Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1892
- Issue
- 10 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Sl Otnalgfgtfot um Zltjlltnttltm»nt-I Naimrr In ttogfcefrurg. firdie lsrMjslhe jinilir. «// t. . •8*fctortt. Jiidisch, SilhvueNe von «Mtzan Sa «neig. (Schluß) — .Wie würde e» auSsehen!» Jüdisch« EilHorett, von Uliwllll. K*twn Ea«u-ly. — David und Jonathan. Igallad« von Dr. PIck-Marlenburg — Rdihfel-Ausgabea. Zu Part». — \ SiatVfct -SAftnigir». (lUk'fvitrT «echdnuk int diese» Blatte ist »nrrrs«,».) K-t-et«rie Jüdische Silhouette »an Nathan Samuel y. M (Schluß) Jetzt «schien Fräulein Olga am Arme ihre» Gala»», de» Klavierlehrer», und lul» mit einem verständlichen Lächeln die geehrten Her,schäften zu sich in» Klavierzimmcr, wo die Feierlichkeit stattfinden sollte. Die ganze Tesellsch'ft nahm fämt Ausstellung. Von den Herren Offizieren geleitete jeder ei» andere« Fräulein, wählend von den älteren Herren jeder die Frau eine« Andmt am Arm« führte. Der kurze, untersetzt« Herr Heinrich führt«! die überwachsene Frau Steuereinnehmer am Arme, und s« blieb dem Herrn Steuereinnehmer klein anderer Ausweg, alt der Frau Janette den Arm zu veiHen. Dieser war jedoch drauf bedacht, sich seine Flasche Nein unter dem zweiten A r» zu nehmen, die er unter allen Umständen viel fester an fid) drückte, al« die Madame Janette, »eil diese, meinte er, ihm gewiß hier Niemand stehlen werde, wa» sich jedoch von der Flasche Wein weniger behaupten ließe. 3* Saale augelan,tt, nahm ein jeder der .Herren Platz «eben seiner Dame. Der Herr Steuereinnehmer jedoch sich, nachdem er seiner Pflicht sich entledigt, mit der ifcqc Wein in dir Nähe der Thüre zurück, wo er sich soein große» Gla» «»schenkte und den Kopf zwischen beiden Händen stützte. Nachdem die Ruhe he,gestellt wurde, begann die Feierlichkeit, wie «» i» Programm sestgestellt war. Herr Brum«er führt« Fräulein Olga zum Klavier hin, wo sie auf eine« Tabouret Platz nahm, während er, hinter khr stehend, nach einem wiederholten Hüsteln und Räuspern den .Erlkönig" zu singe« «nfing. . Schon die erste« Stkßivn« de» Herrn Brummer und der donnernde Anschlag bei Fräulein Olga versprachen eine gewalttge Leistung. Wirklbh begann der Sänger den .Erlmiig* so unbarmherzig zr brüllen, daß darob die Fenster erklirrten. Al» er gar a>, der Stelle anlangte: »Vater, Vater, und sichst Du nicht," da gerieth der Herr Brumoter in eine Art Raserei, denn er brach in ein solch' wüstes Geheul au», daß man nicht dlo» den Schreckensschrei eines z» Tod zeänastigten Kinde» zu hären glaubte, sondern vrel- «chr da» Gebrüll eine» geschlachteten Stiere». Bon da ab lobte und tollte der gewaltige Sänger unter dem zunchmenden Gepolter de» Klavier» Alle,» wüst durcheinander, die Nacht, den Exkönig, da» Kind, Iren Vater; sogar da» .Säuseln de» Winde»", und er wüthete und wetterte solange, bis .in tinen Armen da» Kind u»ar —^ todt". Da kam es ,«c rleichtrrung über alle An oeseadeu, nicht so sehr darüber, daß da» arme Kind wirklich auSgelittrn hatte, sondern vielmchr darüber, daß ihre eignen Leiden ein <b»de genommen halten, da ja sie selber nicht weniger Todeümarter von diesen Erlkönig zu erdulden Hotter. Der Applau» deS Pußlikum» blieb jedoch nicht au», schon aus Dankbarkeit, daß er die Marter nicht noch länger hinauSgczogen hatte. Nach einer kleinen Pause kam die zweite Nummer de» Prrgrammes zur Ausführung. Fräulein Ol,,a trau durch die rauschend« Seidenportiäre am Arme ihre» Galan» aus die Schaubühne, ganz & I» Gleichen gekleidet, in einer schneeigen Seidenrob« und einer blitzenden Diamantcnnadel im Haare. Allerdings meinten einige Kritiker unter de» Publikum, daß für ein bescheideti-ä Gretchen ein solcher Diamantenschmuck nicht recht am Platze sei, allein Dichter Wersak wußte ihnen darauf mit überlegener Miene zu antworten, daß Gretchen jetzt so erscheine, nachdem sie die ver>. schiedenen Schmucksachen von Faust bereit» in Empfang g»-> nommen habe. — Da» Erscheinen der Hauptheldin des Abeud» begrüßte» die Anwesenden, besonders die Herren Offiziere, mit lautem Jubelrrife, was sie ihrerseits mit einer anmuthige» Berbeugung erwiederte. Nachdem der Beifallssturm sich gelegt hatten stimmte ihr Begleiter da» Präludium zu Klavier an, woraus Fräulein Olga, die Hand an da» Herz gedrückt nnd die verdrehten Augen gegen die Zimmerdecke gerichtet, mit schmachtender Stimm« ihren Gesang anfing: „Meine Ruhe ist hüt, .Mein Herz ist schwer x« unterbrach sie plötzlich tuie Stimme, die mit einem komischen Stoßseufzer von der Thüre kam: „Mein Dein ist hin, „Meine Flasche ist leer!" E» war der Steuereinnehmer, der sie unterbrochen hotte, und al» Beweis seiner Worte hielt er hoch über alle Köpfe seine leere Flasche dem Publikum hi». Di« komische Wirkung dieser Unterbrechung blieb nicht aus. Bon allen Seiten erscholl ein lautes Gemchter, während die arme Heldin mit twr hochtragifchen Miene wie zu einer Statue erstarrte. Die allseitcgen Aufmunterungen jedoch brachten wieder Fräulein Olga zu sieh, so daß sie nunmehr ihren Gesang vop neuem anfing. Sie vermochte jedoch nicht die komische. Wirkung de» früheren Intermezzo'» zu verwischen, indem die meisten Damen krampfhaft in ihre Schnupftücher hineinbissen, um nicht mitten drin in ein Gelächter loszriplatzenx aber «» verlief doch ohne weiter« Störung, und zum tZchluffe klatschte man ihr von allen Seiten Beifall, ja, die Offiziere umringten sie nachher mit lauten Jubelrustn und einer von ihnen überreichte ihr im Namen seiner College» ein große» Blumenbouquet. Jetzt aber sollte der eigentliche feierlich« Theil d:s Programme« folgen. Fräulein Olga ließ zweimal die Tischklingel erschallen^ und da trat die Köchin. in ihrem Feierkleide geschmückt, ia's- Zimmer, auf einem silbernen Tadlet die «oethetorte tnaend. die, unter einer Sturzdrckr verhüllt, von Niemanden zesehea wurde.