Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1892
- Issue
- 12 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Sür>rM„ Juhalt: 18-r. Heraul^geben De* Dr. «. »Mtz»rr la Magdeburg. In itonteUni u) Mtzrn, |it dir innWhe juiiir -rA. sfe».h±£jfe 5 rtafc^e der Del,soha Loge S— Sri, «ls, «ernhardt. — «Schsel-Susg-bku. - XStfftUeifaaetit «1 Meiern «litte ist aatfffa».) .. verstellt." Jüdische Lilhauene ooa Laihnn Samucly. (K»rlj«,-ng.) Purim fiel damals gerade au einem »er Märztage. i welche« dem Wetter nicht viel zu traue« ist, weil eS jedeSmc rin anderes Besicht zeigt, bald hell, bald düster, bald mürrifö bald freundlich, bald rauh und bald mild. Die Zeit, in w^chc der kleine Jacob seine Mutter'verließ, war der Morgenar lrrch, so daß die Erde noch in Dunkelheit gehüllt war nn nur im fernen Osten die verschlafene Gönne wie durch ei> e:rg«S Buckfeusterchen zu« lammet hinauSschavte. In de> Straße« herrschte noch vollständige Nachtruhe und die Adv der Fenster waren noch überall geschloffen. Au jeder ander«! Zeit würoe ihn da« nicht aeminvert haben, wen er ja immer in Hause am früheste« wach war; aber heut« berührt« ihn dai doch etwas unangenehm. — Ist nicht Purim im Laude', Wollen die Leut« gar diesen schönen Tag verschlafen? Rein sagte er siH ich will Leber um müh haben, und sollte «I "och diese Faulpelz« aus dem Schlast »ockeu! — Gewollt ‘ seine kühnsten Einjolle bald auSzuführe», erhob er fein hell klingende» Gtimmchen und st ag laut und lustig in die (Staff, hinein! .Horcht uur aui »eia« ltebea Lrnu, Luftiger Parin» ist bei an» heut'!' Da stürzte plötzlich aut. eine« Haust eine alte Hexe mit einem riesigen Kehrbesen in der Hand. .Wirst Du'» Maul halten, Du Krähhahnl' kreischte sie. .noch ist» Nacht; laß wir di« Leute schlafen, sonst fege ich Dich mit diesem Besen vüe einen Misthaust» weg! . . .* Er erkauute diese bvsr Hexe, die ihm schon mehr als eiumal da» Spiel verdorben hat, und euttmschw ihr durch eine Seitengasse; aber kaum daß er sich einige Minuten still verhielt, lich e» ihn schon wstder keine Ruhr, so daß er abermals laut zu singen anfing, Kamp aber, daß er feine Stimme laut werdea Keß, «nchs hinter ihn ein Polizeisoldat ans, der ihn derb ansaßte ent den Worten: .Da führe ich Dich bcld ab. Du Ruhestörer I" .Und waS ist beim n»!in verschulden?' .Du weckst die Leute auf!" .Aber eS ist ja schon heller Tag!' .DaS darfst Du ihnen nicht erzählen, und noch n>r«ig sie au» dem Schlast wecken!' Aber der gute Mann hat eö zu spät zu verhindern g sucht, denn die Leute wäre» inzwischen, in Folge,der laut« Weckrust de» kleinen Jacob, au» dem Schlast erwacht, ur überall gingen die Aden auf, während nach und nach «ö i den Straßen immer lebendiger wurde. Nicht lange daner «*, al» plötzlich hinter dem kleineu.Jacob ein laute» Glocke« gebimmä ertönte, und sieist, eine ganze Schaar von vei ichiedenen .Perstellten' den egte sich die Straße heran. Leui in bunten Nationaltracht« mit Schellenpauttn in de inden, bk ein lautes und wirres Geklingel vernehme Mich darüber, daß der fhir'm endlich begönne! i | hat, schloß sich der kleine Jacob ihnen an und suchte mit ihnen gleichen Schritt zu halten. Kaum jedoch, daß er in lustigem Tempo mit ihnen einige Schritte mäht, da fuhr ihn einer der .Verstellten' mit harten Worten an: »Wie?! Du auch unter nn»! Wie kommst Du her? . .“ »Heute ist ja lustiger Purim für mich wie für Such!' reclftstrtigt sich der Sein« Jacob. »So «nach' Dir meinetwegen Purim soviel Du willst, ab«r wir wollen mit Dir keine Gemeinschaft haben!' .Und wa» ist denn «ein Verschulden?' „Wir können Deine Mutter naht auSstehen, die alte und stolze Bettlerin, die sich absondert und sich mit unS nicht mengeu will!' .Aber ich will ja zu Euch gehören, Euch überall init» helstn und mit Euch ein» sein!" »Daun sage Dich ganz von Deiner Mutter lo», die un» ein Dorn im Auge ist, und wir nehmen Dich Freuden auf!' Sich von seiner alttu Mutter lossagen, daS ging ihm wie «in Dolchstich mitttu durch» Herz. Er wolltt mit ihnen siegen, springen, allerhand Pur'Mstrenhe auSsühren, er wolltt I mit ihnen in Brüderschaft lebe,, aber sich von seiner alten , Mutter lossagen, nein, das nicht, und wenn man ihm alle GlückSgüter der Erde bieten solltt! Gesenkten Haupte« zog er sich von ihnen zurück. — Wer hätte nur daran gedacht, daß fpute an dem Tage, von dvn es deutlich heißt» er briirge den Juden Licht» Freude und Wonne, man ihn wie einen Aussätzigen fortstoße» würde, weil ihnen seine altt Mutter nicht recht ist! Nach und nach vv.'lor sein Gang die frühere Elastizität, e« gewährte ihm nun keine Freude mehr, daß er Purimsvieler sei. Wovon er jetzt ganz beherrscht war, war das «erlangen, Geld zu sammeln, recht viel Geld, damit eS zu Haust nicht gar so trüb und traurig auSsthe ... Verstohlen folgte er den andern Purimsvielern von der Ferne, und trat in daflelbe Haus, in welches sie hineingingen, wo er zaghaft bei der Thüre stehen blieb. Sie aber zogen mit klingendem Spiele in dtt Gesindcstube ein, umjubelt von allen Seittn, von den Kindern, von den Dieastbottn, von alle» HauSleuttn, und al« sie erst ihr Purimspirl begannen «rd mit den Fäusten zum Taktt das Tamburin schlugen, da wolltt da» Gejauchze der Ante gar nicht mehr aufhören. Alö sie mit ihrem Spiele fertig wurden, bewirthett man sie we liebe Gäste mit allem Guten. Erst al» sic da» Hau» verließen, schob sich Jacob scheu in die Gesindestnbe und begann mit etwas gedämpfter Stimme, »» »Horcht nur auf meine Heben Sieut’* .Danke für'» weiter!' unterbrach ihn der Hausherr, und eiittm seiner Leute eine Münze hinlangend, sag»e er: „Bi-' ihm nur das hin und laß ihn abfahren, daß er uns nicht in stiren zerrissenen Stiefeln den Straßcnkolh ins bi ingr'