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Jüdisches Familienblatt · 1892-01-01 · 8 (1892) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1892
Issue
8 (1892)
Date
1892-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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ASdisch,, 1892. V Iw litt Wir* *-#/ von Dr. «. A»t,«er In Magdeburg. Zik Uilttd-IIill- Mi Kklrtm, für dir isriklilischk Itnilit. 9// ... ■* Sitiah Roman au« der Zeit der letzlen Maffmauewriiungen au« Ruhla,id und Prrugen H^n H. Berger. (Schluß» — * Göiheiorie Jüdische Stlhoueiie von Ralhan Samuelq. (Foriletzung — Witz und Hunror bei den Juden Vom Ober- ^JUIJUU, tabbintt Dr H »Ha 1» London — Hufdirift auf den Leichens,e,n .1 e» Har,herzigen. Au» dem Hebräischen üb rsetzt von _L Lohen. — Räitfel-Au,gaben. — Räthsel. Lösungen «Unvefnater ««chdruck >»« diese» «laue ist «Merlan.) Sittah. ««**> >»« »er Zelt »er lechre» «>ffeu,^»ets»»^, a< 9Ufclank ,,» Preutz'u. von H Berger. XXIV. (kitlub) Sittah an Hist her Marx. Meine liebe Esther! Lange, lange ist eS her. daß ich nicht an Dich geschrieden habe. Meine Freundschaft für Dich hat sich trotzdem nicht verändert, was Du an meinem heutigen Bri fe sehen wirst. Bon Herrn Solm auH P. habe ich in diesem Jahre erfahren, daß Du verheiratet und glücklich bist, und ich freue «ich recht sebr darüber und sende Dir nachträglich meine herzlichsten Glückwünsche. Möge Dir das Glück stets treu »leiben und Dich nie seine Launen fühlen lassen. Ich kann mir vorstellen, wie Du als sorgende Haussrau alles auf» . bietest, um Deinem Galten sei« Haus angenehm zu machen. Meine selige Mutter sagte oft zu mir: „Esther muß einmal einen Rabbiner heiraten, den, sie ist ganz dazu ongetban, die Frau «ine» Seelsorgers zu werden." Und sie halte Recht. Möge Gott Dir Glück, Heimat und Liebe erhalten, denn Du »erdienft es. WaS nun mich betrifft, so bin ich immer noch unstät und flüchtig auf der Erve. .Heute kann mich mein Schicksal hierhin, morgen dorthin vei schlagen, und ich kann ihm nicht wideistehen. Meine Stellung bei Kühler in Galizien habe Ich längst ausgegeden. Diese Leute, meine zweiten Elina, ließen mich jedoch nicht ziehe», sondern ich mußte eine Zeit laug bei meiner Esther, der tltesten Tochter der Kühler, in Hamburg zubringcn. Es wa:: schön dort, und da» innigste Land der Freundschast umschlang un». Ich vergaß, daß ich heimatlos war. ich hatte eine zweite Heimat gefunden. Die Zeit fiug an, den große» Sch merz, der mein Herz zerfleisckstr, zu lindern. Da höre ich ein.>» Tage« einen lieben Namen «eunen. Du weißt, wen ich meine. Der Träger diese« Kamen« lebt in Amerika unt ist — der Verlobte einer anderen. Bon neuem brechen die Wunden meine« Herzens auf. Bierzeh» Tage liege ich schwer krank darnieder und nur der aufopferndsten Pfleg, meiner Freunde verdanke ich »ächst Sott Leben und Gesrndheit. Mein junger Körper widerstand; er gesundete. Die Wunden meine« Herzen« blutettn von Neuem. So wer er denn für mich verloren. Koch immer, hatte ich gehofft, daß un» di« Vorsehung zusammruführr» werde. Jetzt konnte ich meine Hoffnung zu Grabe tragen, da« Leben hat « sür mich keinen Zweck mehr, «*d so faßte ich den Euischliß, mein Lebe» der leidenden Menschheit zu weihen. Durch