Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1892
- Issue
- 14 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Heiter und scherzend setzte er sich zur Tafel, ^ßkaum war aber eine halbe Staude verstrichen, da fiel plötzlich der Jüngling tobt vom Stuhle. Der unter dem Kleide Derbor^pu« Fuchs riß ihn«, während er mit de» Andern sich unterhielt, die Brust auf und »«biß dessen Herz! Aus Furcht vor der Entdeckung seines Diebstahls ertrug der juwze;. Spart««« während der gaize» Zeit, ohne r» auch nur? durch eine Miene errathen zu lasse«, diesen fürchterlich!« Bchmerg f' Tdeser Heroismus gilt bis zum heutigen Lage als unerreicht. Und doch, «nc oft fand« man, wenn es möglich wäre im Herzen mancher Menschen zu lesen, Beispiele mm Heroismus, welche obiger That nicht nur zur Seite gestellt »erd« könnten, sondern, wo« die Zeüdauer betrifft, diese weil überrage». Man fände oft Menschen, dir gequält von der bitterste» Armut, Roth und Elend, jahrelang aus falsch« Scham, mit den größten Entbehrungen kämpfen, Hunger und Kälte dulden, ohne auch nur mit ein« Silbe da« zu verrathen, w. was ihr Inneres durchwühlt. Ein solche« Beispiel bietet; hotaeulx wahre Begebenheit: ».!l« Prag« Ghetto letttr, in d« zweiten Hälfte de» vorige, Jahrhunderts, ein Werna namens Bett; die Leute ^. naunt-m ihn Bär, und dies« Name galt ihm auch mit Reiht. L Sr war ein stark«. breitschu! t«Mr Mann und eben so »in» Wirsch und brummig wie doii glnchnahmige Thi«. köoher « stamme wußt: Riemand, und « selbst wußte £ es nicht. vor vielen Jahren rmrde « eines Morgen», als beilät fig achtjähttg« Bursch', zwischen dem Gemäuer eine« verfallenen Hauses d« Inder gaffe, halb erfroren und beinahe verhungert, anfgefundeu. 'kr wußte mchts Andere« zu rpzähleu, als daß « Bett heiße, mit einem Manne, den « ^Schmal nannte, bettelnd vcn Ott zu Ott gewandett uxrr, ^'diestr soff ihm sehr wenig zu ,steg ab« desto wehr'Schläge ^verabreicht haben, ttnes reges lief « ihn dämm." Aus ^Horcht wieder «wischt zu werden versteckte er sich stets ^.während des Tages und mo in der Nacht sei « west« gehx, laufe«. Seine Nahrung brstand ans Rüben und rohen llh^Oarrofftt», bie « auf dem Felde fand. Ein alt« Iriug» Desr^, uameus Jechesttt Loscht), selbst unbemittelt« Trädl«, t« fsr Ben 6itas*t »ahm den Knuden au« Mitleid zu sich und nannte ihn Berl Findling. Bei diesen alten Sonderling wurde Berl erzogen, wen» man ein Sichselbstübrrlaffe» de« Burschen, d« bei seinem Ziehvater nicht« Anderes zu thun hatte, als di« alten Möbel Morgens und Abend» aus» und ttnzuräumen und den Kramladen zu hüten, Erziehung nennen kann. Er lernte weder lesen noch schreiben, dlos die ütiichen Gebet» mußte er ihm stet», btt jeder Gelegenheit, nachplappern. »m Den ganze« Tag über saß Berl znsammenarkauett Winkel des Ladens, ohne mit Jemanden ttn Wort za sprechen, bloß wenn «gefragt wurde, antwortete « und da zumeist mit Ja oder Rein. Wenn d« alte Iechestel »eg ging, was meist einige Male im Tag' gttchah. ermahnte « Berl recht obacht zu geben, damit nichts wegkommr, sonst ab« sprachen die vttden so wenig als möglich mit rinnnd«. Sobald der Alte den Loden »«ließ, da schien neue« Leben die Pulse de« Burschen zu durchziehen; rasch, toie der Tiger auf sein« Beute, stürzte « in einen eniferaten Winktt des Landen», holte aus d« untffften Lade eines alten Kastens ttne Geige hervor, dieser entlockte « die traurigsten Melodien, wirr durch einander laufende Töne, die dennoch ttne znm Herzen dringende Harmonie bildeten; er spielt? so lttse, daß »in de» Laden sthr nahe koinmen muzte, um die Tön« zu mrnehmen. So spielte « täglich in Abwesenheit seines Ziehvaters. Während des Spieles nahm sein Gesicht den wehmütigsten Ausdruck an und Thränen rannen dann stets von seinen Wangen herab. D« Laden des Trödlers befand sich i» Hofraume eines alten, fast baufälligen Hauses; B«l konnte daher leicht au« seinem Winke! den ganzen Hof bis zrim EinganHtthorr übersehen. Nahte sich Jemand, so verstum mten plötzlich die Tön« und « verstockte rasch sttne Gttge, bah« kam es da» Riemand von dem musikalischen Talente bitte» Junge» ttne Ahnung hatte. So »«brachte er acht Jahre im Hause des Trödler«. Eines Morgen« fand man Iechestel todt in seinem Bette, die armen Berwandtrn desselben chttlten sich in deffen schmalen Bttitz ""d Bett blieb wied« ohne Unterstand. Nichts als dir alte Gttge, die vor Jahren der Trödl« gekauft und an die « selbst niemals mehr gedacht, bat sich v«l für seine treuen Dienste aus. Als fast wrrthlo» anerkannt wurde chm diesttbc von den Erben üb«lafsen. Di« Gemeinde wies B«l ttne Schlafstelle im sogenannten „Kätztt" (Ean«) an. sonst kümmette sich Riemand um den Findling Dieser aber wurde d« Armuih uod Roch wie zum Trotze für sttn Alt« auß«gewvhnlich statt und kräftig. Die Äute benutzten ihn als Lastträger und Eommi'sionär. verabrttchteu chm für die gttttsttten Dienste ttn Miltigmahl ob« ein Gttdstück, was « stets ohne z» danken entgegen nahm. Almosen, Gttcheuke, Einladungen zum Essen, wie es btt dev Jude« stet» wlich war, kurz affe«, was « nicht