppen bewegten sich, und lallend, kau« vernehmbar ertönten dir Worte: .Bat«, vergieb!- Wie ein dem B«!öschen nahe« Licht noch einmal hell ousflackert, so begann auch die dem Verlöschen nahe gewesene LebenSflammi: de« Daliegenden noch einmal auszuflackern. DeS Sohne« recht« Hand bewegte sich langsam nach dem Haupte de« nelen seinem Lag« knieenden, lene schluch. zeuden Bat«« hi», und abgebrochcn entrangen sich seinen bleicheo. zuckende« Lippen die Worte: .Bist Tu e» wirklich^ lieb« Bat«! — Habe ich Dich endlich gefunden, gefunden nach so langem ver,^blichen Suchen? Dank d« göttlichen Gnade und Barmheuzigkeitl--— E>n leise« Schl ächzen «stickte di« schwach« Stimme de» Sprechend««. Dann überflog plötzlich eia seltsame« Lächeln sei» Angesicht, und ivie ttäumend in« Leere ftonenbi fuhr « al«bald mt:

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