Dr. Norden, t«n Mann meiner Esther, «hielt ich im folgtntm Jahre »in« Stelle als Grtellschasteriu einer leidenden Dame in Bad F. Ich nahm diese Stelle an und au« diestr Geselljchafteinn wurde ich die Pflegerin, di« Freundin der;dam«. Gotte« Weg« sind wunderbar. Kach einiger Zech all sie «ich schm» wie eine Schwester liebte, erfuhr ich, daß sie die Gattin des Manne« sei, dem auch mein Herz gehörte. Neidlos erfuhr ich diese« und meine Lieb« uno Zuneigung verdoppelte sich für die Kranke und sür ihr Kind. War eS doch seine Gattin, sein Kind, die niriner Liebe bedurften- Auch sie wußte, was ihr Gatte mir war, und nun begann sür un« die Zeit eine« Martyriums. Sie war brustkrank und wußte trotz der gegenteiligen B-rsicherungcn des Arztes, daß sie nicht genese. Du kannst Dir denken, welche Gespräche sie mit mir führte, wie sie sich und mich marterte aus Liebe zu Mann und Kind. Ich mußte versprechen, da» Kind nicht zu verlaffen, und wenn Gott sie erlösen würde, ihm eine Mutter zu feim Ja der Aufregung und um sie zu beruhigen, versprach ich alle« was sie verlangte und nun schrieb sie vor ihrem Tode einen Brief an ihren Gatten, in dem sie ihm alles mitteilte und ihn bat, sein Wort, da« er mir vor sechs Jahren gab, einzulösen. Rabbinowitsch erschien zur rechten Zeit, um am Begräbnis seiner Frau teilzunehmen; es war eine stille Leichenstier! Nach den sieden Trauerragen siedelten wir nach Frankfurt über, von wo ich Dir schreibe. Mir bangt vor der Unterredung, die mir mit Rabi'inowitsch bevorsteht. Den« meine Liebe zu ihm ist nicht erloschen, und ich bin berät mein Versprechen, da« ich säner Mirjam gab. eiuzulüstu. Nächstens mehr. Deine Sittah. Esther an Sittah. Als ich Deinen Brief erhielt, konntt ich mit Recht den SegeuSspruch boruolr raeotinjstl t»*iu<i»sim sprechen. Gottlos Du lebst und bist gesund. Mein Mann und ich, wir freuten unS außeivrdentlich, von Dir einen Brief zu erhalten und ich kann Dir sagen, Gott hat Deine Schicksale wunderbar gelätet. Möge er Dir all da« Böse, wa« Du ertragen, in Gutes verwandeln. Für heutt kann ich Dir nicht mehr schreiben, da ich mit meinem Manne in zwei Stunden nach London reise. Ich weide zwei Monate dort bleiben und nach meiner Rücksthr Dir sofort fchräben. Deine Esther. Sittah an Esther. Baden-Baden. Sät drei Tagen sind wir hier. Ich bin abermal« Krankenpflegerin, denn da« Kind meiner Mirjam ist stank, sehr stank. Die Aerzte zweifeln an seinem Auskommen. Rabbinowitsch und ich teilen uns in di« Pflege und Nachtwache. Wir beide sitzen an dem Krankenoettchea und beobachten den kleine« Patienten. Ost ruht unjer Auge voller Sorge auf dem geliebten Wesen, da« nach menschlichem Ermessen dem Tode verfallen ist. — Dieser Brief wurde nicht beendet und nicht abgeschickt. Da« Befinden de« kleinen Patstnlen wurde imrncr schlimmer» und al« Rabbinowitsch eine« Morgen« in da« Kranstnzimmrr trat, lag eine Leiche im Bettchen. Sein Schmerz war grenzenlos' Sittah versuchte chn zu trösten, aber «» gelang ihr nicht. Er schloß sich ein und mstd Tage lang die Menschen. Nur zum Gottesdienst kam er au« säur» Zim««^ die übrige Zeit verbrachte er schreibend und studierend hinter verschlösse,«» Thören.

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