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Jüdisches Familienblatt · 1892-01-01 · 5 (1892) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1892
Issue
5 (1892)
Date
1892-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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& z« |ntrt|«ltx«g ml -etetzrmß str lir isrielttische Fmttlie. ft Inhalt: Sittah. Roman au« der Zeit der letzten Maffmanöweisungen a« Rußland und Preußen. B»n tz. Berger. (Fonsetzung.) --- Orsini «nd ve»> oder: Religiöse Verfolgung. Drama ln vier Akte» von Heinrich Bett. (Fortsetzung-.) — Röthsel-Auf» gaben. - Röttzsel-jungen. (Unbefngter «»chdnuk tu» diese» «tmtr ist untersag). S i I.t a h. . Roman an« der Sri» der liizre» «ossenaUlm.isnngen ans Rotzlanv >n» Vrentzen. üö) von H. Verger. (For setzunz) Sittah kam ganz müde nach Hause. Die Begegnung mit dem Hausircr hatte trii'je Erinnerungen in ihr wachgerufen. Der Gedanke an ihie Eltern verlieb sie den ganzen . Bormittag nicht und zum eisten Mal dachte sie daran, ob sie nicht besser thäte, den Werbungen des Herrn Kbhler, die dieser heute wiadrr durch Esther Norden erneuert >>atte, Gehör zu geben. Die Liebe, ohne welche sie sich keine glückliche Ehe denken konnte, könnte vielleicht durch Hochachtung ersetzt werden und diese Hochachtung konnte sich mit der Zeit in Liebe verwandeln. Wie viele Bernunstheirathen werden doch heutzutage geschlossen! Und sind die Gatten weniger glücklich als bei Heirathen aus Neigung? Muß nicht gegenseitige Achtung die Basis sein, auf tvrlche di« Liebe sich gründet? Ist eine solche Liebe nicht eine sicherere Basis des Eheglücks als die Liebe der Leidenschaft? Und weiter: was wird ihr« Zukunft sein, wenn sie älter wird und nicht mehr der Reiz der Jugend und Schönheit sie umgiebt. Wäre eS nicht weise Fürsorge für daS Alter, wenn sie ihren Idealismus einschränken und das thun würde, was heute so viele thun? Das Versprechen, welches sie Mirjam gegeben, konnte diese doch nicht ernsthaft gemeint haben. Gott wird dieser jungen Mutter ihre Gesundheit »iedergeben; der Arzt gab >u die beste Hoffnung, waS soll daun aus ihr werden? — Diese und ähnliche Gedanken erfüllten Sittah ganz, so daß t«m Arzt, der bald bei ihr eintrat, der Ernst ausfiel, der aus ihrem Gesichte lag. »Ti, welch' ernste Kiene“, begann er, als er Platz genommen hatte, »solchen Ernst habe ich bei Ihnen noch nicht geseben. Frau Rabbinowitsch hat nach Ihnen verlangt und uh habe versprochen, daß Sie in einer halben Stunde bei ihr wären“. »So befiodet sie sich frrffer?“ »Gewiß, aber sie darsich nicht aufregen und nicht fpreihrn. Sie müssen allein die Unterhaltung führen; aber ktta ernstes Thema berühren". »Das wird schwer sein" »Ich befürchte «S, der» Ihre Stimmung scheint Sie auch nicht zu Scherz geneigt zu machen“. Ein trauriges Lächeln umspielte die Lippen Sittah'S. »Für mich hat das Leben keinen Scherz übrig", entgegnet« sie, „ti ist alles traariger Ernst". „€o lange mp« jung und gesund ist, hat man nicht Ursache, den Kops hängen zu lasten,,' versetzte der Arzt; „ein /ganze» Leben liegt vor Ihnen mit seinem stetigen Wechsel. Was un« traurig und nachtheilig erscheint, kann Gott zum Besten führen. Also fort mit der Trübsal und geblickt; Bor nichts hat da» SchiGtl - — ■ . solchen Respekt, wie vor einem fröhlichen Gesichte, und nur ' an die wagt eS sich, die mit trauriger Miene einherwandeln". „Ja, es giebt Menschen, dir unter Thränen lächeln und mit dem größten Kummer im Herzen fröhlich erscheinen. Zu diesen Schauspielern gehöre ich nicht". „Schauspieler nennen Sie jene Menschen? Helden möchte ich sie nennen“. „Auch zum Helden tauge ich nicht. Das Heldenthum ist eine eigene Sache. Zum Hcldenthum gehört Begeisterung, welche mir fehlt". , „Sie machen sich schlimmer als Sie sind. Lassen Sie sich von der Stimmung, in der Sie sich befinden, dadurch heilen, daß Sie mich begleiten. Ich fahre mit meiner Frau nach Frankfurt und lade Sie hiermit ein. uns Gesellschaft zu leisten." - „Ich danke Ihnen, mein Platz ist bei Frau Rabb-no« witsch und ich werde, sobald ich darf, mich zu ihr begeben.“ .Aber nicht mit dieser Stimmung und Miene." „lZcien Sic unbesorgt.' Lächelnd reichte sie dem Arzte die Hand zum Abschied und mich einer Viertelstunde trat sie in Mirjam» Zimmer, welche ihr vom Beite aus freudig die Hand entgegenstreckte. Sittah eilte herbei und setzte sich neben das Bett, indem sie zum Zeichen de» Schweigens den Finger auf den Mund legte „Gottlob", begann sie, „es geht besser; jetzt aber schön folgsim sein. Nicht gesprochen, schön ruhig gelegen, daß Du recht bald wieder aufstehen darfst. Die beste Medizin für Dich ist die frische Luft." Sittah erzählte von ihrem Spaziergang, daß sie eine» alten Bekannten getroffen, sie las a»S einem Buche, oaS auf dem Tische lag, etwas vor, bis Mirjain, die sich ermattet fühlte, eivschlief. Nun ging Sittah, nachdem sie die Wärterin herbeigerufen hatte, in daS Nebenzimmer, um nach dem Kinde zu sehen. Sie fand hier allein bester Ordnung, spielte «ine kurze Zeit mit dem Kleinen und befahl dann der Amme, das Kind anzuzirhen und sie vor dem Hause zum Spaziergang zu erwarten. Langsam ging die Zeit dahin. In dem Befinden MirjamS trat keine wesentliche Besserung ein und Sittah verbrachte Tage und Nächte an dem Krankenlager. Die Briefe, welche Mirjam aus New-Bork erhielt, brachten stets gute Nachrichten. In vierzehn Tagen dachte Rabbinowitsch sich nach Hamburg rinzuschlffen, um drei Monate in Deutschland bei seiner Frau z« verbringen. Während Mirjam die Zeit nicht erwarten konnte, ihren Mann bei sich zu sehen, zitterte Sittah vor dem Augenblick, da sie Rabdinowistch gegenübertreten sollte. Wie sollte sie sich ihm gegenüber benehmen? Wäre eS für ihr« eigene Ruhe sowie für die Ruhe der beiden Ehegatten nicht bester, wenn sie diese» Wiedersehen meide» und »och vrr der Ankunft Rabbinowitsch's abreisen würde? Wäre Mirjam'S Befinden nur bester, so daß nicht die kleinste Aufregung gefährlich werden könnte! Sie hcltte offen mit ihr gesprochen und zebetrn, sie ziehen zu laffcm. Uber die Lusvwung dxr Kranken war so groß^ daß mag sich in der

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